Apocalypse Now [] ist ein Antikriegsfilm des Regisseurs Francis Ford Coppola, der im Vietnamkrieg spielt. Er basiert lose auf Joseph Conrads Erzählung Herz der Finsternis sowie auf Michael Herrs Vietnamkriegs-Reportagen Dispatches (An die Hölle verraten).

Captain Benjamin Willard (Martin Sheen), Angehöriger einer amerikanischen Spezialeinheit, erhält den Auftrag, den abtrünnigen, angeblich wahnsinnig gewordenen Colonel Walter Kurtz (Marlon Brando) zu töten. Willards Flussreise mit einem Patrouillenboot zu Kurtz’ Dschungelversteck in Kambodscha, wo dieser wie ein König über eine Schar von Anhängern herrscht, zeigt die Widersprüche und den Wahnsinn des Kriegs auf.Michael Wood: Just one of those ends. In: London Review of Books. Vol. 23, N. 24, 13. Dezember 2001. Coppola sagte bei der Filmvorstellung in Cannes 1979: The movie is not about Vietnam. It is Vietnam. We were in the jungle. There were too many of us. We had access to too much money, too much equipment – and little by little, we went insane. (englisch).

Die Dreharbeiten im Dschungel der Philippinen und der Dominikanischen Republik waren von großen Schwierigkeiten begleitet, die den Film bereits im Vorfeld bekannt machten. Tropenstürme zerstörten mehrmals das Filmset und Sheen erlitt während des Drehs einen Herzinfarkt. Coppola, der bis zuletzt mit dem zugrundeliegenden dramaturgischen Aufbau des Films haderte, überzog das Budget und den Zeitplan derart massiv, dass in Hollywood bereits über ein Scheitern des Films gesprochen wurde.

Eine unfertige Fassung hatte schließlich im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes 1979 Premiere, wo sie die Goldene Palme gewann. Der Film erhielt später zwei Oscars, drei Golden Globe Awards sowie zahlreiche Nominierungen. Apocalypse Now gilt als ein Höhepunkt des „New Hollywood“ sowie eines der angesehensten Werke der Filmgeschichte. Es folgten verschiedene Wiederaufführungen in teilweise erheblich abweichenden Schnittfassungen.

Handlung Kurzzusammenfassung Im Jahr 1969, mitten im Vietnamkrieg, erhält Captain Benjamin L. Willard den Auftrag, den abtrünnigen Colonel Walter E. Kurtz zu liquidieren. Dieser hat sich von der amerikanischen Militärführung distanziert und befolgt keine Befehle mehr. Vielmehr hat er sich im Dschungel des im Vietnamkrieg neutralen Nachbarlandes Kambodscha ein eigenes „Reich“ aus desertierten US-Soldaten und Montagnards aufgebaut, über das er autoritär herrscht. Captain Willard macht sich in einem Patrouillenboot von Saigon aus auf den Weg durch den Dschungel. Die Reise der Männer entwickelt sich zu einem Höllentrip durch die Absurditäten eines sinnentleerten Kriegs und offenbart, analog zur Romanvorlage, die Abgründe der menschlichen Seele. Während der Reise mit dem Irrsinn und der Sinnlosigkeit des Kriegs konfrontiert, beginnt Willard zunehmend, an der Rechtfertigung seines Auftrags zu zweifeln. Als er Kurtz schließlich findet, ist er versucht, sich ihm anzuschließen, tötet den tief verzweifelten und am Krieg zerbrochenen Mann jedoch letztendlich auf dessen eigenes Verlangen.

Warten in Saigon Die Handlung des Films beginnt in Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt), der Hauptstadt des damaligen Südvietnams. United States Army Captain Willard ist Angehöriger der 173. US-Luftlandebrigade und gehört der Spezialeinheit für unkonventionelle Kriegsführung MACV-SOG an. Zu Beginn seiner zweiten Dienstzeit in Vietnam wartet er in einem Hotel auf einen neuen Auftrag. Geprägt von Alkohol, Langeweile und einem übergroßen Verlangen nach Rückkehr in den Dschungel, sagt er zu Beginn des Films aus dem Off: . Seine Wartezeit endet, als er von zwei GIs zu einem Stützpunkt des Nachrichtendienstes in Nha Trang eskortiert wird. Willard rechnet mit einer Anklage, erhält zu seiner Überraschung jedoch einen streng geheimen Auftrag: die Liquidierung des vermutlich verrückt gewordenen Colonels Walter E. Kurtz. Willard soll an Bord eines Patrouillenboots den (fiktiven) Nung River flussaufwärts bis hinter die Grenze zu Kambodscha fahren, dort Kurtz aufstöbern und töten.

Das Dossier Willard erhält von seinen Auftraggebern ein Dossier über Kurtz, dessen Inhalt der Zuschauer bruchstückhaft über den Film verteilt erfährt: Der militärische Musterschüler in Vorbereitung auf die höchsten Stabsposten absolvierte im für diese Ausbildung sehr fortgeschrittenen Alter auf mehrfachen eigenen Wunsch gegen Widerstände den Ausbildungskurs der Special Forces. In Vietnam wich er schon bald von den Richtlinien der Streitkräfte ab. Als er unautorisiert vier mutmaßliche Doppelagenten erschoss, ermittelte die Armeeführung gegen ihn wegen Mordes, obwohl sich schnell zeigte, dass seine Tat militärisch gesehen die richtige Entscheidung gewesen war. Daraufhin brach er mit seinen vorgesetzten Stellen ganz und operierte nur noch nach seinen eigenen Vorstellungen mit desertierten regulären sowie einheimischen Hilfstruppen. Es folgte aufgrund seines Ungehorsams und der fortgesetzten brutalen und unkontrollierbaren Kriegsführung der Beschluss zu seiner Liquidation.

Als bezeichnend für den gesamten Auftrag kann folgender Satz von Willard angesehen werden:

An Bord Willard soll auf dem Nung-Fluss stromaufwärts Richtung Kambodscha gelangen. Das ihn aufnehmende Patrouillenboot vom Typ Patrol Boat River namens Erebus mit dem Funk-Rufzeichen Street Gang ist quasi ein Spiegelbild der in Vietnam operierenden, damals noch aus vielen Wehrpflichtigen bestehenden US-Streitkräfte. Boot und Besatzung gehören nicht der US-Army an, sondern der US-Navy. An Bord befinden sich:

der Bootskommandant, Chief Petty Officer Phillips mit drei Wehrpflichtigen: Bootsmaschinist Jay Hicks, genannt „Chef“, kriegsunwilliger Schnurrbartträger aus New Orleans. Im Zivilleben war er Koch, den der Einberufungsbefehl aus der Fortbildung zum (Küchen-)Chef und Saucier riss; Lance B. Johnson, Neuling und bekannter Profi-Surfer, der sich lieber bräunt und Drogen konsumiert, als zu kämpfen; Tyrone Miller, genannt „Clean“, ein hitzköpfiger 17-jähriger Jugendlicher aus der Bronx.

Willard lässt die Crew zunächst über das Ziel der Fahrt und seinen Auftrag im Unklaren, da beides geheim ist. Erst später, als die Männer zunehmend frustriert werden ob der vermeintlichen Sinnlosigkeit des Unternehmens, setzt er sie darüber in Kenntnis. Im Mikrokosmos des Bootes, dessen Flussfahrt den roten Faden des Films bildet, ist Willard wegen seines separaten und geheimen Auftrags und seiner Verschwiegenheit Außenseiter, wird jedoch respektiert. Während die Crew an Bord ihrem „Alltag“ nachgeht (Drogenkonsum, Langeweile, Wache schieben), erfährt der Zuschauer durch Willards Stimme aus dem Off dessen Gedankengänge.

Beachboys Die 1. US-Luftkavallerie, die Willards Boot den Fluss aufwärts eskortieren sollte, nähert sich unter leichter Gegenwehr einem kleinen vom Vietcong beherrschten Dorf. Hier trifft Willard den Bataillons-Kommandeur der luftmobilen Einheit, Lieutenant Colonel Bill Kilgore. Regisseur Coppola spielt hier in einem Cameo-Auftritt einen Anweiser für ein Team Kriegsberichterstatter. Schließlich stellt sich heraus, dass der Kommandeur gar nichts von dem Eskortbefehl weiß.

Nach dem Angriff auf das Dorf verteilt Kilgore noch Spielkarten mit dem Divisionsabzeichen auf tote Vietcong.

Der selbstherrliche und surfbegeisterte Kilgore entdeckt unter der Bootscrew Lance B. Johnson, den Profisurfer. Am Abend gibt es Lagerfeuer mit eingeflogenem Bier und Steaks. Kilgore klimpert auf einer Gitarre, doch glaubt Willard: .

Als Kilgore hört, dass bei dem Dorfstrand, an dem das Boot abgesetzt werden soll, brauchbare Wellen zum Wellenreiten (Surfen) sind, plant er einen Überfall, den er zu einem Surfausflug nutzen will. Über außen an den Kampfhubschraubern befestigte Lautsprecher wird – laut Kilgore als Mittel der psychologischen Kriegsführung – während des Angriffs auf das Dorf Wagners Walkürenritt gespielt. Unmittelbar nach der Eroberung des Dorfes soll Lance den Unterschied zwischen dem Feind und den US-Streitkräften zeigen: .

Dieser Filmabschnitt ist eine der ersten Begegnungen mit dem Irrealismus und dem Wahnsinn der Beteiligten des Krieges. So befiehlt Kilgore das Surfen, obwohl am Strand noch feindliche Granaten einschlagen. Da die Soldaten unter ständigem Mörserbeschuss schlechte Ergebnisse beim Surfen erzielen, fordert Kilgore schließlich einen schweren Luftschlag mittels Napalm auf eine Baumreihe an, wo er die feindliche Mörserstellung vermutet. Der Angriff schlägt jedoch fehl; es schlagen weiter Granaten am Strand ein. Kilgore: . Durch den Napalm-Brand werden allerdings die Windverhältnisse so verändert, dass die Wellen zum Surfen zu flach werden. Willard und seine Begleiter fliehen schließlich auf das Boot. Willard nimmt dabei Kilgores Lieblingssurfboard mit (nur in der Redux-Version und dem Final-Cut enthalten).

Willards gedankliches Resümee, zurück auf dem Boot: .

Playboy Bunnies An der Station zu Hau Phat trifft die Crew am richtigen Tag ein: Eine frisch eingeflogene USO-Show steht auf dem Veranstaltungskalender. Miss August, Miss May und das Playmate of the Year erscheinen in Cowboy- und Indianerkostümen auf der Bühne. Während der Vorstellung fordert das Publikum das Entkleiden der Frauen, Soldaten stürmen die Bühne. Die Veranstaltung wird abgebrochen, die Playmates aus dem Tumult mit dem Hubschrauber ausgeflogen.

In der Redux-Version erscheinen zwei der drei Frauen in einem desolaten Notlager wieder, nachdem ihr Hubschrauber wegen Treibstoffmangels notlanden musste. Die Schiffsbesatzung tauscht hier einen Teil ihres Treibstoffs gegen sexuelle Handlungen. Die Frauen scheinen traumatisiert.

Sampan-Zwischenfall Auf Phillips’ Weisung hin, gegen Willards Protest, kontrolliert die Crew der Street Gang einen entgegenkommenden Sampan, in dem Phillips eine Nachschublieferung an Vietcong-Stellungen vermutet. An Bord befinden sich einige Vietnamesen, Lebensmittel und Tiere. Obwohl die Einheimischen keinen Widerstand leisten und ihre Papiere in Ordnung sind, bleibt die Stimmung auf Seiten der Amerikaner angespannt. Als Chef widerwillig die Ladung überprüft, möchte er eine Kiste öffnen, von der er zuvor eine junge Frau vertrieben hat. Als sie wieder in seine Richtung eilt, verliert Clean die Nerven und mäht mit dem schweren Bord-Maschinengewehr alle Vietnamesen auf dem Boot nieder, Lance schließt sich ihm an. Danach findet Chef in der Kiste einen Hundewelpen, um den sofort ein Streit entbrennt. Da die schwer verletzte Frau noch lebt, möchte Phillips sie in ein Lazarett bringen. Willard will jedoch keine weitere Zeit verlieren, erschießt sie mit seiner Pistole und sagt der fassungslosen Besatzung lakonisch: . Mit dieser Szene wollte Coppola im Vietnamkrieg tatsächlich begangene Kriegsverbrechen wie das Massaker von My Lai thematisieren.Aussage von „Lance“, Sam Bottoms, in einem der Interviews in dem Making-of Hearts of Darkness.

Nach diesem Zwischenfall drückt Willard als Erzähler seine zunehmenden Zweifel am Sinn des Krieges aus: .

Do-Lung-Brücke Der letzte Stopp vor dem Gebiet, in dem es keine US-Armee mehr gibt, sondern nur noch Kurtz, ist ein nächtlicher Halt des Bootes an der umkämpften Do-Lung-Brücke. Dort herrscht totales Chaos, Verzweiflung und Grabenkämpfe. Im Hintergrund hört man über Lautsprecher Schreie, psychedelische Geräusche und undefinierbare Klänge. Drogen, Desorganisation, Angst, Panik, Tod, Leiden und kopflose Militäraktionen bestimmen den Ort, Deserteure versuchen, schwimmend wegzukommen. Willard trifft im Chaos seinen Kontaktmann, Lieutenant Carlson, der ihm aktuelle Instruktionen zu seinem Auftrag überreicht und sich mit den Worten daran macht, zu verschwinden. Als Willard nachfragt, erwidert Carlson: .