mini|„Continental Standard“, Baujahr 1938 mini|Handbetriebene Schreibmaschine „Lettera 22“ der Marke Olivetti, mit englischer Tastatur, Farbband­umschaltung (schwarz und rot) mini|Silver Reed SR 200 mit deutscher Tastaturbelegung Eine Schreibmaschine ist ein von Hand oder elektromechanisch angetriebenes Gerät, das dazu dient, Text allgemein mit Drucktypen zu schreiben und hauptsächlich auf Papier darzustellen. Zur Auswahl und zum Abdruck beziehungsweise zur Wiedergabe der Zeichen wird vorrangig eine Tastatur benutzt. Manche frühen Modelle hatten jedoch nicht das übliche Tastenfeld, sondern einen Zeiger, mit dem das Zeichen vor dem Anschlag nur einer Taste auf einer Skala ausgewählt wurde.

In ihrer Spätform als „Schreibautomat“ ist die Schreibmaschine ein Vorläufer des Computers, dessen Tastaturbelegung weitgehend der der Schreibmaschine entspricht und in dem viele vom Maschinenschreiben bekannte Funktionen für die moderne Textverarbeitung übernommen sind.

Aufbau und Funktionen mini|hochkant=1.2|Typenhebelschreibmaschine, schematisch.Typenhebelgetriebe (z. B. das Wagnergetriebe)in grün: Gestell (Drehgelenke der Hebel und der Schreibwalze)

mini|hochkant=1.2|Animierte Darstellung des Typenhebel-Mechanismus (Wagnergetriebe). Die Animation zeigt den Bewegungsablauf beim Anschlag einer Taste.

Die wesentlichen Teile einer alten handbetriebenen Typenhebelschreibmaschine sind (siehe auch nebenstehende Abbildung) das Typenhebelgetriebe, z. B. das Wagnergetriebe: die Tastenhebel A, die Zwischenhebel B (bei neueren Typenhebelschreibmaschinen sind die Doppelgelenke zum und vom Zwischenhebel durch zwei Zugdrähte mit je zwei einfachen Drehgelenken ersetzt: Zugdrahtgetriebe), die Typenträger bzw. die Typenhebel C, das Farbband D, die drehbare und quer bewegliche Schreibwalze E.

Die Typen C schlagen auf das Farbband D und das auf der Schreibwalze E gehaltene Papier F. Mehrere Exemplare eines Schriftstücks (Durchschläge) werden mithilfe von Kohlepapier zwischen mehreren eingelegten Papierbögen erstellt. Nach jedem Tastenanschlag (einschließlich dem der Leertaste, nicht jedoch der Akzenttaste ganz rechts oben) wird die Bewegung des Papierträgerwagens mit der Walze um einen Schreibschritt nach links ausgelöst. Der Wagen wird von einer Feder gezogen, die der Bediener mit der Rückführung des Wagens an den Zeilenanfang jeweils wieder spannt. Gleichzeitig wird die Walze mit dem Zeilenschalter (Hebel links am Wagen) um einen Zeilenschritt weitergedreht. Zu diesen Bewegungen, die von Hand ausgeführt werden, gehört noch das Umschalten von Klein- zu Großbuchstaben, wobei entweder die Wagenführung samt dem Wagen oder aber der Typenhebelkorb um etwa 8 mm angehoben wird, um die Schreibstelle vor die entsprechende Type zu bringen.

Bei elektromechanischen Schreibmaschinen wird die Bewegung der Tastenhebel durch einen Elektromotor unterstützt; bei elektronisch gesteuerten Schreibmaschinen dienen Tasten anstelle von Tastenhebeln nur noch als Auslöser (Schalter). Die Auswahl der Drucktype und der Anschlag werden von Elektromotoren bewirkt.

Die Elektrifizierung der Schreibmaschine förderte die Anwendung neuer Typenträger als Varianten zum Typenhebel.

Den Typenzylinder gab es schon in handbetriebenen Schreibmaschinen (1893, vom Hersteller Blickensderfer Typenrad genannt). Er wurde zum Vorläufer des Kugelkopfs. Letzte Variante der alle Drucktypen auf einem Körper vereinigenden Träger ist das besonders leichte Typenrad. Seine Anwendung führte dazu, dass die bei einigen Kugelkopfschreibmaschinen schon weggelassene Querbewegung der Walze (von rechts nach links) bei den elektromechanischen Schreibmaschinen zum Standard wurde. Quer (von links nach rechts) bewegt sich das entsprechende Schreibwerk mit dem Typenträger.

Geschichte der Schreibmaschine

mini|Entwicklung der Schreib­maschine, eine Schautafel der Olympia Büromaschinenwerke AG Erfurt mit historischen Maschinen

18. Jahrhundert: ein erstes Patent Die erste bekannte Beschreibung einer Schreibmaschine findet sich in einem Henry Mill 1714 erteilten Patent. Die Patentschrift(Abgerufen am 21. Feb. 2013). handelt von einer Maschine oder künstlichen Methode, „Buchstaben fortschreitend einen nach dem anderen wie beim Schreiben zu drucken, und zwar so klar und genau, dass man sie vom Buchstabendruck nicht unterscheiden kann.“Werner von Eye: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens, Apitz, Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1941, S. 7. Zudem sei das Geschriebene tiefer und beständiger als jede andere Schrift. Es könne nicht ohne erkennbare Spuren zu hinterlassen gelöscht oder gefälscht werden. Technische Details werden nicht erwähnt; ob die Maschine gebaut wurde, ist ungewiss.

19. Jahrhundert: erste funktionierende Geräte Mehrere bekannt gewordene Versuche zeigen, dass die Zeit für die Erfindung der Schreibmaschine reif geworden war. Zum Erfindermut trug auch das Bestreben bei, „den Blinden neben dem Lesen auch das Schreiben zu ermöglichen“. Ein vom englischen Ingenieur Jenkins stammender Vorläufer einer solchen Blindenmaschine ist erhalten.Werner von Eye: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens, Apitz, Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1941, S. 8.

Die erste funktionierende Schreibmaschine war wahrscheinlich das Gerät, das der Italiener Pellegrino Turri 1808 für die erblindete Gräfin Carolina Fantoni da Fivizzano herstellte. Ein mit dieser Maschine geschriebener Brief vom 8. Oktober 1808 ist erhalten und lässt erkennen, dass mit Farbpapier und Typendruck geschrieben wurde.

1821 baute Karl Drais für seinen erblindenden Vater eine Schreibclavier genannte Maschine, die vermutlich Buchstaben in einen Papierstreifen prägte und bereits eine Tastatur hatte. Er wählte für jeden von 25 Buchstaben einen eigenen Taster, die er im Quadrat von fünf mal fünf anordnete. Das Papier wurde auf einer Walze mit Uhrwerk aufgespult und so durch die Schreibmaschine (übrigens seine Wortschöpfung) gezogen. Schreibproben sind nicht erhalten.Hans-Erhard Lessing: Karl Drais – zwei Räder statt vier Hufe. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010, ISBN 978-3-7650-8569-7, S. 87/88 Später, als sein Vater wieder halbwegs sehen konnte, konstruierte Drais eine sogenannte Schnellschreibmaschine, die als umschaltbare Schreib-/Stenomaschine gedacht war und in Stachelschrift einen Lochstreifen stanzte. Sie hatte 16, teilweise doppelt besetzte Taster in 4×4-Anordnung.Hans-Erhard Lessing: Karl Drais – zwei Räder statt vier Hufe. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010, ISBN 978-3-7650-8569-7, S. 94–97.

Typenhebel sind erstmals aus einer Schreibmaschine des Franzosen Xavier Progin von 1832 bekannt. Sie waren gemeinsam in einem sogenannten Hebelkorb angebracht und druckten wie Stempel auf das flach liegende Papier.

Bis zur 40 Jahre späteren Remington-Schreibmaschine wurden aber vorwiegend Typenstäbe verwandt, so bei Charles Thurber und dem blinden Pierre Foucauld, beide 1843.Werner von Eye: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens. Apitz-Verlagsbuchhandlung, Berlin 1941, S. 9.

Der durch seinen Pendelversuch bekannte Léon Foucault baute 1855 eine Schreibmaschine.Albert Neuburger: Erfinder und Erfindungen. 1921

Von 1864 an baute der Tiroler Peter Mitterhofer verschiedene Schreibmaschinenmodelle aus Holz.

Die letzten der 1838 bis 1884 vom Italiener Giuseppe Ravizza gebauten Schreibmaschinen hatten schon viele Eigenschaften der späteren lange Zeit dominierenden Typenhebelschreibmaschine: kreisförmiger Typenhebelkorb, Papierzylinder mit teilweise beim Schreiben sichtbarer Schrift, Typenführung, Wagenrückzug, Einfärbung der Typen durch ein zwischen zwei Spulen laufendes Farbband, Umschalter zwischen Klein- und Großbuchstaben und Tastenanordnung nach Häufigkeit der Verwendung.

Die erste in größeren Stückzahlen gefertigte Schreibmaschine, die Skrivekugle oder Schreibkugel, baute Pastor Rasmus Malling-Hansen – der Direktor eines dänischen Taubstummeninstitutes – im Jahr 1865. Die in einer Kugelkalotte geführten etwa 50 Typenstäbe wurden einzeln gegen Federkraft nach unten zum gemeinsamen Druckpunkt in Kugelmitte gedrückt (ähnlich wie früher bei Pierre Foucauld). Die ersten Modelle waren teilelektrifiziert (Wagenbewegung).Werner von Eye: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens. Apitz-Verlagsbuchhandlung, Berlin 1941, S. 10. Der berühmteste Kunde von Malling-Hansen war der Philosoph Friedrich Nietzsche. Insgesamt sollen etwa 300 dieser Maschinen verkauft worden sein.

Eine von Carlos Glidden und Christopher Latham Sholes konstruierte Schreibmaschine erwies sich als die bis dahin am besten brauchbare. Am 23. Juni 1868 wurde sie patentiert (US-Patent 79265).Stephen van Dulken: Inventing the 19th century. 100 inventions that shaped the Victorian Age. From aspirin to the Zeppelin. New York University Press, New York 2001, ISBN 0-8147-8810-6, S. 201. Sie wurde von 1870 bis 1873 unter den Namen Sholes-Glidden und Milwaukee verkauft und ab 1876 von der US-amerikanischen Gewehrfabrik Remington & Sons (später Remington Rand) industriell in Serie hergestellt. 1878 erschien die Remington Nr. 2 mit Umschaltung zwischen Groß- und Kleinbuchstaben und automatisch transportiertem Farbband. Sie hatte wie schon das Vorgängermodell eine QWERTY-Tastaturbelegung. Nach Beseitigung anfänglicher Störanfälligkeiten und mehreren konstruktiven Verbesserungen und Erweiterungen (Tabulator, auswechselbarer Wagen u. a.) wurden die Remington-Schreibmaschinen ab etwa 1885 in Nordamerika zum selbstverständlichen Hilfsmittel in allen Schreibstuben.Werner von Eye: Kurz gefaßte Geschichte der Schreibmaschine und des Maschinenschreibens. Apitz-Verlagsbuchhandlung, Berlin 1941, S. 11–14.

Ab 1893 – Das Wagnergetriebe

1893 ließ der in die USA ausgewanderte deutsche Konstrukteur Franz Xaver Wagner eine Typenhebelschreibmaschine mit sofort sichtbarer Schrift patentieren. Wagner erfand dazu gemeinsam mit seinem Sohn Hermann unter anderem das Segment (Typenhebelaufhängung) und den Zwischenhebel. Zusammen mit Tasten- und Typenhebel bilden diese Bauteile das sogenannte Wagnergetriebe, das die prinzipielle Funktionsweise einer Typenhebelschreibmaschine bis heute definiert. Das Patent für diese neue Maschine wurde am 7. Juli 1897 von Hermann und Franz Xaver Wagner eingereicht und 1899 unter der Nummer 633672 für den Unternehmer John T. Underwood patentiert.

Underwood war zu dieser Zeit Produzent von Tinten und Farbbändern. Als er bei Remington seine Produkte vorstellen wollte, teilte man ihm lapidar mit, dass Remington Farbbänder selbst herstelle. Underwood entgegnete daraufhin, dass er dann künftig Schreibmaschinen selbst herstellen werde. Die Maschine wurde nach den Patenten der Wagners entwickelt und von der „Wagner Typewriter Company“, die von Underwood übernommen wurde, hergestellt und verkauft. Nur kurze Zeit später benannte Underwood die Firma in „Underwood Typewriter Company“ um. Insbesondere mit dem Modell No. 5 aus dem Jahr 1900 hatte Underwood großen Erfolg in den USA. Die Maschine setzte durch ihre Konstruktion den Maßstab für alle nachfolgenden Maschinen anderer Hersteller weltweit. 1920 waren über 50 % aller in den USA verkauften Schreibmaschinen von Underwood.

Der andere große Schreibmaschinenhersteller „Smith Premier“ war von 1889 bis 1908 mit dem Typ 10 sehr erfolgreich. Diese Schreibmaschinen zeichneten sich dadurch aus, dass sie keine Umschalttaste, sondern ein „Full Keyboard“, eine sogenannte „Volltastatur“ (doppeltes Tastenfeld), hatten. Die großen Buchstaben waren dabei über den kleinen angeordnet. In Deutschland war der Typ 10 erfolgreich. Ein großer Vorteil war der geringe erforderliche Tastendruck, um die recht leichten Hebel in Bewegung zu setzen. Das aufkommende Tastschreiben (Zehnfingersystem) beendete jedoch den Erfolg der Volltastatur, die auch der deutsche Hersteller Frister & Roßmann bis 1904 einsetzte.