Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (Abkürzung DISS) ist eine private interdisziplinäre Forschungseinrichtung. Das Institut erstellt Analysen zur gesellschaftlichen Entwicklung für eine politische, pädagogische und journalistische Praxis. Es wurde 1987 von Siegfried Jäger gegründet. Geforscht wird nach eigenen Angaben insbesondere nach den Ursachen von Rechtsextremismus, Rassismus, völkisch-nationalen Tendenzen, Antisemitismus und sozialer Ausgrenzung.

Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung versteht sich als „zwar tendenziell linkes, aber parteipolitisch und organisationspolitisch unabhängiges Institut“.Siegfried Jäger in einer Rede zum 10-jährigen Jubiläum: ; in: DISS-Journal 1/98

Das Institut Entstehung und Geschichte Das DISS wurde im Sommer 1987 als ein Zusammenschluss bereits existierender Arbeitskreise gegründet, um die Arbeits- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Publikationsmöglichkeiten verbessern zu können.Siegfried Jäger: Faschismus, Rechtsextremismus, Sprache. Eine kommentierte Bibliographie; Duisburg 19902, S. 76

Finanzierung Das Institut finanziert sich über einen Förderkreis, Drittmittel sowie Mitgliedsbeiträge und SpendenJens Zimmermann: Projektbericht: Gegen den Strich: Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS); in: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research. Nr. 8(2), 2007. und ist Mitglied im Wissenschaftsforum Ruhr.

Satzungsziele Durchführung wissenschaftlicher und kultureller Veranstaltungen und Forschungsvorhaben zu Problemen des öffentlichen Sprachgebrauchs (in Medien, Politik und Kultur) Sprachberatung Jugend- und Erwachsenenbildung Erarbeitung und Veröffentlichung von Forschungsmaterialien und Unterrichtswerkenhttps://www.diss-duisburg.de/satzung/

Struktur Vorstand und Wissenschaftlicher Beirat zum Vorstand des Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung gehören:https://www.diss-duisburg.de/vorstand/ Margarete Jäger, seit 2011 Leiterin des DISS und Vorstandsvorsitzende Benno Nothardt (Stellvertreter der Vorsitzenden) Helmut Kellershohn (Stellvertreter der Vorsitzenden und Schriftführer) Jobst Paul (Stellvertreter der Vorsitzenden und Kassenwart)

Der Vorstand wird unterstützt durch einen Beirat und einen wissenschaftlichen Beirat.https://www.diss-duisburg.de/wissenschaftlicher-beirat

Publikationsorgane Anfang der 1990er wurden einzelne Broschüren des DISS vom GNN-Verlag veröffentlicht.So u. a. Siegfried und Margret Jäger: Die Demokratiemaschine ächzt und kracht. Zu den Ursachen des Rechtsextremismus in der BRD; DISS-Texte 12; und Franz Januschek: Rechtspopulismus und NS-Anspielungen am Beispiel des österreichischen Politikers Jörg Haider; DISS-Texte 15; siehe auch das Impressum dieser Texte. Bis 2003 veröffentlichte das DISS Monographien und DISS-Texte im Selbstverlag. Seit 2004 erscheinen Bücher in der Edition DISS beim Unrast Verlag. Einzelne Schriften, an denen das DISS beteiligt war bzw. die vom DISS erstellt wurden, wurden auch von anderen Verlagen wie dem Dietz Verlag in Bonn, dem Bund-Verlag in Köln, dem Lit-Verlag in Münster und dem VS Verlag für Sozialwissenschaften veröffentlicht.

Neben der Analyse des rechtsextremen Gedankenguts werden auch Präventivkonzepte und Argumentationsweisen als Grundlage für die Entwicklung von Gegenstrategien in Jugendbildungsarbeit und Politik ausgearbeitet und für politisch aktive Gruppen als Handreichungen zur Verfügung gestellt, um gegen das Einsickern rechtsextremer Ideologeme in die Mitte der Gesellschaft anzugehen.

Die Institutszeitung DISS-Journal erscheint zweimal im Jahr. Außerdem werden weitere Aufsätze und vergriffene Buchtitel in einer Internetbibliothek veröffentlicht.https://www.diss-duisburg.de/online-bibliothek/

Auf dem Weblog DISSkursiv werden aktuelle Informationen zur Arbeit des DISS, Artikel, Meinungsbeiträge, Rezensionen, Kurzinfos, Glossen und Satiren von Mitarbeitern und von externen Autoren veröffentlicht.

Kooperierende und unterstützende Institutionen (Auswahl) American Jewish Committee (AJC), Berlin; Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Berlin; Anti-Rassismus Informations-Centrum, (ARIC) NRW; CoRe NRW; Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS); Euregio Rhein-Waal; Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus und Neonazismus (FORENA) der Hochschule Düsseldorf; Friedrich-Ebert-Stiftung; Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS); Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg; Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA NRW); Institut für Türkeistudien und Integrationsforschung (IfTI); Essen; Landeszentrale für politische Bildung NRW; Ludwig-Steinheim-Institut, Duisburg; Open Society Foundation; Otto-Brenner-Stiftung; RAG-Stiftung, Essen; Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP), Duisburg; Rosa Luxemburg-Stiftung (RLS) NRW und Berlin; Rothschild Bank, Frankfurt; RWE Essen; Sparkasse Duisburg; Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, Essen; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA), Duisburg; Verein für internationalen und interkulturellen Austausch (VIA), Essen; Syntopia, Duisburg; Zentralrat der Juden in Deutschland.

Forschung Methode Das Institut forscht mittels der „Kritischen Diskursanalyse“ (KDA), die als ein Konzept qualitativer Sozialforschung verstanden wird und insbesondere durch die Schriften von Michel Foucault und Jürgen Link inspiriert ist. Diskurse werden als gesellschaftliche Redeweisen gefasst, die institutionalisiert sind, d. h. gewissen Regeln unterliegen und Machtwirkungen entfalten, weil sie das Handeln von Menschen bestimmen. Diskurse werden auch als „Fluss von Wissen durch Zeit und Raum“ verstanden. Diskursanalysen geht es um eine Antwort auf die Frage, was zu einem bestimmten Zeitpunkt von wem wie sagbar ist bzw. war. Das wiederum bedeutet, dass immer auch die Frage danach mitspielt, was nicht sagbar ist bzw. war. Diskursanalysen erfassen das Feld des Sagbaren. Indem sie auch die Grenzen des Sagbaren in den Blick nehmen, erfassen sie auch die Machtwirkungen von Diskursen. Es wird davon ausgegangen, dass die von Diskursen ausgehenden Machteffekte Einfluss auf die Konstitution der in der Gesellschaft lebenden Subjekte haben. Diskursanalysen sollen dazu beitragen, undemokratischen Entwicklungen in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Arbeitskreise des DISS AK Rechts Seit der Gründung des DISS existiert der Arbeitskreis Rechts. Er sieht seine Aufgabe darin, politische Entwicklungen auf dem Feld rechter Ideologie und rechter Bewegungen langfristig zu beobachten und zu analysieren und die Ergebnisse seiner Analysen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.Gegründet wurde der Arbeitskreis Rechts als Antifaschistischer Arbeitskreis Duisburg, später dann umbenannt. Noch vor der Gründung des DISS veröffentlichte der Arbeitskreis 1987 mit „Auf der Flucht. Asyl – Ein Lehrstück über Rassismus in der Bundesrepublik“ eine eigene Broschüre, die dann vom DISS vertrieben wurde.

Diskurswerkstatt Seit 1992 existiert die Diskurswerkstatt. Sie widmet sich der Rezeption der Arbeiten Michel Foucaults sowie weiterer theoretischer und methodischer diskurstheoretischer Konzepte.https://diss-duisburg.de/institut/diskurswerkstatt/

Weitere Schwerpunkte des DISS spiegeln sich in den Arbeitskreisen Judentum/Antisemitismus, Migration, Gesellschaftstheorie, Antiziganismus und Geschlechterpolitiken.https://diss-duisburg.de/arbeitskreise-des-diss/

Kolloquien und Workshops DISS-Colloquium Einmal jährlich findet eine themenspezifische Fachtagung des Instituts statt, auf der Wissenschaftler, Journalisten, Vertreter der Zivilgesellschaft sowie Personen der interessierten Öffentlichkeit miteinander diskutieren. Diese Colloquien wurden und werden von der VVN/BdA, von der FES-Stiftung, der Frankenwarte Würzburg sowie der RLS Berlin und NRW unterstützt.https://diss-duisburg.de/jahreskolloquien/ Die Beiträge und Ergebnisse werden in der Edition DISS veröffentlicht. Workshops zur KDA Circa viermal im Jahr finden im DISS Workshops zur Einführung in die Kritische Diskursanalyse statt. An zwei Tagen kommen Wissenschaftler und Studierende nach Duisburg, um sich mit der Methode der KDA vertraut zu machen.

DISS-Archiv Mit dem Ziel, eine kritische Auseinandersetzung mit der Ideologie und der Praxis der extremen Rechten zu fördern, unterhält das Institut ein „umfangreiches Archiv, das vor allem Primär- und Sekundärquellen zur extremen Rechten enthält“.DISS Archiv Vom „Umfang und Inhalt“ gilt das DISS-Archiv als „eines der größten innerhalb Deutschlands“. „Es umfasst inzwischen den Zeitraum von den 1960er Jahren bis heute“. Besonders frühe Dokumente der Sammlung wurden „durch eine umfangreiche Schenkung des Frankfurter Instituts für Sozialforschung ergänzt“.

Forschungsprojekte Einwanderung im deutschen Alltagsdiskurs Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung führt seit den 1990er-Jahren zu dem Thema des rassistischen und antisemitischen Alltagsdiskurses fortlaufende Erhebungen vor allem in Form von Tiefeninterviews durch. Das Material wird diskursanalytisch ausgewertet. Mit der Studie BrandSätze wurde bereits 1992 eine erste Studie veröffentlicht. Interviewt wurden deutsche Bürger in westlichen Großstädten. Das zentrale „Ergebnis dieser Studie ist, dass alle interviewten Menschen mehr oder minder stark in den rassistischen Diskurs verstrickt sind.“Studie BrandSätze

Eine Studie, deren Ergebnisse 2007 vorgestellt werden sollten, beschäftigte sich mit den rassistischen und antisemitischen Effekten medialer Debatten wie die um das Holocaust-Mahnmal, um die Entschädigung der Zwangsarbeiter und die Affäre um den Politiker Möllemann, die Debatten zum 11. September 2001 sowie zur Zweiten Intifada in Israel und Palästina.DISS: Einwanderung im deutschen Alltagsdiskurs – eine diskursanalytische Untersuchung

Ethnisierung von Sexismus im Alltagsdiskurs der Einwanderung (1994–1995) In diesem Forschungsprojekt untersuchte Margaret Jäger auf der Grundlage von Tiefeninterviews mit Menschen deutscher und christlicher Herkunft das Phänomen der Ethnisierung von Sexismus, wie es sich in der Auffassung zeigt, „dass türkische oder moslemische Männer besonders sexistisch seien, dass sie Frauen in besonderer Weise unterdrückten“. Berücksichtigt wird hierbei die besondere Wirkung durch die Verschränkung der Diskurse um Einwanderung und um Sexismus. Die Ergebnisse der Studie wurden 1996 von Margret Jäger in dem Buch Fatale Effekte. Die Kritik am Patriarchat im Einwanderungsdiskurs veröffentlicht.Margret Jäger: Fatale Effekte. Die Kritik am Patriarchat im Einwanderungsdiskurs. Duisburg 1996.

Rechtsextreme Verhaltensmuster (1994–1996) Dieses vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW geförderte Forschungsprojekt analysierte das „politische[n] Verhalten von rechtsextremen Mandatsträgern innerhalb und außerhalb der Parlamente und dem weiteren Auftreten rechtsextremer Ideologeme in der Gesellschaft insgesamt“ mit dem Ziel, „Grundlage Handlungsempfehlungen für Jugendarbeit und Politik“ zu entwickeln.DISS: Rechtsextreme Verhaltensmuster Die Ergebnisse der zwei Teilstudien wurden 1997 von Christoph Butterwegge u.  a. in dem Band Rechtsextremisten in Parlamenten. Forschung – Fallstudien – GegenstrategieChristoph Butterwegge u.  a.: Rechtsextremisten in Parlamenten. Forschung – Fallstudien – Gegenstrategie. Opladen 1997. und 1998 von Siegfried Jäger u.  a. in Der Spuk ist nicht vorbei. Völkisch-nationalistische Ideologeme im öffentlichen Diskurs der Gegenwart publiziert.Siegfried Jäger u.  a.: Der Spuk ist nicht vorbei. Völkisch-nationalistische Ideologeme im öffentlichen Diskurs der Gegenwart. Duisburg 1998.

Biomacht und Medien (1997)