Schrozberg ist eine Stadt im Landkreis Schwäbisch Hall im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Der Stadtteil Riedbach ist von allen deutschen Städten und Gemeinden am weitesten von einer Küste entfernt.Town Village Furthest From The Coast. landgeist.com, abgerufen am 24. September 2021.
Geographie Schrozberg liegt auf der Hohenloher Ebene am Oberlauf des Vorbachs und ist die nördlichste Gemeinde im Landkreis Schwäbisch Hall.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt im Westen an Mulfingen im Hohenlohekreis, im Norden an die Städte Niederstetten und Creglingen im Main-Tauber-Kreis, im Osten an die bayerische Stadt Rothenburg ob der Tauber im Landkreis Ansbach und im Süden an Blaufelden.
Stadtgliederung Die Stadt Schrozberg besteht aus sieben ehemals selbstständigen Gemeinden, heute Stadtteilen, und umfasst neben der Kernstadt Schrozberg 53 Dörfer, Weiler, Höfe und Einzelhäuser. Darüber hinaus gibt es im Gemeindegebiet von Schrozberg einige Wüstungen, das heißt heute nicht mehr bestehende Siedlungen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 524–532
Die Stadtteile und ihre Siedlungen:
Bartenstein rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert die ehemalige Residenzstadt Bartenstein mit Schloss der Weiler Klopfhof das Gehöft Wengertshof die Wüstung Maisenwinkel
Ettenhausen rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert das Dorf Ettenhausen, die Weiler Ganertshausen, Hirschbronn, Mäusberg und Wittmersklingen die Wohnplätze Mittelmühle und Walkersmühle die Wüstung Höfleinswiesen
Leuzendorf rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert das Dorf Leuzendorf die Weiler Bossendorf, Funkstatt, Gemmhagen, Hechelein, Kleinbärenweiler, Spindelbach, Standorf, Windisch-Bockenfeld und Wolfskreut
Riedbach rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert das Dorf Riedbach die Weiler Eichholz, Eichswiesen, Gütbach, Heuchlingen, Hornungshof und Reichertswiesen die Wohnplätze Fallhaus und Zollhaus die Wüstungen Burg Altbartenstein, Burg Eichholz, Leopoldsweiler und Speckhartshof
Schmalfelden rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert das Dorf Schmalfelden die Weiler Großbärenweiler, Lindlein und Speckheim die Wüstungen Deutenhofen, Flinshof, Konnenweiler, Ringertsweiler und Ruthmannsrot
Schrozberg rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert die Kernstadt Schrozberg die Weiler Kälberbach, Könbronn, Krailshausen, Kreuzfeld, Reupoldsrot, Sigisweiler und Zell die Wohnplätze Berghaus, Obere Mühle und Schrozberg im Tal die Wüstungen Murrental, Ölmüschel, Steinrugel und Untere Mühle
Spielbach rahmenlos|hochkant=0.25|zentriert das Dorf Spielbach die Weiler Böhmweiler, Bovenzenweiler (Bonifaziusweiler), Enzenweiler, Heiligenbronn, Hummertsweiler, Obereichenrot und Untereichenrot die Höfe Keitelhof und Schöngras. die Wüstungen Molkenbiegel und Seehöfle (Fischhaus)
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Schrozberg.
Geschichte mini|hochkant|Gedenktafel zur Stadterhebung
Frühe Geschichte Das Gebiet der heutigen Stadt Schrozberg und deren Teilorte gehörten im Hochmittelalter zum Herzogtum Franken.
Der Weiler Windisch-Bockenfeld auf der Gemarkung von Leuzendorf gehört mit seinem Namenszusatz Windisch zu den westlichsten Orten, deren Name auf eine frühmittelalterliche slawische Besiedelung hindeutet. Auch der Name von Böhmweiler (4 km nördlich und etwas östlich) lässt eine slawische Vergangenheit vermuten.Uwe Gross: Slawische Keramikfunde in Unterregenbach. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 18 Nr. 4 (1989), S. 178Uwe Gross: Slavische und slavisch beeinflußte Funde zwischen Altmühl und Oberrhein. In: Die Welt der Slaven. Band 14 (1990), PDF-Datei, S. 319
Der Ort Schrozberg wurde erstmals 1249 urkundlich erwähnt. Aus dem Jahr 1054 stammt eine Urkunde, nach der Kaiser Heinrich III. den Grafen Emehard von Rothenburg mit dem Ort Riedbach belehnte.Württembergisches Urkundenbuch Band I., Nr. 229, Seite 272 Bartenstein wurde 1234Archiv Bronnbach, Urkunde von 1234 erstmals urkundlich erwähnt und war seit 1686 Residenzstadt der Grafschaft und seit 1743 des Fürstentums Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein. Zwischen 1500 und 1806 war Hohenlohe ein Teil des Fränkischen Reichskreises, somit auch Schrozberg.
Württembergische Zeit Zwischen 1802 und 1810 fielen im Zuge der Mediatisierung alle Teilorte auf dem Gebiet der heutigen Stadt Schrozberg, die zuvor zum Fürstentum Hohenlohe-Bartenstein, zum Fürstentum Ansbach oder zur Reichsstadt Rothenburg gehört hatten, über ein zum Teil bayerisches Intermezzo an das Königreich Württemberg. Auf Grund des Grenzvertrags von 1810 wurden die bis dahin bayerischen Orte Leuzendorf und Spielbach ebenfalls württembergisch. Seit 1811 waren fast alle Orte der heutigen Stadt Schrozberg dem Oberamt Gerabronn zugeordnet. Ettenhausen gehörte zum Oberamt Künzelsau. 1869 führte die Eröffnung der Bahnstrecke Crailsheim–Königshofen mit der Station Schrozberg zum Anschluss an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen. Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Schrozberg 1938 zum Landkreis Crailsheim.
Nachkriegszeit Da Schrozberg nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Gemeinde somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Die heutige Stadt Schrozberg entstand im Zuge der Verwaltungsreform in Baden-Württemberg durch mehrere Eingemeindungen. Am 1. Januar 1972 wurden zunächst Riedbach und Schmalfelden eingemeindet, am 1. April 1972 folgte Spielbach. Am 1. Januar 1973 wurde dann neben Leuzendorf auch die Stadt Bartenstein eingemeindet, woraufhin die Gemeinde Schrozberg selbst zur Stadt erhoben wurde. Ebenfalls am 1. Januar 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der die neue Stadt Schrozberg zum Landkreis Schwäbisch Hall kam. Am 1. Januar 1974 erfolgte noch die Eingemeindung von Ettenhausen in die Stadt Schrozberg.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1847 1713 1852 1641 1871 1748 1880 1851 1890 1927 1900 1808 1910 1768 1925 1767 1933 1654 1939 1696 1950 2173 1956 2242 Jahr Einwohner Quelle 1961 5364 Volkszählungsergebnisse 1970 5849 1987 5292 1995 6169 2001 6223 2006 6019 2011 5740 2015 5651 2018 5741 2021 5863 2022 5908
Politik
mini|Rathaus Schrozberg Gemeinderat In Schrozberg wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. 2024 umfasst der Gemeinderat unverändert 23 Personen. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart. Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung 43,34 10 42,9 10 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,08 8 28,2 6 WfJ Wahlgemeinschaft für Jedermann 18,50 4 11,8 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 3,08 1 11,2 3 Gesamt 100 % 23 100 % 23 Wahlbeteiligung 57,97 % 56,0 %
Bürgermeister Georg Philipp Ernst Wolf (geb. am 8. April 1798) vom Dezember 1835 bis 2. Mai 1867 Johann Paul Dallinger (geb. am 28. Juni 1883, verst. am 9. April 1900) vom 2. Mai 1867 bis 9. April 1900 Friedrich Scheuermann (geb. am 28. März 1866) vom 26. Mai 1900 bis 15. August 1917 Friedrich Gottert (geb. am 19. Februar 1882) vom 15. Dezember 1917 bis 31. Dezember 1927 Wilhelm Hirschburger (geb. am 27. Oktober 1901) vom 2. Januar 1928 bis 1945 Max Kunert (geb. am 3. September 1905, verst. am 5. Februar 1946) von 1945 bis 5. Februar 1946 Rudolf Neu (geb. am 9. Mai 1921, verst. am 27. September 2011) vom 30. März 1946 bis 21. Februar 1986 Klemens Izsak (geb. am 14. Dezember 1954) vom 1. März 1986 bis 30. Juni 2016 Jacqueline Förderer (geb. 1988) seit 1. Juli 2016
Wappen Die Blasonierung des Wappens lautet: In Gold über einem grünen Berg eine blaue Kornblume.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Schloss Schrozberg Bauwerke Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Schrozberg
Schloss Schrozberg Im Hauptort selbst ist das über mehrere Jahrhunderte entstandene Schloss Schrozberg sehenswert. Das Schloss ist heute Sitz der Stadtverwaltung Schrozberg. Weiterhin beherbergt es einen Veranstaltungssaal, das Zahn-Museum mit Apparaturen aus den 1950er Jahren sowie gewerblich genutzte Räume.
Evangelische Kirche Schrozberg mini|Orgel in der evangelischen Kirche Schrozberg Die evangelische Kirche wurde in den Jahren 1614 bis 1618 erbaut. Der Innenraum ist mit einem schwarzweißen und dreidimensional wirkenden Roll- und Beschlagwerk aus der Renaissancezeit ausgemalt. Dabei handelt es sich in großen Teilen um die ursprüngliche Ausmalung, die bei einer Innenrenovierung 1961/1962 wieder freigelegt, teilweise auch ergänzt und rekonstruiert wurde. mini|Epitaph von Christian Ludwig Moritz von Hohenlohe. Am Bildrand ist das Roll- und Beschlagwerk erkennbar
In der Kirche befinden sich sechs Epitaphe der Herren von Berlichingen und des Hauses Hohenlohe, die überwiegend noch aus der Vorgängerkirche stammen. Weiterhin verfügt die Kirche über eine denkmalgeschützte, 1962 von Helmut Bornefeld entworfene und durch die Gebrüder Link erbaute Orgel in einem historischen Prospekt von Johann Anton Ehrlich aus dem Jahr 1779. Von 2016 bis 2018 erfolgte eine grundlegende Renovierung des Kircheninneren. Lose Putze wurden wieder mit dem Mauerwerk verbunden, das Rollwerk wurde aufgefrischt und der Hochaltar gereinigt. Zusätzlich zu den neuen Elektroinstallationen wurde ein Beleuchtungskonzept erstellt und umgesetzt.
Schrozburg Am Ortsrand befinden sich Reste der ehemaligen Schrozburg.
Bartenstein alt=Ortsteil Bartenstein|mini|Historische Altstadt Bartenstein mit Barockschloss Der Teilort Bartenstein ist in Deutschland ein einmaliges Beispiel einer geplanten, rein barocken Kleinresidenz, bestehend aus der historischen Stadtanlage mit dem Schloss der Fürsten zu Hohenlohe-Bartenstein.
Ettenhausen mini|Evangelische Kirche Ettenhausen, Umbau 1785 mit Turm aus dem 13. Jahrhundert 1785 begann der Umbau der maroden Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Pläne gehen auf Johann David Steingruber, Baudirektor des Markgrafen von Ansbach Brandenburg zurück. Baumeisters Ernst, Hofbaumeister der Fürsten von Hohenlohe-Bartenstein überwachte die Baumaßnahmen. Kirchenschiff und Kirchturm wurden nahezu vollständig abgetragen. Nur im unteren Teil des Turms mit seinen meterdicken Mauern haben sich Reste vom trutzigen Bauwerk des 13. Jahrhunderts erhalten. Seit ihrem Umbau ist die Ettenhauser Kirche im Stil des ländlich regionalen Barock, mit deutlich klassizistischen Einflüssen der folgenden Epoche ausgestattet. Damals entstand auch die eindrucksvolle Ansbacher Kanzelwand, bei der Altar, Kanzel und Orgel mit Orgelprospekt übereinander im Ostteil der Kirche angeordnet sind. Die Idee dieser Kanzelwände entstand in Ansbach und Bayreuth im 18. Jahrhundert, geht auf Baumeister Johann David Steingruber zurück und wird Markgrafenstil genannt. Die qualitätvolle Bemalung der Kanzelwand, die Vergoldungs- und Holzarbeiten führte der fürstliche Hofmaler Martin Emmert aus Bartenstein unentgeltlich als persönliche Spende aus. Die Orgel stammt von Philipp Heinrich Hasenmeier (1700–1785) aus Kirchberg/Jagst. Damit die Kirche mehr Besucher fassen kann, entstand auch die große Empore. Die Kirchenbänke auf Empore gegenüber der Kanzelwand waren ursprünglich für die männlichen Besucher vorgesehen. Die Inschrift am Südportal erinnert an den Auftraggeber des Umbaus von 1785, den Fürsten Ludwig Carl Franz Leopold zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein.
Riedbach