Kvilda (deutsch Außergefild) ist eine im Okres Prachatice gelegene Böhmerwald-Gemeinde. Sie liegt in der Südböhmischen Region zirka 80 km von deren Hauptstadt České Budějovice entfernt.
Geografie Lage Kvilda liegt 7 km östlich der Grenze zu Bayern bei Finsterau/Bučina. Der dortige Grenzübergang, der nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, ist bei Touristen sowohl im Sommer als auch im Winter sehr beliebt. Die Quelle der Warmen Moldau, einer der drei Quellflüsse der Moldau, ist von hier bequem zu erreichen (6 km Waldwanderung). Der nächstgelegene Grenzübergang für Kraftfahrzeuge ist Philippsreut an der B 12 bzw. I/4 (Freyung–Strakonice), etwa 22 km südöstlich. 5 km nördlich von Kvilda liegt die Gemeinde Horská Kvilda.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Kvilda besteht aus den Ortsteilen Bučina (Buchwald), Františkov (Franzensthal), Hraběcí Huť (Grafenhütte), Kvilda und Vydří Most (Wiederbruck).uir.cz Zu Kvilda gehören außerdem die Wohnplätze Hamerské Domky (Hammerhäuser), Lesní Chalupy (Waldhäuser) und Vilémov (Wilhelmswald) sowie die Wüstungen Chaloupky (Hüttel), Na Mlýnské Mýtině (Froschau, auch Mühlreuterhäuser), Tobiášova huť (Tobiashütte, auch Tafelberger Hütte) und U Tremlů (Tremlhof). Grundsiedlungseinheiten sind Bučina und Kvilda.uir.cz
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bučina u Kvildy und Kvilda.uir.cz
Nachbargemeinden
Geschichte mini|links|240px|Kvilda im Böhmerwald Kvilda liegt am Goldenen Steig, an dem es Ende des 15. Jahrhunderts gegründet wurde.
Nachdem man zuvor zur Pfarrei Unterreichenstein gehört hatte, wurde 1765 die katholische Pfarrkirche gebaut, die St. Stephan geweiht ist. Die Gemeinde wurde zunächst von einem Kaplan-Administrator geleitet. 1786 wurde eine Lokalie eingerichtet.Aussergefild, sudetendeutsche-familienforscher.de Wie viele Gemeinden in dieser Gegend hatte auch Kvilda seit 1794 ein Glaswerk.
Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden im Ort zwei Betriebe, die bald weit über die Grenzen des Böhmerwalds hinaus bekannt waren. 1820 begann Peter Strunz wegen der außergewöhnlichen Höhenlage des Ortes Resonanzholz für Musikinstrumente herzustellen und wurde bald zum weltweiten Lieferanten für derartige Spezialhölzer und ihre Weiterverarbeitungsprodukte. Um 1850 gründete der aus Kočevje in der Krain stammende Johann Verderber eine Manufaktur für Hinterglasmalerei in Außergefild. Sie produzierte insbesondere Hinterglasbilder mit religiösen Motiven. Im Jahr 1854 erhielt der Ort eine eigene katholische Pfarrei. Die Hinterglas-Manufaktur ging, nach einem Brand 1881, kurze Zeit später 1884 an Gabriel Schuster über. 1889 kam es zu einem Großbrand, dem die Kirche zum Opfer fiel. Nach dieser Katastrophe wurden Kvilda und seine Kirche (diese dann im neugotischen Stil) bis 1894 wieder errichtet.
In Franzensthal befand sich während des Zweiten Weltkrieges eine unterirdische Fertigungsstätte der Messerschmitt AG, die 1941 in der ehemaligen Papierfabrik unter dem Tarnnamen Möbelwerke Franzensthal errichtet wurde. 1945/46 wurden die meisten deutschsprachigen Bewohner vertrieben. Die Firma Strunz siedelte sich nach der Vertreibung 1946 im niederbayerischen Pocking an.
Der Todesmarsch ehemaliger Insassen des Konzentrationslagers Helmbrechts führte am 1. Mai 1945, von Unterreichenstein kommend, vorbei an den Dörfern Innergefild und Wiederbruck nach Außergefild. Auf dem Weg dorthin waren zahlreiche Tote zu beklagen, die etwas abseits des Weges nur verscharrt wurden. Nach der Besetzung des Ortes durch die US-Armee am 8. Mai 1945 mussten am 11. Mai 1945 Bewohner von Außergefild die Leichen ausgraben, in Särge legen und in einem groß angelegten Massengrab bestatten. Der Ort des Geschehens liegt auf dem Wegstück zwischen der Kapelle St. Stephan bzw. dem Treml-Hof und dem Ortseingang Außergefild. Es wurde von der US-Armee auch filmisch dokumentiert.Todesmarsch Helmbrechts-Volary
Seit 1991 liegt die Gemeinde im Nationalpark Šumava, der hier in Ortsmitte ein Informationszentrum betreibt.Informationszentrum Kvilda
Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit dem nahegelegenen Schönbrunn am Lusen wurde in den 2010er Jahren das Ortsmuseum „Muzeum Kvilda“ gegründet, das der Geschichte des Ortes und insbesondere der Hinterglasmalerei gewidmet ist. Sie befindet sich in der ehemaligen Schule neben der Kirche, welche heute als Rathaus dient.muzeumkvilda.cz
Bis 2013 stand vor der örtlichen Kirche eine 26,5 m hohe Fichte, die der größte lebende Weihnachtsbaum Tschechiens war. Durch Borkenkäferbefall starb diese im Juli 2019 und wurde 2020 durch den Künstler Jiří Nekola zur ca. 3 m hohen Skulptur Šumava umgearbeitet.
Politische und wirtschaftliche Entwicklung Gefilde bezeichnet ursprünglich eine im zentralen Böhmerwald gelegene unbesiedelte und mit Wald bedeckte Hochebene.
In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts vereinigten die Johanniter von Strakonitz das Gebiet um Groß-Zdikau. Bei Groß-Zdikau blieb der größere Teil der Gefilde und bildete mit diesem die Domaine Groß-Zdikau, zu der später Außergefild gehörte. Der kleinere Teil gehörte seit Ende des 14. Jahrhunderts zur freien Bergbaustadt Bergreichenstein, wozu der Ort Innergefild zählte.
Schon früh wurden die Bäche der Umgebung für die Goldgewinnung genutzt, wie auf die dort noch vorhandenen sog. Seifenhügel zurückzuführen ist. Doch eine Besiedlung kam erst mit dem Salzhandel von Bayern nach Böhmen zustande. Das Salz wurde über Passau auf den sog. „Goldenen Steigen“ nach Böhmen transportiert, die quer durch den Böhmerwald führten. Einer dieser Steige ging Richtung Bergreichenstein, und entlang dieses Transportweges ist die Besiedlung der Gefilde anzusetzen.
Außergefild als Teil der Domaine Groß-Zdikau gehörte bis Ende des 19. Jahrhunderts zum Besitz der Herren Mallowetz von Chejnow, auf deren Initiative auch die Ortsgründung beruhte.
Als ältester Ortsteil ist das am Seebach gelegene „Dörfl“ anzusehen, wo den Säumern auf ihrem beschwerliche Weg ein Zwischenaufenthalt geboten wurde. Neben einem Gastwirt hatten sich ein Hufschmied, ein Bäcker, ein Schneider, ein Schuhmacher und ein Müller niedergelassen. Die Siedler waren Deutsche und kamen aus dem nahegelegenen Bayern.
Als gegen Ende des 17. Jahrhunderts das Geschäft mit den Säumern aus Passau von der k.k. Monarchie weitgehend unterbunden wurde, verlor der Ortsteil „Dörfl“ seine Bedeutung. Das Wirtshaus und die Handwerksbetriebe wurden allmählich in das höher gelegene „Dorf“ verlegt, waren aber weiterhin als Erwerbszweige wichtig für die Menschen. Um das Jahr 1700 hielt der Gewerbezweig der Weberei seinen Einzug, was wiederum bedeutete, dass jetzt in der Umgebung Flachs angebaut und in sog. „Brechhäusln“ verarbeitet wurde.
Ackerbau konnte in den Gefilden wegen der klimatischen Verhältnisse auf einer Höhenlage von über 1000 m nur in beschränktem Maße betrieben werden, lediglich Viehzucht spielte eine gewisse Rolle. Deshalb war auch weiterhin die Ansiedlung von Gewerbebetrieben notwendig.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet der Gemeinde mehrere Glashütten, so die „Bruckhäuserhütte“ (ca. 1765–1820) an der Grenze zu Innergefild, die „Tobiashütte“ oder „Antonihütte“ (1796–1816) südlich von Außergefild, die Grafenhütte (1802–1804 und 1870–1882) und die „Biertopferhütte“ in Franzensthal (1802 – ca. 1820). In diesem Zusammenhang muss auch die im Jahre 1818 von dem aus Krain zugezogenen Michael Verderber und dessen Sohn Johann gegründete Manufaktur für Hinterglasmalerei genannt werden, die den Ort weithin bekannt machte und bis 1881 Bestand hatte.
Holz aus den ausgedehnten Wäldern war der wichtigste Rohstoff für die Bewohner und ihre Gewerbe. Die Wälder waren zwar zunächst ausschließlich im Besitz der adeligen Grundherren, doch wurden den Bauern gewisse Nutzungsrechte zugestanden. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 wurden diese Nutzungsrechte durch Übertragung von Waldbesitz auf die Bauern abgelöst.
In Außergefild entstanden im Laufe der Zeit eine Reihe von Sägewerken, in denen die Stämme zu Schnittholz verarbeitet wurden. Von Bedeutung waren vor allem die Anfang des 19. Jahrhunderts gegründeten Holzwerke Strunz, wo u. a. Tonholz für den Bau von Musikinstrumenten erzeugt wurde. Erwähnt werden muss vor allem die Gründung einer Papierfabrik im Ortsteil Franzensthal im 19. Jahrhundert, die bis in die 30er Jahre Bestand hatte und bis dahin zahlreiche Arbeiter beschäftigte. Auch wurde Holz in Schreinereien und Drechslereien genutzt.
Trotz dieser Entwicklung veranlassten unbefriedigende Erwerbsverhältnisse einen Teil der Bevölkerung eine Beschäftigung in der Fremde zu suchen. So wanderte schon um das Jahr 1840 eine Gruppe von Außergefildern in die Bukowina aus. Später bildeten die Industriezentren von Nordböhmen oder Südwestdeutschland Zielorte für Abwanderer, und auch die Hauptstadt Wien hatte eine erhebliche Anziehungskraft für Arbeitssuchende.
Erwähnt werden muss noch der Zuzug von Mitbewohner jüdischen Glaubens, die hauptsächlich im Handelsgewerbe tätig waren, allerdings gab es bis zu Beginn des 1. Weltkrieges auch einen Arzt der, wie es hieß, mosaischen Glaubens war. Das Ende der jüdischen Ortsbewohner kam mit dem Einmarsch Hitlers in das Sudetenland 1938.
1945/46 endete die deutsche Besiedlung Außergefilds und damit auch deren Gewerbetätigkeit vor Ort. Da kaum neue Ansiedler gefunden werden konnten, änderte sich die wirtschaftliche Struktur des Ortes grundlegend. Gegenwärtig spielt vor allem der Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle.
Glashütten im Bereich Außergefild
Die Bruckhäuserhütte im Ortsteil Wiederbruck In dem Buch „Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald“ von Josef Blau ist die Rede von zwei Mitgliedern der bekannten Glasmacher-Familie Adler, Ignaz und Benedikt, die sich im Jahre 1764 in einer Glashütte bei Innergefild befandenJosef Blau, Die Glasmacher im Böhmer- und Bayerwald, 2 Bd., Reprint Grafenau 1984. Da es in Innergefild zu dieser Zeit keine Glashütte gab, kann nur die später so genannte Bruckhäuserhütte, ein paar Schritte von der Grenze zu Innergefild entfernt, aber auf Malowetzer Gebiet gelegen, gemeint sein.
Weiterhin sind in den Matriken von Unterreichenstein, wohin die Gefilde damals kirchlich gehörten, Einträge über einen Johann Josef Fuchs zu verzeichnen, der erstmals 1772 als lat. „vitrarius“ (Glasmacher) in Außergefild 39 (später Wiederbruck 50) eingetragen ist. Dieser Johann Josef Fuchs betrieb zunächst zusammen mit den Adler-Brüdern die dortige Glashütte. Nach dem Wegzug der Familie Adler wurde die Glashütte in Wiederbruck zu einem Familienunternehmen des Johann Josef Fuchs und seiner Nachkommen.Kirchliche Matriken von Unterreichenstein, Archiv Pilsen
In den Matriken von Klein-Zdikau (Zdikovec) gibt es einen Eintrag vom 27. Juni 1768 über die Eheschließung des Johann Josef Fuchs aus „Gefild“ mit Maria Anna Woldrich aus Stachau. Das Ehepaar wohnte in Wiederbruck 39 (ab 1805 Nr. 50) und hatte zahlreiche Nachkommen.
Dass es sich bei der oben genannten Glashütte in der Folgezeit um ein Familienunternehmen handelte, geht aus der Tatsache hervor, dass zum einen die Söhne Adalbert, Johann Georg und Johann die Berufsbezeichnung „Glasmacher“ oder „Tafelmacher“ tragen und zeitweise auf der Bruckhäuserhütte beschäftigt waren, dass zum andern die Töchter Theresia und Anna Maria „Glasmacher“ oder „Tafelmacher“ heirateten; die Folge war, dass auch die Schwiegersöhne Josef Salveter und Georg Strohmeyer in das Geschäft der Glasherstellung eingebunden waren.Kirchliche Matriken von Zdikovec, Archiv Trebon
Neben der Glashütte wurde ab dem Jahre 1800 in Wiederbruck auch ein Wirtshaus betrieben. Es trug die Hausnummer 55 (ab 1805: 51). Der erste Wirt war ebenfalls ein Schwiegersohn des Johann Josef Fuchs, nämlich der Ehemann der ältesten Tochter Katharina, Jakob Bauer.