Die Nimitz-Klasse ist eine Klasse nukleargetriebener Flugzeugträger der United States Navy. Das Typschiff Nimitz, die erste Einheit der Klasse, wurde 1975 in Dienst gestellt, die zehnte und letzte Anfang 2009. Mit einer Verdrängung von rund 101.600 Tonnen waren die Träger bis zur Indienststellung der Gerald-R.-Ford-Klasse 2017 die größten Kriegsschiffe der Welt., abgerufen am 9. Dezember 2017. Sie können bis zu 85 Flugzeuge tragen. Die Träger sind zeitlich nahezu unbegrenzt einsetzbar, lediglich Kerosin- und Lebensmittelvorräte müssen regelmäßig aufgefüllt werden. Der Bau eines Schiffs der Nimitz-Klasse kostete zuletzt über sechs Milliarden US-Dollar und dauert von der Kiellegung bis zur Indienststellung rund fünf Jahre. Die Schiffe sind für eine Nutzungsdauer von rund 50 Jahren ausgelegt.

Die zehn Schiffe der Nimitz-Klasse bildeten ab der Deaktivierung der Enterprise am 1. Dezember 2012 bis zur Indienststellung der Gerald R. Ford am 22. Juli 2017 die gesamte US-amerikanische Flugzeugträgerflotte. Sie sind das Rückgrat der US-Streitkräfte für ausgedehnte Kampfhandlungen wie 1990 im Zweiten Golfkrieg oder 2003 im Irakkrieg und der anschließenden Besetzung des Iraks bis 2011. Neben der direkten Unterstützung militärischer Operationen werden die Flugzeugträger auch eingesetzt, um durch die bloße Präsenz vor der Küste eines Staates eine Drohkulisse aufzubauen. In einem Fall wurde eine humanitäre Mission unterstützt.

Geschichte Planung mini|Äußerlich ist die John F. Kennedy, eine modifizierte Kitty-Hawk-Klasse, (vorn) kaum von den Trägern der Nimitz-Klasse (hinten Theodore Roosevelt) zu unterscheiden mini|Abraham Lincoln im Trockendock, 1990 Erste Planungen für einen Flugzeugträger, der die Träger des Zweiten Weltkriegs in ihren Ausmaßen weit übertreffen sollte, einen sogenannten „Supercarrier“, wurden bereits kurz nach Kriegsende angestellt. Nach politischem Druck unter anderem der Air Force wurde der Bau der United States 1949 jedoch nur Tage nach der Kiellegung wieder abgebrochen. Nach dem Ausbruch des Koreakriegs änderte die Regierung Truman ihre Einstellung und ließ die Forrestal-Klasse auf Kiel legen, deren erste Einheit 1955 zur Flotte kam. Äußerlich ähnelte diese bereits der Nimitz-Klasse. 1961 wurde dann der erste Träger der Kitty-Hawk-Klasse in Dienst gestellt, noch im selben Jahr außerdem die Enterprise, der erste nukleargetriebene Flugzeugträger mit acht Nuklearreaktoren.

Verteidigungsminister Robert McNamara, der in den United States Army Air Forces gedient hatte und wenig Sympathien für die Navy hegte, blockierte jedoch vorerst den Bau weiterer teurer atomgetriebener Träger und setzte zwei zusätzliche ölbefeuerte Träger durch.Clancy 2001, S. 138. Erst 1967 bekam die Navy die Freigabe, das bereits in der Schublade liegende Design SCB-102 zu verwenden, aus dem die Nimitz-Klasse entwickelt wurde. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um das Konzept der direkt vorhergehenden John F. Kennedy, das auf den Einbau von nur zwei Reaktoren adaptiert wurde. Zugute kam dem Konzept, dass einerseits die Ölbunker wegfielen, andererseits durch die auf zwei verringerte Anzahl der Reaktoren massiv Platz eingespart werden konnte.

Da Ende der 1960er Jahre viele der staatseigenen Marinewerften aus dem Schiffsneubau ausgestiegen waren und sich vermehrt der Überholung der Flotte widmeten, war nur die private Newport News Shipbuilding (NNS) in Newport News, Virginia, in der Lage, die nuklear angetriebenen „Supercarrier“ zu fertigen. Zu Beginn waren drei Einheiten geplant. Als Richtschnur für die Bauzeit peilte die Navy rund vier Jahre an, ähnlich wie NNS es bei der Enterprise geschafft hatte. Der Bau wurde jedoch von Problemen geplagt, Streiks der Werftarbeiter taten ihr Übriges, die Fertigstellung der Nimitz um zwei Jahre zu verzögern. Da die Kapazitäten von NNS den Bau von zwei Trägern gleichzeitig nicht zuließen, verzögerte sich auch das Gesamtprogramm. Deshalb – und auf Grund der galoppierenden Inflation der beginnenden 1970er Jahre – stiegen neben der Bauzeit auch die Kosten. Während 1973 Kosten von unter 700 Millionen US-Dollar für jede der ersten beiden Einheiten veranschlagt worden waren, schätzte die Navy sie bis 1977 auf bis zu zwei Milliarden Dollar pro Träger.Stefan Terzibaschitsch: Seemacht USA. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997, ISBN 3-86047-576-2, S. 284.

Diese Kostensteigerung veranlasste die Regierung Carter, die Beschaffung weiterer Träger der Klasse abzulehnen und stattdessen einen gerade halb so großen Entwurf für einen konventionell getriebenen Träger unter dem Planungsnamen CVV zu bevorzugen, der bei der Navy jedoch äußerst unpopulär war.Chris Miller, David Miller: Moderne Kriegsschiffe. Verlag Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich 1990, S. 130. Gegen den Willen von Carter bewilligte der Kongress der Vereinigten Staaten allerdings 1980 eine vierte Einheit der Nimitz-Klasse. Die gesamte Navy und damit auch das Nimitz-Beschaffungsprogramm profitierte in der Folge stark von der Wahl Ronald Reagans, dessen Marineminister John F. Lehman das Programm „Marine der 600 Schiffe“ auflegte. Ende 1982 bekam die Navy daraus ein Nimitz-Zweierpaket, 1988 ein weiteres, womit die Klasse auf acht Einheiten angewachsen war. 1994 und 2001 wurden die letzten beiden Einheiten der Klasse genehmigt, deren Preis inzwischen bei rund 4,5 Milliarden Dollar für die Reagan und 6,3 Milliarden für die Bush lag. (englisch).

Die Fertigstellung der Enterprise und der Baubeginn der Nimitz schreckten die sowjetische Marine auf. Diese besaß mit der Moskwa-Klasse lediglich zwei Flugdeckkreuzer. Verteidigungsminister Andrei Gretschko startete daraufhin 1973 das Projekt 1153 Orel, das einen den amerikanischen Einheiten ähnlichen, rund 20 % kleineren Flugzeugträger mit Nuklearantrieb zum Ziel hatte. Nach dem Tod Gretschkos 1976 beendete sein Nachfolger Dmitri Ustinow das Projekt jedoch bald, stattdessen wurden der Flotte ab 1975 lediglich die vier weit kleineren Träger der Kiew-Klasse hinzugefügt. Kurz vor Ende des Kalten Krieges startete die Sowjetunion den zweiten Versuch, nukleargetriebene Flugzeugträger zu bauen. 1988 wurde die der Orel recht ähnliche Uljanowsk auf Kiel gelegt, ein zweiter Träger sollte folgen. Nach dem Untergang der Sowjetunion wurde der Bau jedoch 1992 abgebrochen. Der größte sowjetische/russische Träger ist somit seit 1991 die konventionell angetriebene Admiral Kusnezow.

Schiffe Name Kennung Auftrags-vergabe Kiellegung Stapellauf Indienst-stellung Über­holung(RCOH) Außer­dienststellung Heimat­hafen Nimitz CVN-68 1998–2001 März 2027 (geplant) Naval Base Kitsap, Bremerton, WA Dwight D. Eisenhower CVN-69 2001–2005 Naval Station Norfolk, Norfolk, VA Carl Vinson CVN-70 2005–2009 Naval Air Station North Island, San Diego, CA Theodore Roosevelt CVN-71 2009–2013 Naval Air Station North Island, San Diego, CA Abraham Lincoln CVN-72 2013–2017 Naval Station Norfolk, Norfolk, VA George Washington CVN-73 2017–2023 Naval Station Yokosuka, Japan John C. Stennis CVN-74 2021– Naval Base Kitsap, Bremerton, WA Harry S. Truman CVN-75 2024-> Naval Station Norfolk, Norfolk, VA Ronald Reagan CVN-76 Naval Base Kitsap, Washington George H. W. Bush CVN-77 Naval Station Norfolk, Norfolk, VA

Bau mini|Die Insel wird auf das Deck der George H. W. Bush gehoben Alle Träger wurden im größten Trockendock des amerikanischen Kontinentes gebaut, dem 670 Meter langen Trockendock 12 von Newport News Shipbuilding. Dabei kann das Dock zweigeteilt werden, wodurch im vorderen Teil ein weiteres Schiff gefertigt werden kann. Der Bau eines Trägers der Klasse beginnt bereits einige Monate vor der Kiellegung mit dem Setzen der Beton- und Holzblöcke, auf die der Kiel aufgesetzt wird, sowie dem Zuschnitt erster Metallteile. Nach der Kiellegung bleiben der Werft rund 33 Monate, bis das Schiff „vom Stapel laufen“ wird. Allerdings schlittern die Träger nicht mehr tatsächlich über die Helling ins Wasser, wie der traditionelle Begriff des Stapellaufs nahelegt. Stattdessen wird das Trockendock geflutet, wodurch das Schiff aufschwimmt.

Die Träger werden in Modulbauweise gefertigt. Das bedeutet, dass ganze Sektionen längs des Trockendocks zusammengeschweißt und so weit wie möglich mit allen Rohrleitungen und ähnlichem ausgestattet werden. Dieses ursprünglich von Litton-Ingalls entwickelte Verfahren beschleunigt viele Arbeiten, da sie nicht in der Enge des bereits fertigen Rumpfes durchgeführt werden müssen. Von Portalkränen werden die Module, „Superlifts“ genannt, dann ins Trockendock gehoben und dort verschweißt. Diese Module wiegen, wie zum Beispiel der Bug, über 680 Tonnen. (englisch). Insgesamt wird ein Träger aus rund einhundert dieser Superlifts zusammengesetzt. Zu den größten Teilen gehören der Bugbereich und das „Insel“ genannte Deckshaus.

Es ist allerdings nicht möglich, einen Träger der Nimitz-Klasse komplett im Trockendock zu fertigen. Das Trockendock kann nur auf zehn Meter geflutet werden, und auch der Kanal zur Werft bietet nur begrenzten Raum. Der Tiefgang eines voll ausgerüsteten Trägers ist jedoch etwas größer. Darum wird der Träger so früh wie möglich vom Stapel gelassen und – unter Beachtung der Tide – an ein Tiefwasserpier von NNS am James River geschleppt, wo die weitere Ausrüstung des Rumpfes stattfindet. Dafür werden pro Schicht bis zu 2600 Werftarbeiter auf einem Träger eingesetzt. Nach der Ausrüstung führt die Werft eigene Probefahrten durch, danach nimmt die Navy das Schiff ab und damit in Besitz. Nach Testfahrten der Navy geht der Träger noch einmal in die Werft, in der die letzten gefundenen Probleme beseitigt werden. Erst danach folgt die Indienststellung.

Für den Bau werden über die gesamte Zeit rund 40 Millionen Personenstunden aufgewendet. (englisch).

Namensgebung Die erste Einheit und damit traditionsgemäß auch die Klasse sind nach Admiral Chester W. Nimitz benannt, der die US Navy im Pazifikkrieg geführt hat. Sämtliche folgenden Träger wurden nach Politikern benannt. Neben den Präsidenten Eisenhower, Roosevelt, Lincoln, Washington, Truman, Reagan und Bush senior wurde zwei Kongressabgeordneten die Ehre zuteil, Namenspatron eines Trägers dieser Klasse zu sein. Das sind Carl Vinson, Abgeordneter aus Georgia, und John C. Stennis, Senator aus Mississippi. Beide hatten sich in besonderer Weise für den Ausbau der Marine starkgemacht.

Bei vier der Einheiten (Carl Vinson, John C. Stennis, Ronald Reagan und George H. W. Bush) wurde mit der Tradition der US Navy gebrochen, Schiffe nur nach verstorbenen Personen zu benennen.

Modernisierungen mini|Blick auf das Flugdeck der Carl Vinson während einer Überholung (RCOH) Schon aufgrund des zeitlichen Abstandes zwischen der ersten und der letzten Einheit der Klasse wurden technische Neuerungen in die im Bau befindlichen Einheiten integriert. Eine erste größere Veränderung ergab sich ab der Theodore Roosevelt. Diese erhielten zum Beispiel verstärkte Kevlar-Panzerungen im Rumpf. Modernere Bewaffnung wurde auf den letzten beiden Trägern von Werk an installiert, ebenso kleinere Veränderungen an Rumpf und Insel. Wesentliche Veränderungen erfuhr über die genannten Details hinaus die George H. W. Bush, die als eine Art Technologiedemonstrator für die nachfolgende Klasse von Flugzeugträgern dienen soll.

Auf älteren Trägern werden die kleineren Modernisierungen im Zuge der regelmäßig stattfindenden Überholungen nachgerüstet. Diese nehmen für gewöhnlich weniger als zwölf Monate in Anspruch und können auf mehreren Werften durchgeführt werden, teilweise auch auf den staatseigenen. So werden im Pazifik stationierte Einheiten regelmäßig in der Puget Sound Naval Shipyard modernisiert.

RCOH