miniatur|hochkant|Émile Gallé, Selbstporträt rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.7|Unterschrift Émile Gallé (1846–1904) Émile Gallé (* 4. Mai 1846 in Nancy; † 23. September 1904 ebenda) war ein französischer Kunsthandwerker, welcher besonders durch den Entwurf von Keramik, Glas und Möbeln im Stil des Historismus bzw. des Jugendstils bekannt geworden ist. Er gilt als bekanntester Vertreter des französischen Jugendstils (Art Nouveau) auf kunstgewerblichem Gebiet.Wolf Stadler: Lexikon der Kunst 5. 1994, S. 5.

Biographie mini|hochkant|Porträt Emile Gallé, von Victor Prouvé Musée de l’École de Nancy miniatur|hochkant|Das Haus von Gallé in Nancy miniatur|hochkant|Glasvase von Émile Gallé, um 1900 miniatur|hochkant|Vase mit Klematis-Muster, 1890–1900 mini|hochkant|Deckenleuchte im Uroko-Haus in Kōbe, Japan Gallé wurde in Nancy als einziger Sohn von Charles Gallé (gest. 1903) und Fanny Reinemer (gest. 1891) in der rue de la Faïencerie in eine Familie von Händlern von Fayencen und Kristall geboren. Bereits in seiner Kindheit kam er in der Werkstatt seines Vaters, Charles Gallé, mit Keramik- und Glaskunst in Berührung.Wolf Stadler: Lexikon der Kunst 5. 1994, S. 5–6. Einer seiner Lehrer in Weimar war Franz Jäde.Walther Scheidig: Die Weimarer Malerschule, E. A. Seemann, Leipzig 1991, S. 51. Nach seinem Baccalauréat (Abitur) 1864 am Lycée impérial studierte er Philosophie, Zoologie, Botanik und Mineralogie in Deutschland. Er erlernte das Arbeiten mit Glas und Holz und spezialisierte sich in der Glasbläserei.

Von 1862 bis 1866 wurde Gallé zur Ausbildung nach Deutschland in Weimar und Meisenthal im Département Moselle geschickt, wo er die Modellierkunst und die Glasherstellung studierte.Wolf Stadler: Lexikon der Kunst 5. 1994, S. 6. Nach weiteren Aufenthalten in London, wo er die väterliche Firma an einer Ausstellung Art de France vertrat, und Paris kehrte er voller neuer Eindrücke nach Nancy zurück.

Hier experimentierte er mit neuen Techniken der Glasbläserkunst (Marmorierungen, Reflexe, Glasschichten mit Einschmelzungen von Gold- und Silberfolien, Blasenbildungen).

1874 übernahm er die Leitung des väterlichen Betriebs, der wenig später Weltruf erlangte. Ein Jahr darauf heiratete er die Pastorentochter Henriette Grimm (gest. 1914). Dem Paar werden vier Töchter geboren. Er bezog das Atelier La Garenne und richtete im Jahr 1883 weitere Ateliers ein: Es entstanden Werkstätten für Fayencen, Glas und Holz.

1885 reiste er nach Berlin und studierte im Kunstgewerbemuseum die berühmte Sammlung chinesischer Glaskunst. Im gleichen Jahr wird er auch zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.

Er eröffnete Verkaufsstellen in Paris (1885), Frankfurt (1887) und später auch in London. 1889 beschäftigte er über dreihundert Angestellte.

In den 1890er-Jahren konzentrierte sich Gallé immer mehr auf die Glaskunst, obwohl er zuvor drei Goldmedaillen für seine Fayence-Arbeiten gewann.

1901 gründete er mit den Brüdern Auguste und Antonin Daum sowie René Lalique und Gabriel Argy-Rousseau die École de Nancy, die unter anderem die Interessen der Glaskünstler vertrat. Er war deren erster Präsident.

Er starb am 23. September 1904 in Nancy an Leukämie. Seine Witwe und sein Schwiegersohn Paul Perdrizet führten den Betrieb bis in die frühen 1930er-Jahre weiter. Es fehlte jedoch die für die früheren Jahre typische Fülle der künstlerischen und technischen Neuerungen. 1931 endet die Glasproduktion. 1935 wird das Geschäft in der rue de la Faïencerie geschlossen.

Ausstellungen und Preise

1878: Paris: Weltausstellung: vier Goldmedaillen 1884: Paris: Ausstellung La Pierre, le Bois, la Terre, le Verre: Goldmedaille 1889: Paris: Weltausstellung: Großer Preis 1893: Chicago: Weltausstellung 1894: Nancy: Kunstgewerbeausstellung 1897: München: Goldmedaille 1900: Paris: Weltausstellung: Zwei Große Preise und eine Goldmedaille 1901: Ausstellung in Dresden 1902: Prima Esposizione Internazionale d’Arte Decorativa Moderna in Turin 1903: berühmteste Vase La Maggiorata Marta

Offizier der Ehrenlegion, 1889 Kommandeur der Ehrenlegion, 1900

Werk und Würdigung Während Gallé sich auch mit Holz- und Keramikarbeiten beschäftigte, sind es vor allem seine Glas- und Kristallarbeiten, die zu seinem internationalen Ruhm beitrugen. Zu seinen typischen Arbeiten zählen Kameen-Gläser: einfarbig geblasene Vasen, die mit mehreren farbigen Glasschichten überfangen und in die verschiedene ornamentale Reliefs eingeschnitten wurden. 1897 erfand er eine hochkomplizierte Technik namens Marqueterie de verre, eine Art Einlegearbeit in Glas.

Bei seinen Verreries parlantes („Sprechende Glaskunst“) versuchte er Vasen nach bestimmten Textstellen zeitgenössischer symbolischer Textdichter (z. B. Baudelaire oder Maurice Maeterlinck) zu modellieren und ließ entsprechende Gedichtszeilen eingravieren.

Seine Vasen und Lampenschirme sind begehrte Sammlerobjekte und werden in vielen Museen weltweit ausgestellt. Seine Inspirationen erhielt Gallé durch eingehende Beschäftigung mit der Natur: Schon früh war er von der Pflanzenwelt fasziniert und setzte diese Eindrücke in seine Entwürfe um. Wie viele Künstler seiner Zeit wurde Gallé vom Japonismus beeinflusst, dessen Stil sich im ornamentalen Dekor einiger seiner Kunstgläser wiederfindet. Nach dem Muster der Natur fertigte er auch Möbelentwürfe mit zum Teil kostbaren Einlegearbeiten an, bei denen er einheimisches und exotisches Holz wirkungsvoll kombinierte.

Emile Gallé gilt als einer der hervorragendsten Glaskünstler seiner Zeit. Die Kunstwelt hat ihm große und entscheidende Fortschritte in der Entwicklung der Glaskunst zu verdanken. Es gelang ihm, intensive Farben und dennoch erhaltene Transparenz der Gläser zu vereinen. Seine Werke erzielen auf Auktionen Höchstpreise.

Kuriosa Der 1948 geborene Schweizer Schriftsteller Martin Suter veröffentlichte 2011 den Roman Allmen und die Libellen (ISBN 978-3-257-06777-4). Im Mittelpunkt des Romans stehen fünf Gallé-Schalen mit Libellen-Motiven. Deren Diebstahl, Verkauf und Wiederauftauchen im Zusammenhang mit Versicherungsbetrug in Millionenhöhe und rücksichtsloser Sammelleidenschaft treiben die Handlung voran.

Literatur P. Garner: Émile Gallé, Symbolist und Kunsthandwerker. In: Weltkunst, Bd. 45, 1975. Françoise Thérèse Charpentier: Émile Gallé. Nancy 1978. Émile Gallé. Keramik, Glas und Möbel des Art Nouveau. Ausstellungskatalog, Museum Bellerive, Zürich 1980. Wolf Stadler u. a.: Lexikon der Kunst 5. Gal – Herr. Karl Müller Verlag, Erlangen 1994, ISBN 3-86070-452-4, S. 5–6. Léa Kuhn: Die vielen Hände des Émile Gallé. Produktionsszenarien der Glaskunst um 1900 zwischen Hand, Kopf und Maschine. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte. Band 86, 2023, S. 224–252.

Weblinks

Reich bebildertes Dossier auf Französisch Künstlerportrait Faszination Gallé-Gläser - eine Einführung mit Wertbeispielen L'influence du japonisme dans l'Oeuvre d'Émile Gallé fr. / pdf

Einzelnachweise

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