Die Irren-Offensive wurde 1980 als Initiative ehemaliger psychiatrischer Patienten in West-Berlin gegründet. Die Gruppe vertritt eine antipsychiatrische Position. Die Irren-Offensive ist eine Bewegungsorganisation der Antipsychiatriebewegung.Philip J. Barker und Poppy Buchanan-Barker: The Tidal Model: A Guide for Mental Health Professionals. Psychology Press, London, England 2005; ISBN 1-58391-801-9, S. 5 f.
Geschichte Die Irren-Offensive, die sich im Oktober 1982 als Verein eintragen ließ, dient laut Satzung „der Selbsthilfe von derzeitigen oder ehemaligen Psychiatrie-Insassen und -Insassinnen“ und „arbeitet darauf hin, Verständnis für Ver-rücktsein herzustellen und neue Formen des Lebens mit dem Ver-rücktsein zu finden“.
In seiner Geschichte hat der Verein Diskussionen zum Thema Selbstbestimmung von psychiatrischen Patienten in Deutschland angestoßen oder war an diesen beteiligt. Die Irren-Offensive wirkte an der Konzeption des psychiatrischen Testaments bzw. der Vorsorgevollmacht mit; in einer von ihr mitgetragenen Projektgruppe wurde auch die Konzeption des Weglaufhauses entwickelt. Bei der ersten psychiatriepolitischen Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Grünen 1984 in Berlin stellte die Gruppe das Konzept einer reformierten Sozialpsychiatrie, das vor der Tagung von den Grünen vertreten wurde, erfolgreich in Frage.Heiner Keupp: Von der „fürsorglichen Belagerung“ zur „eigenen Stimme“ der Betroffenen – Ein Vierteljahrhundert Psychiatriereform, (PDF; 57 kB). In: Rosa Geislinger (Herausgeberin): Experten in eigener Sache: Psychiatrie, Selbsthilfe und Modelle der Teilhabe. Zenit-Verlag, München 1998, S. 27–29, ISBN 3-928316-10-9.
Der ehemalige Vizerektor der Universität Marburg, Dietmar Kamper, organisierte 1998 in Zusammenarbeit mit Gerburg Treusch-Dieter, Klaus-Jürgen Bruder und Wolf-Dieter Narr, der Irren-Offensive sowie der Berliner Volksbühne das Foucault-Tribunal zur Lage der Psychiatrie.Bericht des „Foucault Tribunal zur Lage der Psychiatrie“, abgehalten vom 30. April bis 3. Mai 1998 in der Volksbühne, Berlin. In: Psychiatrische Pflege Heute, Nr. 4/1998, S. 213–216, . (Abgerufen am 21. Dezember 2008.) Die Irren-Offensive war in der Folge auch maßgeblich an der Planung und Durchführung eines internationalen „Russell-Tribunals“ im Jahr 2001 in Berlin beteiligt, bei dem die World Psychiatric Association angeklagt wurde. Hierbei trat der Psychiater Thomas Szasz, Gründungsmitglied des Beirats der Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte, einer Unterorganisation Scientologys, als „Chefankläger“ auf.
2002 vergab die Irren-Offensive den 1. Freiheitspreis an Thomas Szasz.https://www.irrenoffensive.de/szasz/start.htm
2005 ging der 2. Freiheitspreis an RA Thomas Saschenbrecker.https://www.irren-offensive.de/jubi/narr.htm
2010 bekam Wolf-Dieter Narr den 3. Freiheitspreis.https://www.irren-offensive.de/jubi/30.htm#narr
2022 bekamen den 4. Freiheitspreis die Rechtsanwälte Eckart Wähner, Alexander Paetow und David Schneider-Addae-Mensah.https://www.zwangspsychiatrie.de/drei-neue-freiheitspreise-der-irren-offensive/
Von der Irren-Offensive als Teil des „Werner-Fuß-Zentrums an der Freien Universität Berlin“ wurde 1999 ein „Lehrstuhl FÜR Wahnsinn“„Lehrstuhl FÜR Wahnsinn“ im Internet. Herausgeber ist das Werner-Fuß-Zentrum, eine Gesellschaft der Irren-Offensive und des Landesverbandes Psychiatrie-Erfahrener Berlin-Brandenburg. (Abgerufen am 1. November 2011.) ausgerufen. Das Zentrum ist benannt nach einem ca. 1994 verstorbenen Mitglied und Verkäufer der Zeitung der Irren-Offensive.Irren-Offensive e. V. (Herausgeber): Irren-Offensive: 30 Jahre Kampf für die Unteilbarkeit der Menschenrechte, Seiten 18, 20 und 30.
2004 wurde unter Beteiligung der Irren-Offensive durch Demonstrationen, Pressearbeit und Gespräche mit Bundestagsmitgliedern eine Änderung des § 1906 in der 1. Lesung des Betreuungsänderungsgesetzes verhindert, wodurch die Möglichkeit der ambulanten Zwangsbehandlung entfiel, die im Gesetzesentwurf unter § 1906a BGB vorgesehen war.Bombosch, Hansen, Blume: Die Reise zur trialogischen Psychiatrie. In: Jürgen Bombosch (Herausgeber): Trialog praktisch: Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und Professionelle gemeinsam auf dem Weg zur demokratischen Psychiatrie. Paranus-Verlag, Neumünster 2004, S. 11–17, ISBN 3-926200-57-X. Zitiert nach Sabine Mayer: (PDF; 641 kB) 2004, vorgelegt als Diplomarbeit in Sozialpädagogik, Erstprüferin Sabine Allwinn, Professorin für Psychologie an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg, S. 49–50.
Literatur Tina Stöckle: Die Irren-Offensive: Erfahrungen einer Selbsthilfe-Organisation von Psychiatrieüberlebenden. Peter-Lehmann-Antipsychiatrieverlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-925931-33-8. (Nachdruck der Original-Ausgabe von 1983 aus dem Extrabuchverlag.) Irren-Offensive e. V. (Hg.): Irren-Offensive – 30 Jahre Kampf für die Unteilbarkeit der Menschenrechte. AG SPAK Bücher, Neu-Ulm 2010, ISBN 978-3-940865-14-4. Autoren: Alice C. Halmi, Wolf-Dieter Narr, Alexander Paetow, Thomas Saschenbrecker, René Talbot, Eckart Wähner.
Weblinks Website der Irren-Offensive
Einzelnachweise
Kategorie:Antipsychiatrie Kategorie:Selbsthilfeorganisation Kategorie:Vereinsgründung 1980