mini|295px|Höchenschwand auf einer Luftaufnahme vom 31. Januar 2015 Höchenschwand ist eine Gemeinde im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg.

Geografie Geografische Lage Der heilklimatische Kurort Höchenschwand liegt im südlichen Hochschwarzwald an der B 500 etwa 20 km nördlich der Kreisstadt Waldshut-Tiengen auf einem leicht nach Süden geneigten Hochplateau im Naturpark Südschwarzwald. Bekannt ist der Ort für das hier vor allem bei Föhn- oder Inversionswetterlage weitgedehnte Alpenpanorama. Das Höchenschwander Alpenpanorama erhielt 1863 vom Schweizer Alpen-Club das Prädikat "Generalansicht der Schweizer Alpen" als umpfangreichste Sicht auf die Nordansicht der Schweiz Alpen. Der Bildentwurf hierfür legte Heinrich Keller aus Zürich vor, der wochenlang "von der Natur" das Panorama abzeichnete. Bei guter Sicht besonders in Herbst, Winter und Frühjahr kann man von Höchenschwand aus die Alpenkette von der Zugspitze bis zum Mont Blanc erblicken.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Häusern, im Osten an Schluchsee und Ühlingen-Birkendorf, im Süden an Weilheim sowie im Westen an die Stadt St. Blasien.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Höchenschwand mit den früher selbständigen Gemeinden Amrigschwand und Tiefenhäusern gehören elf Dörfer, Höfe und Häuser. Zur ehemaligen Gemeinde Amrigschwand gehören die Dörfer Amrigschwand, Attlisberg, Ellmenegg, Segalen und Strittberg, das Gehöft Leinegg (Scheuerhof) und die Häuser Steinreusche. Zur Gemeinde Höchenschwand gehörte vor der Gemeindereform der 1970er-Jahre das Dorf Höchenschwand und die Wüstung Dreherhäusle. Zur ehemaligen Gemeinde Tiefenhäusern gehören die Dörfer Tiefenhäusern, Frohnschwand, Heppenschwand, Oberweschnegg und Unterweschnegg.

Im Gebiet der Gemeinde Höchenschwand in den Grenzen von vor der Gemeindereform der 1970er-Jahre liegen die Wüstungen Heidenschloß und Leinegg sowie die abgegangene Burg Tombrugg, eine der ältesten Burgen im Albgau.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 1017–1019.

Geschichte Die Geschichte Höchenschwands und der Ortsteile ist sehr verschieden. Sie wird somit einzeln aufgeführt.

Höchenschwand mini|295px|Ausblick nach Urberg Höchenschwand wurde im Jahre 1158 erstmals urkundlich erwähnt. Damals hieß Höchenschwand noch „Hachinsvanda“. Hachinsvanda lässt sich heute als Hachos-Schwandung übersetzen. Bruder Hacho war der erste Siedler in Höchenschwand. Er „schwandete“ (alemannisches Wort für Rodung) den Schwarzwaldberg und machte ihn bewohnbar. Der Name bedeutet also wörtlich „Schwendung des Hacho“, der Genetiv vom Namen Hacho lautete Hachin.Karl Beck: Die Chronik vom Höchenschwander Berg. Hrsg.: Karl Beck. 2. Auflage. Edition Isele, Eggingen 1990, S. 499. So hieß das „Dorf am Himmel“ damals Hachinswand. Der erste Abt des Klosters St. Blasien war Abt Beringer, der im 10. Jahrhundert in Höchenschwand geboren wurde. Abt Beringer erhielt im Jahr 983 von Kaiser Otto II. die Hochtäler Bernau und Menzenschwand, dazu die Vogteien Blasiwald, Urberg und Höchenschwand. Diese Gebiete nannte man „Zwing und Bann“.

1158 wurde von Bischof Gebhard III. von Konstanz und Abt Uto von St. Blasien die „Ecclesiae z Hachinsvande“ geweiht.

1254 übernimmt das Erzhaus Habsburg die Klostervogtei St. Blasien. Bis zur Säkularisation 1806 bleibt Höchenschwand vorderösterreichisch.

Bis 1330 betrieben St. Blasier Mönche 4 Bruderhöfe. 1330 zogen sich die Brüder ins Kloster zurück und die Höfe wurden als Erblehen an freie Bauern vergeben.

1440 wird der Tafernhof „zum Ochsen“, das heutige Kurhaus, erstmals urkundlich erwähnt. Der Ochsen war gesellschaftlicher Mittelpunkt der Vogtei und der Einung Höchenschwand.

1450 Aufkommen der Wallfahrt zur Schmerzenmutter von Höchenschwand in der Pfarrkirche St. Michael.

1596 Volkszählung. In Höchenschwand standen zehn Häuser mit 14 wehrhaften Männern.

1648 werden alle Ortschaften der heutigen Gesamtgemeinde Höchenschwand zum Kirchspiel Höchenschwand zusammengefasst.

1659 Ausbau der Pfarrkirche zu Höchenschwand.

1681 brannte nach Blitzschlag der Kirchturm komplett nieder und wurde innerhalb von 2 Jahren wieder aufgebaut. Der dort gebaute Turm besteht fast unverändert bis heute. Die Jahreszahl 1683 kann an einem der Fenster am Turm von unten abgelesen werden.

1752 erste Erwähnung eines Lehrers in Höchenschwand.

1780 Bau des Klosterwegs, des Vorgängers der B500, durch Fürstabt Martin Gerbert von St. Blasien über Höchenschwand, Waldkirch nach Waldshut.

1781 Durchreise des Autors und Buchhändlers Friedrich Nikolai, der Höchenschwand lobend erwähnt und von fröhlichen gesunden Bauern spricht.

1806 Säkularisation. Höchenschwand kommt zum Großherzogtum Baden. Nach den Napoleonischen Kriegen herrschten große Unsicherheit und Armut in Höchenschwand. Das alte System war zusammengebrochen, Krieg und Hungersnot zeichneten die Bevölkerung.

1850 konnten im Zuge der Industriellen Revolution die Landwirtschaft und altes Handwerk wie Nagelschmied, Hausweber, Harzer und Salpetersieder die Bevölkerung nicht mehr ernähren. So veranlasste gegen die Verarmung der Bevölkerung Großherzog Leopold von Baden den Bau einer Strohflechtschule in Höchenschwand, aus der 1866 die Strohhutfabrik Höchenschwand entstand. Mit ihr begann der Wohlstand in Höchenschwand. Zu Spitzenzeiten, besonders im Winter, waren über 500 Personen bei der Strohhutfabrik angestellt.

1870 fahren die ersten Postkutschen mit festem Fahrplan von Waldshut über Höchenschwand nach St. Blasien und zurück. Durch die Lage und den Umbau des Gasthauses zum Ochsen zum Hotel Höchenschwand beginnt der Tourismus in Höchenschwand. In kürzester Zeit entstehen mehrere Weinwirtschaften und Pensionen.

1876 wird Höchenschwand zum Luftkurort erhoben und das Hotel Höchenschwand wird zum Kurhotel umgebaut.

1893 Grundsteinlegung der neuen Pfarrkirche vollzogen durch Großherzog Friedrich I. und Großherzogin Luise von Baden.

1904 Stromversorgung in Höchenschwand.

1910 Erste Wasserleitung. Das Kurhotel Höchenschwand brennt komplett aus und wird 1912 wieder aufgebaut.

1918 nach dem Ersten Weltkrieg Hungersnot in Höchenschwand. In diesem Jahr schloss die Strohhutfabrik.

1919 Das Kurhaus Höchenschwand bekommt unter Dr. Wilhelm Bettinger eine eigene Ärztliche Abteilung.

1932 Umbau der Strohhutfabrik zur Augenheilstätte Sonnenhof unter Dr. Bettinger und dem neuen Kurhotelchef Bernhard Porten.

1939 wird Höchenschwand Heilklimatischer Kurort.

1945 Ende des Zweiten Weltkrieges: Beklagung vieler Gefallener und Besatzung durch die Franzosen.

Ab 1950 wird Höchenschwand als „Kurort der natürlichen Höhensonne“, insbesondere das Kurhaus Höchenschwand und das Augensanatorium Sonnenhof als Privatheilanstalten,Deutsche Heilbäder und Kurorte. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXVI. zu einem sehr bekannten Kurort weit über die Landesgrenzen hinaus.

Amrigschwand und Tiefenhäusern Die ehemaligen Gemeinden Amrigschwand und Tiefenhäusern bildeten zusammen mit den Orten Immeneich, Niedermühle, Unterkutterau, Brunnadern und Aisperg die Einung Höchenschwand der Grafschaft Hauenstein.

894 erste urkundliche Erwähnung von Tiefenhäusern. Tiefenhäusern gehörte wie die Burg Tombrugg in frühester Zeit zum Kloster St. Gallen.

Zwischen 1065 und 1328 erste urkundliche Erwähnung aller Ortschaften

1154 Übernahme des Unteren Albgaus durch das Haus Habsburg. Bis zur Säkularisation 1806 bleibt der Höchenschwander Berg Hauensteinisch Österreichisch.

1328 Ersterwähnung der Neumühle. Die Neumühle war die einzige Getreidemühle in der Einung Höchenschwand. Sie bestand bis 1932.

1468 wollten die Eidgenossen in die Einung Höchenschwand vordringen, wurden aber von der Landesletze (Grenzbefestigung) zwischen Brunnadern und Remetschwiel aufgehalten. An der Letze kämpften die Hauensteiner gegen die Eidgenossen. Die Letze hielt bis zum Verrat eines der Verteidiger, sodass die Schweizer eine Bresche schlagen konnten. Die Hauensteiner ergaben sich und konnten so der Plünderung und Brandschatzung entgehen.

1703 Bau der Johannes-Baptist-Enthauptungskapelle auf dem Herpelfeld bei Tiefenhäusern. Hier stand der Galgen für die Einung Höchenschwand.

1728–1730 erste Salpetererunruhen, an denen sich die Bevölkerung der Einung beteiligte. Auflehnung gegen das Kloster St. Blasien

1739 Freikauf der Hauensteiner vom Kloster St. Blasien. Abschaffung der Leibeigenschaft auf dem Berg. Hinrichtung des Dorfmeiers Jakob Leber als Exempel gegen die Auflehnung der Hauensteiner.

1745 Zweite Salpetererunruhen. Erstürmung von Waldshut und Schlacht bei Etzwihl, die die Hauensteiner verloren. Einige Hauensteiner mussten daraufhin in den Banat auswandern.

1755 Eröffnung des Adlers in Amrigschwand

1767 Eröffnung des Rössles in Tiefenhäusern

1783 Eröffnung des Adlers in Strittberg

1934 Bildung der Gemeinden Amrigschwand und Tiefenhäusern

1. Juli 1971 Eingemeindung von Tiefenhäusern

1. Oktober 1974 Eingemeindung von Amrigschwand

Politik mini|Ehemaliges Rathaus in Höchenschwand Verwaltungsverband Höchenschwand gehört dem Gemeindeverwaltungsverband St. Blasien mit Sitz in St. Blasien an.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Höchenschwand hat 12 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands33,7444,75BLBürgerliste Höchenschwand40,9533,04SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands25,4322,33gesamt100,012100,012Wahlbeteiligung64,1 %62,4 %

Wappen

Wappen der früheren Gemeinden

Partnerschaften Höchenschwand unterhält seit 1988 partnerschaftliche Beziehungen zu der kleinen französischen Gemeinde Arradon in der Bretagne.

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche St. Michael in Höchenschwand mini|hochkant|1. Preis im Strohskulpturen­wettbewerb 2015 mini|Marienkapelle Höchenschwander Beweinung von Georg Petel in der Kirche St. Michael Rothaus-Zäpfle-Turm (51,3 Meter hoher Aussichtsturm mit Kletterwand) Waldfreibad Häusern-Höchenschwand Johanneskirche: Ansicht Marienkapelle Wolfs-Informationszentrum Baden-WürttembergBoris Burkhardt: Keine Angst vor dem Wolf. In Höchenschwand entsteht das Wolfs-Informationszentrum Baden-Württemberg. In: Der Sonntag. 25. Juni 2017, S. 11.

Museen Museum Malerhäusle Christian Gotthard HirschInformationen auf der Webseite

Umweltschutz Höchenschwand verfügt aufgrund seiner Lage über einige natürliche schützenswerte Besonderheiten. Zum einen liegt auf der Nordseite des Höcheschwander Berges das "Eisloch" und die Gletschermoräne, die in der letzten Eiszeit entstanden sind. Ebenfalls gibt es zwei unter Naturschutz stehende Hochmoore, das Höchenschwander Moor und das Tiefenhäuser Moos Der größte Teil des Bannwald "Schwarzahalden" mit 428 Hektar, eines der größten Waldschutzgebeite in Baden-Württemberg, liegt ebenfalls auf dem Gemeindegebiet. Seit 1970 entwickelt sich hier der Wald völlig ungestört und ohne menschliche Eingriffe zum Urwald von Morgen. Besonders zu erwähnen ist, dass hier im Bannwald Schwarzahalden das Deutschlandweit einzige Reliktvorkommen der Aspisviper liegt. Einer sehr selten heimischen giftigen Schlagenart. Der Bannwald wurde 2012 erweitert und gehört zur Kernzone des Biosphärengebiets Schwarzwald.

Regelmäßige Veranstaltungen Am zweiten Augustwochenende findet in der St.-Georg-Straße von Höchenschwand seit 1993Höchenschwand: Ein durchweg geschmackvolles Fest. In: Badische Zeitung. 16. August 2011, abgerufen am 17. März 2013. jährlich die Schlemmermeile statt. Die 15. Veranstaltung dieser Art im Jahr 2008 hatte einige Tausend Besucher.Lothar Köpfer: Höchenschwand: Erlesene Speisen zum Verwöhnen. In: Badische Zeitung. 12. August 2008, abgerufen am 17. März 2013.