Kirkuk (, , ) ist eine Universitätsstadt im Norden des Irak und die viertgrößte Stadt des Landes. Sie ist das Zentrum der irakischen Erdölindustrie. Die Stadt Kirkuk liegt in einer Ebene mit einem Hügel. Der Hügel enthält mit der Zitadelle von Kirkuk den ältesten Teil der Stadt. Kirkuk wird durch den Fluss Hassa und die Zitadelle in drei Teile geteilt. Seit der Befreiung des Landes 2003 gehört die Stadt zu den umstrittenen Gebieten des Nordirak.

Name Der alte Name der Stadt war Arrapḫum und später Arrapḫa, sie war die Hauptstadt des gleichnamigen Königreiches Arrapḫa. Das Königreich war ein Vasallenstaat des Reichs Mittani/Hanilgabat. „Soweit bekannt ist, wird der Name Kirkuk (Karkuk) zum ersten Mal in dem Persischen Buch Zafar-nama erwähnt“. Laut Berechnung von Asoss M. Qader wird die erste Erwähnung des Namens Kirkuk in der heutigen Form auf 1393 n. Chr. datiert.

Nach dem Zusammenbruch des Assyrischen Reiches wird die Gegend um Kirkuk von PtolemäusEdward Balfour, Encyclopaedia Asiatica, S. 214, Cosmo Publications, 1976 Kurkura benannt, was den Namen Baba Kurkur (auch Baba Gurgur) – einem offenen Ölfeld vor der Stadt – erklären könnte. Unter den Seleukiden wurde Kirkuk in Karkha D-Bet Slokh umbenannt. Der Name bedeutet Zitadelle des Hauses Seleukios und war aramäisch – die damalige Lingua franca.The Acts of Mar Mari the Apostle Von Amir Harrak. S. 27.The World’s Greatest Story: The Epic of the Jewish People in Biblical Times Von Joan Comay. S. 384.

Das Gebiet um Kirkuk nannten Parther und Sasaniden Garmakan, was Warmes Land oder Heißes Land bedeutet. (PDF; 418 kB) Gleichzeitig nennen die Kurden das Gebiet Garmian/Germiyan. Türkische Stämme aus Germiyan gründeten im 14. Jahrhundert im westlichen Kleinasien das Beylik Germiyan.

Als die Araber im Zuge der islamischen Expansion im 7. Jahrhundert den Nahen Osten eroberten, nannten sie die Stadt Kirkheni (Zitadelle). Andere arabische Namen waren Bajermi oder Jermakan, was vom iranischen Namen Garmakan abstammt. Die heutige Form Kirkuk wird zum ersten Mal in dem Werk Zafarnama des Scharaf ad-Din Ali Yazdi († 1454) aus dem 15. Jahrhundert erwähnt (erhaltenes illuminiertes Manuskript von Ibrahim Sultan, 1436). Das Zafarname ist die Biografie Timurs, der Kirkuk erobert hatte.

Klimatabelle

Bevölkerung Im Jahr 1912 lebten in Kirkuk geschätzte 12.000 Personen. Im Jahr 1965 gaben offizielle Bevölkerungsstatistiken 184.000 Einwohner an, darunter 71.000 Kurden, 55.000 Turkomanen und 41.000 Araber. Es gab allerdings erhebliche staatliche Anstrengungen, Araber anstelle von Kurden anzusiedeln.Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. KIRKUK Die Bevölkerung Kirkuks lag 2024 bei 1.271.279 Einwohnern. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden. Weitere nennenswerte und große Volksgruppen der Stadt sind Araber und Turkmenen. Zu den kleineren Minderheiten zählen unter anderem die christlichen Assyrer. Vor allem die Deportierung der Kurden unter Saddam Hussein hat die Bevölkerungsstruktur der Stadt völlig verändert und befeuert die Kontroverse der Zugehörigkeit der Stadt zu Kurdistan oder aber zum Irak bis heute.

Arabische Einwanderung 250px|mini|Karte mit ethnischen Gruppen in Kirkuk und Umgebung 2014, zur Zeit der kurdischen Einnahme des Gebietes und der starken kurdischen Migration aus dem Norden (laut Mehrdad Izady). Erste Araber ließen sich bereits mit der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert in der Region nieder. Die zwei bedeutendsten arabischen Familien waren später die Tikriti und die Hadidi (). Die Tikriti wanderten, wie ihr Name sagt, im 17. Jahrhundert aus Tikrit nach Kirkuk ein. Andere arabische Familien, die sich während der osmanischen Herrschaft hier niederließen, sind die al-Ubaid () und die al-Dschiburi (). Die Al-Ubaid wurden von anderen arabischen Stämmen aus ihrer Heimat nordwestlich von Mossul vertrieben.

Turkmenische Einwanderung Als Kirkuk im 16. Jahrhundert von den Safawiden erobert wurde, begann die Besiedlung mit turkmenischen Stämmen. Die Safawiden versuchten ihre schiitische Konfession der sunnitischen Bevölkerung aufzudrücken.

Aus der turkmenischen Sicht gab es drei Einwanderungsperioden. Die ersten Turkmenen kamen als Soldaten der umayyadischen und abbasidischen Kalifen nach Kirkuk. Doch diese ersten Einwanderer wurden von der arabischen und kurdischen Bevölkerung aufgesogen und integriert. Die zweite Einwanderungswelle kam mit den Seldschuken, als Tughrul Beg 1055 in den heutigen Irak einfiel. Die Seldschuken hielten die Stadt Kirkuk 63 Jahre lang. In osmanischer Zeit zogen dann immer mehr Turkmenen nach Kirkuk.

Der irakische Historiker Abdul-Razzak Al-Hassani () ist hingegen der Ansicht, dass die Turkmenen Teile der Armeen Murads IV. von 1638 waren, die in Kirkuk angesiedelt wurden, um das Gebiet zu sichern.

Kurdische oder irakische Identität der Stadt mini|Sulaymaniyaa-Kirkuk Road nach der Flucht der irakischen Armee und der Sicherung durch die kurdischen Peschmerga Im Jahr 2012 besuchte der damalige irakische Premier Nuri al-Maliki die Stadt und hob die, nach ihm, irakische Identitäthttp://kurdistantribune.com/2012/kirkuk-kurdish-city-by-history-geography/ der Stadt, aufgrund der vielen Ethnien, hervor und verärgerte damit die kurdische Bevölkerungsmehrheit der Stadt, die sich seit jeher eine Angliederung an Kurdistan wünscht. Diese sehen Kirkuk nämlich als ihre heimliche Hauptstadt und erkennen in ihr vor allem eine rein kurdische Identität, die laut ihnen durch die Arabisierung der Regierung Saddam Husseins, verändert wurde. Während der Regierungszeit Husseins wurden ca. 250`000 Kurden aus Kirkuk vertrieben und Araber angesiedelt. Nach dem Sturz Husseins 2003 verlangten die Kurden, dass die vertriebenen Kurden wieder nach Kirkuk zurückkehren können.

Laut dem Historiker Kamal Mudhir Ahmed wurde die Kontroverse um die Identität der Stadt erst Anfang des 20. Jahrhunderts größer, als die ölreichen Felder in der Region entdeckt wurden.Ahmed, K M (2010), ‘Judgment of History and Conscience: A documentary study of the Kurdish issue in Iraq’ (Introduced and translated by Mufid Abdulla) Zuvor gab es laut Kamal Mudhir Ahmed keinen Disput um die kurdische Identität der Stadt, die über Jahrhunderte auch als Hauptstadt des kurdischen Baban-Reiches diente. Weiterhin erwähnt er, dass die ethnische Säuberung der Stadt, angetrieben durch die Baathisten, ab den 1960er Jahren vor allem gegen die kurdische Bevölkerung der Stadt gerichtet war, jedoch auch die turkmenische Minderheit traf.http://www.drkamal.com/

Religion In Kirkuk wohnen rund 2000 christlich-assyrische Familien. Etwa die Hälfte gehören der Chaldäisch-Katholischen Kirche mit der Kathedrale Herz Jesu an. 2013 wurde das Erzbistum Kirkuk mit dem Bistum Sulaimaniya zum Erzbistum Kirkuk-Sulaimaniya vereinigt. Sein Erzbischof ist seit 2014 Yousif Thomas Mirkis OP.

Weitere Christen Kirkuks sind Angehörige der syrisch-orthodoxen, syrisch-katholischen und armenisch-orthodoxen Kirchen.

Geschichte Altertum mini|Das alte Kirkuk etwa in den 1950er Jahren Die Geschichte von Kirkuk geht mehrere Jahrtausende zurück. Kirkuk war Hauptstadt des hurritischen Reiches von Arrapḫa. (PDF; 147 kB) Durch die Archive von Nuzi liegen bspw. besonders gute Informationen über die Wirtschaft von Arrapḫa vor.mini|Die Zitadelle von Kirkuk Arrapḫa wurde um 1225 v. Chr. durch Tukulti-Ninurta I. erobert, konnte danach aber seine Selbständigkeit kurz wieder erlangen. Im 10. und 11. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Stadt unter den Assyrern weiter. Die Stadt lag auf der Route der assyrischen Kriegszüge gegen Urartu und andere nördliche Länder. So erfolgte der Kriegszug des Nabopolassar 609 bis 607 v. Chr. gegen Urartu über Arrapḫa, Arbela, Nisibis, Mardin und den Tur Abdin.

Die Assyrer wurden durch ein Bündnis von Medern und Babylonier geschlagen.The Cambridge Ancient History I. E. S. Edwards, John Boardman, John B. Bury, S. A. Cook., Cambridge, Cambridge University Press, S. 178–179. So fiel die Stadt Arrapḫa an die Meder und nach ihnen an die Achämeniden. In parthischer und sasanidischer Zeit war Kirkuk Hauptstadt des Reiches Garmakan.

Von der Islamischen Expansion in die Neuzeit Im 7. Jahrhundert n. Chr. fiel das Gebiet unter arabisch-islamische Herrschaft. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts wurde Kirkuk von Daquq aus verwaltet. Im späten Mittelalter gehörte Kirkuk zum osmanischen Wilayet Schahrazor, dessen Hauptstadt es seit dem 16. Jahrhundert war. Nach arabischer, seldschukischer, mongolischer, persischer und osmanischer Eroberung war Kirkuk bis Ende des 18. Jahrhunderts für knapp 200 Jahre Hauptstadt des autonomen kurdischen Baban-Fürstentums.http://psi424.cankaya.edu.tr/uploads/files/Agoston%20and%20Masters,%20Enc%20of%20Ott%20Empire.PDF

Von der Moderne ins 21. Jahrhundert Den ältesten erhaltenen Dokumenten zufolge war die Familie Neftçizade lange vor 1639 in der Gewinnung von Naphtha tätig und bewirtschaftete das Vorkommen Baba Gurgur. In diesem Jahr wurde der Familie von Sultan Murad IV. per Ferman die Nutzniessung dieser natürlich zutage tretenden Quelle übertragen. Der Name Neftçizade ist aus persisch zade – Nachkommen – und arabisch/osmanisch neftçi – Naphtha-Produzenten – gebildet und bezeichnete ursprünglich eine Berufsgruppe. Dem Historiker Philippe Pétriat zufolge lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Familie arabischer, türkischer oder kurdischer Abstammung ist. Um 1840 stiftete sie einen Teil des so erwirtschafteten Einkommens einer Waqf, die mit dem Geld eine Moschee und eine Madrasa bauen ließ und für deren Betrieb Geistliche anstellte. Die Neftçizade waren keineswegs reich, denn der in Handarbeit gewonnene Rohstoff verkaufte sich lediglich als Lampenöl, Tiermedizin oder zur Abdichtung von Booten. Einige Familienmitglieder lebten sogar in Armut und mussten um Steuererlass bitten. Noch um 1892 waren die Neftçizade im Naphtha-Geschäft tätig, doch wurden ab 1889 die Vorkommen enteignet und dem Privatvermögen, dem hazine-i hassa, des Sultans zugeschlagen. Ein Bericht der Hohen Pforte hatte 1888 den Konzessionsnehmern primitive Abbautechnik bescheinigt. Istanbul wollte im Wettlauf um das neue Produkt bitrol nicht ins Hintertreffen geraten.

1913 eröffnete eine Schule der Alliance Israélite Universelle für die Kinder der jüdischen Gemeinde.

Am 14. Juli 1959 kam es bei den Feierlichkeiten zum ersten Jahrestag des Sturzes der Monarchie zu Zusammenstößen zwischen den Volksgruppen, bei denen es viele Tote unter der Bevölkerung gab.

Ab 1975 begann die Baath-Regierung kurdische und turkmenische Besitzungen zu verstaatlichen und staatliche Stellen nur noch an Araber zu vergeben.

Im April 2003 wurde die Stadt im Laufe des Irakkrieges von alliierten Truppen und kurdischen Kämpfern erobert. Die Kurden waren Hauptakteure im Kampf um die Befreiung des Iraks, als sie die Nordfront bildeten und Mossul und Kirkuk besetzten. In der Folge verschlechterte sich die Sicherheitslage in Kirkuk, wie auch im Rest des Irak, rapide. In Kirkuk war dies besonders ausgeprägt, weil arabische Sunniten, Kurden und Turkmenen gleichermaßen Anspruch auf die ölreiche Stadt erheben.

Volksabstimmung in Kirkuk Laut der irakischen Verfassung sollten bis März 2007 alle vertriebenen Familien zurückgekehrt sein, um Mitte 2007 eine neue Volkszählung durchzuführen. Im November 2007 sollte dann in einem Referendum entschieden werden, ob die Stadt der Autonomen Region Kurdistan angeschlossen werden wird oder nicht. Ende März 2007 verabschiedete das irakische Parlament eine Entscheidung, nach der alle Araber, die nach dem 14. Juli 1968 nach Kirkuk umgesiedelt wurden, die Stadt verlassen sollen. Ihnen sollte neben einer Entschädigung von 15.000 USD auch Grundstücke in ihrer Heimat, wo sie vor 1968 lebten, zugesichert werden. Seither beklagen sowohl die arabische, assyrische als auch turkmenische Bevölkerung eine systematische De-Arabisierung und Vertreibung anderer Volksgruppen aus der Stadt.