mini|hochkant|Kats-Chernin, 2018 Elena Kats-Chernin (* 4. November 1957 in Taschkent) ist eine usbekisch-australische Komponistin.

Leben Elena Kats-Chernin wuchs ab dem Alter von vier Jahren in Jaroslawl auf ABC Radio National, Interview in The Spirit of Things, 17. Juni 2016 und studierte zunächst am Gnessin-Institut Moskau; 1975 wanderte sie mit ihrer Familie nach Australien aus. Durch ein Stipendium wurde es ihr ermöglicht, von 1980 bis 1982 bei Helmut Lachenmann zu studieren. Kats-Chernin wurde zu Beginn der 1990er Jahre in Europa sowohl durch Aufführungen des Ensemble Modern als auch durch zahlreiche Bühnenmusiken zu Inszenierungen von Andrea Breth (vor allem am Wiener Burgtheater) sowie für das Tanztheater von Reinhild Hoffmann bekannt. Nach 13 Lebensjahren in Deutschland kehrte sie 1994 nach Australien zurück; sie lebt in einem Vorort von Sydney. Biographie beim Boosey & Hawkes, abgerufen am 1. Dezember 2017

Anfangs der europäischen Avantgarde verpflichtet, änderte sich Kats-Chernins Kompositions-Stil Ende der 1990er Jahre stark, nicht zuletzt nachdem bei einem ihrer drei Söhne eine Erkrankung an Schizophrenie diagnostiziert wurde ABC Radio National, Feature "Blue Silence" (2006). Ihre Musik ist seither als unverkrampfte und vitale Aneignung verschiedener Traditionen beschreibbar, die auch populäre Quellen wie Klezmer- und Music-Hall-Klänge in ihren Stil problemlos integriert. Sie ist zugänglich und virtuos, ohne populistisch zu sein.

Die Komponistin trat auch mit Anverwandlungen alter Musik hervor, etwa der drei noch erhaltenen Opern von Claudio Monteverdi: Orpheus, Odysseus und Poppea Komische Oper Berlin, Elena Kats-Chernin, aufgeführt an der Komischen Oper Berlin als Monteverdi-Zyklus in der Regie von Barrie Kosky, oder von Johann Sebastian Bach (Re-Inventions, 2004). Ihre erste eigene Oper Iphis schrieb Kats-Chernin 1997. Zahlreiche weitere Bühnenwerke entstanden in Zusammenarbeit mit Autoren wie Justin Fleming, Igor Bauersima oder Axel Ranisch. Besonders bekannt im deutschsprachigen Raum wurden auch ihre Kinderopern, mehrheitlich auf Libretti von Susanne Felicitas Wolf. Neue Stummfilmmusiken entstanden u. a. zum schwedischen Filmklassiker Der Fuhrmann des Todes von Victor Sjöström oder zu Menschen am Sonntag von Robert Siodmak und Billy Wilder.

Elena Kats-Chernins Schaffen, vielfach für international prominente Auftraggeber entstanden und auf CD eingespielt, umfasst alle Gattungen: Musiktheater, Tanz, Orchester, Konzert, Ensemble-, Kammer- und Solomusik, Chor- und Vokalkompositionen. Mehrere Jahre lang diente ihr Stück Eilza Aria als musikalisches Kennzeichen der Werbekampagne "For the Journey" des britischen Finanzdienstleisters Lloyds und trug ihr große mediale Bekanntheit ein. Werbeclip For the Journey auf Youtube Sie ist Trägerin des nationalen Verdienstordens Order of Australia. Limelight, 29. Januar 2019

Werke (Auswahl) Musiktheater Iphis, 1997 Matricide, the Musical, 1998 Mr Barbeque, 2002 Rage of Life, 2010 George, 2014 The Divorce, 2015 (4-teilige TV-Soap-Oper"The Divorce: Putting the Opera into the Soap", 1 December 2015) Schneewittchen und die 77 Zwerge, 2015 (Kinderoper) Whiteley, 2019 (Oper)Whiteley, Opera Australia, abgerufen am 3. Mai 2019 Die Geschichte von Valemon, dem Eisbärkönig, 2019 (Kinderoper) Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, 2019 (Kinderoper nach dem Roman von Michael Ende) Der Wind in den Weiden, 2019/20 (Kinderoper nach dem Buch von Kenneth Grahame) Der herzlose Riese, 2021 (Kinderoper) A Christmas Carol, 2023 (Kinderoper nach der Erzählung von Charles Dickens) Nils Holgerssons wundersame Abenteuer, 2023 (Kinderoper nach dem Buch von Selma Lagerlöf) Freischütz – Ein Tanz mit dem Bösen, 2024 (Ergänzung zur Oper von Carl Maria von Weber) Lene fliegt ins Zirkusland, 2025 (Kinderoper) Simsalabim – Das magische Leben des Dr. Schreiber, 2026 (Musical)

Ballette Wild Swans, 2003 (Australian Ballet, Choreografie: Meryl Tankard) Amalgamate, 2006 (Australian Ballet, Choreografie: Stephen Page) The Little Green Road to Fairyland, 2011 & 2019 (Queensland Ballet) Material Men, 2015 (Choreografie: Shobana Jeyasingh) The Three Dancers, 2015 (nach Picasso, Rambert Dance Company, Choreografie: Didy Veldman)

Gesang Rockhampton Garden Symphonies für Soli, Chöre und Orchester Symphonia Eluvium für Chor und Orchester (2011, zum Gedenken an die Flutkatastrophe in Queensland) Prelude and Cube für Chor und Orchester (2014, Text: Magnificat & Martin Luther) Human Waves für Chor und Orchester (2020, Text: Tamara Anna Cislowska) Ave Maria für Sopran, Mezzosopran und Orchester (2022)

Instrumentalwerke (oft mehrere Fassungen in unterschiedlichen Besetzungen) Butterflying Blue Silence Cadences, Deviations and Scarlatti Calliope Dreaming Chamber of Horrors Charleston Noir Clocks Cinema Frankenstein (Bühnenmusik, 2013) Gypsy Ramble In Tension Intermezzo Days Page Turn Peggy's Minute Rag Phoenix Story Purple Prelude Russian Rags Schubert Blues Slicked Back Tango Spirit and the Maiden Still Life Stur in Dur Tast-en Variations in a Serious Black Dress Velvet Revolution Wild Rice Zoom and Zip Orchesterwerke Retonica Stairs Wild Swans Suite Mythic Re-Collecting ASTORoids (Hommage an Astor Piazzolla) Big Rhap (2017) Bag of Twelve – Theme and variations on Beethoven's recently discovered Bagatelle Inner Angels (Melbourne Youth Orchestra, 2020) Momentum (Sydney Symphony Orchestra "50 Fanfares", 2022) Collective Heart (2024) Rainbow Promise ("25 for 2025" von BBC Radio, 2025) Solokonzerte Displaced Dances für Klavier und Orchester Garden of Dreams für Didgeridoo, Klavier und orchester Ornamental Air für Bassettklarinette und Orchester Night and Now für Flöte und Orchester Macquarie's Castle für Altsaxophon und Orchester The Witching Hour für acht Kontrabässe und Orchester (2016, Auftrag des Australian World Orchestra"At the witching hour, it’s all about the (double) bass", The Australian 24. September 2016) Ancient Letters Cembalokonzert (für Mahan Esfahani, 2017) Piano Concerto No.3 "Lebewohl" (2018) Force Majeure für Klavier und Kammerorchester (2022) Fantasie im Wintergarten für Violine und Orchester (2022) Sarenka Concerto für Violine, Violoncello und Orchester (2023) Filmmusik Der Fuhrmann des Todes Menschen am Sonntag Abwege Varieté Skandal in Baden-Baden Memoir of a Snail

Literatur Larry Sitsky, Ruth Lee Martin: Australian Piano Music of the Twentieth Century. Greenwood Publishing Group 2005, ISBN 0313322864, S. 244 (eingeschränkte Online-Version (Google Books)) Pamela Youngdahl Dees: Piano Music by Women Composers. Greenwood Publishing Group 2004, ISBN 0313319901, S. 113 (eingeschränkte Online-Version (Google Books)) International Who’s Who in Classical Music 2003. Routledge 2003, ISBN 185743174X, S. 398 (eingeschränkte Online-Version (Google Books)) Jens Luckwaldt: "Elena Kats-Chernin", in Komponisten der Gegenwart, edition text + kritik, 66. Nachlfg. April 2020, ISBN 9783967074956 (eingeschränkte Online-Version)

Weblinks Website der Komponistin bei ihrem Musikverlag Boosey & Hawkes Website der Komponistin beim nationalen australischen Musikzentrum

Anmerkungen

Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Australien) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Komponist (Ballett) Kategorie:Komponist (Chor) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Officer des Order of Australia Kategorie:Person (Taschkent) Kategorie:Usbeke Kategorie:Australier Kategorie:Geboren 1957 Kategorie:Frau