mini|hochkant|Ernst Poensgen 1926 Carl Albert Ernst Poensgen (* 19. September 1871 in Düsseldorf; † 22. Juli 1949 in Bern) war ein deutscher Unternehmer und Mäzen der Stadt Düsseldorf und stammte von der weitverzweigten Eifeler Reidemeisterfamilie Poensgen ab.

Leben Ausbildung Ernst Poensgen schloss seine Schullaufbahn mit dem Abitur 1890 an dem Städtischen Realgymnasium und Gymnasium an der Klosterstraße in Düsseldorf ab und studierte von 1890 bis 1892 Mathematik und Chemie an der Universität Straßburg, wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde.Kösener Korps-Listen 1798–1910, Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg, 1910, PDF (54 MB) Nr. 151 S. 839. Seinen Militärdienst absolvierte er als Einjährig-Freiwilliger im königlich preußischen Feldartillerie-Regiment Nr. 15 und studierte anschließend von 1892 bis 1895 Bergbau- und Hüttenwesen an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg und der Bergakademie Berlin. 1895 trat er ein einjähriges Praktikum in der Friedenshütte in Oberschlesien an.

Von 1896 bis 1929 1896 wurde Poensgen Betriebsingenieur, dann Prokurist und 1901 Betriebsdirektor des Familienunternehmens Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG, deren Anlagen er nach mehreren Studienaufenthalten in den Vereinigten Staaten grundlegend verbesserte.

1904 wurde in Düsseldorf die Stahlwerksverband AG (auch „Stahlwerkverband“) gegründet. Sie beherrschte zusammen mit dem oberschlesischen Stahlwerksverband die gesamte deutsche und luxemburgische Stahlindustrie. Poensgen war an der Gründung beteiligt und begann damit seine lebenslange Verbandstätigkeit. 1905 verlegte der Stahlwerksverband seinen Sitz nach Düsseldorf und gab den Auftrag zum Bau seiner Zentrale im Düsseldorfer Stahlhof.

Poensgen wurde ebenfalls 1905 Vorstandsmitglied der Düsseldorfer Röhren- und Eisenwalzwerke AG, 1911 nach der Verschmelzung mit der „Phönix“ AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, an der die Familie Anteile hatte, deren Vorstandsmitglied.

Ernst Poensgen wohnte mit Familie in der Prinz-Georg-Straße 15 im Haus der Erben des Architekten Bernhard Budde.Prinz-Georg-Str. 15: (E. Erben Budde), Poensgen, Ernst, Industrieller, in Adreßbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf, 1911, S. 287. Von 1910 bis 1911 ließ er sich in der Malkastenstraße 11 von dem Architekten Max Wöhler ein Stadtpalais bauen.Malkastenstraße 11 (E. Poensgen, Ernst, Prinz-Georgstr. 15) Neubau, in Adreßbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf, 1911, S. 244. Nebenan in der Nr. 13, welche in Nr. 15 umbenannt wurde, entstand zeitgleich das Stadtpalais des Persil-Erfinders Hugo Henkel.

Von 1914 bis zur Auflösung 1933 war er Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Nordwest des Vereins der Deutschen Eisen- und Stahlindustrieller.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sich Ernst Poensgen freiwillig zum Militär. Er wurde im Winter 1914/1915 als Batteriechef in Galizien eingesetzt, ab Frühjahr 1915 war er in der Militärverwaltung des besetzten Belgiens mit der Kontrolle der dortigen Stahlindustrie beauftragt. 1916 wurde er vom Dienst freigestellt und arbeitete als technischer Leiter des Phönix-Konzerns in (Dortmund-)Hörde. Er trat auch dem „Deutschen Stahlbund“ bei, einer während des Ersten Weltkriegs bestehenden Organisation zur Sicherstellung der militärischen Eisen- und Stahl-Bedürfnisse. Für seine Verdienste um die Kriegswirtschaft wurde ihm das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse verliehen.

Nach dem Frieden von Brest-Litowsk im März 1918 mit Russland gehörte Poensgen zu den 15 Vertretern der deutschen Schwerindustrie, die im Düsseldorfer Stahlhof darüber berieten, wie sich die deutsche Industrie nach dem Verlust der deutschen Seegeltung „auf dem euro-asiatischen Kontinent […] schadlos halten könnten“ (George Hallgarten).George W. F. Hallgarten, Joachim Radkau: Deutsche Industrie und Politik von Bismarck bis in die Gegenwart. Reinbek 1981, S. 134f; gestützt auf Fritz Fischer: Griff nach der Weltmacht, Düsseldorf 1964, S. 497f. Sie planten eine vom Reich zu finanzierende riesenhafte Ausweitung der deutschen Exporte nach Osten. Poensgens Phoenix AG war beteiligt, als die finanziellen Grundlagen dieses Plans am 4. Juni 1918 zusammen mit Bankiers im Reichswirtschaftsamt durchgeplant wurde.

Ernst Poensgen trat 1919 in die von Gustav Stresemann geprägte und anfangs monarchistisch, später republikanisch ausgerichtete Deutsche Volkspartei (DVP) ein.Lutz Hatzfeld: Ernst Poensgen. In: Rheinische Lebensbilder., Hg. Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde, Band 7, Rheinland-Verlag, Köln 1977, S. 203–225.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Ordnungsmacht der Länder und des Deutschen Reichs schwer erschüttert. Die rheinisch-westfälische Schwerindustrie nutzte dies dazu, ihren Einfluss für eine marktbeherrschende Stellung zu bündeln. Dabei konnte der von ihr bereits 1871 gegründete Langnam-Verein eine zunehmend selbstständige Wirtschaftspolitik machen. Ziel war es, in Deutschland ein „vertikales“ Monopol für Kohle, Koks, Gas und Stahl einzurichten.

1924 wurde in diesem Zusammenhang als Ergänzung des Stahlwerksverbandes unter Mitwirkung von Poensgen die (deutsche) Rohstahlgemeinschaft gegründet.

Außerdem war Poensgen seit den 1920er Jahren auch um internationale Vereinbarungen im Stahlbereich bemüht. In enger Abstimmung mit dem Reichswirtschaftsministerium wurden zunächst bilateral mit Frankreich Verhandlungen über gegenseitige Handelsfragen geführt. Sie waren überlagert durch Versuche der beiden Regierungen, zwischenstaatliche Handelsabkommen zu erzielen, wobei seitens der Reichsregierung auch die Rückkehr der bisher französisch besetzten Gebiete von Bedeutung war. Im Rahmen der Aufnahme des Deutschen Reichs in den Völkerbund war Poensgen außerdem als Mitglied der deutschen Delegation Wortführer bei den Beratungen zur Neuordnung der internationalen Eisenwirtschaft. Dabei gewann er international weithin Anerkennung und wurde z. B. vom British Iron and Steel Institute zum Ehrenmitglied ernannt.

Anfang 1926 gründete Poensgen zusammen mit Emil Kirdorf und Fritz Thyssen die Vereinigte Stahlwerke AG (auch „VSt“, „Vestag“ oder „Stahlverein“ genannt). Sie war ein Zusammenschluss von anfänglich sieben Firmengruppen (Thyssen, „Phönix“, Bochumer Verein u. a.) und zählte 1937/1938 mit 194.000 Beschäftigten zu den größten deutschen Unternehmen. Poensgen wurde zunächst stellvertretender Vorstandsvorsitzender, ab 1935 Vorstandsvorsitzender des Konzerns.

Schon im Gründungsjahr wurde seitens der „Vereinigten Stahlwerke“ versucht, auch die Gaswirtschaft reichsweit zu kontrollieren. Geplant war, vom Ruhrgebiet aus das übrige Deutschland mit einem Netz von Fernleitungen zu überziehen, in denen unter dem Schutz des Syndikats billig hergestelltes Hochofen-Gas in Konkurrenz zu den noch unabhängig gebliebenen lokalen Gaswerken vertrieben werden sollte. Letzteren wiederum sollte keine Kohle mehr zur Gasproduktion geliefert werden. Treibende Kraft dieser Pläne waren neben Ernst Poensgen der Generaldirektor der „Vereinigten Stahlwerke“ Albert Vögler, Fritz Thyssen, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und der Generaldirektor der Stinnes-Zechen Alfred Pott. Man gründete mit dem Ziel der reichsweiten Vorherrschaft die Kohlenverwertungs-AG, die 1928 den heute bekannteren Namen Ruhrgas AG erhielt. Zu den vom Kartell verwendeten Mitteln gehörte auch das, was man heute 'Lobby-Arbeit' oder 'Pflege der politischen Landschaft' nennen würde – auch unter Einschluss demokratiefeindlicher rechtsradikaler Kräfte. Demgegenüber wies vor allem der Deutsche Verein von Gas- und Wasserfachmännern (getragen von den kommunalen Gasversorgern) auf die volks- und betriebswirtschaftlichen Nachteile des geplanten Monopols hin. Zunehmend schlossen sich dieser Sichtweise die Presse, die Parlamente und schließlich auch die Regierungen der Weimarer Republik an. Der Plan zur reichsweiten Alleinversorgung durch die Ruhrgas AG scheiterte.

Am 10. September 1926 wurde das Deutsche Reich in den Völkerbund aufgenommen. Poensgens gute internationale Kontakte waren schließlich eine der Grundlagen dafür, dass er als Vizepräsident am 1. Oktober 1926 zusammen mit Emil Mayrisch als Präsidenten und Fritz Thyssen die Internationale Rohstahlgemeinschaft (IRG, auch: „Internationales Stahlkartell“, „International Steel Cartel“) gründen konnte. Dies war ein europäisches Kartell ausgewählter Unternehmen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und des (damals zollrechtlich selbständigen) Saargebiets. Es sollte ihnen Schutz vor Konkurrenz im eigenen Land und auf dritten Märkten verschaffen. 1927 schlossen sich dem Kartell auch Österreich, Ungarn, die Tschechoslowakei und schließlich Großbritannien an. Deutschland trat wie schon bei der Gründung erwogen 1929 aus der Internationalen Rohstahlgemeinschaft mit dem Ziel von Nachverhandlungen zunächst wieder aus.

Poensgens lebenslanger Vertrauter und Vorstandskollege Albert Vögler, 1918 Gründungsmitglied der DVP, trat 1924 aus dieser Partei aus. Spätestens 1928, als die DVP durch Flügelkämpfe an Bedeutung verlor, verließ auch Ernst Poensgen die DVP und trat wie sein Vetter Helmuth Poensgen und andere Teile der Familie in die wesentlich weiter rechts stehende Deutschnationale Volkspartei ein.Hugo Weidenhaupt: Die Industrie- und Verwaltungsstadt (20. Jahrhundert). (= Düsseldorf: Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert, Band 3). Schwann im Patmos-Verlag, 1989, ISBN 3-491-34223-6, S. 310.

Seit der Gründung 1928 gehörte Ernst Poensgen auch zum exklusiven Kreis der Ruhrlade. 1929 wandte er sich gegen den Young-Plan zur Begrenzung der Reparationszahlungen des Deutschen Reichs für den Ersten Weltkrieg. Im selben Jahr wurde er Vorsitzender im Verein Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller (heute: Wirtschaftsvereinigung Stahl).

Krise der Weimarer Republik Wie die meisten Mitglieder der Ruhrlade und die übrigen Vertreter der Schwerindustrie von Rhein und Ruhr in der Weimarer Republik neigte auch Ernst Poensgen zu den rechts-konservativen Kräften. Er hielt eine autoritäre Regierungsform für besser geeignet, die andauernde schwere Krise des Deutschen Reichs zu beenden als die parlamentarische Demokratie. So forderte er während der Mitgliederversammlung des Vereins am 4. November 1930 entsprechend den Wünschen vieler Mitglieder des Langnam-Vereins nach Ablösung des Weimarer Parlamentarismus durch eine autoritäre Reichspolitik in Abgrenzung gegenüber den ausgleichenden Bemühungen Reichskanzlers Heinrich Brüning einen „Führer, der unser Volk wieder einheitlich und zielbewußt führen möge“. Poensgen bezweifelte, dass Brüning „den Mut und die Kraft habe“, seine politischen Absichten konsequent umzusetzen.Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930-1933; Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik. In: Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 45. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, 314 Seiten. ISBN 978-3525357033, als PDF 2003 und digital nicht-kommerziell unter