Röthlein ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt.

mini|300px|Blick über das Röthleiner Gemeindegebiet:mit Gemeindeteil Heidenfeld, dem 2015 abgeschalteten Kernkraftwerk Grafenrheinfeld und am Horizont (im Dunst) der Rhön, rechts mit Kreuzberg

Etymologie

Der Name Roumfeld wandelte sich über die Jahrhunderte zu Rheinfeld und war die gemeinsame Bezeichnung für die drei Orte Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld und Oberrheinfeld (Oberndorf). Schließlich wurde vom Namen Rheinfeld „Rothrheinfeld“ für Röthlein abgeleitet.

Der Name Röthlein erschien in Urkunden erstmals 780 als „Rodungen“ und 1168 als „Rodranfeld“. Als 1179 das Würzburger Domkapitel Rheinfeld erwarb, wurde Röthlein als „Rhoneueld et Roth“ genannt. 1387 wurde die Bartholomäuskirche am rechten Mainufer als Mutterkirche zu „Ranvelt“ erwähnt, bestehend aus den Orten „Bergranvelt“ (Bergrheinfeld), „Grevenranfelt“ (Grafenrheinfeld), „Oberranveld“ (Oberndorf) und „Rodranvelt“ (Röthlein).

Geografie Lage Der Hauptort der Großgemeinde liegt 3 Kilometer östlich des Mains, im Schweinfurter Becken. Die Ortsmitte befindet sich 6,5 Kilometer südlich des Stadtzentrums von Schweinfurt. Das Gemeindegebiet wird im Nordwesten vom Unkenbach begrenzt und hat im Norden einen kleinen Anteil am Schwebheimer Wald. Im Osten bildet die dort autobahnähnlich ausgebaute Bundesstraße 286 die Grenze. Im Südwesten grenzt das Gemeindegebiet an den Main, wo es mit dem Hirschfelder Weiher ein kleines rechtsmainisches Gebiet besitzt. Dort gehört ein kleiner Teil des Vogelschutzgebietes Garstadt und fast das gesamte Areal Erweiterung des Vogelschutzgebietes Garstadt zum Gemeindegebiet. Im Westen grenzt der Hauptort unmittelbar an das nahe am Rathaus gelegene Naturschutzgebiet Elmuß, das jedoch zur Gemeinde Grafenrheinfeld gehört.

Röthlein gehört zur Interkommunalen Allianz Schweinfurter Mainbogen.

Gemeindegliederung Es gibt drei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Heidenfeld (Pfarrdorf) Hirschfeld (Kirchdorf) Röthlein (Pfarrdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Heidenfeld, Hirschfeld und Röthlein. Die Gemarkung Röthlein hat eine Fläche von 3,376 km². Sie ist in 1383 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2441,43 m² haben.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Grafenrheinfeld, Schwebheim, Kolitzheim, Wipfeld, Waigolshausen und Bergrheinfeld.

Klima Röthlein hat eine mittlere Jahrestemperatur von 8 °C und eine mittlere Niederschlagsmenge von 600 Millimetern im Jahr. Die Gemeinde liegt in der sommerwarmen und wintermilden Schweinfurter Trockenplatte, in der infolge der Klimaerwärmung die Wasserknappheit zunehmend zum Problem für Natur und Landwirtschaft wird.

Geschichte Mittelalter

Röthlein entwickelte sich aus der einstigen Siedlungs- und Gemarkungseinheit, bzw. gemeinsamen Pfarrei Rheinfeld (siehe auch: Etymologie).

Röthlein wurde 1179 erstmals als eigenständige Ortschaft urkundlich erwähnt. Siedlungszusammenhänge und die ältesten Formen der Ortsnamensschreibung weisen darauf hin, dass Röthlein aus einer kleinen Rodung auf der Rheinfelder Gemarkung („Rothreinfeld“) erwachsen ist. Teile des Ortes wurden schon im 12. Jahrhundert an das Würzburger Domkapitel verkauft. Seit dem ausgehenden Mittelalter befand sich dieses im unbestrittenen Besitz der Gemeinde- und Dorfherrschaft Röthlein. Röthlein war im Mittelalter Filiale der Pfarrei Grafenrheinfeld. 1744 kam es zum Bau der eigenen, dem Apostel Jakobus der Ältere geweihten Kirche; sie wurde 1893/94 durch den heutigen Neubau ersetzt. Röthleins Wirtschaft war ehedem vom Fischfang, dem Betrieb einer Mühle und vom Erwerbsgartenbau (Krautkulturen) geprägt.

Moderne Mit Trinkwasser wird die Gemeinde durch den Zweckverband der Rhön-Maintal-Gruppe versorgt. 1986 wurde im Gewerbegebiet Mühläcker ein neuer Gemeindebauhof errichtet.

Wegen der räumlichen Enge in den beiden Schulgebäuden in Heidenfeld und Röthlein wurde 1989 in Röthlein eine neue Grundschule eröffnet.

Der Völkerverständigung wurde mit der Unterzeichnung von Partnerschaftsurkunden 1989/90 mit der französischen Gemeinde Cormelles le Royal in der Normandie Rechnung getragen. Die Aufrechterhaltung der Partnerschaft obliegt dem Partnerschaftskomitee. Im Mai 1999 wurde mit mehrtägigen Feierlichkeiten das zehnjährige Jubiläum der Partnerschaft und im Jahre 2009 das zwanzigjährige Bestehen gefeiert.

Religion Röthleins Wahrzeichen ist sein 1893/95 im neugotischen Stil erbautes Gotteshaus für die katholische Pfarrgemeinde. Die Jakobus dem Älteren geweihte Pfarrkirche wurde von dem ehemaligen Röthleiner Bürger Adam Nikolaus, Baumeister in München mit Hilfe der Einwohner errichtet. Der Ort hatte um diese Zeit den Ruf als „Maurerdorf“, da die Bauernhöfe nicht allen Familienangehörigen Arbeit bieten konnten.

Der mit 44 Meter höchste Kirchturm im Landkreis Schweinfurt und das hohe Kirchenschiff überragen weithin sichtbar die Dorfsilhouette nach allen Himmelsrichtungen. An gleicher Stelle stand bis 1893 eine kleine Kirche, die 1744 nach Plänen Balthasar Neumanns errichtet worden war.

Eine aus französischem Kalkstein gehauene, aufrecht stehende Jakobusstatue in Lebensgröße schmückt die Außenfassade über dem Portal. Auf einer reichverzierten Konsole stehend und mit einem Baldachin überdacht, dem ein Ziertürmchen, eine sogenannte Fiale, aufgesetzt ist, ist die Figur des Jakobus mit den gleichen Insignien, dem Stab und dem Schwert, ausgestattet wie die Holzskulptur auf dem Seitenaltar. Der Würzburger Bildhauer Nikolaus Köstner schuf die Statue des Kirchenpatrons 1893.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Heidenfeld und Hirschfeld in die Gemeinde Röthlein eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Die Schweinfurter Vorortgemeinde hatte bis 2005 stetiges Wachstum, bis nahe an die 5000-Einwohner-Marke und danach einen leichten Rückgang zu verzeichnen. Jahr 1961 1970 1991 1995 2003 2004 2005 2006 2007 Einwohner 3032 3521 4311 4674 4855 4897 4905 4895 4838 Jahr 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Einwohner 4826 4784 4769 4573 4544 4584 4545 4561 4492 Jahr 2017 2018 2019 Einwohner 4506 4538 4505 Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4011 auf 4538 um 527 Einwohner bzw. um 13,1 %. 2004 hatte die Gemeinde 4897 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Einwohnerstatistik männlich weiblich 49,44 % 50,56 % Röthlein Heidenfeld Hirschfeld 2516 1667 782 Mit Hauptwohnsitz sind 4693 Einwohner gemeldet.

Zahlen, Daten, Fakten mini|hochkant|Die Kirche St. Jakobusim Hauptort Flächenstatistik Gebäude- und Freiflächen 93 ha Waldflächen 364 ha Grünanlagen 13 ha Wasserflächen 23 ha Verkehrsflächen 140 ha sonstige Flächen 29 ha landwirtschaftliche Flächen 1249 ha

Religionsstatistik Katholisch Evangelisch Sonstige 72,72 % 12,82 % 14,46 %

Politik Bürgermeister Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Peter Gehring (CSU/Freie Wählergemeinschaft Hirschfeld); er wurde am 15. März 2020 mit 54,1 % der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war vom 1. Mai 2008 bis 30. April 2020 Albrecht Hofmann (Freie Bürgerliste).Grußwort des 1. Bürgermeisters. In: Gemeinde. Auf Roethlein.de, abgerufen am 5. September 2020.

Gemeinderat mini|Rathaus der Großgemeinde Röthlein, im Hauptort

Der Gemeinderat hat (ohne Bürgermeister) 16 Mitglieder. CSU und Freie Wählergemeinschaft 4 Sitze Freie Wählergemeinschaft Hirschfeld (FWGH) 4 Sitze SPD und Freie Bürger 2 Sitze Christliche Wählergemeinschaft Heidenfeld (CWG) 2 Sitze Freie Bürgerliste Hirschfeld, Heidenfeld, Röthlein (FBL) 2 Sitze Unabhängige Wählergemeinschaft Heidenfeld (UWG) 1 Sitz Liste Demokratischer Wähler, Röthlein, Heidenfeld (LDW) 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl am 15. März 2020)

Wappen

Interkommunale Allianz Die Gemeinde Röthlein gehört zur interkommunalen Allianz Schweinfurter Mainbogen (siehe: Grafenrheinfeld, Interkommunale Allianz).

Gemeindepartnerschaft Partnergemeinde ist:

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler mini|Kloster Heidenfeld

Wallfahrtskirche St. Laurentius Heidenfeld, birgt die Reliquien des seligen Liborius Wagner (1593–1631, 1974 von Papst Paul VI. seliggesprochen) Kloster Maria Hilf (im Ortsteil Heidenfeld) Kirche St. Jakobus (im Hauptort)

Bodendenkmäler

Parkanlagen mini|Partnerschaftsgarten im Hauptort Partnerschaftsgarten, der aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Partnerschaft mit der Gemeinde Cormelles-le-Royal im Hauptort angelegt wurde.

Regelmäßige Veranstaltungen Kirchweih in Heidenfeld Röthleiner Plankirchweih mit Plantanz (letztes Wochenende im Juni) Kirchweih in Hirschfeld Fest des seligen Liborius Wagner am 9. Dezember jeden Jahres in Heidenfeld Normannischer Markt Fischfest im Hauptort und Heidenfeld Der Autofreie Sonntag Erntedankfest Straßenfest in Hirschfeld DJK Fest in Hirschfeld Weihnachtsmarkt

Wirtschaft und Infrastruktur Das großindustrielle Zentrum Schweinfurt bietet vielen Pendlern Arbeitsplätze.

Landwirtschaft In der Schwemmebene des Mains mit guten Böden hat die Landwirtschaft mit ihren Sonderkulturen und großen Gewächshäusern einen besonderen Stellenwert. Von Voll- und Nebenerwerbslandwirten werden noch 1106 Hektar genutzt. 1972 wurden die ehemaligen Gemeinden vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium mit dem Ersten Preis für eine vorbildliche Flurbereinigung ausgezeichnet.

Industrie Die günstige Verkehrslage (siehe: Straßenverkehr) sowie der Nähe zu den Schweinfurter Industrie- und Gewerbeparks Hafen-West, Hafen-Ost und Maintal machen den Standort Röthlein attraktiv.

Seit Mitte der 1980er Jahre befindet sich das Gewerbegebiet Mühläcker in stetigem Wachstum. Heimische Handwerksbetriebe konnten sich dort erweitern, neue Branchen ansiedeln. Auf dem 25 Hektar großen Industriegebiet Etzberg haben sich neue Unternehmen, insbesondere der Großlogistik, angesiedelt. Das Logistikunternehmen Schäflein, mit Hauptsitz in Röthlein, hat insgesamt 1650 Mitarbeiter an mehr als 30 Standorten im In- und Ausland.

Straßenverkehr Röthlein liegt an der von hier bis Schweinfurt autobahnähnlich ausgebauten Bundesstraße 286 (Abfahrt Schwebheim/Röthlein), die die Gemeinde nach Norden mit der nahen Bundesautobahn 70 und der Schweinfurter Innenstadt verbindet. Nach Süden führt die B 286 ebenfalls als kreuzungsfreie Autostraße, aber nur zwei- oder dreispurig, zur Autobahn 3. Die Staatsstraße 2277 führt durch Röthlein.

Öffentlicher Personennahverkehr In der Großgemeinde Röthlein ist jeder Gemeindeteil an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs des Verkehrsverbunds Nahverkehr Mainfranken durch mehrere Bushaltestellen in den Orten angeschlossen.

Neue Baugebiete mini|Neubaugebiet Am Auwaldim Hauptort

Im Laufe der Zeit wurden mehrere Neubaugebiete ausgewiesen. Die letzten waren Elmuß II (2004, 79 Bauplätze) und An der Tränke I (2016, 29 Bauplätze). Die meisten Baugrundstücke waren schnell verkauft. Vorhandene Baulücken sollen vorrangig geschlossen werden.

Abwasserbeseitigung Die Abwasserbeseitigung erfolgt für die Gemeindeteile Heidenfeld und Röthlein durch den Zweckverband Unterer Unkenbach mit der Kläranlage in Heidenfeld und für den Gemeindeteil Hirschfeld durch den Zweckverband Stammheimer Gruppe mit der Kläranlage in Stammheim.

Bildung und Kultur Im Gemeindeteil Röthlein befindet sich eine Gemeindebibliothek und eine Grundschule. Für das Gemeinwohl der Bürger sind unterschiedliche öffentliche Einrichtungen auf die drei Gemeindeteile verteilt. So befindet sich heute zum Beispiel im früheren Kindergartengebäude in Röthlein (1913/14 als Kinderbewahranstalt errichtet) das katholische Pfarrheim, in dem auch die evangelischen Bürger, die in allen drei Gemeindeteilen in der Minderzahl sind, regelmäßig Gottesdienste feiern. Sie werden von der Nachbargemeinde Schwebheim mitbetreut.