mini|hochkant|Johannes Friedrich (2009) mini|hochkant|Johannes Friedrich (2011) Johannes Henning FriedrichDNB. (* 20. Juni 1948 in Bielefeld-Gadderbaum; † 3. September 2025 in Nürnberg) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, der unter anderem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) war.

Leben Johannes H. Friedrich, eines von sieben Kindern des evangelisch-lutherischen Theologen der Bekennenden Kirche und Lehrstuhlinhabers für Neues Testament Gerhard Friedrich und dessen FrauKlaus Bürger: , abgerufen am 5. August 2010. Ruth Friedrich, geborene Hilgenstock,Friedrich, Gerhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 336. wuchs in Erlangen auf. 1967 legte er am Gymnasium Fridericianum das Abitur ab.

Erste Berufserfahrungen Nach dem Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität Tübingen war Friedrich von 1972 bis 1976 Wissenschaftlicher Assistent bei Peter Stuhlmacher in Tübingen. Walter Klaiber war als Assistent sein Vorgänger bei Ernst Käsemann.

Friedrich promovierte in Tübingen über das Thema Gott im Bruder. Eine methodenkritische Untersuchung von Redaktion, Überlieferung und Traditionen in Mt 25, 31–46, erschienen als Calwer Theologische Monographien, Band 7. Hier zeigt sich seine theologische Grundposition von der politischen Theologie über die Ökumene bis zur pastoralen Nähe zum Menschen, vor allem bei Menschen, die in existentieller Not sind. Es war ihm wichtig, die Menschen zu stärken, eine im Kern dialogische Theologie. Friedrich versucht nachzuweisen, dass Mt 25, 31–46 auf Jesus zurückgeht: Gott im Bruder zu lieben, heißt, Gott nicht sterben zu lassen.Johannes Friedrich: Gott im Bruder (= Calwer Theologische Monographien, Reihe A: Bibelwissenschaft. Bd. 7). Calwer Verlag Stuttgart 1977; ISBN 3-7668-0537-1.

Am 13. November 1977 wurde Friedrich ordiniert. Ab 1979 war er Pfarrer in Nürnberg an St. Egidien und zugleich Studentenpfarrer an der Universität Erlangen-Nürnberg und den Fachhochschulen in Nürnberg.

Propst in Jerusalem und Dekan in Nürnberg 1985 wurde Friedrich als Propst an die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem berufen.Evangelisch in Jerusalem: ; (31. Januar 2012). Die Verleihung des Titels „Propst“ geht auf Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Einweihung der Erlöserkirche im Jahr 1898 zurück. Dieser ist der Repräsentant der EKD in Israel, im Westjordanland und in Jordanien. Seine Aufgaben sind vergleichbar mit denen eines Weihbischofs in der anglikanischen Kirche oder eines Bischofs in orthodoxen Kirchen. Propst Johannes Friedrich pflegte den interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen sowie den interkonfessionellen Dialog mit einer Vielzahl christlicher Religionsgemeinschaften.

Ab 1991 bekleidete Friedrich das Amt des Dekans des evangelisch-Lutherischen Dekanats in Nürnberg. Ab 1996 war er Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und dort Vorsitzender des synodalen Grundfragenausschusses.

Landesbischof Am 24. April 1999 wurde Friedrich zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der drittgrößten Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), gewählt. Das Amt trat er am 1. November 1999 an. Von 2000 bis 2005 war er Catholica-Beauftragter der VELKD und gehörte von 2002 bis 2013 dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland an.Unterwegs in Sachen Bibel: Früherer bayerischer Landesbischof Friedrich wird 70 Jahre alt. In: Idea Pressedienst vom 12. Juni 2018, Nr. 136. Beim Papstbesuch in Deutschland 2006 zelebrierten Johannes Friedrich und Benedikt XVI. eine ökumenische Vesper im Regensburger Dom.

Nach Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit verzichtete Friedrich auf eine Wiederwahl. Am 30. Oktober 2011 wurde sein Nachfolger, der Bamberger Theologieprofessor Heinrich Bedford-Strohm, als Landesbischof eingeführt.Katja Auer: Neuer evangelischer Landesbischof – Kirchenprominenz ist gekommen; Artikel auf sueddeutsche.de vom 30. Oktober 2011; abgerufen am 30. Oktober 2011.

Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands Am 17. Oktober 2005 wurde Friedrich von der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zu deren leitendem Bischof gewählt. Er vertrat somit 10,4 Millionen Gläubige. Aufgrund dieser Wahl war Friedrich Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB), mit Sitz in Wittenberg. Die Arbeit in Wittenberg sah Friedrich als „Beitrag zur Gemeinschaftsbildung und Versöhnung der christlichen Kirchen […], um vertrauensvolle und belastbare Kontakte zu Christinnen und Christen in aller Welt aufzubauen […] um eine stark ökumenisch orientierte Arbeit, um die Zuarbeit für die lutherischen Kirchen weltweit und für alle anderen Christen, die an der Reformation interessiert seien.“ (11. Juni 2009).

Nachfolger von Johannes Friedrich als leitender Bischof der VELKD wurde der schleswig-holsteinische Bischof Gerhard Ulrich.Eberhard Blanke:

Pfarrer von Bertholdsdorf Vom 1. Februar 2012 bis 31. August 2013 war Friedrich Pfarrer im fränkischen Bertholdsdorf, wo er auf einer halben Stelle insgesamt 720 Evangelische auch aus anderen Orten betreute.Jutta Olschewski, Diane Meyer: Bertholdsdorf in Aufregung: Der Bischof wird ihr Pfarrer; epd-Bericht auf evangelisch.de vom 31. Januar 2012. (offline) Der Einführungsgottesdienst wurde am 5. Februar gefeiert.Jutta Olschewski: Friedrich: „Scheuen Sie sich nicht, mich anzurufen“; zeitzeichen. Ev. Kommentare zu Religion und Gesellschaft; Artikel auf evangelisch.de vom 5. Februar 2012. (offline)Porträt Dr. Johannes Friedrich, Landesbischof a. D., abgerufen am 29. Januar 2012. Am 8. September 2013 wurde Friedrich bei einem Festgottesdienst in Bertholdsdorf in den Ruhestand verabschiedet.

Privates und Tod Friedrich war verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Er starb nach langer Krankheit mit 77 Jahren am 3. September 2025 in Nürnberg.

Wirken Nationales Engagement Friedrich war in einem breiten gesellschaftlichen Kontext engagiert als Angehöriger der Rotarier, im Kuratorium von Christival, im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung, im Kuratorium des evangelikalen Vereins ProChrist, der dem CVJM nahesteht, im Kuratorium der interreligiösen Gesellschaft Freunde Abrahams, im Kuratorium der Stiftung Bibel und Kultur und im Vorstand des Jerusalemsvereins. Des Weiteren war er im Vorstand der Internationalen Martin Luther Stiftung. Er war Schirmherr des Gospel-Awards in München.

Internationales Engagement Friedrich war Nahost-Beauftragter des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zum 50. Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) gratulierte Friedrich im Namen der EKD: „Anfangs war ich der Meinung, die Lutherische Kirche gehöre nicht ins Heilige Land. […] Doch dann lernte ich, dass es wichtig ist, dass es die örtliche Lutherische Kirche gibt.“

Auf Einladung des Chinesischen Christenrates unternahm Johannes Friedrich 2007 eine Besuchsreise in die Volksrepublik China und besuchte die St.-Pauls-Kirche in Nanjing. Die evangelische Kirche in China wächst nach Darstellung des Chinesischen Christenrats rasant. Unter den rund 1,3 Milliarden Chinesen seien inzwischen rund 16 Millionen regelmäßige Besucher protestantischer Gottesdienste, berichtete die Vorsitzende des Christenrats, Pastorin Cao Shengjie. Vor rund 50 Jahren habe es nur etwa 700.000 Christen gegeben.

Mit einem dreitägigen Fest im ungarischen Sopron gedachten die evangelischen Kirchen in Europa des Falls des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Grenzen im Jahre 1989. Höhepunkt der Feiern von 3. bis 5. Juli 2009, zu denen die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) einlud, war ein Festgottesdienst auf dem Paneuropäischen Picknickplatz mit einer Predigt von Johannes Friedrich.Gemeinschaft Ev. Kirchen in Europa: Evangelische Kirchen gedenken des Falls des Eisernen Vorhangs; Pressemitteilung vom 30. Juni 2009. (offline)

Herausgeberschaft Johannes H. Friedrich war Mitherausgeber der Zeitschrift zeitzeichen – Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft und bis 2014 Mitherausgeber von chrismon. Das evangelische Magazin, zusammen mit Katrin Göring-Eckardt, Margot Käßmann und Nikolaus Schneider.

Positionen

Zusammenleben zwischen den christlichen Kirchen Als Landesbischof war Friedrich Mitglied im Vorstand des 2. Ökumenischen Kirchentags und verband mit dem Kirchentag eine „Kirche der Zukunft“: „Ich hoffe, dass schon während der Vorbereitung viele neue ökumenische Verbindungen und Projekte in den Gemeinden vor Ort entstehen, so dass wir während der vier Tage des Ökumenischen Kirchentags im Mai 2010 den Höhepunkt eines langen, positiven ökumenischen Prozesses feiern können“,2. Ökumenischer Kirchentag München 2010 (16. Mai 2009, offline). wobei Friedrich für eine „Ökumene der kleinen Schritte“ warb.Landesbischof Friedrich zum 2. ÖKT, abgerufen am 10. März 2012.

Bei der Diskussion um ein gemeinsames Abendmahl steht hinter der katholischen Abendmahlsauffassung das Amtsverständnis der katholischen Kirche. „Das könne nicht in München geklärt werden“, zumal sich das Abendmahl nicht „zur Provokation“ eignet, so Friedrich. Theologische Probleme durch das „unterschiedliche Amtsverständnis von Pfarrern und geweihten Priestern“ könnten nicht ignoriert werden, zumal die Ökumene keine „Gleichmacherei“ sein dürfte. Ökumene müsste vielmehr dazu „befähigen“, den anderen in seinem religiösen Leben zu akzeptieren. Zum Credo der ökumenischen Partnerschaft gehöre der Respekt, dass „Menschen ihren Glauben anders leben“.

2007 wurde in Stuttgart bereits eine 20-jährige Kirchengemeinschaft zwischen evangelischen Landeskirchen und der Evangelisch-methodistischen Kirche gefeiert. „Die Kirchengemeinschaft zwischen unseren Kirchen gehört zu dem ökumenischen Aufbruch, den wir im 20. Jahrhundert erlebt und zum Teil selbst mitgestaltet haben“, so Friedrich in seinem Grußwort.

Mit Luthers Liedern durchs neue Jahr Seit Beginn des Jahres 2012 wird die Bundesrepublik Deutschland mit einem musikalischen Band durchzogen. Zum ersten Mal werden Kirchengemeinden aller Landeskirchen miteinander verbunden und ergeben ein „klingendes Miteinander“, so Johannes Friedrich. Das Kulturbüro der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe 77 Leitlieder ausgesucht. „Sie werden staunen, wie viele Lieder Martin Luther geschrieben hat und wie viele in der Reformationszeit entstanden sind“, betonte Friedrich.Alois Knoller: Mit Luthers Liedern durchs neue Jahr. Kantate in St. Anna eröffnete Themenreihe zur Reformation; Augsburger Allgemeine, 2. Januar 2012.

Freiheit von der Sorge Das Wort Jesu „Macht euch keine Sorgen“ bedeute nicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Wo Sorgen nicht ernst genommen werden, da hat menschenverachtendes […] Gedankengut leichtes Spiel“, so Friedrich. Er wisse, welcher Druck auf Menschen laste. Zwar habe er keine Patentlösung, sondern nur die Zusage Jesu „Sorgt Euch nicht“. Aber die Freiheit von Sorge könne in die Aktivität führen. Hier bezieht sich Friedrich auch auf Dietrich Bonhoeffers, der ebenfalls dazu aufgerufen hatte, nicht nur auf sich selbst, sondern auf Jesus zu vertrauen:Christl Schemm: Hören, was die Menschen sagen; Frankenpost, 31. Januar 2012. „Predigt und Kirchengesang brauchen einander und geben auf eigene Weise den Glauben weiter“.

Freiheit in Verbindlichkeit