Stabswachtmeister (StWm) ist ein Unteroffiziersdienstgrad im österreichischen Bundesheer.

In Deutschland war er seit 1935 ein Unterführerrang in kasernierten Polizeieinheiten, von 1938 bis 1945 auch ein Wehrmachtsdienstgrad bei Kavallerie und Artillerie. Ebenso in der NVA bis Dezember 1970, als dort waffengattungsübergreifend die Wachtmeister- durch Felbwebelbezeichnungen ersetzt wurden.Dienstlaufbahnordnung vom 24. Januar 1962 in der Fassung vom 10. Dezember 1970, nach Keubke/Kunz (2003), S. 134

Österreich

Als Eingangsdienstgrad der Stabsunteroffiziere ist er normalerweise der Kommandant eines Zuges oder im Stabsdienst tätig (Verwendungsgruppe M BUO 1 / Berufsunteroffizier bzw. M ZUO 1 / Zeitunteroffizier). Er kann aber auch als Führer einer Gruppe eingesetzt werden (dann häufig in der Verwendungsgruppe ZUO 2 / Zeitunteroffizier).

In Auslandseinsätzen wird er auf Englisch als Staff Sergeant (SSgt, S/Sgt oder SSG) bezeichnet.Die Dienstgrade im internationalen Vergleich (NATO rank class system) (Internetseite des Bundesministeriums für Landesverteidigung, engl.), aufgerufen am 16. April 2026 Gemäß dem NATO Rank Class System entsprechen ihm der Bundeswehrdienstgrad Hauptfeldwebel bzw. Fourier und Hauptfeldweibel in der Schweizer Armee (NATO-Code: OR-7).

Geschichte Österreich-Ungarn (bis 1918) Der Stabswachtmeister wurde 1913 bei den berittenen Truppen der k.u.k. Armee als eigenständiger Dienstgrad eingeführt, analog dem Stabsfeldwebel der Fußtruppen. Vorher hatte er, wie der Stabsfeldwebel, einen entsprechenden Unteroffizier in Stabsfunktion bezeichnet. Ab 1915 zählte er zu den höheren Unteroffizieren, gemeinsam mit dem Offiziersstellvertreter, und wurde mit diesem in die Rangklasse XII einrangiert (vor dem „Gagisten ohne Rangklasse“). Bei der Jägertruppe war die entsprechende Bezeichnung Stabs-Oberjäger, bei der Artillerie zunächst noch Ober-Feuerwerker, dann Stabs-Feuerwerker.

Bundesheer der 1. Republik (1920–1938) Mit Gründung des Bundesheeres im März 1920 kam der Stabswachtmeister in allen Waffengattungen in Gebrauch; der Dienstgrad Stabsfeldwebel bei den Fußtruppen entfiel. Im Bundesheer der 1. Republik folgten vom 11. September 1923 bis zum 31. Mai 1933 die Rangabzeichen dem Vorbild der deutschen Reichswehr. Der StWm führte feldgraue, ringsum mit 1 cm breiter Silberborte eingefasste Achselspangen, darauf ein vierspitziger, silberfarbiger Rangstern (amtlich: Sternrosette). Das Schulterabzeichen entsprach jenem des deutschen Feldwebels.Urrisk (1993), S. 45Verordnungsblatt für das deutsch-österreichische Staatsamt für Heerwesen, Band 6, 1923, S. 214; sowie Heeresgeschichtliches Museum (Austria): Die Streitkräfte der Republik Österreich, 1918-1968, Katalog zur Sonderausstellung im Heereschichtlichen Museum Wien, Wien 1968, S. 204

Mit dem 1. Juni 1933 erfolgte der Wechsel zu alt-österreichischen Kragendistinktionen (bis 1938).Urrisk (1993), S. 89 Bei den 1936 offiziell enttarnten Luftstreitkräften (amtlich: Fliegertruppe) folgten die Rangabzeichen, zumindest bei den Offizieren, indes den Ärmeldistinktionen der k. u. k Kriegsmarine bis 1918. Den StWm machten zwei horizontale schmale silberne Balken kenntlich.Urrisk (1993), S. 94, S. 196

Überführung in die Wehrmacht (1938) Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Bundesheer zum 14. März 1938 in die Wehrmacht überführt. Bei der endgültigen Festlegung der neuen Dienstgrade stufte man die StWm meist als Feldwebel ein.Steinböck (1988), S. 108 f.

Bundesheer der 2. Republik (ab 1955) Die Distinktionssterne ähneln einem stilisierten Alpen-Edelweiß, einer Alpenblume, die in Österreich traditionell in vielen Bereichen symbolische Bedeutung besitzt. Die Rangabzeichen des Bundesheeres der 2. Republik orientieren sich an den bis 1918 gebräuchlichen alt-österreichischen Kragendistinktionen, variieren diese jedoch, besonders auffällig bei den Unteroffizieren (Wachtmeister bis Vizeleutnant).

Die ursprünglich geführte Kragendistinktion unterschied sich von ihrem heutigen Aussehen: Sie bestand aus einer mittelbreiten weißen Borte und zwei sechsspitzigen weißen Rangsternen aus geprägten Zelluloid, seit 1957 die Kragenpatten (Paroli) mit Silberschnur eingefasst.Urrisk (1994), S. 112 Die Einführung neuer Unteroffiziersdienstgrade (Oberwachtmeister, Oberstabswachtmeister, Vizeleutnant) zum 1. Juli 1965 machte eine Änderung der bisherigen Gradabzeichen notwendig. Seitdem trägt der StWm zusätzlich ein schmales Börtchen, aber nur noch einen Rangstern, diesen an der Gesellschaftsuniform nun feinerer Ausführung.Urrisk (1994), S. 111 f. Die früher nur für Vizeleutnante vorgesehene silber-goldene Schulterspange mit Schuber ist von allen Stabsunteroffizieren in den Verwendungsgruppen M BUO 1 bzw. UO 1 (Milizunteroffiziere), also vom Stabswachtmeister aufwärts, zu tragen.

Deutschland Der Polizei-Stabswachtmeister kam Anfang/Mitte 1935 in den kasernierten Bereitschafts- bzw. Landespolizeien der deutschen Reichsländer auf, wie bspw. in der Bayerischen Landespolizei. Er rangierte hinter dem Oberwachtmeister/Truppwachtmeister und vor dem Unterwachtmeister. Bei Überführung des Länderpolizei-Personals in Heer und Luftwaffe der Wehrmacht reihte man die bisherigen Polizei-Stabswachtmeister als Gefreite ein oder, falls sie auf mehr sechs Jahre Polizeidienst zurückblickten, als Obergefreite. Das Dienstgradabzeichen der Landespolizei glich jenem der Wehrmachts-Gefreiten bzw. -Obergefreiten: zwei bis drei, mit der Spitze nach unten weisende Winkel aus Aluminiumtresse, auf dem linken Oberärmel des Tuchrocks.

Davon in Aufgabe und Funktion zu unterschieden war der Stabswachtmeister der Wehrmacht, der 1938 in Kavallerie und Artillerie eingeführt wurde, gleichzeitig mit dem Stabsfeldwebel der Infanterie.

Literatur ()

Erwin Steinböck: Österreichs militärisches Potential im März 1938, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1988, ISBN 978-3486548518 Erwin Steinböck: Die Uniformierung der Soldaten des Bundesheeres (Das Bundesheer der Ersten Republik, Teil 2), in: Militaria Austriaca, Bd. 9, hrsg. von der Gesellschaft für österreichische Heereskunde, Wien 1992, S. 34–84 Rolf M. Urrisk: Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1918-1938, H. Weishaupt Verlag, Graz 1993, ISBN 3-900310-93-9 Rolf M. Urrisk: Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1952-1995, H. Weishaupt Verlag, Graz 1994, ISBN 3-7059-0012-9

Einzelnachweise

Kategorie:Dienstgrad (Bundesheer) Kategorie:Unteroffiziersdienstgrad Kategorie:Polizeigeschichte (Deutschland)