Offiziersstellvertreter (OStv) ist der zweithöchste Dienstgrad für höhere Unteroffiziere (Stabsunteroffiziere) des Österreichischen Bundesheeres. In Deutschland war er im kaiserlichen Heer von 1887 bis 1918 eine Dienststellung, in der (vorläufigen) Reichswehr bis Anfang 1920 ein Dienstgrad, der dann in Oberfeldwebel umbenannt wurde.

Die Schreibweise in Deutschland war ohne Fugenzeichen, also mit nur einem „s“: Offizierstellvertreter [OffzStv] (siehe unten).

Österreich

Offiziersstellvertreter werden als Zugskommandant verwendet. Der Dienstgrad war der höchste Unteroffiziersgrad, den Zeitsoldaten alter Art (d. h. vor Einführung der MZ = Militärperson auf Zeit) erlangen konnten (für die Beförderung zum Vizeleutnant ist u. a. eine Gesamtdienstzeit von mindestens 15 Jahren notwendig; nachdem für Zeitsoldaten nach alter Art nur eine maximale Verpflichtungsdauer von 15 Jahren möglich war, konnten diese Zeitsoldaten die für den Vizeleutnant notwendige Mindest-Gesamtdienstzeit niemals erreichen).

In Auslandseinsätzen wird er auf Englisch als Warrant Officer II (WO) bezeichnet.Die Dienstgrade im internationalen Vergleich (NATO rank class system) (Internetseite des Bundesministeriums für Landesverteidigung, engl.), aufgerufen am 16. April 2026 Gemäß dem NATO Rank Class System entspricht ihm der Bundeswehrdienstgrad Oberstabsfeldwebel bzw. der Stabsadjutant der Schweizer Armee (NATO-Code: OR-9).

Geschichte Österreich-Ungarn (bis 1918) Die Charge des Offiziersstellvertreters wurde 1915 (Zirkularverordnung vom 27. Mai 1915, Dep. VII, Nr. 7736) in der österreichisch-ungarischen k.u.k. Armee eingeführt. Die Offiziersstellvertreter sollten als Zugskommandanten die hohen Verluste an Subalternoffizieren (und Fähnrichen) im Ersten Weltkrieg ersetzen. Dazu befördert wurden Stabsunteroffiziere (Stabsfeldwebel, Stabsoberjäger, Stabswachtmeister und Oberfeuerwerker bzw. seit Ende 1917 Stabsfeuerwerker), die ihre Charge mindestens einen Monat innegehabt hatten. Gemeinsam mit den Stabsunteroffizieren bildeten die Offiziersstellvertreter jetzt die Gruppe der höheren Unteroffiziere, die Chargen vom Feldwebel abwärts bis einschließlich Korporal zählten seitdem zu den niederen Unteroffizieren. Die höheren Unteroffiziere rangierten vor den Gagisten ohne Rangklasse. Zu Offiziersstellvertretern befördert werden durften nur Soldaten im Fronteinsatz. Untersagt war außerdem die Verleihung als Titular-Charge, etwa als Anerkennung ehrenhalber für invalide, aus dem Dienst scheidende Unteroffiziere.

Von dem Offiziersstellvertreter zu unterscheiden ist der "Kadett-Offiziersstellvertreter" (veraltet: Cadet(en)-Officiers-Stellvertreter). Dieser 1869 eingeführte Offiziersanwärterdienstgrad rangierte unmittelbar hinter den Subalternoffizieren und kennzeichnete bis 1891 jene Abgänger der Kadettenschulen, die ihre Ausbildung mit „sehr gut“ bestanden hatten. Nach 1891 gingen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sämtliche Absolventen der Kadettenschulen als "Kadett-Offiziersstellvertreter" zur Truppe. Der Dienstgrad wurde 1908 in Fähnrich umbenannt. Wo der Kadett-Offiziersstellvertreter noch zu den Unteroffizieren zählte, galt der Fähnrich nun als „Offizier des Soldatenstandes“.

Den Kadett-Offiziersstellvertretern gleichgestellt waren die Proviantoffiziers-Stellvertreter, Assistenzarzt-Stellvertreter, Rechnungsführer-Stellvertreter.

Rangabzeichen der Kadett-Offiziersstellvertreter war die 1,3 cm breite Feldwebelborte, jedoch aus Goldgespinst statt aus kaisergelber Seide, dazu ein silber-plattierter (d. h. flacher) Metallstern (ab 1908 Fähnriche ein geprägter (d. h. erhabener) Metallstern nach Art des gestickten Offizierssterns). Bei den Fußtruppen trug der Kadett-Offiziersstellvertreter, in seiner Eigenschaft als ranghöchster Unteroffizier, an Waffenrock und Bluse wie die Mannschaften die Achselspangen aus Egalisierungstuch auf beiden Schultern, am Mantel aber aus Grundtuch mit Egalisierungs-Paspoil. Bei der Artillerie, deren Mannschaften ebenfalls Achselspangen anlegten, trug er die auf der linken Schulter eingeknöpfte Achselschlinge der Offiziere, jedoch aus gelb-schwarz geritzter Seide (statt Goldgespinst). Analog bei der Kavallerie, deren Mannschaften gleichfalls nur links eine gelb-schwarze Achselschlinge aus Schafwolle trugen. Der Fähnrich, jetzt „Offizier des Soldatenstandes“, trug nie Achselspangen, sondern nur die seidene Achselschlinge (Kavallerie, Artillerie).

Säbel der Offiziere, das Gehänge (Kuppel) und Portepee aber aus gelb-schwarz geritzter Seide (statt Goldgespinst). Dienstabzeichen bei den Fußtruppen war seit 1871 die an einem Leibriemen getragenen Kartentasche (beide aus geschwärztem Leder). Kappe der Offiziere, deren Verzierungen (Rose bzw. „Kokarde“, Schlingenspange und Kordel) aber aus kaisergelber, schwarz geritzter Seide (statt aus Goldgespinst, wie für Offiziere). Am Jägerhut (Tiroler Kaiserjäger, Feldjäger) eine Rundschnur aus grüner Seide (bei Mannschaften aus Wolle, bei Offizieren aus Goldgespinst). Tschako und Tschapka nach Art der Feldwebel und Wachtmeister, die kaisergelbe, mittig längs geteilter Borte jedoch aus Seide (statt Wolle). Der Dragonerhelm ebenfalls nach dem Muster der Wachtmeister: die Seitenblätter des Helmkamms schwarz lackiert, wie bei den Mannschaften und Unteroffizieren; der Kammansatz aus blankem Tombak, wie bei den Unteroffizieren; die Ränder des Helmseitenblätter dreifach gerippt, wie bei Wachtmeistern.

Die 1915 eingeführten Offiziersstellvertreter kennzeichnete die silberne Stabsfeldwebel-Borte an den Kragenenden, darauf ein sechsspitziger Messingstern (wie Fähnrichstern, dieser war jedoch silbern). Adjustierung und Bewaffnung folgte dem Muster der Fähnriche: keine Achselspangen an Waffenrock, Bluse und Mantel, am Offizierssäbel das goldgelb-schwarz geritzte Seidenportepee, Offizierskappe mit Seidenverzierungen, der Helm wie die Feldwebel bzw. Wachtmeister.

Volkswehr der 1. Republik (1918–1920) Nach dem Ende der Habsburgermonarchie gerieten alle bisherigen Rangabzeichen in Fortfall. Erst am 2. April 1919 wurden neue Abzeichen verfügt. Diese bestanden, ähnlich wie bei der deutschen Reichswehr, aus am linken Ärmel zu tragenden blauen Streifen. Offiziere führten die Rangabzeichen auf dem Unterärmel, in einer Kombination aus schmalen, mittelbreiten und breiten Streifen. Bei den Chargen und Unteroffizieren saßen die Rangabzeichen auf dem linken Oberärmel und waren winkelförmig, mit der Spitze nach oben (nur beim Gagisten ohne Rangklasse wiesen die Spitzen seiner vier Winkel nach unten). Allein den OStv kennzeichneten vier horizontale Streifen.Urrisk (1993), S. 18

Bundesheer der 1. Republik (1920–1938) Mit dem Wehrgesetz vom 18. März 1920 schlug die Geburtsstunde des Bundesheeres der 1. Republik, in das man am 1. Oktober 1920 die Bataillone der Volkswehr überführte.Urrisk (1993), S. 24 Zum OStv befördert wurden zeit- und dauerverpflichtete Unteroffiziere, also Zeit- oder Berufssoldaten. Am 5. Mai 1920 wurden neue Rangabzeichen („Dienstzeichen“) verordnet.Urrisk (1993), S. 18 Diese waren nun auf beiden Unterärmeln zu tragen und bestanden aus Horizontalborten, wobei auf der obersten eine kreisrunde „Kriegerschleife“ saß, ähnlich dem Elliotsauge der k. u. k. Marine. Für Offiziere waren die Abzeichen silbern, für Chargen und Unteroffiziere dunkelgrün. Den OStv kennzeichneten fünf dunkelgrüne Borten, wobei die drei unteren dicht übereinander lagen, die zwei 3 mmm schmale, weißen Streifen trennten.Urrisk (1993), S. 31

Ab dem 11. September 1923 bis zum 31. Mai 1933 folgten die Rangabzeichen weitestgehend dem Vorbild der deutschen Reichswehr. Der OStv führte zunächst (1923–1925) die feldgrauen, von grau-silberner, 1 cm breiter Borte ringsum eingefassten Achselspangen des Stabswachtmeisters, der vierspitzige Rangstern (amtlich: Sternrosette) jedoch goldfarben statt silbern. Hinzu kam eine 4 mm schmale Borte aus Silberritz, welche die Achselspange der Länge nach teilte.Steinböck (1992), S. 71Urrisk (1993), S. 45Zur beschriebenen Erstversion des „deutschen“ Rangabzeichens des OStv siehe Verordnungsblatt für das deutsch-österreichische Staatsamt für Heerwesen, Band 6, 1923, S. 214; sowie Heeresgeschichtliches Museum (Austria): Die Streitkräfte der Republik Österreich, 1918-1968, Katalog zur Sonderausstellung im Heereschichtlichen Museum Wien, Wien 1968, S. 204 Ab dem 29. Mai 1925 änderte sich das Aussehen der Achselspangen. OStv kennzeichneten nun zwei übereinander angeordnete Sternrosetten, wobei nur dauerverpflichtete OStv goldfarbige Rangsterne und zusätzlich auch die schmale silberne Mittelborte führten. Bei zeitverpflichteten OStv fehlte die Mittelborte, zudem waren die Sternrosetten silbern (womit deren Rangabzeichen nun exakt jenen des deutschen Oberfeldwebels glichen).Urrisk (1993), S. 45, S. 50

Mit dem 1. Juni 1933 erfolgte der Wechsel zu alt-österreichischen Kragendistinktionen (bis 1938), unterschiedslos für zeit- und dauerverpflichtete OStv.Urrisk (1993), S. 89 Bei den 1936 offiziell enttarnten Luftstreitkräften (amtlich: Fliegertruppe) folgten die Rangabzeichen, zumindest bei den Offizieren, indes den Ärmeldistinktionen der k. u. k Kriegsmarine bis 1918. Den OStv machten drei horizontale schmale silberne Balken kenntlich, ebenfalls unterschiedslos für zeit- und dauerverpflichtete OStv.Urrisk (1993), S. 94, S. 196

Überführung in die Wehrmacht (1938) Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Bundesheer zum 14. März 1938 in die Wehrmacht überführt. Bei der endgültigen Festlegung der neuen Dienstgrade stufte man die Berufsunteroffiziere (Vizeleutnante und tw. Offiziersstellvertreter) zunächst als Oberfeldwebel ein. Nach heftigen Protesten verblieben allein die zeitverpflichteten OStv im Rang eines Oberfeldwebels, für dauerverpflichtete erfolgte die Gleichstellung mit den deutschen Oberfähnrichen. Wahlweise durfte die bisherige alt-österreichische Uniform mit Kragendistinktionen und deutschem Brustadler weitergetragen werden oder die Uniform der Wehrmachtsoberfähnriche, mit den von 1923 bis 1933 getragenen österreichischen Schulterstücken.Steinböck (1988), S. 108 f. Dieses Entgegenkommen erklärt sich möglicherweise aus dem Umstand, dass die Berufsunteroffiziere ohnehin zum 30. November 1938 aus der Wehrmacht entlassen wurden (tw. als Leutnante der Landwehr). Grund dafür war, dass in der Wehrmacht kein Äquivalent zu den österreichischen Berufsunteroffizieren existierte. Deutsche Mannschaften und Unteroffiziere wurden nur auf höchstens 12 Jahre verpflichtet, allein die Offiziere waren Berufssoldaten.Absolon (1979, IV), S. 266

Bundesheer (ab 1955) Die Distinktionssterne ähneln einem stilisierten Alpen-Edelweiß, einer Alpenblume, die in Österreich traditionell in vielen Bereichen symbolische Bedeutung besitzt. Die Rangabzeichen des Bundesheeres der 2. Republik orientieren sich an den bis 1918 gebräuchlichen alt-österreichischen Kragendistinktionen, variieren diese jedoch, besonders auffällig bei den Unteroffizieren (Wachtmeister bis Vizeleutnant).

Die ursprünglich geführte Kragendistinktion unterschied sich von ihrem heutigen Aussehen: Sie bestand aus einer mittelbreiten weißen Borte und drei sechsspitzigen weißen Rangsternen aus geprägten Zelluloid, seit 1957 die Kragenpatten (Paroli) mit Silberschnur eingefasst.Urrisk (1994), S. 112 Die Einführung neuer Unteroffiziersdienstgrade (Oberwachtmeister, Oberstabswachtmeister, Vizeleutnant) zum 1. Juli 1965 machte eine Änderung der bisherigen Gradabzeichen notwendig. Seitdem trägt der OStv zusätzlich eine schmale Borte, außerdem sind die Rangsterne an der Gesellschaftsuniform nun in feinerer Ausführung.Urrisk (1994), S. 111 f. Die früher nur für Vizeleutnante vorgesehene silber-goldene Schulterspange mit Schuber ist von allen Stabsunteroffizieren in den Verwendungsgruppen M BUO 1 bzw. UO 1 (Milizunteroffiziere), also vom Stabswachtmeister aufwärts, zu tragen.

Deutsches Kaiserreich und Weimarer Republik