Ausländische Freiwilligenverbände der Waffen-SS waren militärische Einheiten im Zweiten Weltkrieg, die aus Angehörigen fremder Staaten gebildet wurden und in der Waffen-SS dienten. Ihre Soldaten stammten aus neutralen und verbündeten Ländern oder solchen, die vom Deutschen Reich besetzt worden waren.
Anfangs handelte es sich bei den Soldaten der Waffen-SS um deutsche Freiwillige, später wurden Volksdeutsche zum Dienst in Einheiten der Waffen-SS verpflichtet, teils unter Druck. Um die Niederlage aufzuhalten, wurden schließlich aus Soldaten der eroberten Gebiete im Osten immer neue fremdländische Kampfverbände gebildet.
Insoweit die Soldaten die Staatsangehörigkeit von Kriegsgegnern Deutschlands besaßen, wird dieser Dienst in der Waffen-SS als „militärische Kollaboration“ bezeichnet. Es gab verschiedene Wege der militärischen Kollaboration. In den Ostlegionen der Wehrmacht, in der Wlassow-Armee und in anderen Einheiten dienten zusammen etwa eine Million Sowjetbürger. Von anfänglich 28.500 Mann (1939) wuchs die Waffen-SS auf 910.200 Mann (1945) an. Etwa 200.000 waren Ausländer, 310.000 waren „Volksdeutsche“ aus Südosteuropa.Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Originalausgabe 1967, hier München 2002, ISBN 3-572-01342-9, S. 12. Etwa jeder vierte bis fünfte Angehörige der Waffen-SS war Ungarn- oder Rumäniendeutscher.
Die SS-Divisionen aus ausländischen „Freiwilligen“ hatten im Vergleich zu deutschen SS-Divisionen wegen ihrer geringeren Personalstärke eine vergleichsweise geringere militärische Bedeutung. In den ersten Kriegsjahren wurden gemäß der nationalsozialistischen Rassenideologie aus Niederländern und Dänen vorzugsweise „germanische“ Einheiten aufgestellt, die in der Rassenhierarchie ganz oben standen. In der Schlussphase des Krieges wurden Truppen der Waffen-SS sogar aus der bosnischen muslimischen Bevölkerung gebildet. Einige Divisionen der Waffen-SS wurden in den besetzten Staaten eingesetzt, in denen der Widerstand nach der militärischen Niederlage von der Bevölkerung als bewaffneter Kampf fortgesetzt wurde, so in Jugoslawien, Griechenland und Frankreich. Zur Partisanenbekämpfung in diesen Gebieten wurden vorwiegend ausländische Divisionen der Waffen-SS eingesetzt, ebenso in der Sowjetunion und Italien.
Hintergrund „Germanen“ und Volksdeutsche Für den Kampf im Osten konnte die deutsche Führung die Armeen verbündeter Staaten mobilisieren. Sie bemühte sich aber auch, ausländische und volksdeutsche Freiwillige in die deutschen Streitkräfte einzugliedern. Reichsführer SS Heinrich Himmler verfolgte dieses Ziel von Anfang an konsequenter als die Wehrmacht. Anfangs durfte die Waffen-SS – damals noch unter dem Namen SS-Verfügungstruppe – nur in geringem Umfang um Soldaten im Deutschen Reich werben. Sie wurden daher zunächst aus Angehörigen der Allgemeinen SS, der SS-Totenkopfstandarten und der Ordnungs- sowie Schutzpolizei, die Himmler unterstanden, rekrutiert. Der Chef des SS-Hauptamts und Himmler-Intimus, SS-Obergruppenführer Gottlob Berger, umging diese Schwierigkeit, indem er Volksdeutsche im Ausland für die Waffen-SS anwarb. Adolf Hitler gewährte der SS außerdem die alleinige Zuständigkeit für die Anwerbung „germanischer“ Freiwilliger, womit solche mit nord- und nordwesteuropäischer Herkunft gemeint waren. Nachdem Dänemark und Norwegen besetzt worden waren, wurde aus dänischen und norwegischen Freiwilligen die Standarte „Nordland“ gebildet, einen Monat später die Standarte „Westland“. Beide wurden noch 1940 mit dem deutschen Regiment „Germania“ sowie Finnen, Schweden und ein paar Schweizern zur SS-Division „Wiking“ unter Felix Steiner vereinigt.
„Nicht-germanische“ Ausländer, wie Wallonen, Franzosen, Spanier, Kroaten, wurden zunächst in die Wehrmacht eingereiht, nicht in die Waffen-SS. Nach dem „Blitzkrieg“ im Westen (Westfeldzug) wurde mit der Propagandaformel vom „europäischen Kreuzzug gegen den asiatischen Bolschewismus“ für den Eintritt in die Waffen-SS geworben. Langfristig schwebte der Reichsführung SS die Schaffung einer „pangermanischen Volksarmee“ vor, die auch in Friedenszeiten ein stehendes Heer an der „Wehrgrenze zu Asien“ bilden sollte. Bis zur Jahresmitte 1943 konnten allerdings insgesamt nur rund 27.000 „Germanen“ gewonnen werden; jeder fünfte Freiwillige hatte den Dienst bereits wieder quittiert.Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 6: Der globale Krieg: Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941–1943. Stuttgart 1990, ISBN 3-421-06233-1, S. 837.
Die Anwerbung von deutschstämmigen Ausländern in Südosteuropa, sogenannten Volksdeutschen, war im Vergleich erfolgreicher als die Anwerbung nordeuropäischer Freiwilliger. Ende 1941 taten nur 6.000 Volksdeutsche Dienst in der Waffen-SS, zwei Jahre später waren es über 120.000, die meisten von ihnen aus dem Königreich Rumänien, dem Königreich Ungarn, Serbien und dem Unabhängigen Staat Kroatien.Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 6: Der globale Krieg: Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941–1943. Stuttgart 1990, ISBN 3-421-06233-1, S. 838.
„Nicht-Germanen“ Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion setzte eine zweite Werbewelle ein und führte zur Bildung von „Legionen“, Verbänden, die etwa Regimentsstärke hatten. Je eine wallonische, flämische, französische, niederländische und kroatische Legion aus ausländischen Freiwilligen wurde aufgestellt. Etwa 43.000 ausländische Freiwillige, einschließlich Elsässern, kämpften Ende 1941 in Wehrmacht und Waffen-SS. Darunter waren etwa 12.000 „nichtdeutsche Germanen“, meistens Niederländer und Skandinavier, die für die Waffen-SS rekrutiert worden waren. Etwa zwei Drittel der Freiwilligen waren Ende 1941 Nicht-Germanen. 1943/1944 wurden die Legionen, die unter Wehrmachtkommando standen, trotz einiger Widerstände der Regierungen ihrer Heimatländer, die der SS überwiegend sehr kritisch gegenüberstanden, größtenteils in die Waffen-SS überführt. Die Eingliederung begann 1943 mit der Umwandlung der Legionen in „Grenadierregimenter“ und ihrer Überführung in das III. (germanische) SS-Panzerkorps.
Die „angeworbenen“ „Freiwilligen“ aus Ost- und Südosteuropa mussten in den späteren Kriegsjahren die „Lücken“ ausfüllen, die durch die Verluste in der Waffen-SS entstanden waren. Bei den „Neuanwerbungen“ kam es nicht mehr auf „germanisches“ oder „arisches“ Aussehen oder Abstammung an, es genügte allein die Kampffähigkeit. Die „Anwerbungen“ wurden als „Kampf gegen den Bolschewismus“ oder auch als „Kreuzzug gegen den asiatischen Bolschewismus“ dargestellt. Die Teilnahme von „Freiwilligen“ aus verschiedensten Völkern sollte den Eindruck eines multinationalen Kampfes erwecken.
Innerhalb der Waffen-SS gab es ab Jahresende 1943 eine Neubenennung und Umgruppierung, die zu einer Klassifizierung der Truppen in drei Kategorien führte:
I. „Ordensfähige“, „SS-taugliche“ Deutsche, Musterungsbefund kriegsverwendungsfähig-SS (Kv.-SS) II. „Nicht-ordensfähige“, „nicht SS-taugliche“ Deutsche und Germanen, Musterungsbefund Kv.-Heer III. Nichtdeutsche, Nichtgermanen, gleichgültig welcher Musterungsbefund
Zur Kategorie I gehörten die reinen SS-Divisionen, also die SS-Divisionen „Leibstandarte“, „Das Reich“ und „Totenkopf“, außerdem als einzige Division mit einem nennenswerten Anteil „germanischer“ Freiwilliger die Division „Wiking“. Zur Kategorie II gehörten neben den vorwiegend volksdeutschen Verbänden die Nachfolgeverbände der „germanischen“ Legionen, also die Division „Nordland“, die Division „Nederland“, die Division „Langemarck“ und die Division „Wallonie“.
Die Angehörigen „nicht-ordensfähiger“ Einheiten der Waffen-SS durften nicht die „Sigrunen“ der SS tragen, sondern hatten eigene Embleme.
Rekrutierung und Motivation Insgesamt waren bei der Waffen-SS 24 Nationalitäten vertreten. Ungarische, kroatische, russische, italienische, lettische, estnische, ukrainische, weißruthenische, albanische, niederländische, belgische, französische und Kosaken-Einheiten wurden als SS-Freiwilligen- und Waffen-Grenadier-Divisionen der Waffen-SS aufgestellt. Entsprechend vielfältig war auch die Motivation der Rekruten.
Die Regierungen der betroffenen Länder gaben ihren Bürgern entsprechende Erlaubnisse in der Hoffnung, die Leistungen dieser „Freiwilligen“ könnten sich später günstig auf Autonomieverhandlungen mit der Hegemonialmacht Deutschland auswirken. Doch Hitler machte keinerlei Zugeständnisse an die Heimatländer der SS-„Freiwilligen“.
In Osteuropa sahen sich große Bevölkerungsteile vom Stalinismus bedroht. Die Zwangskollektivierung in der Sowjetunion, die erzwungene Industrialisierung der Sowjetunion und die „Entkulakisierung“ hatten nur gewaltsam und mittels Säuberungsmaßnahmen der sowjetischen Geheimpolizei durchgesetzt werden können. In ihrem Gefolge waren schwere Hungersnöte wie in der Ukraine entstanden. Die drei baltischen Länder waren im August 1940 zwangsweise in die Sowjetunion eingegliedert worden, viele Bewohner waren dort Deportationen ausgesetzt. Freiwillige wollten nun Rache und hofften, durch ihre Kriegsteilnahme die Sowjetunion zu besiegen und nachher ihre Länder selbst zu regieren. Nicht alle Regierungen waren mit dem Werben deutscher Stellen um Freiwillige für die Waffen-SS einverstanden, so die von Rumänien und Ungarn, weil sie Ersatzbedarf für ihre eigenen Armeen hatten, die an der Ostfront große Verluste erlitten. Auf die Dauer konnten sie sich aber gegen den deutschen Druck nicht wehren und mussten der Werbung zustimmen.
Weniger Gültigkeit hat dieses Motiv für West- und Nordeuropa, wo die ersten Rekrutierungen bereits 1940 durchgeführt wurden, als das Deutsche Reich und die Sowjetunion durch den Hitler-Stalin-Pakt noch Verbündete waren. Eher sympathisierten die Rekruten aus diesen Ländern wohl mit der Idee des Pangermanismus. Allerdings kann die Waffen-SS keineswegs (wie von diversen rechtsextremen Autoren behauptet) als Vorkämpfer der europäischen Einigung betrachtet werden.
Trotz der Bezeichnung „ausländische Freiwillige“ konnten zahlreiche Rekruten nur unter Druck einberufen werden. Bei der Eröffnung der ersten Rekrutierungsbüros in den besetzten Gebieten hatte man eigentlich einen größeren Andrang erwartet. Als im Verlauf des Krieges die Verluste immer höher wurden, griff man zu Zwangsrekrutierungen. Zum Teil wurden Kriegsgefangene zum deutschen Waffendienst gezwungen. Dementsprechend niedrig war der Kampfwert der fremdländischen SS-Soldaten. Vor allem aus den Völkern des Balkan und der Sowjetunion desertierten viele (z. B. der Osttürkische Waffenverband der SS). Auch in Divisionen aus anderen Teilen Europas machte sich zunehmend Enttäuschung breit, als klar wurde, dass Hitler das Deutsche Reich zur Hegemonialmacht in Europa machen wollte und kein Interesse daran hatte, den unterworfenen Völkern Souveränität zu gewähren. Als durch das Vorrücken der alliierten Truppen ihre Heimatländer weit hinter der Front lagen, ließ bei vielen Waffen-SS-Truppen die Einsatzbereitschaft stark nach.
Andere Einheiten dagegen kämpften verlässlich an der Seite der Wehrmacht bis zur Schlacht um Berlin. Viele ausländische Waffen-SS-Einheiten kämpften vor allem gegen Ende des Krieges überaus fanatisch, da ihnen bei einer Niederlage des Dritten Reiches die Verfolgung und Hinrichtung in ihrer Heimat drohte. Nach dem Ende der Kampfhandlungen kam es deshalb auch vereinzelt zu Suiziden ausländischer Soldaten der Waffen-SS.
Kriegsverbrechen Auch die ausländischen Freiwilligen verübten Morde und Kriegsverbrechen. Himmler förderte die Ausschreitungen und erfreute sich bisweilen an Schilderungen der bestialischen Kampfweise der bosnischen und anderen SS-Einheiten (z. B. die Niederländer, welche später in der Division „Nederland“ Dienst taten), die mit der Partisanenbekämpfung beauftragt wurden.