mini|hochkant=1.6|Blick von Nordwest auf Neuenrade Neuenrade ist eine Kleinstadt im Nordwesten des Sauerlands und gehört zum Märkischen Kreis. Sie wurde von den Grafen von der Mark als Befestigung gegen die Grafschaft Arnsberg als Plansiedlung gegründet. Die Einwohnerentwicklung blieb jedoch begrenzt. Die heutige Stadtstruktur geht auf Eingemeindungen zwischen 1969 und 1975 zurück. In der Wirtschaft dominieren Kleinbetriebe und mittelständische Unternehmen.

Geographie Geographische Lage Neuenrade liegt im Osten des Märkischen Kreises an der Grenze zum Hochsauerland im oberen Tal der Hönne und ihres Nebenflusses Borke. Die Hönne entspringt im Westen von Neuenrade an der Südflanke des Großen Attigs (512 m). Sie fließt in nordöstlicher Richtung durch das Stadtgebiet und verlässt es nordwestlich von Küntrop auf einer Höhe von . Die Borke entspringt südlich von Affeln zwischen Reckenberg (455,2 m) im Westen und Imberg (468,3 m) im Osten. Sie fließt nach Norden, durchfließt Blintrop und verlässt unterhalb von Niederhöfen das Stadtgebiet. Im Stadtgebiet entspringen zahlreiche weitere Bäche, die zumeist der Hönne zufließen. Einige im Süden und Westen entspringende Bäche gehören zum Einzugsgebiet der Lenne, die südlich des Stadtgebietes an Neuenrade vorbeifließt. Hier befindet sich an der Mündung der Höllmecke auch mit der tiefste Punkt im Stadtgebiet.Topografische Karte 1:25.000 und Deutsche Grundkarte 1:5000 Die Stadt liegt im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der 513,7 m hohe Kohlberg mit dem Quitmannsturm. Weitere Erhebungen sind die Homert (511,2 m) etwa 2,2 km südlich von Altenaffeln und der Kleine Hemberg (501 m) östlich von der Homert.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das 54,11 km² große Stadtgebiet erstreckt sich etwa 14 km in West-Ost-Richtung und etwa 5 km in Nord-Süd-Richtung. Die Fläche verteilt sich dabei auf 29,38 km² (54,3 %) Wald, 17,98 km² (33,2 %) landwirtschaftliche Nutzfläche. 3,82 km² (7,1 %) nehmen Gebäude-, Frei- und Betriebsflächen und 2,45 km² (4,5 %) Verkehrsflächen ein. Der Anteil der übrigen Flächen liegt unter 1 %.it.nrw.de:

Nachbargemeinden Im Osten grenzt Neuenrade an das zum Hochsauerlandkreis gehörende Sundern. Die Stadt grenzt im Süden an Plettenberg, im Südwesten an Werdohl, im Westen an Altena und im Norden an Hemer und Balve. Letztere gehören zum Märkischen Kreis. Die gemeinsame Grenze mit Hemer ist dabei mit etwa 1,3 km Länge der kürzeste Abschnitt.

Stadtgliederung Die heute bestehende Stadt Neuenrade setzt sich zusammen aus dem Ortskern Neuenrade sowie den eingemeindeten Ortsteilen Küntrop, Affeln, Blintrop und Altenaffeln (Angaben zu den Einwohnerzahlen in Klammern, Stand: 31. Dezember 2025): Neuenrade (Ortskern) (8.678), Küntrop (1.304), Affeln (1.098), Altenaffeln (502) und Blintrop (322).

Klima Das Neuenrader Klima wird durch den Übergangsbereich zwischen dem ozeanischen und dem kontinentalen Klima geprägt. Verantwortlich dafür sind die vorherrschenden westlichen Winde. Die Durchschnittstemperatur lag im Jahresmittel maximal bei 19,8 °C und minimal bei −0,4 °C. In den Jahren 1961 bis 1990 lag die Jahresniederschlagsmenge bei durchschnittlich 1204 mm pro Jahr. Die Monatsdaten können dem Klimadiagramm entnommen werden.

Geschichte Mittelalter mini|hochkant|Gerichtslinde in der Parkanlage „Am Wall“ mini|Modell der Stadt um 1600 Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert standen auf dem Gebiet des Ortes einige Gehöfte und eine kleine Wasserburg. Der Erzabbau trug schon zu dieser Zeit zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung und damit zur Erhöhung der Einwohnerzahl bei. Das Eisenerz wurde anfangs in etwa 20 Rennöfen zu Kleineisenwaren weiterverarbeitet. Der Rennofen Gut Berentrop wurde bei Ausgrabungen in gut erhaltenem Zustand entdeckt.

1220 wurde erstmals die innerhalb des heutigen Stadtgebietes gelegene Siedlung namens Rode urkundlich erwähnt. Im selben Jahr wurde das in Berentrop bei Neuenrade gelegene Prämonstratenserstift urkundlich genannt.Heiko K. L. Schulze: Klöster und Stifte in Westfalen. Geschichte, Baugeschichte und -beschreibung. Eine Dokumentation. In: Géza Jászai (Hrsg.): Monastisches Westfalen. Klöster und Stifte 800–1800. Münster, 1982, S. 314

Im 13. und 14. Jahrhundert festigten die Grafen von der Mark ihre Herrschaft in der Grafschaft gegen die Landesherren der Umgebung durch die Anlage von Burgen und Städten. Hierzu gehörte auch Neuenrade, das nahe der Grenze zur Grafschaft Arnsberg entstand. Im Jahr 1353 begann Gerhard von Plettenberg mit der Anlage einer Burg und einer daran angrenzenden kleinen befestigten Stadt (oppidum).Carl Haase: Die Entstehung der westfälischen Städte. S. 148 Als geplanter Ort wies Neuenrade einen schachbrettartigen Grundriss auf. Die ersten Siedler kamen aus dem ehemaligen Dorf Rode und wurden zur Ansiedlung in Nyenrade gezwungen.A. Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Altena. S. 69f

Am 7. Juli 1355 erhielt der Ort Stadtrechte.Carl Haase: Die Entstehung der westfälischen Städte. S. 280 Damit verbunden waren städtische Gerichtsbarkeit, Selbstverwaltung und das Marktrecht.Stadt Neuenrade: Der Rat der Stadt bestand aus elf Ratsherren und dem Bürgermeister. In der Burg wohnten die Drosten von Neuenrade, die die hohe Gerichtsbarkeit ausübten, von der noch die alte Gerichtslinde in der Parkanlage am Wall zeugt. 1521 brannte die Burg ab und verfiel danach.

Neuzeit Neuenrade gehörte als Beistadt von Lüdenscheid der Hanse an. Als eine der zahlreichen westfälischen Beistädte, hatte man kein Mitspracherecht, konnte aber von den Handelsprivilegien profitierten. Wichtigste Exportgüter waren die am Ort produzierten Kleineisenwaren. In der frühen Neuzeit kam die Tuchproduktion hinzu, die zeitweise die Bedeutung der Eisenproduktion übertraf. Neben den Rennöfen wurden ab dem 16. Jahrhundert Osemundschmieden gebaut, die das hochwertige Osemundeisen herstellten. Um 1690 gab es neun von diesen Schmieden am Ort. Der Handel wurde um diese Zeit vor allem mit den Städten der Umgebung abgewickelt.

Verschiedene Male wurde Neuenrade durch Brände in Mitleidenschaft gezogen, von denen mindestens elf überliefert sind. Auch durch diese Rückschläge blieb die Entwicklung der Stadt begrenzt. So wurde Neuenrade im Jahr 1660 als „Städtlein“ bezeichnet.

Im 19. Jahrhundert wurde der Ort von der industriellen Entwicklung erfasst. Feste Straßen ins Lennetal verbesserten die Handelsverbindungen in die dortigen Städte und brachten indirekt eine Anbindung an die Eisenbahn (Ruhr-Sieg-Strecke). Erst im Jahr 1912 erhielt die Stadt mit der Hönnetal-Bahn einen eigenen Eisenbahnanschluss.

Im Vorfeld der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam es im August 1932 zu einer Schießerei zwischen drei Neuenrader SS-Männern und einem örtlichen Kommunisten, was starke Spannungen zur Folge hatte. Nach der Machtübernahme wurden Kommunisten und Sozialdemokraten verhaftet und die Neuenrader Kommunisten in ein Gefängnis nach Werl gebracht. Nachdem die NSDAP die Macht vor Ort gefestigt hatte, begann die Gleichschaltung der Vereine und Gruppierungen. Der Turnverein und der Fußballverein Neuenrade wurden zum TuS zusammengeschlossen, die im Ort traditionelle Gesellschaft „Erholung“ von 1854 wurde verboten. Eine jüdische Familie musste aufgrund der nationalsozialistischen Steuerpolitik (die die Juden schwer sanktionierte) aus Geldmangel ihren Grundbesitz an die Gemeinde verkaufen und verlor so fast ihren gesamten Besitz. Besonders markant verlief in Neuenrade der Kirchenkampf. Der in Neuenrade tätige evangelische Pfarrer Krause war einer der führenden Köpfe der „Deutschen Christen“ und somit im Gegensatz zu den „Bekennenden Christen“ Anhänger der Nationalsozialisten.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges expandierte in Neuenrade besonders das ortsansässige Zweigwerk des Kruppkonzerns. Zum Einsatz kamen hier wie auch anderswo auf dem Stadtgebiet Zwangsarbeiter. Während des Zweiten Weltkriegs gab es in Neuenrade relativ geringe Schäden. Durch einen schweren Bombenabwurf wurde die „Villa Suhr“ des Fabrikanten Heinrich Suhr (* 1869) zerstört. Dieser hatte 1889 in Neuenrade eine Musikinstrumentenfabrik gegründet, die zwischenzeitlich auch als „Erste und älteste Neuenrader Harmonika-Fabrik gegründet 1889“ firmierte. Nach der Bombardierung am 7. April 1945 wurde das Unternehmen nicht wieder aufgebaut und die Verkaufsfilialen in den Niederlanden und in Amerika geschlossen.Neuenrader Stadtbilder, aufgerufen am 7. Dezember 2008

Neuenrade war lange Zeit Sitz des Amtes Neuenrade, zu dem auch die Orte Dahle, Werdohl und Ohle gehörten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Werdohl selbstständig und Ohle Plettenberg angegliedert. Dahle wurde bei der Auflösung des Amtes Neuenrade 1969 nach Altena ausgegliedert. Die ehemals selbstständige Gemeinde Küntrop aus dem Amt Balve im Kreis Arnsberg wurde gleichzeitig in die neue Stadt eingegliedert.

Religionen Geschichte 1366 ließ der Landesherr eine Kapelle bauen. Neuenrade blieb aber weiterhin eine Filiale der Pfarrei Werdohl. Neuenrade wurde wie andere Städte der Grafschaft Mark schon lange vor 1564 protestantisch. Im Rahmen der Neuenrader Kirchenordnung erschien im Jahr 1564 das erste deutschsprachige Gesangbuch in Westfalen.Westfälische Geschichte: Erstes deutschsprachiges Gesangbuch in Westfalen Seit 1573 setzte sich das reformierte Bekenntnis durch.

Im Jahr 1849 hatte der Ort 1235 evangelische, 57 katholische und 15 jüdische Einwohner. Durch die Eingemeindung der ehemals zum überwiegend katholischen Herzogtum Westfalen gehörenden Stadtteile veränderte sich die konfessionelle Zusammensetzung. Im Jahr 2005 waren 39 Prozent der Einwohner katholisch, 37 Prozent waren protestantisch. 24 Prozent gehörten einer anderen Konfession oder Religionsgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster 2005, S. 177, 179 Neben evangelischen und katholischen Kirchengemeinden existiert auch eine freikirchliche Gemeinde. Die Muslime Neuenrades sind u. a. über den Verein Türkisch-islamisches Kulturzentrum in Neuenrade und Umgebung organisiert.neuenrade.de An seinem Sitz in der Bahnhofstraße hatte dieser Verein die AMGT Ayasofya Moschee von Millî Görüş gegründet, die in Mevlana Moschee umbenannt wurde und am neuen Standort Schöntaler Weg errichtet werden wird als die neue Mevlana Camii (IGMG).neuenrade.deajanda.igmg.org

Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren im Jahr 2011 36,4 % römisch-katholisch, 35,0 % der Einwohner evangelisch und 28,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Neuenrade Religion, Zensus 2011 Mit Stand Juni 2025 waren von den 12.004 Einwohnern 28,8 % katholisch, 27,9 % evangelisch und 43,3 % der Einwohner hatten eine Sonstige oder keine Konfessionszugehörigkeit.Stadt Neuenrade: ZAHLEN - DATEN - FAKTEN unserer Stadt, abgerufen am 28. Juli 2025 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1969 wurde das Amt Neuenrade, das bis dahin dem Landkreis Altena angehörte, aufgelöst. Dies geschah im Zuge der ersten Phase der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Dabei ging es um die kommunale Neugliederung des ländlichen Raumes unter anderem durch die Auflösung der Ämter.Wolfgang Gärtner: Der Landtag NRW und die kommunale Neugliederung in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. In: Der Kraftakt. Kommunale Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (Schriften des Landtages Nordrhein-Westfalen, Bd. 16). Düsseldorf 2005, S. 23f. Die früher zum Amt gehörende Gemeinde Dahle kam zur Stadt Altena. Gleichzeitig kam die früher zum Amt Balve (Landkreis Arnsberg) gehörende Gemeinde Küntrop zur Stadt Neuenrade.