Liestal (schweizerdeutsch: Lieschdl []) ist eine schweizerische politische Gemeinde und Hauptort des Bezirks Liestal sowie des Kantons Basel-Landschaft. Die Gemeinde liegt ungefähr 15 km südöstlich von Basel und ist Teil derselben Agglomeration.

Geographie mini|Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer von 1922 Liestal liegt in einem Juratal an der Ergolz, welche das Stadtgebiet von Südosten nach Norden durchfliesst. Linke Zuflüsse in die Ergolz sind auf Liestaler Boden die Frenke, der Orisbach und der Rösernbach.

Im Nordosten schliesst ein zusammenhängender Bergzug vom Grammet über den Leisenberg zum Elbisberg das Tal ab. Im Südwesten erreichen mehrere zwischen den Tälern liegende Höhenzüge den Siedlungsbereich von Liestal, im Süden der Ausläufer des Furlen, im Südwesten die Anhöhe bei Seltisberg und im Westen der Laubiberg und der Ostenberg. Nördlich des Röserenbaches liegt der Bienenberg. Im Westen gehören die Berghänge um das schmale Röserental mit Bad Schauenburg zu Liestal.

Von den 1818 ha Stadtbann sind 1067 ha Wald.Gemeindeporträts. Liestal. Kanton Basel-Landschaft. Der höchste Punkt Liestals liegt auf (Alti Stell, in der Nähe des Schleifenbergturms) und der tiefste auf , wo die Ergolz im Niederschönthal den Stadtbann verlässt.

Nachbargemeinden sind (von Norden im Uhrzeigersinn) Füllinsdorf, Arisdorf, Hersberg, Lausen, Bubendorf, Seltisberg, Nuglar-St. Pantaleon (Kanton Solothurn) und Frenkendorf.

Wappen Das Wappen des Amtes Liestal ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, als Baselstab mit «Krabben» (d. h. gotischen Verzierungen oder Ausbuchtungen). Diese Form des Baselstabs erscheint bereits 1407 im Stadtsiegel, in der Stumpfschen Chronik von 1548 allerdings ohne die Krabben, in Wurstisens Basler Chronik von 1580 mit sechs Krabben. In Darstellungen des Wappens aus dem 19. Jahrhundert sind statt den Krabben oft frei um den Knauf schwebende Pünktchen oder Kügelchen zu sehen. Die Krabben am Baselstab können bereits in das späte 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden, laut Heitz (1964) schwankt die Zahl zwischen vier (14. Jh.), fünf (frühes 15. Jh.), sechs (Mitte 16. Jh.) und schliesslich sieben (18. Jh.).August Heitz: Grenzen und Grenzzeichen der Kantone Baselstadt und Baselland. Liestal 1964, S. 79–86, 127–136. Im 16. Jahrhundert bestand auch ein alternatives Wappen für das Städtchen Liestal (im Unterschied zum Amt Liestal), nach Jakob Rytter, Pfarrer von Liestal (1570–1611): über grünem Dreiberg in Silber zwei gekreuzte goldene Leuchter mit roten Flammen.Paul Suter: Gemeindewappen von Baselland. Liestal 1984 (4., erg. Auflage), S. 105–108. Nach der Trennung beider Basel übernahm der Kanton Basel-Landschaft 1834 den roten Stab als Kantonswappen. Um Verwechslungen zu vermeiden, gab sich Liestal 1921 ein neues Gemeindewappen, inspiriert vom Stadtsiegel von 1407: Die untere Hälfte ist rot, die obere silbern. Darauf ein wachsender roter Bischofsstab mit sieben gotischen Krabben. Der rote Baselstab mit den sieben Ausbuchtungen wird im Dialekt auch Siebedupf genannt.Joseph Melchior Galliker: Die Krabben am «Siebedupf» von Basel-Land. In: Schweizer Wappen und Fahnen. Heft 7, 2004, S. 68–69.

Name Liestal ist eine Gründung des 13. Jahrhunderts, zu deren Gunsten die ältere (bereits römerzeitliche) Siedlung Munzach aufgegeben wurde. Die moderne Schreibung Liestal findet man bereits 1225. Eine auf 1189 datierte Urkunde mit der Schreibung Lihstal wird heute als Fälschung angesehen. In den Quellen des 15./16. Jahrhunderts heisst es fast durchwegs Liechstal oder Liechtstal. Der Anschluss an das Wort «Licht» liegt auch dem Wappen mit den zwei Leuchtern (um 1600) zugrunde. Oettli (1949) wollte den Namen so herleiten, im Sinne von «lichte, erhöhte Stelle», wie es schon von Daniel Bruckner 1753 vermutet und von Marti (2022) wieder aufgegriffen wurde.Paul Oettli: Deutschschweizerische Ortsnamen. 1949, S. 86; Reto Marti: Antike Geografie und das Regnum Francorum: Überlegungen zu den Namen von Liestal und Balsthal. In: Jahrbuch Archäologie Schweiz. 105, 2022, S. 47–70.

Die heute vorherrschende Deutung des Namens geht zurück auf Gottlieb Burckhardt (1927)Gottlieb Burckhardt: Basler Heimatkunde. 2. Bd. 1927, S. 20.; demnach bezeichnete der Name ein «mit Lische/Liesche (Riedgras) bewachsenes Tal, Grastal». Verschiedentlich wurde der Name auch von einem *Lucistabulum «Stall des Lucius» oder einem alemannischen Namen Lieubirih hergeleitet.Liestal. In: ortsnamen.ch.

Geschichte An der Liestaler Hurlistrasse ist einer der frühesten Hinweise auf die frühneolithische La-Hoguette-Kultur in der Schweiz gefunden worden. Ein zeitlich ähnlicher Fund ist nur noch aus dem Kanton Neuenburg bekannt. mini|Liestal um 1780 Die Gegend von Liestal war schon in vorrömischer Zeit besiedelt. Die römische Villa in Munzach und die römische Wasserleitung, die im Heidenloch und an der oberen Burghalde sichtbar ist, bilden gesamtschweizerisch bedeutende römische Bauwerke. Das Geviert des Kirchhofes geht mit grösster Wahrscheinlichkeit auf ein spätrömisches Kastell aus dem 4. Jahrhundert zurück. Seine Entwicklung im Mittelalter verdankt Liestal seiner verkehrsgünstigen und strategisch wichtigen Lage an der Strassengabelung zu den beiden Hauensteinpässen.

Auf Burghalden liegt die Ruine Burghalden, eine erst partiell erforschte, ausgedehnte Festungsanlage des 10. Jahrhunderts. Nach der Eröffnung des Gotthardpasses und nach dem Bau der ersten Rheinbrücke im nahen Basel wurde Liestal in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Grafen von Frohburg zur befestigten Stadt und damit zum sicheren Etappenort an der Nord-Süd-Route gemacht. Liestal erhielt einen Mauerring mit Stadttoren und Türmen. Der Markt wurde vom offenen «Altmarkt» in der Nähe des Zusammenflusses von Ergolz und Frenke in die sicherere Stadt verlegt.

1305 verkauften die Grafen von Frohburg die Stadt an das Fürstbistum Basel, Bischof Peter von Aspelt. Unter Basler Herrschaft erlangten die Liestaler weitgehende Selbständigkeit. 1374 verpfändete der Bischof Liestal mit Waldenburg und Homburg an Herzog Leopold von Österreich, der sie bald danach den Grafen von Thierstein überliess. Als diese 1381 das Pfand nicht zurückgeben wollten, liess Herzog Leopold die Stadt einnehmen und verbrennen. Doch schon im selben Jahr löste der Bischof das Pfand wieder ein und gewährte Liestal neue Rechte. 1400 kaufte die aufstrebende Handelsstadt Basel dem Bischof den Besitz in Liestal ab. Die errungenen Freiheiten und Vorrechte gingen wieder verloren und konnten erst im Laufe der Zeit teilweise zurückerobert werden.

Der freiheitsliebende und wehrhafte Geist Liestals verführte die Bewohner des Städtchens immer wieder zu kriegerischen Abenteuern. Als Untertanen der Stadt Basel nahmen die Liestaler 1444 mit ihrem eigenen Banner an der Schlacht bei St. Jakob an der Birs teil, wo sie 23 Mitbürger verloren. 1476 und 1477 kämpften Liestaler in den Burgunderkriegen. Als wertvolles Beutegut kam in der Schlacht bei Nancy (1477) die sogenannte Burgunderschale, eine silberne, zum Teil vergoldete Schale Karls des Kühnen, in die Hände des Liestaler Wirts Heinrich Strübin. Sie gehört heute zum Bestand des Dichter- und Stadtmuseums Liestal.

Entgegen dem strikten Neutralitätsbefehl der Stadt Basel unterstützten die Liestaler 1499 im Schwabenkrieg die Solothurner und die Eidgenossen. 1501 legte der Schultheiss von Liestal auf dem Basler Marktplatz im Namen seiner Mitbürger und Nachbardörfer den Eid auf den Schweizerbund ab. Es kam immer wieder zu Scharmützeln mit dem habsburgischen Rheinfelden. Liestal rebellierte immer wieder gegen die Bevormundung durch Basel, das seine Vormacht wenn nötig auch mit Gewalt durchsetzte. Unter dem Eindruck des süddeutschen Bauernkrieges erhoben sich 1525 auch die Baselbieter erfolgreich gegen die Stadt Basel. alt=Obelisk-Bauernkriegsdenkmal von 1904, vor der Kaserne in Liestal, Schweiz. Inschrift: Uli Schad von Oberdorf, Hans Gysin von Liestal, Uli Gysin Läufelfingen, Galli Jenny von Langenbruck, Joggi Mohler von Diegten, Konrad Schuler von Liestal, Heinrich Stutz von Liestal. Unterdrückt aber nicht überwunden. Errichtet vom Volk von Baselland 1904. Inschrift auf der anderen Seite: Dem Andenken an die am 24. Juli 1653 für das Volk gestorbenen (Hingerichteten!) Baselbieter. Inschrift auf der anderen Seite.|mini|Denkmal vor der Kaserne Liestal

Liestal erhielt 1525 einen Freiheitsbrief, der unter anderem die Leibeigenschaft aufhob. Wenig später schloss sich die Stadt so wie Basel der Reformation an. 1653 beteiligten sich die Liestaler an der schweizerischen Bauernbewegung und revoltierten erneut gegen die Vorherrschaft Basels. Der Aufstand scheiterte, Liestal wurde von Basler Truppen besetzt, und drei Liestaler Rädelsführer wurden in Basel enthauptet. Schon drei Jahre später erreichte Liestal das Recht auf Wiederbewaffnung.

Als 1789 von Frankreich her der Ruf nach Freiheit und Gleichheit ertönte, verlangte Liestal als einzige Baselbieter Gemeinde 1790 die Wiederherstellung der alten Rechte. Begeistert feierte Liestal 1797 den durchreisenden Napoleon. «Liestal bien patriote» nannte er das Städtchen, das zum Mittelpunkt der Baselbieter Befreiungsbewegung wurde. Hier stand der erste Freiheitsbaum der deutschsprachigen Schweiz.Paul Suter: Die Liestaler Chronik von Johann Rudolf Seiler, Chirurg. In: Baselbieter Heimatblätter. 45. Jg., Nr. 1, März 1980, S. 529–541, abgerufen am 19. Oktober 2020 Am 16. Januar 1798 zerrissen rebellische Liestaler die obrigkeitliche Fahne und hissten die Tricolore. Unter Führung Liestals erlangte das Baselbiet als erstes Untertanenland der Eidgenossenschaft die langersehnte Freiheit. Nach Napoleons Sturz bekam Liestal wieder die Vorherrschaft Basels zu spüren.

1830 sprang der Funke der französischen Julirevolution auch ins Baselbiet über.Beat Stüdli: Der Freiheitsbaum im Baselbiet der 1830er Jahre. In: Baselbieter Heimatblätter. 45. Jg., Nr. 4, Dezember 2010, S. 147–157, abgerufen am 5. Dezember 2020 Nach einer kantonalen Volksabstimmung wurde 1832 der Kanton Basel-Landschaft gegründet, und Liestal erhielt die Funktion als dessen Hauptstadt. Die endgültige Trennung von Basel fand de facto nach dem Gefecht vom 3. August 1833 an der Hülftenschanz zwischen Pratteln und Liestal statt. Noch lange Zeit prägte die revolutionäre Gesinnung die Politik Liestals, das im 19. Jahrhundert viele politische Flüchtlinge aufnahm.

1854 erhielt Liestal mit der Hauensteinlinie Anschluss an das internationale Eisenbahnnetz; das war die Grundlage für die Industrialisierung des Orts. 1862 wurde die Kaserne Liestal eingeweiht und 1877 ausgebaut.Martin Büsser: . Kanton Basel-Landschaft (PDF; 1,8 MB).

Liestal ist heute eine Kleinstadt mit regionalen Zentrumsfunktionen am äusseren Rand der Metropolregion Basel. Zu der kleinen, regionalen Agglomeration Liestals gehören die Gemeinden Frenkendorf, Füllinsdorf, Lausen, Bubendorf und Seltisberg.

Auf dem Gemeindegebiet von Liestal befinden sich lokale, regionale und kantonale Schulen sowie die Ausbildungsstätte der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV, der «Campus EZV». An der Bienentalstrasse liegt die Psychiatrie Baselland. Auf dem Bienenberg steht das mennonitische Ausbildungs- und Tagungszentrum Bienenberg.

Bevölkerung Liestal hatte am 31. Dezember 2024 insgesamt 16'126 Einwohner mit folgenden Anteilen:

Schweizer: 11'046 Ausländer: 5'080

Das ergibt einen Ausländeranteil von 31,5 Prozent.

Wohnbevölkerung Die Bevölkerungszahlen Liestals haben sich folgendermassen entwickelt:Wohnbevölkerung nach Nationalität und Konfession per 31. Dezember 2024. Kanton Basel-Landschaft.

1900 1950 1980 1990 2000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 5'403 8'449 12'158 12'853 12'930 13'600 13'712 13'753 13'820 14'002 14'042 14'163 14'311 14'303 14'452 14'539 14'963 15'413 15'834 16'126

Religion mini|Stadtkirche Liestal

Tabelle der Konfessionszugehörigkeit (Stand: 31. Dezember 2024):