Der W 201 ist der erste Mercedes-Benz der Mittelklasse und Vorläufer der C-Klasse. Er zielte vor allem auf die Käuferschicht des erfolgreichen BMW E30 ab.

Der W 201 wurde immer als Mercedes-Benz 190 vermarktet, unabhängig vom Hubraum des Motors. Mercedes-Benz stellte ihn am 8. Dezember 1982 vor und produzierte bis August 1993 mehr als 1,8 Millionen Stück. Damit zählt er zu den erfolgreichsten Modellen von Mercedes-Benz.

Modellgeschichte Entwicklung mini|Heckansicht

Mit dem Mercedes-Benz W 201 wurde eine neue Fahrzeugbaureihe eingeführt. Eine strömungsgünstige und vergleichsweise schlichte und schmucklose Karosserie steht für den damals neuen Stil. Er ist der erste Mercedes-PKW mit der Raumlenker-Hinterachse. Der neuentwickelte Dieselmotor OM 601 wurde im W 201 erstmals verbaut und erhielt eine motorferne Kapselung des Motorraums. Der W 201 wurde über zehn Jahre lang produziert und sollte vor allem mit dem BMW E30 konkurrieren, der in den USA hohe Absatzzahlen erreichte.

Erste Versuche zu einem Mercedes-Modell unterhalb der Mittelklasse begannen 1974. Auf Basis verkürzter /8-Aggregateträger begann man, Parameter zur Lastenheft-Definition zusammenzutragen. Das Unternehmen begann 1976 mit ersten Designstudien, 1978 wurden die Designmodelle erarbeitet, die Form konnte somit am 6. März 1979 festgelegt werden. Erste Prototypen wurden Anfang 1980 getestet, die Pilotproduktion begann rund zwei Jahre später im Februar 1982. Für die Erforschung und Entwicklung des W 201 von Januar 1974 bis Januar 1982 wandte Mercedes-Benz rund 2,3 Mrd. D-Mark auf.

Die im Markt als Mercedes-Benz 190 bezeichnete Baureihe wurde am 8. Dezember 1982 der Presse vorgestellt und am 9. Dezember 1982 am Markt eingeführt. Der W 201 wurde ab September 1983 als Rechtslenker für den britischen Markt vermarktet. Der Verkauf des neuen Modells verlief anfangs enttäuschend. Der W 201 war bei der Einführung teurer als die höher positionierte Mittelklasse-Limousine W 123. Bei dessen Nachfolger W 124 orientierte sich Mercedes konzeptionell stark am W 201.

Durch den sukzessiven Ausbau der Modellpalette (1983 folgten der 190 Diesel und das Sportmodell 190 E 2.3-16) erfreute sich das neue Modell jedoch schnell einer großen Beliebtheit, sodass Lieferfristen von einigen Monaten üblich wurden.

Lange bevor die ersten Exemplare die 30-Jahres-Marke erreichten, hatte sich der 190er bereits den Status eines Liebhaberfahrzeugs gesichert – auch wenn sich mancher Oldtimerfreund an seinem damals noch modernen Design störte. Mercedes selbst würdigte die Popularität des Modells, insbesondere der Spitzenversion auf subtile Weise: Als 2002 das Topmodell der A-Klasse vorgestellt wurde, trug es nicht zufällig den traditionsreichen Namen EVOLUTION.

Technik Die Raumlenker-Hinterachse des W 201 hat pro Rad fünf Lenker, die am Achsschenkel und am hinteren Fahrschemel der Karosserie an jeweils einem Gummilager gehalten werden. Jeder dieser Lenker nimmt dem Achsschenkel einen der sechs Freiheitsgrade der Bewegung eines Körpers im Raum, so dass genau ein Freiheitsgrad für die Ein- und Ausfederung bleibt. Schraubenfeder und Dämpfer wirken auf einen der unteren Lenker. Diese Konstruktion bietet gegenüber konventionellen Achsen mehr Möglichkeiten, Sturz und Vorspur abhängig von der Einfederung und den wirkenden Kräften (Elastokinematik) festzulegen und das Rad trotzdem komfortabel in Längs- und Querrichtung weich aufzuhängen. Dabei ist sie kompakter als die vorher verwendete Schräglenkerachse und um ein Viertel leichter. Entwickelt wurde die „Stängelesachse“ von Manfred von der Ohe.auto-motor-und-sport.de

Die Vorderachse ist eine vergleichsweise einfache Dämpferbeinachse mit einem Dreiecksquerlenker, auf den die Schraubenfeder wirkt. Beide Achsen haben einen Drehstab-Stabilisator.

Statt der Mercedes-typischen Fußfeststellbremse gibt es einen „normalen“ Handbremshebel auf der Mittelkonsole, weil im engen Fußraum für ein Feststell-Pedal kein Platz ist. Neu ist auch der Einarmwischer, der ab Herbst 1984 mit einer speziellen Hubtechnik ausgestattet wurde und damit eine größere Fläche abdeckte – nach Angaben der Mercedes-Benz AG bis zu 86 % der Scheibe. Er wurde auch in der im November 1984 eingeführten Baureihe 124, im Nachfolgemodell Baureihe 202 und weiteren späteren Modellen verwendet sowie bis heute in Modellen der Supersportwagenmanufaktur Koenigsegg eingebaut.

Zunächst wurden die Modelle als 190 und 190 E (mit dem Ottomotor M 102) angeboten; ab Herbst 1983 ergänzte die 53 kW (72 PS) starke Dieselvariante 190 D (OM 601) und die Sportversion 190 E 2.3-16 (M 102 mit vier Ventilen je Zylinder und 136 kW (185 PS)) das Programm. Ab 1985 wurden weitere Modelle angeboten, der 190 D 2.5 (OM 602) mit 66 kW (90 PS), der 190 E 2.3 mit 100 kW (136 PS) und der 190 E 2.6 mit einem 122 kW (166 PS) starken Sechszylinder-Reihenmotor (M 103). Später wurde der 190 D 2.5 in einer auf 90 kW (122 PS) verstärkten Turboversion, zunächst serienmäßig mit Viergang-Automatikgetriebe, ausgeliefert. Exportmärkten vorbehalten war der 180 E. Auf dem Pariser Autosalon wurde 1986 die neue Generation von Sechzehnventilern vorgestellt. Das Modell 190 E 2.5-16 mit 143 kW (195 PS) macht sich auch als Evo-Renntourenwagen einen Namen.

Die 16-Ventil-Motoren entstammen einer Kooperation mit dem Motorenentwickler Cosworth und wurden auf einigen Märkten auch als 190 E 2.3-16 Cosworth angeboten. Das Tuningmodell 190 E 3.2 AMG mit 172 kW (234 PS) wurde ab 1992 ebenfalls über die Mercedes-Benz-Händler verkauft.

Design In den Grundzügen blieben die Proportionen des W 201 bis zum Modell Baureihe 203 erhalten. Beim Design mit dem relativ kurzen, hohen und sich verjüngenden Heck brach Mercedes radikal mit der bisherigen Tradition. Auch war der W 201 das erste Modell, bei dem Mercedes außer am Kühlergrill auf Chromschmuck verzichtete. Der Luftwiderstandsbeiwert (cw) liegt nach Angaben von Daimler-Benz von 1983 bei 0,33. Später nahm Mercedes in den Mittel- und Oberklassemodellen W 124 und W 140 Designelemente des W 201 auf.

Lacke, Polster und Variationen Der W 201 war über seine dekadenlange Bauzeit regulär in 51 Farben erhältlich, die mit 10 verschiedenen Polster- und Lederfarben kombiniert werden konnten. Hinzu kamen die Lackierungen sowie Sonderpolster- und Lederfarben der Sondermodelle.

+ Farben des Mercedes Benz W201 Farbname Farbcode Lackart '83 '84 '85 '86 '87 '88 '89 '90 '91 '92 '93 Schwarz 040 Standard Blauschwarz 199 Metallic – Classicweiß 737 Standard – – – – – – – – – Arcticweiß 147 – – Rosenholz 485 Metallic – – – – – – – – – Signalrot 568 Standard Altrot 585 – – – – – – – – – – Barolorot 540 – Orientrot 501 – – – – – – – – – Pajettrot 587 Metallic – – – Almandinrot 512 – – – – – – Bornit 481 – – – – – – – Braun 427 Standard – – – – – – – – – – Maroonbraun 459 – – – – – – – – Manganbraun 480 Metallic – – – – – – – Bisonbraun 432 – – – – – – – Nutria 475 – – – – – – – – – Champagner 473 – – – – – – Impala 441 – – – – – Sandbeige 444 Standard – – – – – – – – Taigabeige 684 – – – – – – – – Pueblobeige 651 – – – – Hellelfenbein 623 Weizengelb 681 – – – – – – – – – Hellocker 690 – – – – – – – – – Saharagelb 673 – – – – – – – – – – Astralsilber 735 Metallic – – – – Brillantsilber 744 – – – – – – – Rauchsilber 702 – Liasgrau 751 Standard – – – – Carraragrau 752 – – – – – – – – Anthrazitgrau 172 Metallic Perlmuttgrau 122 – – – Silberblau 930 – – – – – – – – – – Perlblau 348 – – – – – – – Diamantblau 355 – – – – – Labradorblau 312 Standard – – – – – – – – – Nautikblau 929 Metallic – Surfblau 900 Standard – – – Lapisblau 932 Metallic – – – – – – – – – – Dunkelblau 904 Standard Petrol 877 Metallic – – – – Beryll 888 – – – – – – – Silberdistel 881 – – – – – – – – Nelkengrün 261 – – – – – – Kristallgrün 256 – – – – – – – – Achatgrün 815 Standard – – – – – – Riedgrün 803 – – – – – – – – Zypressengrün 876 Metallic – – – – – – – – Malachit 249 – – – – – – – Nachtgrün 254 – – – – – – – Eibengrün 822 Standard – – – – – – – –

Änderungen und Geschichte im Detail September 1983 Im September 1983 wurde der 190 D in Frankfurt auf der IAA vorgestellt. 53 kW (72 PS) leistet der komplett neu entwickelte 2 l-Dieselmotor, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 165 km/h. Auch der 190 E 2.3-16 wurde auf dieser Messe angekündigt, ging aber erst ab Herbst 1984 in Serienproduktion.

Oktober 1984 Durch Einführung eines hydraulischen Ventilspiel-Ausgleichs entfällt das Einstellen der Ventile. Der Keilriemen wurde durch einen breiteren Flachriemen (mit automatischer Nachspannvorrichtung) ersetzt. Hydraulisch gedämpfte Motorlager wurden verbaut. Leistungssteigerung des Vergasermotors auf 77 kW (105 PS). Alle Fahrzeuge wurden mit Kontrollleuchten für Motoröl, Kühlmittel und Scheibenwaschwasser ausgestattet. Gurtstraffer wurden serienmäßig an beiden Gurten vorne verbaut. Der Außenspiegel kann auf Wunsch beheizt werden.

Oktober 1988, Modellpflege 1 (MoPf 1) mini|Modellgepflegte Version mini|Heckansicht

Im September/Oktober 1988 wurden im Rahmen einer ersten großen Modellpflege folgende Änderungen vorgenommen: Neue lackierte Stoßfänger und Seitenplanken (sogenannte „Sacco-Bretter“). Neue Sitze mit Neigungsverstellung, neuer Polsterung und Schaumkern anstatt Federkern. Gurte vorn höhenverstellbar. Rechter Außenspiegel serienmäßig. Elektrisch beheizbarer Außenspiegel, rechts elektrisch verstellbar. Hämatitfarben eloxierte Fenstereinfassungen. Die Hinterachse wurde etwas kürzer übersetzt, für mehr Kraft im 5. Gang. Das Modell 190 E 2.3-16 wird durch den 190 E 2.5-16 ersetzt.

April 1990 Der 190 mit Vergaser wird durch den 190 E 1.8 ersetzt, der Tempomat ist als Sonderausstattung nun auch für Schaltgetriebe lieferbar. Der 190 E wird nun als 190 E 2.0 bezeichnet.

Januar 1991, Modellpflege 2 (MoPf 2) Im Frühjahr 1991 wurde eine zweite Modellpflege durchgeführt:blog.mercedes-benz-passion.com Die Auspuffanlage des 190 E 2.0 und 2.3 wurde widerstandsärmer aufgebaut, wodurch beide Varianten die durch den Katalysator verlorenen 3 kW (4 PS) zurückerhielten. Sie leisteten nun wieder 90 (122) und 100 kW (136 PS). Das Antiblockiersystem (ABS) ist serienmäßig, außer beim 190 E 1.8 (bei letzteren serienmäßig ab Oktober 1992).baureihe201.de, Technik

Sondermodelle mini|190 E 2.5-16

1992 gab es die Sondermodellreihe Avantgarde. Die Reihe bestand aus drei Modellen (mit den Namen: Azzurro, Rosso und Verde), die in limitierter Stückzahl verkauft wurden. Die Modelle hatten zum einen jeweils eine besondere Ton-in-Ton-Metalliclackierung und zum anderen eine auffällige Innenausstattung. Der Schriftzug Avantgarde befindet sich bei allen Modellen rechts auf dem Handschuhfachdeckel.

Ab März 1989 wurde erstmals eine Sportline-Version eingeführt. Diese unterscheiden sich von anderen Modellen durch ein 22 mm tieferes Fahrwerk, Sportsitzen mit Karo-Design (Leder bzw. Stoff), breitere Reifen, direktere Lenkung, einem Lederlenkrad in sportlichem Design und „Sportline“-Emblemen auf dem Schaltknauf und auf den Kotflügelbeplankungen. Außerdem konnte man zwischen 15- und 8-Loch Felgen wählen. Anlässlich des Erfolgs von Mercedes-Benz bei der DTM 1992 wurden 1.8l und 2.3l Sportline-Modelle hergestellt, die im hinteren Dreiecksfenster einen entsprechenden Aufkleber mit dem Schriftzug „DTM ‘92“ trugen. Diese Fahrzeuge waren serienmäßig alle (auch 1.8er) mit Zentralverriegelung, ABS und einem Fahrerairbag ausgestattet.Dieser Flyer lag jedem Sportline Modell "DTM'92" bei, einen Autor in dem Sinne gibt es nicht, Quelle ist ähnlich einem Fahrzeug Handbuchs handzuhaben. Herausgeber Daimler AG 1992 190 E 2.3 Azzurro (blau), ca. 950 Stück 190 E 1.8 Rosso (rot), ca. 2300 Stück (Davon nur ca. 600 bis 900 Stück mit 4-Gang-Automatikgetriebe, davon einige mit Klimaanlage) 190 D 2.5 Verde (grün), ca. 750 Stück

Weitere Sondermodelle: mini|190 E 2.0 mit Evo-I-style-bodykit mini|190 E 2.0 mit Evo-II-style-bodykit

190 E 2.5-16 Evolution, 1989, 502 Stück, Blauschwarzmetallic