mini|Rekonstruktionszeichnung des Archäologen Hermann Thiersch mini|Stadtplan des antiken Alexandriamit der Insel Pharos im Westen
Der Leuchtturm von Alexandria war der erste historisch überlieferte Leuchtturm und bis ins 20. Jahrhundert mit etwa 115 bis 160 Metern der höchste Leuchtturm, der je gebaut wurde. Nach der kleinen Insel Pharos, bei der er stand, wird er seit der Antike auch Pharos von Alexandria genannt ( o. , oder ).
Der Leuchtturm von Alexandria war das jüngste der sieben Weltwunder der Antike.Korana Deppmeyer: (PDF; 445 kB). In: Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde. Band 3, 2006, S. 2 & 8. Ursprünglich enthielt die Weltwunderliste die Stadtmauern von Babylon. Da sie in hellenistischer Zeit zerfallen waren, wurden sie in der Liste durch den Leuchtturm ersetzt.
Standort Pharos war eine kleine Insel nahe der ägyptischen Küste, 25 Kilometer westlich des kanopischen Nilarmes. Bereits Homer erwähnt sie in seiner Odyssee (4,354–359). Der Sage nach soll der griechische König und Troja-Gegner Menelaos () auf der Insel gelandet sein, die damals noch keinen bekannten Namen hatte. Er fragte auf der Insel einen Mann nach deren Namen und Besitzer. Der Ägypter antwortete ihm Per aa (altägyptisch für „Pharao“). Der König verstand nur Pharos, was im Altgriechischen „Tuch“ bedeutete ( „Tuch, Segel“) – so kam die Insel zu ihrem Namen.Herodot, Historien. Band 2: Der Ägyptische Logos.Egon Bauer: Die Sieben Weltwunder. München 2001, S. 134.
Zum Schutz der Häfen von Alexandria wurde die Insel durch den sieben Stadien (1316 m) langen Heptastadiondamm – errichtet von Dexiphanes aus Knidos, dem Vater des Leuchtturmarchitekten – mit dem Festland verbunden. Damm und Insel bildeten die Ostbegrenzung des Eunostos-Hafens (, Eunostòs Limên „der Gute-Heimkehr-Hafen“) und gleichzeitig die Westbegrenzung des „Großen Hafens“ (, Mégas Limên) von Alexandria. Der Turm wurde östlich der eigentlichen Insel Pharos in die Einfahrt des großen Hafens gebaut, die durch mehrere Riffe behindert war. Er stand bei einem Riff zwischen den beiden Hauptpassagen.Franck Goddio: Sunken civilizations: Alexandria. Auf: franckgoddio.org; zuletzt abgerufen am 24. Juni 2014.
Da es der Gegend an natürlichen Landmarken mangelte und die rege verkehrenden Schiffe auch nachts ein- und auslaufen mussten, wurde es für nötig befunden, den Eingang des Hafens zu markieren, da er bei mäßiger Sicht kaum gegen den Hintergrund auszumachen war. Es ist nie ganz geklärt worden, ob König Ptolemaios I. Soter oder sein Baumeister Sostratos von Knidos selbst das Bauwerk initiiert hat. Die Tatsache, dass sein Name als Architekt überliefert ist, aber nicht eindeutig der Stifter, lässt vermuten, dass Sostratos, der auch Großkaufmann und Diplomat war, als extrem vermögender Mann zumindest Mit-Stifter des außergewöhnlichen Bauwerks war.
Bauzeit Der Turm wurde von Sostratos von Knidos von etwa 299 bis 279 v. Chr. im Auftrag von Ptolemaios I. erbaut, der 800 Talente (21.000 kg) Silber bereitstellte (Wert 2023: ca. 14,9 Millionen Euro). Der Bau wurde erst unter der Herrschaft von Ptolemaios II. fertiggestellt. Eusebius von Caesarea erwähnte den Pharos für das Jahr 282 v. Chr.,Eusebius von Caesarea, Chronikon (Weltgeschichte). was für dessen Fertigstellung um spätestens 282 spricht und einer Bauzeit zwischen 17 und 20 Jahren entspricht. Die Arbeiter waren überwiegend Sklaven, von den hochspezialisierten Fachkräften abgesehen. Ein Augenzeuge der Einweihungsfeier war der Makedone Poseidippos (316–250) von Kassandreia (Potideia), in dessen überlieferten Schriften sich Angaben dazu finden. Er nennt als „rettende Götter“ den Zeus Soter und Proteus als Herrschergott der Insel.
Architektur Plattform Der Turm stand auf einer ca. 190 m × 190 m großen steinernen Plattform aus Granit, die zusätzlich mit Götterstandbildern geschmückt war – darunter auch die ersten Herrscher der Ptolemaierdynastie. Nicht sicher ist, ob die Fundamentplatte an den drei Seeseiten direkt wie eine Kaimauer zum Meer abfiel oder noch von Inselboden umgeben war. Nach einigen Quellen war sie mit einem überdachten Säulengang umgeben, ebenso die Zugangsrampe zum Eingang des Pharos, laut Überlieferung antiker Schriftsteller (Strabon,Strabon, Geographika (Geographie). XVII, 1, 8. Plinius der Ältere,Plinius, Naturgeschichte (nat. hist.). V, 31, 128. Lukian von Samosata) und Münzbildern erhöht gelegen.
Unterer Abschnitt Der erste Abschnitt des ungewöhnlichen Bauwerks soll ein zwischen 55 und 65 Meter hoher, sich nach oben verjüngender Pyramidenstumpf aus Kalksteinen mit quadratischer Grundfläche von 30 m Seitenlänge an der Basis gewesen sein. Marmor, der oft als Baumaterial genannt wird, konnte in ganz Alexandria nicht aus dieser Zeit nachgewiesen werden. Manche Forscher ziehen eine Marmorverkleidung in Erwägung.Der Leuchtturm von Pharos – ein spätes Weltwunder () Die schweren Steinblöcke wurden mit Blei als Fugenmaterial verbunden, was der Struktur eine gewisse Elastizität gab, die sich angesichts der Erdbeben und des Wellenschlags, denen der Turm trotz Wellenbrechern ausgesetzt war, auszahlte. Die Wände waren strukturiert und mit gelaibten Fensteröffnungen zur Erhellung der Räume versehen. Das gab ihm eher das Aussehen eines Hochhauses, war aber architektonisch bedingt, denn sonst hätte der Turm mit den damaligen Mitteln nicht diese Stabilität und Lebensdauer erhalten.
Der massive Sockelabschnitt mit kreisrundem Innenschacht war voller Vorrats-, Lager- und Aufenthaltsräume (~50) für Handwerker und Mechaniker, inwendig verlief eine räumlich abgetrennte Rampe an der Schachtinnenwand zum Transport von Materialien mit eselgezogenen Karren oder Packeseln. Der Schacht verlief nach oben weiter bis zur Laterne und erlaubte es, mittels eines Seilaufzuges, Brennmaterial und andere notwendige Dinge bis zur Feuerstelle emporzuhieven.
Ein hervorkragender Fries schloss den unteren Sockelbau oben ab. Damit hatte er eine gewisse Ähnlichkeit mit einem ägyptischen Figurenschrein. Die Oberseite des Unterbaus war der Bevölkerung zugänglich, auch die Dachplattform des Oktogons. Die Aussicht aus ca. 60 bzw. 100 m Höhe war für die Menschen der damaligen Zeit ein einmaliges Erlebnis, da es außer Bergen keinerlei Erhebungen dieser Höhe gab.
Obere Abschnitte Auf dem quaderförmigen Unterbau erhob sich ein oktogonaler Aufbau mit einer Höhe von ungefähr 30 Metern und 11 Metern Seitenlänge. Auf diesem befand sich die Laterna in Form eines 9 Meter hohen Säulenrondells (Zylinders). Bucinablasende Tritonen schmückten den Absatz zwischen dem zweiten Turmabschnitt und der Laterna sowie die vier Ecken des Unterbaus. Über dem Säulenrondell war die eigentliche Lichtquelle mit dem Leuchtfeuer. Den krönenden Abschluss bildete eine 7 bis 8 Meter hohe Poseidonstatue. Nach anderen Quellen war es eine Statue des „Zeus Soter“ – womit Zeus unter die „rettenden Götter“ der Widmung gerechnet werden kann, auch weil Zeus über Herakles Stammvater der Ptolemaier war.
Die Lichtquelle war möglicherweise ein von Archimedes konstruierter Metallhohlspiegel bei Tage und ein Öl- oder Pechfeuer bei Nacht. Das Leuchtfeuer soll nachts 300 Stadien (56,4 km, 1 Stadion = 188 m) weit sichtbar gewesen sein.
Gesamthöhe Der Turm war nach seiner Fertigstellung schätzungsweise 115 bis 160 Meter (300 ägyptische Ellen) hoch. Damit war er nach den beiden großen Pyramiden von Gizeh für seine gesamte Lebensdauer das dritthöchste Gebäude der Erde (bei maximal 145 m). Falls die Höhe mehr als 152 m betrug, war er gar das höchste Gebäude (siehe auch Liste der höchsten Bauwerke ihrer Zeit).
Verfall und Umbau mini|Zentraler Teil der Kait-Bay-Festung mini|Kait-Bay-Festung (Gesamtanlage)
Ammianus Marcellinus und andere berichten von einem Seebeben südlich von Kreta am 21. Juli 365 n. Chr., das Alexandria und den Turm schwer getroffen haben soll. Andere Angaben beziehen sich auf das Jahr 769 mit einem Erdbeben, das schwere Schäden am Turm verursacht haben soll. Ein Wiederaufbau soll versucht worden sein.
Die abschließende Götterstatue wurde wahrscheinlich schon nach dem Erdbeben im 4. Jahrhundert entfernt – oder am Ende desselben Jahrhunderts, als Kaiser Theodosius I. die alten Kulte verbot (zum Beispiel auch die Gladiatorenspiele und das Orakel von Delphi) und zum Teil massiv gegen Tempel und Götterfiguren vorging. Spätestens zur Zeit der arabischen Eroberer gab es die Götterstatue nicht mehr.
Ahmad ibn Tulun, der von 868 bis 884 als Sultan in Ägypten regierte, soll das oberste Geschoss in eine Moschee mit Rundkuppel umbauen lassen haben, so wie es auf einem Mosaik in der Cappella di San Zenone (Zenonkapelle) der Kirche Santa Prassede zu Venedig zu sehen ist, das den Leuchtturm und den Evangelisten Markus darstellt. Nichtsdestoweniger sahen Benjamin von Tudela und al-Idrisi, die Alexandria im 12. Jahrhundert besuchten, den Turm als Leuchtturm in Funktion.
Wiederum zwei Erdbeben in den Jahren 1303 und 1323 zerstörten den Turm weitestgehend. Einzelne Quellen nennen auch 1375. Die Trümmer wurden im Meer liegen gelassen. Schließlich ließ Kait-Bay, der zu der Zeit machthabende Sultan der Mameluken, Teile der Trümmer heben. Die Steine wurden 1480 in seiner Festung, der Qāitbāy-Zitadelle, an der Küste verbaut.
2025 wurden 22 der größten verbliebenen Steinblöcke aus dem Meer geborgen. Darunter sind Türstürze, Pfosten, Türschwellen und Bodenplatten mit einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen. Die Maßnahme ist Teil des Projekts Pharos, das die Archäologin und Architektin Isabelle Hairy vom französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) leitet. Ingenieure der Foundation Dassault Systèmes (FES) vermessen diese Blöcke digital – so wie dies in der Vergangenheit bereits mit weiteren Blöcken im Meer geschehen ist. Auf dieser Grundlage wird ein virtuelles Modell des Leuchtturms entstehen, das Aufschluss über dessen Konstruktion und Zerstörung geben soll.
Darstellung und Beschreibung mini|Der Leuchtturm auf alexandrinischen Münzen,2. Jahrhundert n. Chr.
Die Darstellungen des Pharos auf alexandrinischen Münzen des 2. Jahrhunderts n. Chr. weichen teilweise erheblich voneinander ab. So ist nur auf wenigen Stücken die in den späteren arabischen Quellen beschriebene Dreigliederung des Bauwerks zu erkennen.
Al-Masʿūdī besuchte den Leuchtturm um 940 und beschrieb ihn in seinem Buch Muruǧ aḏ-ḏahab (947). Auch andere arabische Gelehrte wie al-Idrisi (besuchte 1115 den Turm), Yusuf ibn asch-Schaich (1165), Ibn Dschubair (um 1184), Abu el-Haggag el Andalousi (um 1222) und Ibn Battuta (14. Jahrhundert) sowie der jüdische Reisende Benjamin von Tudela (um 1170) haben den Pharos zum Teil noch in Funktion gesehen und auch beschrieben. Von ihnen sind uns genauere Maße und Beschreibungen überliefert.
Ibn Dschubair berichtete: „Zu den größten der Wunder, die wir selbst gesehen haben, gehört der Leuchtturm, den Allah gegründet hat mit den Händen derer, denen er diese Fronarbeit auferlegt hat … als Führung für die Reisenden“. Ibn Battuta war Zeuge des endgültigen Verfalls. Als er 1349 zum zweiten Male Alexandria besuchte, war ein Besteigen des Turmes wegen der zu großen Schäden infolge des Erdbebens von 1323 nicht mehr möglich. Der Turm hatte seit dem späten 11. Jahrhundert nach Reparaturen auch nicht mehr seine volle Höhe.
Die letzte Erwähnung und Beschreibung des Turmes stammte aus dem Jahr 1435 von Cyriacus von Ancona. In der Renaissance-Zeit waren der Turm und die anderen Weltwunder Gegenstand etlicher, eher phantasievoller denn realistischer Darstellungen von Künstlern wie Maarten van Heemskerck, Johann Bernhard Fischer von Erlach und Antonio Tempesta.
Rekonstruktionsversuche Der deutsche Archäologe Hermann Thiersch beschäftigte sich eingehend mit der Rekonstruktion des Pharos von Alexandria.Hermann Thiersch: Pharos. Antike, Islam und Occident. Ein Beitrag zur Architekturgeschichte. Leipzig / Berlin 1909.
Die Inschrift des Baumeisters