miniatur|Die Grafschaft Bentheim um 1794/95 von Franz Johann Joseph von Reilly miniatur|Landkarte der Hanseatischen Departements mit dem Departement Lippe 1812 miniatur|Karte des Königreichs Hannover 1815–1866 Die Grafschaft Bentheim ist eine historische Grafschaft, deren Hauptsitz auf der Burg Bentheim im heutigen Bad Bentheim in Niedersachsen lag. Das regierende gräfliche, später fürstliche Haus Bentheim gehörte dem Hochadel an.

Geschichte Die Geschichte der Region der späteren Grafschaft Bentheim lässt sich bis in das Jahr 1050 zurückverfolgen: Damals wurden Ortsnamen des Bentheimer Landes erstmals urkundlich erwähnt.Landkreis Grafschaft Bentheim (Hrsg.): Zahlen, Daten, Fakten 2011. Nordhorn/Bentheim, 2011, S. 7. Die Burg Bentheim wurde bereits um 1020 als Eigentum des Grafen Otto von Northeim erwähnt. Schüttorf ist die älteste Stadt der Grafschaft Bentheim. Der Ort wurde 1154 das erste Mal urkundlich genannt unter der Bezeichnung curtis Scutthorp als Besitz der damaligen Grafen, die auch Bentheim besaßen. Die Stadtrechte wurden Schüttorf am 6. November 1295 von Graf Egbert zu Bentheim verliehen. Im Umkreis von 30 km um Schüttorf gab es nur zwei weitere Städte: Horstmar und Oldenzaal, was die junge Stadt zu einem bedeutenden Markt- und Umschlagplatz und bald zum Mitglied der Hanse machte. Die Grafschaft Bentheim als solche wurde erstmals 1228 genannt, davor ist nicht mit Gewissheit zu sagen, ob diese schon den Status einer Grafschaft hatte oder nur ein „Herrschaftsgebilde“ war, bestehend aus mehreren Herrschaften.1228 wurde das erste Mal der Begriff comitatus, also Grafschaft, in Zusammenhang mit Bentheim verwendet. Davor gab es zwar Grafen, die sich "von Bentheim" nannten, aber wohl nur Herren von Bentheim waren, was wiederum bedeutet, dass es zu dieser Zeit vielleicht noch keine Grafschaft Bentheim gegeben hat. Vgl.: Peter Veddeler: Die territoriale Entwicklung der Grafschaft Bentheim bis zum Ende des Mittelalters. S. 53.

Im 14. Jahrhundert waren die Grafen Otto, Christian und Bernhard von Bentheim zeitweise Dompröpste des Domkapitels Münster. 1421 erbte Eberwin I. von Götterswick die Grafschaft Bentheim und wurde 1425 auch Herr von Ottenstein, 1451 Herr von Steinfurt.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 103. Schon unter seiner Nachkommenschaft teilten sich die Herren zu Bentheim in die Linie Bentheim-Steinfurt und Bentheim. Nachdem durch Erbschaft weitere Herrschaften hinzugekommen waren (Gemen, Tecklenburg), fanden später noch weitere Erbteilungen in die Linien Bentheim-Tecklenburg, Bentheim-Limburg und Bentheim-Alpen statt. Die Grafschaft Bentheim gehörte als unmittelbare ReichsgrafschaftVgl. Reichsmatrikel von 1521. In: Karl Zeumer (Hrsg.): Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit. 2. vermehrte Auflage, Verlag von J. C. B. Mohr, Tübingen 1913, S. 316. zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1500–1806).

Im 17. Jahrhundert begann mit dem Anlegen der Siedlung Piccardie (heute Alte Piccardie, Gemeinde Osterwald) durch Johan Picardt die Moorkolonisation in der Grafschaft Bentheim.

Im Laufe der jüngeren Geschichte hat sich die Zugehörigkeit der Grafschaft Bentheim oft verändert. Zunächst wurde die freie Reichsgrafschaft 1753 unter Graf Friedrich Karl an den König von Großbritannien und Kurfürsten von Braunschweig und Lüneburg auf dreißig Jahre verpfändet. 1757, während des Siebenjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, besetzte Graf Friedrich Karl sein ehemaliges Territorium mit seinem französischen Regiment und ließ sich wieder in den Besitz der Grafschaft setzen. Bereits 1758 jedoch besetzten hannoversche Truppen Bentheim und zwangen die Besatzer zum Abzug. Am 4. Dezember 1781 kündigte Friedrich Karl den Pfandschaftsvertrag, schaffte es jedoch nicht, die erforderliche Summe zu beschaffen. Die Regierung in Hannover erklärte daraufhin, dass der Vertrag sich am 1. Januar 1783 automatisch um weitere dreißig Jahre verlängere.

In der Franzosenzeit wurde die Grafschaft 1804 zunächst Graf Ludwig Wilhelm von Bentheim-Steinfurt als Erbe Friedrich Karls übergeben. 1806 beraubte Napoleon Bonaparte durch die Rheinbundakte die Grafen aller Rechte; Bentheim gehörte bis 1811 zum Département Ems des Großherzogtums Berg im von ihm begründeten Rheinbund. Mit der Annexion des Königreichs Holland durch Frankreich 1810 änderte sich die Zugehörigkeit abermals: Mit Wirkung vom 1. Januar 1811 gehörte die Grafschaft übergangsweise zu einem Teil (Distrikt Neuenhaus) zum Departement Ems-Occidental und zum anderen Teil (Bentheim als Teil des Distrikts Steinfurt) zum Departement Bouches-de-l’Yssel. Ab dem 27. April 1811 war die Grafschaft Teil des neuen Departments Lippe, das nach den weiteren französischen Annexionen als Teil der Hanseatischen Departements gebildet wurde.

Nach der Niederlage Napoleons fiel die Grafschaft Bentheim dann im Rahmen des Wiener Kongresses 1815 dem Königreich Hannover zu. Im Rahmen dessen wurde die Grafschaft bei der Gaußschen Landesaufnahme kartografiert und das zu dieser Zeit in der Grafschaft noch verwendete holländische Geld durch die gemeinsame hannoversche Währung ersetzt. Mit Verlust der Unabhängigkeit des Königreichs Hannover kam auch die Grafschaft Bentheim 1866 nach dem Deutschen Krieg unter die Herrschaft des Königreichs Preußen. Von 1866 bis zur Reichsgründung 1871 war die Grafschaft Bentheim nunmehr Teil der Provinz Hannover des Königreichs Preußen im Norddeutschen Bund, ab 1871 im Deutschen Kaiserreich. Verwaltungsorganisatorisch gehörte die Grafschaft Bentheim zum Steuerkreis Lingen in der Landdrostei Osnabrück und war in die beiden Ämter Neuenhaus und Bentheim gegliedert,Christian H. Ebhardt (Hrsg.): Gesetze, Verordnungen und Ausschreiben für das Königreich Hannover aus dem Zeitraume von 1813 bis 1839. Band 2, Hannover 1839, S. 39 und 42. die beide Standort eines Amtsgerichts waren (Neuenhaus seit 1860,Aus Amtsgericht wird Seniorenresidenz. Historisches Gebäude in Neuenhaus vollständig saniert – Krankenhausverein als Pächter in den Grafschafter Nachrichten vom 23. November 2006. Bentheim seit 1857 Scherben auf der Mauer sollten das Gefängnis sichern – Das alte Amtsgericht in Bad Bentheim war früher das neue – Zwei Wachtmeister für bis zu 30 Gefangene in den Grafschafter Nachrichten vom 16. Juli 2009.).

Mit der preußischen Kreisreform 1885 wurde der neue Landkreis Grafschaft Bentheim im Regierungsbezirk Osnabrück gegründet, der aus den beiden vorherigen Ämtern Bentheim und Neuenhaus hervorgegangen war.

Während des 19. Jahrhunderts wanderten auch zahlreiche Grafschafter in die Vereinigten Staaten aus und ließen sich beispielsweise in der Region um Holland (Michigan) nieder.Homepage des Projekts „German Immigrants“, abgerufen am 3. Januar 2012., abgerufen am 14. April 2019.

Postgeschichtlich bestehen aufgrund der Beziehungen zur Herrschaft Steinfurt enge Verbindungen der Grafschaft Bentheim mit der Postgeschichte von Steinfurt.

Anton Friedrich Büschings Beschreibung der Grafschaft Bentheim (1771) Der königlich preußische Oberkonsistorialrat und Direktor des Berliner Gymnasiums Anton Friedrich Büsching (1724–1793) behandelte in seiner Neuen Erdbeschreibung „das Königreich Böhmen sowie den österreichischen, burgundischen, westphälischen, chur-rheinischen (Kurrheinischer Reichskreis) und oberrheinischen Kreis“.

Der westfälischen Grafschaft Bentheim widmete der Theologe und Geograf ein kurzes Kapitel. Büsching erwähnt dort die Lage der Grafschaft – umgeben „von der niederländischen Provinz Ober-Yssel (Overijssel) und der Landschaft Drenthe, und von dem Hochstift Münster“, ihre Ausdehnung: „10 Meilen lang und 2,3 bis 4 Meilen breit“, das von Flüssen durchzogene, fruchtbare Land, seine arbeitsamen Einwohner, deren Handel mit Garn, Wolle, Leinewand, Honig, Vieh, Steinen, Holz und anderen Gütern, die zum größten Teil nach Holland ausgeführt wurden.

Büsching zählte fünf Ämter auf: Schüttorf, Northorn (Nordhorn), Emblicheim (Emlichheim), Nienhus oder Neuenhaus und Ulsen (Uelsen). Außerdem führt er die drei Städte der oberen und unteren Grafschaft an: Schüttorf, Northorn, Nienhus sowie den Flecken Bentheim. Erwähnung finden weiter alle damaligen Kirchspiele und Dörfer, die „Herrlichkeit Emblicheim“, adlige Besitzungen, das Kloster Frenswegen und das adlige freiweltliche Frauenstift Wietmarschen, das zuvor eine „Benediktiner-Manns-Abtey“, dann ein Benediktinerinnen-Kloster war. Büsching notiert auch, wer Sitz und Stimme in den Landtagen hatte. Weiter geht der Theologe kurz auf die religiösen Gegebenheiten in der Grafschaft ein. Die Geschichte der Grafen von Bentheim erfährt eine etwas ausführlichere Darstellung.Anton Friderich Büsching (1724–1793): D. Anton Friderich Büschings neuer Erdbeschreibung dritten Theils erster Band, worinnen das Königreich Böhmen, der östreichische, burgundische, westphälische, chur-rheinische und oberrheinische Kreis beschrieben werden. Fünfte Auflage, 1771.D. Anton Friderich Büschings, königl. preussischen Oberconsistorialraths und Directors des berlinischen Gymnasii, neue Erdbeschreibung dritter Theil, welche das deutsche Reich nach seiner gegenwärtigen Staatsverfassung enthält. Fünfte rechtmässig verbesserte und stark vermehrte Auflage. Mit Röm. Kaiserl. und Churf. Sächs. wie auch der Eidgenossenschaft Zürich, Glarus, Basel, Appenzell, Reichstädte S. Gallen, Mühlhausen und Biel. Hamburg, bey Joh. Carl Bohn, 1771. Darin: „Der Westphälische Kreis.“, S. 622–1012. „Die Grafschaft Bentheim“, S. 931–940.

Burg Bentheim

Die Burg Bentheim ist eine frühmittelalterliche Höhenburg. Die Anfänge der Festung, welche auf den Resten einer germanischen Volksburg errichtet wurde, lassen sich historisch nicht genau belegen; erstmals urkundlich wurde die mächtige Burganlage der Grafen von Bentheim um 1050 im zweiten Werdener Heberegister erwähnt. Die Burg steht auf einem großen Felsen aus Bentheimer Sandstein hoch über der Stadt; dieser auch Bentheimer Höhenrücken genannte Berg ist der letzte Ausläufer des Teutoburger Waldes.

Herren und Grafen von Bentheim mini|hochkant|Stammwappen der Grafen zu Bentheim Haus Salm Otto (1080–1150), Pfalzgraf bei Rhein, Herr von Bentheim, Graf von Rheineck (Wigeriche) bzw. Otto II. von Salm-Rheineck (ca. 1115–1149) Sophie von Rheineck, Erbin der Herrschaft Bentheim, dessen Tochter; ⚭ Dietrich VI. (ca. 1110–1157), Graf von Holland

Gerulfinger Otto I., deren Sohn, Herr von Bentheim, 1166/1208 bezeugt Balduin I., dessen Sohn, kam 1209 in den Besitz der Herrschaft Bentheim und trug spätestens seit 1228 den Titel Graf von Bentheim1228 wurde das erste Mal der Begriff comitatus, also Grafschaft, in Zusammenhang mit Bentheim verwendet. Davor gab es zwar Grafen, die sich „von Bentheim“ nannten, aber wohl nur Herren von Bentheim waren, was aber bedeutet, dass es zu dieser Zeit vielleicht noch keine Grafschaft Bentheim gegeben hat. Vgl. Veddeler, 1970, S. 53 Otto II., dessen Sohn, 1248 Graf von Bentheim, 1264 Graf von Tecklenburg Egbert I. († vor 1311), dessen (jüngerer) Sohn, Graf von Bentheim Johann († vor 1333), dessen Sohn, 1305 Graf von Bentheim Simon I. († 1344), dessen Sohn, 1333 Graf von Bentheim Otto III. († nach 1379), dessen Bruder, 1344 Graf von Bentheim, verzichtet um 1364 Bernhard († 1421), dessen Bruder, 1364 Graf von Bentheim Hedwig, 1347/71 bezeugt, dessen Schwester; ⚭ Eberwin (Everwin) V. von Götterswick (aus Götterswickerhamm) († 1378) Arnold I. von Bentheim (des Stammes Götterswick, † 1403), ⚭ Mechtild von Reifferscheidt († 1426)

Bentheim-Götterswick 1421–1454: Eberwin I. Graf von Bentheim, Herr zu Steinfurt, Sohn Arnolds I.; ⚭ 1) Mathilde von Steinfurt, 1421 Erbin der Herrschaft Steinfurt; ⚭ 2) Gisberta von Bronkhorst-Borkulo