Eine Singlebörse, auch Partnerbörse oder Datingplattform, ist ein Internetportal, auf dem überwiegend Singles Lebens- oder auch Sexualpartner suchen. Der Begriff Kontaktbörse ist für solche Portale gebräuchlich, wenn die Suche nach einem Seitensprung-, Freizeit- oder Hobbypartner im Vordergrund steht. Einträge in diesen Börsen sind eine moderne Variante der Kontaktanzeigen. Ähnlich einer Partnervermittlung können die Mitglieder auf einigen Plattformen durch Übereinstimmung (Matching) von Vorlieben zusammenfinden. Der Übergang zu gewöhnlichen sozialen Netzwerken kann fließend sein, denn manche Netzwerke, die in erster Linie auf Freundschaftspflege ausgerichtet sind, unterstützen auch das Kennenlernen möglicher Liebespartner.
Begriffe Der Anglizismus Dating bezeichnet ein Treffen bzw. ein gemeinsames Ausgehen, um herauszufinden, ob die andere Person als Partner in Frage kommt. Einen guten Definitionsansatz liefert Bruschewski (2007), die Online-Dating als „internetbasiertes zwischenmenschliches Kontaktknüpfen mit dem Ziel der Etablierung einer intimen und leidenschaftlichen Beziehung“ definiert. Allerdings erscheint dieser Ansatz zu limitierend, so dass er folgende Definition aufstellt: Online-Dating ist der zwischenmenschliche Prozess des Kennenlernens über das Medium Internet mit dem Ziel, einen (zunächst unbekannten) Partner auf seine Tauglichkeit für eine Paarbeziehung zu überprüfen.
Online-Datingplattformen als Oberbegriff umfasst sämtliche internetbasierten Dienste, die eine Vermittlung persönlicher und privater Kontakte ermöglichen. Insofern haben alle Online-Datingplattformen die Gemeinsamkeit, dass deren Anbieter eine über das Internet nutzbare Datenbank betreiben, in der sich die Nutzer eintragen und mit anderen Nutzern in Kontakt treten können.
In der Online-Dating-Branche ist eine Unterscheidung nach Ausrichtung hinsichtlich verschiedener Zielgruppen (Altersgruppe, Intention der Nutzer) üblich. Während bei Singlebörsen der lockere Kontakt und Flirt im Vordergrund steht, suchen Nutzer auf Partnerbörsen (siehe Online-Partnervermittlung) nach längerfristigen Beziehungen. Allerdings ist der Übergang fließend. Bei Singlebörsen ist das Durchschnittsalter deutlich jünger als bei Partnerbörsen. Aus dem Archiv abgerufen am 30. Juli 2020. Bei Partnerbörsen kann die Suche eingeschränkt sein, und Kontakte werden meistens auf der Grundlage von Testfragen und interner Algorithmen vorgeschlagen. Partnerbörsen liegen zudem preislich auf einem höheren Niveau.
Klassifikation Es lassen sich Onlinepartnervermittlung, Datingplattformen, Casual Dating und Special Interest (bzw. Nischen) unterscheiden. Partnervermittlungen streben eher die Vermittlung einer festen, dauerhaften Partnerschaft an, während bei Datingplattformen eher die Vermittlung sozialer Kontakte, die in einer Partnerschaft münden können, im Mittelpunkt steht. Casual Dating bzw. dient der Vermittlung lockerer, meist sexueller Kontakte und Flirts.
Partnervermittlung Partnervermittlungsplattformen bzw. Matchmaking-Plattformen sind Datingplattformen, auf denen Nutzer eine feste Partnerschaft suchen und die Plattform insofern als Partnervermittlung angesehen werden kann, da durch die Plattformen in erster Linie ein „Matchmaking“ im Sinne einer passenden Vermittlung von Nutzern mit dem gleichlaufenden Ziel einer langfristigen Partnerschaft erfolgt. Dabei erfolgt durch die Plattformen keine Partnervermittlung im klassischen Sinne, vielmehr ermöglichen die Plattformen die Kontaktaufnahme zwischen passenden Nutzern. Matchmaking-Plattformen stellen insbesondere die Ermöglichung einer festen Partnerschaft in den Fokus ihrer Außendarstellung.
Bei Partnervermittlungsplattformen wird nach der zumeist kostenlosen Registrierung eines Nutzers zunächst ein obligatorischer Persönlichkeitstest durchgeführt, bei dem der Nutzer verschiedene Fragen beantworten muss. Ziel dieses Persönlichkeitstests ist die Erstellung eines Persönlichkeitsprofils, das die persönlichen Einstellungen und Vorlieben des Nutzers abbilden soll. Das Persönlichkeitsprofil dient anschließend als Grundlage für das Matching zwischen Nutzern. Hierbei werden die Persönlichkeitsprofile von zwei Nutzern mit Hilfe eines Algorithmus ins Verhältnis gesetzt, um die Übereinstimmung zwischen den Nutzern durch einen so genannten Matching-Score (andere Bezeichnung: Beziehungsquotient) auszudrücken. Der genaue Aufbau des Algorithmus ist für den Nutzer nicht transparent. Vielmehr werben Partnervermittlungsplattformen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden, die bei der Berechnung des Matching-Scores angewendet werden.
Nach Registrierung und Absolvierung des Persönlichkeitstests werden dem Nutzer Partnervorschläge gemacht, die der Nutzer selbst durch Kriterien wie Entfernung, Alter, letzter Login oder Matching-Score filtern kann. Bis hierhin ist die Nutzung der Matchmaking-Plattform regelmäßig kostenlos. Beabsichtigt der Nutzer nun, direkten Kontakt mit einem anderen Nutzer aufzunehmen, beispielsweise durch Senden einer persönlichen Nachricht, so ist hierfür oft eine kostenpflichtige Mitgliedschaft erforderlich. Die Kosten variieren zwischen den Plattformen, typischerweise ist der fällige Monatsbetrag von der Laufzeit der Mitgliedschaft abhängig.
Dating Datingplattformen unterscheiden sich von Partnervermittlungsplattformen neben einem modifizierten Vermittlungsziel insbesondere in der Vermittlungsleistung, die weder Persönlichkeitstests noch Partnervorschläge umfasst. Bei Singlebörsen erstellt ein Nutzer nach der Registrierung zunächst sein Profil mit seinen persönlichen Angaben (beispielsweise Alter, Aussehen, Vorlieben). Danach kann der Nutzer nach selbst gewählten Kriterien frei nach anderen, passenden Nutzern in der Datenbank des Anbieters suchen. Dabei werden dem Nutzer keine Partnervorschläge gemacht, vielmehr bestimmt der Nutzer selbst, nach welchen Kriterien aus seiner Sicht passende Nutzer gesucht werden sollen. Typische Suchkriterien sind dabei Entfernung, Alter, Haarfarbe, Größe und Figur.
Sowohl bei Partnervermittlungsplattformen als auch bei Singlebörsen haben sich die unterschiedlichen Plattformen individuell am Markt positioniert. Grob lassen sich breit positionierte Plattformen und eng positionierte Plattformen unterscheiden. Eine breite Marktpositionierung bedeutet, dass die betreffende Plattform eine breite Masse an Nutzern ansprechen möchte, ohne dabei eine konkrete Zielgruppe zu adressieren. Eng positionierte Plattformen richten sich demgegenüber an eine spezifische Zielgruppe wie beispielsweise Akademiker, Vegetarier, Anhänger einer bestimmten Religion oder Personen aus einer bestimmten Region.
Casual Dating Casual Dating/Adult Dating-Plattformen richten sich an Nutzer, die einen schnellen, lockeren Flirt oder meist auch sexuellen Kontakt suchen. Casual Dating-Plattformen treten als Erotik-Plattformen auf, die sich an Nutzer mit (unerfüllten) erotischen Wünschen richten, aber auch als Seitensprungplattformen, die insbesondere Nutzer in festen Partnerschaften mit (unerfüllten) erotischen Wünschen ansprechen. Bei Casual Dating-Plattformen findet sich häufiger eine Preisdifferenzierung zwischen Männern und Frauen. So können bei einer Reihe von Plattformen Frauen diese in vollem Umfang kostenlos nutzen, während bei Männern zwar die Registrierung, Profilerstellung und Suche nach Frauen kostenlos, die direkte Kontaktaufnahme aber kostenpflichtig ist.
Auch bei Casual Dating-Plattformen finden sich Unterschiede hinsichtlich der angesprochenen Zielgruppe. So gibt es Plattformen, die sich breit positioniert haben und eher unspezifische Nutzer, die den Wunsch nach einem lockeren Flirt oder Kontakt haben, ansprechen wollen. Daneben gibt es aber auch Plattformen, die enger positioniert sind und spezifischere Nutzervorlieben adressieren.
Geschichte Online-Datingplattformen haben sich erstmals im Zuge der Öffnung des Internets für breite Massen in den 1990er Jahren gebildet. Als Geburtsstunde des Online-Datings gilt die Plattform Match.com, die 1994 von Gary Kremen als unbedeutender E-Mail-basierter Dating-Service gekauft, um eine Profil-Datenbank erweitert und im Jahr 1995 neu veröffentlicht wurde. In Deutschland startete mit Datingcafe.de im Jahr 1998 die erste Online-Datingplattform.
Auf dem Markt existiert eine Vielzahl von Anbietern. Unterscheiden lassen sich große internationale Anbieter, nationale Anbieter sowie regionale und spezialisierte Anbieter. Angaben zu Mitgliederzahlen sind wenig aussagekräftig: Ein international agierender Anbieter, der Gesamtzahlen angibt, kann bspw. im deutschsprachigen Raum viel weniger Mitglieder vorweisen als ein nationaler Anbieter. Möglicherweise hat ein regionaler Anbieter in „seiner“ Region mehr Mitglieder als ein nationaler oder internationaler Anbieter. alternativtext=|mini|Online-Dating-Anbieter in Germany in June 2014 sortiert nach monatlichen Besuchern Nach einer Studie aus dem Jahr 2013 ist das Internet, nach dem Kennenlernen durch den Freundeskreis, die zweite wahrscheinlichste Möglichkeit, einen festen Partner zu finden. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) ermittelte, dass im Jahr 2006 insgesamt 6,8 Millionen Deutsche eine Singlebörse im Internet besuchten. Der Umsatz der deutschen Singlebörsen soll im selben Jahr bei 65,6 Millionen gelegen haben und wuchs in den Folgejahren kontinuierlich. Im Jahr 2011 erzielte die Branche einen Umsatz von 202,8 Millionen Euro (inklusive Erotik-Singlebörsen). Deutschland stellt damit nach dem vereinigten Königreich (211 Mio. Euro) den zweitgrößten europäischen Markt, der insgesamt auf 811 Millionen Euro beziffert wurde.
Sozialwissenschaftler der Universität Bamberg ermittelten 2008 in einer repräsentativen Erhebung anhand von Profilen sowie 1800 Telefoninterviews: Suchende waren überwiegend Anfang 30 und zwei Drittel von ihnen waren männlich. Ihr Bildungsniveau wies erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf: Männer hätten überdurchschnittlich oft einen Hauptschulabschluss, während Frauen mit Abitur überrepräsentiert waren. Die Forscher führten die Zusammensetzung der Partnersuchenden auf die Schwierigkeiten dieser beiden Gruppen bei der realen Partnerwahl außerhalb des Internets zurück, da Frauen und Männer unterschiedliche Ansprüche bei der Auswahl ihrer Partner hätten. Hochgebildete Frauen suchen demnach nach einem Partner mit ähnlichem Bildungsabschluss, während hochgebildete Männer ihre Partnerinnen nicht immer und unbedingt nach diesem Kriterium auswählen. So bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen dem gestiegenen Bildungsniveau bei Frauen, dem gesunkenen Marktwert gering gebildeter Männer und dem Ergebnis der repräsentativen Erhebung, genau diese beiden Gruppen besonders häufig in Singlebörsen anzutreffen.Gemeinsam einsam: Fisch trifft Fahrrad. Spiegel Online, 8. Juli 2008, abgerufen am 30. Dezember 2015.
Funktionen Die meisten Singlebörsen basieren auf Datenbanken, in denen sich die Teilnehmer online selbst registrieren und ein Benutzerprofil anlegen können. Neben üblichen Angaben wie Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht kommen oft weitere Angaben hinzu, die den Suchenden genauere Vorstellungen geben sollen. In der Regel können mehrere Fotos eingestellt werden.
Die großen Singlebörsen bieten ein kostenloses Basisangebot, das sich darauf beschränkt, in der Datenbank zu suchen und das eigene Profil einzustellen. Eine Kommunikation zwischen den Beteiligten ist meist mit Kosten verbunden. Da einige Singlebörsen einen deutlichen Männerüberschuss haben, bieten diese für Frauen den gleichen Leistungsumfang kostenlos, den Männer bei entgeltlicher Mitgliedschaft haben. Es gibt viele Anbieter, die längerfristige Verträge anbieten. Die Angebote und Bedingungen sind sehr vielfältig, und die Qualität ist nicht immer auf den ersten Blick abzuschätzen. Dafür gibt es auch einige Portale, die einen Vergleich anbieten.