mini|Cod. Pal. germ. 76, Blatt 3r – Beginn des 2. Kapitels: der Tod fordert Namen und Begründung der Anklage; Handschrift produziert in der Werkstatt des Ludwig Henfflin um 1470, vermutlich in Stuttgart

Der Ackermann aus Böhmen (auch: Der Ackermann und der Tod) ist ein Werk des Johannes von Tepl, das um 1400 entstand, zunächst in verschiedenen Handschriften verbreitet wurde und erstmals um 1460 in Bamberg im Druck erschien. Es war eines der ersten Werke auf Deutsch, das mit Holzschnitten versehen war.

Inhalt und Bedeutung Das Streitgespräch zwischen dem „ackerman“ und dem Tod, den er wegen des Todes seiner Frau verklagt, gilt als eines der bedeutendsten Werke der spätmittelalterlichen deutschen Literatur. Neben seinem rhetorisch-stilistischen Rang ist der Text auch als sozial- und mentalitätsgeschichtliche Quelle von hoher Bedeutung, unter anderem weil er ein – in der zeitgenössischen Theologie umstrittenes und noch lange Zeit später nicht selbstverständliches – Konzept der Ehe als Liebesgemeinschaft vertritt. Erstmals in der mittelalterlichen Literatur lehnt sich ein Mensch hier gegen den Tod auf und kritisiert damit auch Gottes Allmacht, der sich die Menschen bislang unterwarfen.Kirsten Serup-Bilfeld: Sterben nicht mehr gottgewollt. In: Tag für Tag, Deutschlandfunk, 4. April 2016. Deshalb wurde das Werk zu Beginn des 20. Jahrhunderts, z. B. von Konrad Burdach, als Vorläufer bzw. Anfang des Humanismus in der deutschen Literatur angesehen. Spätere Einordnungen betonten hingegen die Aspekte des Werkes, die stärker zum Mittelalter gehören.

Das Werk besteht aus insgesamt 34 Kapiteln. In den ungeraden Kapiteln beschuldigt der „Ackermann“ den Tod, der ihm seine geliebte Frau geraubt hat, in den geraden Kapiteln antwortet der Tod. Gegen die Emotionen des „Ackermanns“ setzt er Logik, stellenweise auch Zynismus ein. Im Kapitel 33 tritt Gott auf, erkennt das Recht des Ackermanns, sein Leid zu klagen, an, aber auch das Recht des Todes, die Erkenntnis auszusprechen, dass alles Leben einmal sterben muss, ohne jedoch dafür eine moralische Begründung zu liefern. Dem anklagenden Ackermann gebühre die Ehre, dem Tode aber der Sieg. Das Kapitel 34 ist ein hymnisches Gebet des „Ackermanns“ für die Seele seiner verstorbenen Frau mit einem Lobpreis Gottes.

Das Werk ist durch sein hohes sprachliches Niveau bemerkenswert. Es lässt sich nicht eindeutig nachweisen, ob ein Erlebnis des Autors zu Grunde liegt (einige datieren den Text nach dem Tod von Johannes’ möglicherweise erster Frau Margret am 1. August 1400) oder ob es sich um ein „gelehrtes Werk“ (Christian Kiening) auf der Basis einer Fiktion handelt.

Der Text (Kapitel I) beginnt so:

Textausgaben Johannes von Tepl: Der Ackermann. Aufgrund der deutschen Überlieferung und der tschechischen Bearbeitung kritisch hrsg. von Willy Krogmann. Wiesbaden 1954. Johannes de Tepla, civis Zacensis, Epistola cum Libello Ackerman und Das Büchlein Ackerman. Nach der Freiburger Hs. 163 und nach der Stuttgarter Hs. HB X 23. Hrsg. und übersetzt von Karl Bertau. Band 1: Text und Übersetzung. De Gruyter, Berlin / New York 1994, ISBN 3-11-014019-5.

Neuhochdeutsche Fassungen in der Reihenfolge des Erscheinens Johannes von Saaz: Der Ackermann aus Böhmen. Hrsg. und mit dem tschechischen Gegenstück „Tkadlecek“ verglichen von Johann Knieschek. Prag 1877 ( beim Internet Archive). Der Ackermann aus Böhmen des Johannes von Saaz. Anton Bernt, Heidelberg 1929. Johannes von Tepl: Der Ackermann und der Tod. Übertragung von Ernst Günther Carnap. Berlin 1939. Johannes von Saaz: Der Ackermann aus Böhmen. Hrsg. von Erich Gierach und übertragen von E. G. Kolbenheyer. Prag 1943. Der Ackermann und der Tod. Übersetzt von Hans Franck, Union Verlag, Berlin 1955. Johannes von Tepl: Der Ackermann und der Tod (= Insel-Bücherei. 198/C). Ein Streitgespräch. Ins Neuhochdeutsche übertragen von Willy Krogmann. Insel Verlag, Wiesbaden 1957 Der Ackermann aus Böhmen (mittelhochdeutsch und neuhochdeutsch) (= Reclams Universal-Bibliothek. Nr. 7666). [Ein Streit- und Trostgespräch vom Tode.] Originaler Text und Übertragung. Übertr., Nachwort und Anmerkungen von Felix Genzmer, Bibliographie von Wolfgang Mieder. [Neuausgabe.] Philipp Reclam jun., Stuttgart 1963, ; Johannes von Tepl: Der Ackermann aus Böhmen. Übertragen ins Neuhochdeutsche von Martin Vosseler. München 1972. Johannes von Tepl: Der Ackermann. Hrsg., übersetzt und kommentiert von Christian Kiening. Stuttgart 2000.

Hörspielfassung Der Ackermann und der Tod. Nach der gleichnamigen Erzählung von Johannes von Saaz. Hörspiel von Gunnar Müller-Waldeck. Klavierimprovisation: Burghard Meier. Regie: Barbara Plensat. Produktion: Rundfunk der DDR.

Musikalische Bearbeitungen Helmut Bieler: Der Ackermann aus Böhmen. Oratorium. Libretto: Dietrich W. Hübsch (nach dem gleichnamigen Werk des Johannes von Tepl). Fassung für Sprecherin, 2 Sprecher, Alt, Bariton, Orgel, Synthesizer, Percussion und Tonband (1977, revidiert 1982). UA 1977 Bad Hersfeld. Revidierte Fassung: UA 1978. Fassung für 2 Sprecher, Orgel, Synthesizer, Percussion und Tonband (1978) Dorothea Hofmann: Der Ackermann aus Böhmen (2015, nach Johannes von Tepl). Orgelmusik zu einem Streitgespräch. UA 17. Oktober 2015 Fürth (St. Michael). Sirka Schwartz-Uppendieck (Orgel), Heiko Ruprecht (Ackermann), Michael Vogtmann (Tod)

Forschungsliteratur in der Reihenfolge des Erscheinens Gerhard Hahn: Die Einheit des Ackermann aus Böhmen. Studien zur Komposition (= Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters. Band 5). Beck, München 1963

Ernst Schwarz (Hrsg.): Der Ackermann aus Böhmen des Johannes von Tepl und seine Zeit. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1968. Antonín Hrubý: Der „Ackermann“ und seine Vorlage. München 1971. Rosemarie Natt: Der „Ackerman aus Böhmen“ des Johannes von Tepl. Ein Beitrag zur Interpretation. Göppingen 1978. Karl Bertau: Johannes de Tepla, civis Zacensis, Epistola cum Libello Ackerman und Das Büchlein Ackerman. Nach der Freiburger Hs. 163 und nach der Stuttgarter Hs. HB X 23, herausgegeben und übersetzt von Karl Bertau. Band 2: Untersuchungen. Einleitung, Untersuchungen zum Begleitbrief und zu den Kapiteln 1 bis 34 des Textes und Wörterverzeichnis mit Exkursen. De Gruyter, Berlin 1994, ISBN 3-11-014634-7. Christian Kiening: Schwierige Modernität. Der „Ackermann“ des Johannes von Tepl und die Ambiguität historischen Wandels. Tübingen 1998. Albrecht Hausmann: Der „Ackermann aus Böhmen“ und die Prager Juden um 1400. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 125, Heft 2, 2003, S. 292–323, doi:10.1515/BGSL.2003.292. Hildegunde Gehrke: Die Begriffe „Mittelalter“, „Humanismus“ und „Renaissance“ in den Interpretationen des „Ackermann aus Böhmen“. Göppingen 2004 (= Diss., Universität Mannheim).

Weblinks

Einführung zum digitalen Faksimile der Heidelberger Bilderhandschrift E-Text in der Bibliotheca Augustana (hiernach zitiert) Publikationen zum „Ackermann aus Böhmen“ im Bibliotheks- und Bibliographieportal / Herder-Institut (Marburg) Wolfgang Beitinger: Der Ackermann aus Böhmen – Ein Kleinod deutsch-böhmischer Literatur um 1400. Vortrag (PDF-Manuskript; MP3; 1:38:01 Std.)

Der Ackermann aus Böhmen im Internet Archive

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (15. Jahrhundert) Kategorie:Literatur des Mittelalters Kategorie:Tod in der Kunst