mini|Bad Windsheim von Burg Hoheneck aus mini|Bad Windsheim vom Fränkischen Freilandmuseum aus gesehen
Bad Windsheim (, im fränkischen Dialekt: WinsaE. Fuchshuber: Uffenheim. S. 15. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „winsɒ“.) ist eine Stadt im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim und das einzige Heilbad Mittelfrankens (Bayern). Sie liegt westlich von Nürnberg. Der Kurort und Quellort (Krönungsquelle) für einige Mineralwasser-Firmen ist ländlich geprägt.
Windsheim war seit der Stauferzeit durchgehend eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt. Das Prädikat „Bad“ wurde Windsheim 1961 verliehen.
Geografie Der Ort liegt in der Windsheimer Bucht, am südlichen Ende des Naturpark Steigerwald und nördlich des Naturpark Frankenhöhe.Orte: Bad Windsheim, Internetseite des Naturpark Steigerwald, 2025. In: steigerwald-naturpark.de
Unmittelbar südlich der Stadt fließt die Aisch, im Südwesten mündet die Rannach als rechter Zufluss in die Aisch.
Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2011 angegeben):
Die Einöden Linken- und Wasenmühle zählen zum Gemeindeteil Ickelheim. Die Mittel-, Neu- und Obermühle sind mittlerweile Wüstungen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bad Windsheim, Berolzheim, Humprechtsau, Ickelheim, Külsheim, Lenkersheim, Oberntief, Rüdisbronn und Wiebelsheim. Die Gemarkung Bad Windsheim hat eine Fläche von 13,294 km². Sie ist in 5478 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2426,84 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Kleinwindsheimermühle und Walkmühle.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Sugenheim, Ipsheim, Markt Erlbach, Trautskirchen, Obernzenn, Illesheim, Burgbernheim, Ergersheim und Markt Nordheim. Außerdem grenzt das gemeindefreie Gebiet Osing an das Gemeindegebiet.
Schutzgebiete Innerhalb des Stadtgebiets von Bad Windsheim gibt es zahlreiche Schutzgebiete von ökologischer Bedeutung. Die FFH-Gebiete Vorderer Steigerwald mit Schwanberg und Gipshügel bei Külsheim und Wüstphül sowie das Vogelschutzgebiet Südlicher Steigerwald liegen im Stadtgebiet. Besonders hervorzuheben ist das Naturschutzgebiet Külsheimer Gipshügel, das als Reliktstandort für Federgrasarten, das Frühlings-Adonisröschen und seltene Tragantarten überregionale Bekanntheit erlangt hat.
Das im Stadtwald von Bad Windsheim gelegene Naturwaldreservat Jachtal ist ebenfalls überregional bekannt. Hier wurden im Rahmen von Untersuchungen bedeutende Urwaldrelikte entdeckt. Darüber hinaus befinden sich innerhalb des Stadtgebiets die geschützten Landschaftsbestandteile Gipsgrube Katzenloch, Weinberg in der Kiliansleiter und Wacholderheiden bei Unterntief. Auch Teile des Naturschutzgebiets Gräfholz und Dachsberge liegen in Bad Windsheim.
Geschichte mini|Windsheim im 17. Jahrhundert, Kupferstich M. Merian mini|Kornmarkt mini|Brunnen und Altstadthäuser mini|Straßenbild: die Rothenburger Straße mini|Freilandmuseum mini|Bad Windsheimer Altstadt vom Weinturm-Plateau aus gesehen Bis zum 19. Jahrhundert Ein erster urkundlicher Hinweis auf eine Ansiedlung (genannt „Uuinedisheim“) stammt aus dem Jahr 741.So Nach E. Fuchshuber: Uffenheim. S. 16 und W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 33, stammt die erste urkundliche Bezeugung aus dem Jahr 791.Nach R. Hoeppner (Hrsg.): Landkreis Uffenheim. S. 32, ist es das Jahr 743. Das Bestimmungswort ist der Personenname Winid. Die landläufige Ableitung vom Weinbau ist falsch.E. Fuchshuber: Uffenheim. S. 19 f. und W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 33. Aus der Urkunde geht hervor, dass es im Ort eine Kirche gab, die dem Heiligen Martin geweiht war. Anlässlich der Gründung der Diözese Bistum Würzburg schenkte Herzog Karlmann der Domkirche die Windsheimer Martinskirche. Im Original ist diese Urkunde nicht mehr vorhanden, da sie beim Brand des Domes in Würzburg 874 verbrannt ist. Die Wiederholung und Bestätigung durch Kaiser Ludwig den Frommen ist durch die Urkunde von 822 belegt.Schenkung von Uuinisheim durch Kaiser Ludwig den Frommen an den Bischof von Würzburg (älteste erhaltene Urkunde) Darin wurde bestätigt, dass die ehemals königliche Pfarrkirche St. Martin dem Bischof von Würzburg gehörte. Im Jahr 750 soll die Kirche durch Burkard, Würzburgs ersten Bischof, geweiht worden sein.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 69.
Im Jahre 889 wurde die Martinskirche das letzte Mal urkundlich erwähnt. Dabei ist auf eine Ur-Siedlung Kleinwindsheim zu schließen. Die jetzige Stadt Windsheim wurde etwas später als zweite Siedlung gegründet. Beide Siedlungen bestanden jahrhundertelang nebeneinander. Die zweite Kirche (erbaut 1190–1216) stand getrennt von der Ursiedlung dort, wo heute die Stadtkirche St. Kilian steht.
Reichsstadt Windsheim Windsheim wurde noch 1234 als Markt (forum) bezeichnet. Im Jahre 1248 wurde es durch Kaiser Friedrich II. zur Reichsstadt ernannt, die dem Kaiser direkt unterstellt war. In der Reichssteuer-Matrikel von 1241 ist Windsheim noch nicht aufgeführt.
Im Jahre 1343 besuchte Ludwig IV. der Bayer Windsheim und bestätigte der Stadt, die ein Jahr später eine enge politische Verbindung mit der Reichsstadt Nürnberg einging, die von seinen Vorgängern gewährten Privilegien; ebenso Kaiser Sigismund im Jahr 1413.
Das Kloster Windsheim war bereits 1291 gestiftet worden. Das Kloster Heilsbronn erwarb 1304 in Windsheim einen Hof, der den Heilsbronner Mönchen als Quartier diente. 1313 gelangte an das Kloster ein an den Hof stoßender Garten durch Tausch. Der jeweilige Pächter betrieb den Hof zugleich als Schankwirtschaft.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit. Bd. 2, S. 392 ff.
Während des Städtekriegs wurde das bereits 1381 einmal niedergebrannte Windsheim von Neustädtern belagert. Im Jahr 1499 erfolgte ein weiterer Zug gegen Windsheim und der Weinturm wurde niedergelegt.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 197
Von 1393 bis 1402 wurde eine Lateinschule gegründet. Der Deutsche Orden wirkte in Windsheim, die Kommende Virnsberg betrieb in der Pastoriusstr. 14 ein Stadthaus der „Teutschherren“. 1509 schuf Tilman Riemenschneider den Zwölfbotenaltar für die Windsheimer Kilianskirche.
Auf dem Rittertag 1512 in Windsheim wurde ein Brief des Pfalzgrafen verlesen, in dem dieser mitteilte, er sei an der Niederwerfung des Konrad Schott nicht beteiligt gewesen. Ab 1500 gehörte Windsheim zum Fränkischen Reichskreis, der dort zahlreiche KreistageWolfgang Wüst: Windsheim – Kreistage als Erinnerungsorte einer frühmodernen Reichsverfassung in Franken. In: Ferdinand Kramer (Hrsg.): Orte der Demokratie in Bayern. (Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 81/1) München 2018, S. 87–104. einberief. Seit 1522 wird nach der Weise Luthers in Windsheim gepredigt und schon 1524/25 wurde in der freien Reichsstadt Windsheim und wohl auch im Dekanatsbezirk Windsheim die Reformation eingeführt.Die Orgel in St. Kilian Bad Windsheim, abgerufen am 11. Februar 2020.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 192. Ebenfalls im Jahr 1525 besiegten die Bauernhaufen Florian Geyers und Gregors von Burgbernheim den Markgrafen Kasimir bei Windsheim. Im Jahre 1529 nahmen Vertreter Windsheims am Reichstag zu Speyer teil, die dort zur protestantischen Minderheit (siehe Protestation) gehörten. Wegen der möglichen Konsequenzen war dies, ebenso wie für Weißenburg, ein mutiger und gewagter Schritt für die kleinen Reichsstädte. Im Jahre 1530 trat Windsheim beim Reichstag neben den Reichsstädten Weißenburg, Heilbronn und Kempten dem Augsburger Bekenntnis bei, das Bürgermeister Hagelstein unterzeichnete.
Hexenprozesse wurden auch in Windsheim durchgeführt;Hexenprozesse in Windsheim. In: Heimatkundlicher Lesebogen für den Landkreis Uffenheim Heft IX. (). so kam es 1596 und 1597 in der Stadt zur Verbrennung von 25 Frauen.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 213.
Im Dreißigjährigen Krieg waren 1632 zweimal die Schweden unter Gustav II. Adolf in der Stadt. Nach dem Krieg besuchte 1659 Kaiser Leopold I. die Stadt; außerdem reiste noch im selben Jahr auch Kaiser Joseph I. durch die Stadt. Bei einem Feuer wurde 1730 ein großer Teil der Stadt zerstört.
Vor allem von Windsheim aus hatte der im 17. Jahrhundert aufkommende Pietismus sich auch im Aischgrund verbreitet. Am Anfang dieser Bewegung stand in Windsheim der Pfarrer Johann Heinrich Horb, am Ende zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Bürgermeister Tobias Schumberg.M. Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. S. 351.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Windsheim ca. 570 Anwesen. Das Hochgericht übte die Reichsstadt Windsheim aus. Die einzelnen Anwesen unterstanden unterschiedlichen Grundherren: ca. 568 Anwesen der Reichsstadt Windsheim und zwei dem brandenburg-bayreuthischen Kastenamt Windsheim.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 142.
Landgericht Windsheim Im Zuge der Mediatisierung verlor Windsheim 1802 den Status als Reichsstadt und wurde Bayern zugesprochen. Nach einem kurzen preußischen Intermezzo (1804) kam die Stadt 1810 endgültig zum Königreich Bayern.
Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1811 der Steuerdistrikt Windsheim gebildet, zu dem Kleinwindsheimermühle, Mittelmühle, Neumühle, Obermühle und Walkmühle gehörten.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 227. Die 1813 gebildete Munizipalgemeinde war deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Windsheim zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Ipsheim. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Windsheim zur Stadt mit Magistrat II. Klasse erhoben.H. H. Hofmann: Neustadt-Windsheim. S. 218. Ab 1862 gehörte Windsheim zum Bezirksamt Uffenheim (1939 in Landkreis Uffenheim umbenannt) und ab 1856 zum Rentamt Windsheim (1919 in Finanzamt Windsheim umbenannt, seit 1972 Finanzamt Uffenheim). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Windsheim (1879 in Amtsgericht Windsheim umbenannt), seit 1973 ist das Amtsgericht Neustadt an der Aisch zuständig. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 13,312 km².
Die Windsheimer Zeitung wurde 1849 gegründet.Hermann Delp: Über ein Jahrhundert „Windsheimer Zeitung“. In: Windsheimer Zeitung. Festausgabe vom 26. August 1950. Seit 2022 gehört sie zur Fränkischen Landeszeitung.
20. und 21. Jahrhundert Die Solequellen in Windsheim wurden erstmals 1752 von Wilhelm Simon Carl Hirsching als „Gesundbrunnen auff dem Kehrenberg“ beschrieben. In den Jahren 1902 und 1907 wurden Solequellen erbohrt, im Jahr 1906 wurde das Kurhaus errichtet. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das jüdische Gemeindehaus teilweise zerstört, SS- und SA-Angehörige demolierten Wohnungen und nahmen die Bewohner fest. Sechs jüdische Bürger wurden in das KZ Dachau deportiert. 1942/43 führte der Kaufmann und Mitbegründer der Neustädter Ortsgruppe der NSDAP und SS-Hauptsturmführer Hans Göss (1894–1948) ein Lager der Volksdeutschen Mittelstelle.Wolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 212.
Unmittelbar nach Kriegsende richtete die United Nations Relief and Rehabilitation Agency (UNRRA) ein Lager für jüdische Verschleppte und Flüchtlinge ein, in dem Ende 1946 fast 3000 Menschen lebten. Für die Unterbringung wurden zahlreiche Häuser und Wohnungen beschlagnahmt. Windsheim war damit eines der Zentren für die Betreuung jüdischer Displaced Persons in Süddeutschland. Darüber hinaus wurde eine Jeschiwa gegründet und ein Rabbinat eingerichtet. Ende 1949 wurde das Lager aufgelöst.