mini|hochkant|Freddy Quinn, 1977 Freddy Quinn (* 27. September 1931 in Wien, Niederfladnitz oder PulaQuinns Geburtsort steht nicht zweifelsfrei fest. Genannt wurden neben Wien auch Niederfladnitz in Niederösterreich und Pula in Istrien. Siehe beispielsweise Elmar Kraushaar: Freddy Quinn – Ein unwahrscheinliches Leben, S. 14–18, (PDF) abgerufen am 23. Oktober 2018. als Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl,Carl Dahlhaus, Hans Heinrich Eggebrecht, Oehl Kurt (Hrsg.): Brockhaus Riemann Musiklexikon. Brockhaus-Verlag, Wiesbaden 1978, ISBN 3-7653-0303-8, S. 353. Ein Manfred Nidl wurde 1931 in Niederfladnitz getauft. später Nidl-Petz, DNB-Eintrag zu Freddy Quinn abgerufen am 25. September 2010. Biografie bei Steffi-Line.de auch Manfred Quinn) ist ein österreichischer Sänger und Schauspieler. Er hatte zwischen 1956 und 1966 zehn Nummer-eins-Erfolge in der deutschen Hitparade, verkaufte rund 60 Millionen Schallplatten und wurde zu dieser Zeit zum erfolgreichsten deutschsprachigen Unterhaltungssänger. Er war viele Jahrzehnte Wahlhamburger.
Jugend Freddy Quinn wurde 1931 als nichtehelicher Sohn der österreichischen Journalistin Edith Nidl (1910–1978) geboren. Er wuchs bei seiner Mutter in Wien auf, wo er nach seiner Mitgliedschaft beim Deutschen Jungvolk in einem Fanfarenzug spielte. Nach der Heirat der Mutter mit dem Verleger Rudolf Anatol von Petz (1887–1961) wurde Quinn von diesem adoptiert. Quinn legte dessen Nachnamen später abChristian Ankowitsch: „Mein Leben hört sich an wie eine Erfindung“: Ein Gespräch mit dem Sänger und Schauspieler … In: Die Zeit, Nr. 37/1999 und nannte sich dann offiziell „Quinn“.
Mutmaßlicher Vater Als sein Vater galt lange ein angeblicher Kaufmann namens Johann Quinn (1912–1943), der irischer Abstammung gewesen und 1934 einige Monate mit Quinns Mutter verheiratet gewesen sein soll. Michael Petzel, Jürgen Wehnert: Das neue Lexikon rund um Karl May. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 1978, ISBN 3-89602-509-0, S. 347. In seiner Autobiographie von 2025 schrieb Freddy Quinn jedoch, dass es diesen Mann nie gegeben und er seinen tatsächlichen Vater nie kennengelernt habe.Freddy Quinn hat seinen Vater »nie gesehen, nie gehört, nie gespürt«, Spiegel Online 19. Mai 2025
Bei den Recherchen für seine 2025 erschienene Autobiografie stieß Quinn eigenen Angaben zufolge in den Archiven auf ein brutales Familienmassaker vom 19. Dezember 1965: Der 17-jährige Wiener Schüler Rainer Warchalowski hatte seinen Bruder Winfried (†23), seine Mutter Paula (†55) und seinen Vater Emil Warchalowski (†70) getötet – und sich dann der Polizei gestellt. Dafür, dass Emil sein Vater sei, hätte Quinn mehrere Indizien gefunden, aber er sei der Sache nicht mehr nachgegangen: "Es ist niemand mehr da, den ich fragen könnte [...] Ich habe meinen Frieden damit gemacht, meinen echten Vater nicht kennengelernt zu haben [...] Aber sehr, sehr viel spricht dafür, dass mein Vater von meinem Halbbruder am 19. Dezember 1965 ermordet worden ist", schreibt er. In den 1980er-Jahren habe ihn Rainer Warchalowski nach dessen Haftentlassung angerufen und ihm mitgeteilt, dass er sein Halbbruder sei. Quinn habe aber angenommen, dass es sich um einen Schwindler handle, der Geld erschleichen wolle. Deshalb habe er keinen weiteren Kontakt mit dem Anrufer gewünscht. Erst bei den Recherchen zu seiner Biografie hätten sich konkrete Hinweise auf die Vaterschaft ergeben.
Der Wiener Schriftsteller und Galerist Manfred Chobot berichtete in einem „Kurier“-Interview, dass seine Tante „Angie“ mit Emil Warchalowski einen Sohn gehabt habe, den 1922 geborenen Paul. Danach habe Warchalowski Edith Nidl kennengelernt und mit ihr den am 27. September 1931 geborenen Manfred Nidl (Freddy Quinn) gehabt. 1933 habe Warchalowski die beiden Frauen verlassen, sei 1933 nach Berlin gezogen und später nach Wien zurückgekehrt. Freddy Quinn habe laut Chobot immer gewusst, dass Emil Warchalowski sein Vater gewesen sei. Trotzdem habe der erfolgreiche Sänger und Schauspieler verschiedene Versionen über seine Kindheit und über die Identität seines leiblichen Vaters verbreitet.
Nachkriegszeit In diesem Absatz werden Ereignisse so dargestellt, wie sie bis 2025 in der Öffentlichkeit bekannt waren. Der Wahrheitsgehalt ist teilweise nicht gesichert.
Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlebte Quinn in Ungarn, wohin er wegen der Bombardierung Wiens im Rahmen der Kinderlandverschickung gekommen war. Auf der Flucht vor der Roten Armee traf er bei Pilsen auf US-amerikanische Streitkräfte. Sein fließendes Englisch ermöglichte es ihm, sich glaubhaft als US-Amerikaner auszugeben. Im Mai 1945 wurde er mit einem Militärtransport in die USA gebracht. Im Flüchtlingslager auf Ellis Island erfuhr er, dass sein Vater 1943 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.
Quinn wurde daraufhin nach Europa zurückgeschickt und verbrachte in Antwerpen ein Jahr in einem Erziehungsheim, da es Schwierigkeiten mit seinen Ausweisdokumenten gab. Dort besuchte er die allgemeinbildende Schule und lernte Niederländisch und Französisch. Die höhere Schule besuchte er schließlich in Wien (Gymnasium Albertgasse). Als Sechzehnjähriger schloss sich Quinn dem Zirkus Elkins an, in dem er als Kapellmeister und Akrobat arbeitete; er spielte Saxophon und ließ sich vom Zirkusdirektor Franz Elkins (Anm. Vater von Charles Elkins) zum Seiltänzer ausbilden. Da er minderjährig war, wurde er von seinem Stiefvater polizeilich gesucht und flüchtete nach Rom, wo er Klavier vor US-amerikanischen Soldaten spielte. Über Palermo gelangte er auf einem Schiff nach Tunis und von dort als Anhalter nach Algerien.
In Bars in Sidi bel Abbès spielte er auf der Gitarre vor Fremdenlegionären, die damals zu einem großen Teil aus dem deutschsprachigen Raum stammten, Lieder von Sehnsucht und Heimweh. Das brachte ihm Sympathie und ein wenig Geld ein, so Quinn. Ein Ausbilder der Fremdenlegion habe ihm angeboten, in die Legion einzutreten, doch nach drei Wochen Drill habe er sich für das Zivilleben entschieden und sei über Marseille, Paris und Rotterdam nach Deutschland zurückgekehrt. Interview mit Heiner Link im September 1999
Karriere Erfolge in den 1950er und 1960er Jahren mini|Freddy Quinn, 1963 In Fürth trat Quinn in den 1950er Jahren mit Country-Songs vor US-amerikanischen Soldaten und in Nürnberg beim Rundfunksender American Forces Network (AFN) auf. Als Freddy Quinn nach Fürth kam, nordbayern.de, 20. September 2011, abgerufen am 5. Oktober 2011. 1954 wurde er in der Washington Bar in Hamburg-St. Pauli von Jürgen Roland und Werner Baecker entdeckt, die dort als Talentsucher für die Schallplattenfirma Polydor tätig waren. Polydor ermöglichte Quinn von 1954 bis 1956 eine Gesangsausbildung an der Musikhochschule in Hamburg, u. a. bei der Gesangspädagogin Maja Evans. Seine erste Plattenaufnahme machte er 1955 unter dem Pseudonym Frederico Quinn für Telefunken.
1956 nahm er bei Polydor eine Schallplatte mit zwei auf Deutsch interpretierten Liedern auf: Sie hieß Mary Ann (im Original Sixteen Tons, deutscher Text von Peter Moesser) und Heimweh (im Original Memories Are Made of This). Heimweh wurde der meistverkaufte Titel des Jahres in der Bundesrepublik Deutschland, obwohl sich die erste Auflage schlecht verkauft hatte, da sie von den Rundfunkanstalten zunächst weitgehend ignoriert wurde. Im Bayerischen Rundfunk wurde die Platte sogar von Moderator Werner Götze als „Schnulze des Jahres“ vor offenem Mikro zerbrochen, Hafen-Barde. In: Der Tagesspiegel, 25. September 2006, abgerufen am 27. September 2011. fand danach jedoch im Handel großen Absatz.Eugen Kogon und Walter Dirks (Hrsg.): Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte. Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Frankfurt 1962, S. 196 Auf das Etikett der Schallplatte wurde erstmals bei einem deutschen Interpreten nur der Vorname gedruckt. So wurde er als „Freddy“ bekannt.
Ebenfalls 1956 wurde er von Polydor exklusiv verpflichtetGünter Haußwald (Hrsg.): Musica. Monatsschrift für alle Gebiete des Musiklebens. Bärenreiter-Verlag, Kassel/Basel 1963, S. 74 und vertrat Deutschland beim Grand Prix Eurovision de la Chanson mit dem Titel So geht das jede Nacht. Da nur der Siegertitel öffentlich bekanntgegeben wurde, ist über seine Platzierung nichts bekannt.
mini|Autogramm, Prärie-Saloon-Tournee 1968 1958 nahm Quinn in Japan unter dem Pseudonym The Manhattans (nicht zu verwechseln mit der US-amerikanischen Gesangsgruppe The Manhattans) eine Single mit den Rock’n’Roll-Liedern At the Hop und Stood Up auf. Im selben Jahr holte ihn Jürgen Roland für die Krimireihe Stahlnetz in der Folge Die Tote im Hafenbecken für eine Nebenrolle als Spelunkensänger vor die Fernsehkamera. Danach trat Quinn in Musikfilmen auf, die ihm als Hauptdarsteller auf den Leib geschrieben wurden und in denen er fast immer eine Figur mit dem Vornamen „Freddy“ spielte. An seiner Seite wirkten bekannte Schauspieler mit, darunter Walter Scherau, Gustav Knuth, Heidi Brühl, Grethe Weiser, Heinz Erhardt, Gunnar Möller, Ralf Wolter und Rik Battaglia. Der 1963 erstmals gezeigte Spielfilm Heimweh nach St. Pauli mit Freddy Quinn in der Hauptrolle wurde 1965 mit der Goldenen Leinwand für rund drei Millionen Kinozuschauer innerhalb von 18 Monaten ausgezeichnet. Er zählt damit zu den kommerziell erfolgreichsten Filmen seiner Zeit.
Quinns melancholische Lieder, die meist vom Meer, der weiten Welt und von Abschied, Einsamkeit und Fernweh handelten, fanden in der Nachkriegszeit in Deutschland ein breites Publikum. Seine unter anderem von Bert Kaempfert, Lotar Olias, Ernst Bader und James Last komponierten und produzierten Seemannsballaden trug er in tiefem Bariton vor. Mit Titeln wie Heimweh, Heimatlos, Der Legionär, Die Gitarre und das Meer, Unter fremden Sternen, La Paloma und Junge, komm bald wieder hatte Quinn zwischen 1956 und 1966 sechs Nummer-eins-Hits in den bundesdeutschen Charts (insgesamt hatte er 26 Platzierungen in den deutschen Top-Ten) und war in dieser Zeit der erfolgreichste Unterhaltungssänger in der Bundesrepublik.
Insgesamt verkaufte er in seiner Karriere mehr als 60 Millionen Tonträger und zählt neben Udo Jürgens und Peter Alexander zu den erfolgreichsten Schlagerstars in Deutschland und Österreich. Er wurde zum ersten bundesdeutschen „Schallplattenmillionär“.Rita Casale, Jürgen Oelkers, Rita Casale, Jürgen Oelkers, Rebekka Horlacher: Bildung und Öffentlichkeit. Verlagsgruppe Belz, Weinheim 2007. Mehr als 1000 weitere Lieder sind von ihm gesungen worden (Oliver Armknecht, Centauer 07/2011, S. 39). S. 161 1963 hatte sich sein Vermögen bereits versechsfacht.
mini|Freddy Quinn, 1971 Im Jahr 1966 sang Quinn den Titel Wir, Der Chor der Anständigen. Zu Freddy Quinns „Wir“ (Text: Fritz Rotter) ein Lied gegen die aufkommende Protest- und Hippiebewegung. Auf der A-Seite der Single thematisierte er in Eine Handvoll Reis den Vietnamkrieg. Danach verlegte er für einige Jahre seinen Hauptwohnsitz in die USA. Sein letzter Nummer-eins-Hit war 100 Mann und ein Befehl, eine deutsche Coverversion des Titels The Ballad of the Green Berets von Barry Sadler, die 1966 veröffentlicht wurde.
Ab den 1970er Jahren mini|hochkant|Freddy Quinn, 1985 Von Ende Januar 1970 an wurde im St.-Pauli-Theater in Hamburg in 140 Vorstellungen das Volksstück Der Junge von St. Pauli mit Musik von Karl Geithner, Walter Heyer und Freddy Quinn aufgeführt, in dem Quinn selbst in der Rolle des Herrn Lehmkuhl auftrat. Es wurde 1971 auch im Renaissancetheater in Wien gezeigt.Freddy am St-.Pauli-Theater, abgerufen am 18. Mai 2025.