Das Wacken Open Air (stilisierte Schreibweise W:O:A) ist ein erstmals 1990 abgehaltenes Heavy-Metal-Festival. Es findet jährlich am ersten Augustwochenende in der Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein statt und wird von der WOA Festival GmbH ausgerichtet. Nahezu alle Spielarten des Hard Rock und Metal sind auf dem Festival vertreten. Es ist eines der größten Heavy-Metal-Festivals der Welt und gehört zu den größten Open-Air-Festivals innerhalb Deutschlands. Im Jahr 2024 kamen 85.000 zahlende Besucher.

Die für die Zeit vom 30. Juli bis 1. August 2020 geplante Ausgabe wurde Mitte April wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt und durch ein Online-Festival ersetzt, bei dem Konzerte gestreamt und kostenlos veröffentlicht wurden. Auch im Folgejahr fiel das Festival aus. Für das Wacken Open Air vom 31. Juli bis 3. August 2024 wurden in Rekordzeit 85.000 Karten verkauft.

Im Jahre 2019 verkauften die beiden Festivalgründer Thomas Jensen und Holger Hübner die Mehrheitsanteile vom Wacken Open Air und den verbundenen Firmen an den britischen Festivalbetreiber Superstruct Entertainment. Seit dessen Übernahme durch den umstrittenen US-Finanzinvestor KKR im Juli 2024 befindet sich das Wacken Open Air zu 68,9 % in dessen Besitz. Die restlichen Anteile halten mit je 15,5 % weiterhin Jensen und Hübner.Jörn Zahlmann: Wacken Open Air: Wie die Rechte an der Weltmarke verteilt sind. NDR (online), 30. Julo 2024; abgerufen am 15. Oktober 2024

Geschichte

Vorgeschichte Die Idee für das Wacken Open Air entstand 1989 bei einem gemeinsamen Gaststättenbesuch von Thomas Jensen und Holger Hübner. Sie machten Wacken „zur Welt-Hauptstadt des Heavy Metal“, befand Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther dreißig Jahre später, als er sie 2019 mit dem Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein auszeichnete.Ministerpräsident Daniel Günther ehrt Holger Hübner und Thomas Jensen. shz.de, 10. Dezember 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019. Beide lebten 1989 in Wacken und waren befreundet, Jensen spielte den E-Bass bei der Rock- und Coverband Skyline. Hübner war Discjockey mit Schwerpunkt auf Rockmusik und Heavy Metal. Jensen und Hübner entwickelten die Idee, in einer Kiesgrube in Wacken ein Open-Air-Konzert zu veranstalten, und überredeten auch den Skyline-Schlagzeuger Andreas Göser und Jörg Jensen, den Bruder von Thomas Jensen, zur Mitarbeit. Die Grube diente bis dahin auch dem Motorradverein „No Mercys“ als Veranstaltungsort für Treffen mit bis zu 3000 Personen, so dass sie sich für die Pläne der beiden bestens eignete und man zudem die Möglichkeit hatte, die Motorradfans von der Idee zu begeistern. Bereits zu Beginn war klar, dass der Schwerpunkt der Veranstaltung auf dem Bereich Rock und Metal liegen sollte und dass zudem im Gegensatz zu den damals üblichen eintägigen Festivals, wie Monsters of Rock oder dem Super Rock in Mannheim, eine Möglichkeit zum Camping geboten werden sollte.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 18–19.Andreas Schöwe: Das W:O:A – Die Story in Zeitraffer. Wacken inside 1/2013, S. 16–19.

Frühe Jahre und Entwicklung mini|Werbeanzeige für das Wacken Open Air 1990. Der Eintritt kostete 12 Mark.

Das erste zweitägige Festival fand im Folgejahr am 24. und 25. August 1990 in der Kiesgrube statt und hatte kaum 800 Besucher. Die auftretenden Bands kamen alle aus Deutschland, außer der Gruppe Skyline spielten 5th Avenue, Motoslug, Sacret Season, Axe ’n Sex und Wizzard. Der Eintritt kostete 12 Mark. Die ersten Festivals wurden vor allem privat organisiert, wobei die Technik auf einem geliehenen Anhänger einer örtlichen Spedition aufgebaut und die Bühne selbst gebaut wurde.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 19–22.

Auch in den Folgejahren wurden die meisten Aufgaben in Eigenarbeit realisiert. So wurde beispielsweise die Kartenbestellung bis August 1994 von Andy Gösers Mutter Regina Göser privat organisiert und die Aufgaben der Security bis 1996 von befreundeten Motorradclubs übernommen.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 22–24. 1991 erhöhte sich das Besucheraufkommen auf 1300 Besucher und erneut standen mit Skyline sowie Bon Scott, einer AC/DC-Coverband aus Hamburg, Gypsy Kyss, Kilgore, Life Artist, Ruby Red, Shanghai’d Guts ausschließlich regionale Bands auf der Bühne. auf der Website des Wacken Open Air; abgerufen am 6. August 2013. Ebenfalls 1990 wurde das Schädel-Logo von Mark Ramsauer entworfen, nachdem die Grundform bereits von Thomas Jensen und Holger Hübner festgelegt worden war. Der Kuhschädel verweist auf die Kuhwiese als Veranstaltungsort sowie auf Jensen und Hübner als „Jungs vom Dorf“.

1992 veränderte sich das Programm dahingehend, dass mit Blind Guardian und Saxon erstmals international renommierte Bands in Wacken auftratenAndreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 24–26. und die Anzahl der Bands auf 26 stieg, darunter auch Bands aus Schweden, den USA, Irland und Belgien. auf der Website des Wacken Open Air; abgerufen am 6. August 2013. Die Organisatoren setzten erstmals eine professionelle Bühne mit Lichtanlage und PA ein und konnten die Zigarettenmarke Prince Denmark als Sponsor gewinnen. Im DJ-Zelt wurde in dem Jahr neben der Hauptbühne mit der Party Stage eine zweite Bühne aufgebaut, auf der ausschließlich Cover- und Spaßbands auftreten sollten. Der Zeltplatz wurde wegen des erhöhten Platzbedarfes auf die benachbarten Wiesen des Landwirts Uwe Trede († 2021)Wacken Open Air trauert um „Bauer Uwe“: Auf seinem Acker fing alles an. LN-online, 18. Februar 2021. verlegt, der in den Folgejahren zu einer zentralen Person der Wacken-Organisation und spätestens seit dem Film Full Metal Village zur Kultfigur des Wacken Open Air avancierte. Unter anderem wegen der Mehrkosten für die Müllbeseitigung nach dem Konzert auf dem Zeltplatz, auf dem neben 2500 zahlenden Gästen viele weitere anwesend waren und feierten, sowie insbesondere durch die deutlich überdimensionierte Security verzeichneten die Veranstalter in diesem Jahr jedoch ein Bilanzminus von etwa 25.000 D-Mark.

1993 wies das Wacken Open Air mit der Wiedervereinigung der Band Fates Warning beim Festival eine Besonderheit auf, und auch in den Folgejahren machte es sich durch besondere Bandkonstellationen und Wiedervereinigungen einen Namen. Zugleich konnten mit Doro Pesch und anderen bekannten Bands interessante Auftritte organisiert werden, die für einen neuen Besucherrekord von 3500 zahlenden Kunden sorgten. Parallel versuchten sich die Veranstalter als lokaler Konzertveranstalter und organisierten mit ihrer Stoned Castle Promotion unter anderem ein Konzert der Band Motörhead für 2000 Zuschauer in Flensburg, das jedoch nicht die Promotionkosten decken konnte. Eine Show für Dio/Freak of Nature wurde mit nur 167 verkauften Karten zum Desaster und gemeinsam mit dem Open Air, das erneut ein Minus einbrachte, entstanden Schulden der Veranstalter in Höhe von etwa 350.000 D-Mark. In der Folge stiegen Jörg Jensen und Andreas Göser aus dem Organisationsteam aus; es verblieben Holger Hübner und Thomas Jensen sowie für weitere zwei Jahre Jörn-Ulf Goesmann, die das Wacken Open Air trotz der Schulden, für die ihre Eltern Bürgschaften übernahmen, weiter betrieben. Im selben Jahr starb die Mutter von Thomas Jensen und Holger Hübner hatte einen schweren Unfall – das Jahr ging als „Seuchenjahr“ in die Wackengeschichte ein.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 27–30.

Zum fünfjährigen Bestehen 1994 konnte die finanzielle Lage stabilisiert werden und das Festival wurde kein Minusgeschäft. Das Line-up blieb weiterhin professionell mit sehr vielen international bekannten Bands der Metal-Szene. Insgesamt konnten 4500 Tickets verkauft werden; zudem mussten aufgrund der steigenden Kosten zur Müllbeseitigung mittlerweile auch für das Betreten der Zeltbereiche Tickets gekauft werden und Vorbestellungen wurden mit einem kostenlosen T-Shirt belohnt.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 30–31. Auch 1995 konnten die Einnahmen und Ausgaben dank der Verpflichtung von Bands wie Tiamat, D-A-D, den Pretty Maids und Angra stabilisiert werden, Gewinne wurden mit den etwa 5000 Besuchern jedoch weiterhin nicht gemacht.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 32–33. In diesem Jahr wurden jedoch zum ersten Mal auch überregionale Medien auf das Wacken Open Air aufmerksam, vor allem die Zeitschrift Rock Hard sowie der neu gegründete Fernsehsender VIVA mit der auf Heavy Metal konzentrierten Sendung Metalla.

Erste Erfolge und Wachstum Der Kartenverkauf für das Festival 1996 lief erneut sehr langsam an, trotz des Headliners Kreator sowie zahlreicher weiterer international bekannter Bands wie The Exploited, Gorefest und Crematory. Das Management versuchte, durch weitere Verpflichtungen ein erneutes Desaster zu verhindern, und schließlich gelang es ihnen, die Böhsen Onkelz für einen Auftritt zu gewinnen. Zugleich führte die Verpflichtung der umstrittenen Band auch zu Kritik und einzelne Bands sagten ihren Auftritt in Wacken für dieses Jahr ab. So kündigte die Kölner Band Brings kurzfristig ihren Auftritt und bot ihren Fans an, das Geld für die Tickets zurückzuerstatten.„News“ im Hamburger Abendblatt vom 6. August 1996, S. 12.

Durch die vielen Besucher, die den Ort überschwemmten, wurden in der Folge des Erfolges 1996 auch erstmals Stimmen in Wacken laut, die sich gegen eine Veranstaltung dieser Größe in der gemeindeeigenen Kiesgrube aussprachen. Uwe Trede bot an, das Festivalgelände auf sein Land und die bisher als Zeltplatz genutzten Flächen zu verlegen, und kümmerte sich um die Akquirierung weiterer Flächen. Das Organisationsteam wuchs um Thomas Hess als Produktionsleiter, der bis dahin als Tourmanager der Böhsen Onkelz aktiv war, sowie Sheree Hesse für die Versorgung der Künstler und VIPs. Mit der W.E.T.-Stage wurde für 1997 eine dritte Bühne eingerichtet; als „Wacken Evolution Tent“ sollte diese vor allem Newcomern und Bands ohne Plattenvertrag zur Verfügung gestellt werden. In diesem Jahr wurde erstmals eine Besucherzahl von 10.000 erreicht, wobei vor allem der Auftritt von Rockbitch mit ihrer erotischen Bühnenshow für Aufsehen sorgte.Andreas Schöwe: Wacken Roll – Das größte Heavy Metal-Festival der Welt. Höfen 2012, S. 35–37.

Weitere Entwicklung des Festivals mini|Zum W:O:A 2005 kamen 40.000 Besucher.

Im Laufe der Jahre nahm die Größe des Wacken Open Air kontinuierlich zu, inzwischen kommen Dutzende Bands und zehntausende Besucher. Obwohl 2006 mit 62.500 Besuchern laut Veranstalter „die Grenze des Machbaren erreicht sein sollte“,Auf einer Pressekonferenz im Jahr 2006 (Quelle gesucht) wurden schon im darauffolgenden Jahr Veränderungen an der Struktur des Festivalgeländes vorgenommen, indem der Nebenbühne „Party Stage“ eine größere Fläche zugewiesen wurde. Zudem können inzwischen keine Eintrittskarten mehr direkt am Festivalgelände erworben werden, um so die Anzahl der spontanen bzw. kartenlosen Besucher einzudämmen. In den Jahren 2007 und 2008 war das Festival schon durch den Kartenvorverkauf ausverkauft; für das W:O:A 2009 war der Ausverkauf sogar schon Ende 2008 erreicht. Auch die Karten für 2010 waren Monate vor Beginn bereits ausverkauft.