Die Gattung Varroa umfasst parasitisch auf Honigbienen lebende Milben aus der Familie Varroidae.Diana Sammataro, Uri Gerson, Glen Needham: Parasitic mites of honey bees: Life history, implications, and impact. In: Annual Review of Entomology. Bd. 45, 2000, S. 519–548, doi:10.1146/annurev.ento.45.1.519.
Namensherkunft Die Gattung ist nach dem römischen Gelehrten Marcus Terentius Varro (116–27 v. Chr.) benannt, der Schriften über die Landwirtschaft verfasste, lehrte und Bienen züchtete.
Lebenszyklus und Entwicklung Die Gattung ist in allen Lebensstadien parasitisch und kommt niemals frei lebend, sondern ausschließlich im Inneren von Bienenstöcken, oder auf Honigbienen, vor.
Verwechselungen Die Milben Varroa destructor wurden vor dem Jahr 2000 der bereits länger bekannten Art Varroa jacobsoni , 1904 zugerechnet. Betroffen ist die Literatur zwischen 1952 und 2000.
Lebensraum Milben der Gattung Varroa wurden erstmals 1904 auf Java entdeckt.
Der ursprüngliche Wirt der Gattung Varroa ist die Östliche Honigbiene (Apis cerana).Peter Rosenkranz, Pia Aumeier, Bettina Ziegelmann: Biology and control of Varroa destructor. In: Journal of Invertebrate Pathology. Bd. 103, Supplement, 2010, S. S96–S119, doi:10.1016/j.jip.2009.07.016. Die Ausbreitung war dadurch auf das tropische Ostasien und Südostasien beschränkt, zwischen Nepal und dem Pazifik.Lilia I. de Guzman, Thomas E. Rinderer: Identification and comparison of Varroa species infesting honey bees. In: Apidologie. Bd. 30, Nr. 2/3, 1999, S. 85–95, doi:10.1051/apido:19990201. Nach dem Übergang auf die westliche Honigbiene, Apis mellifera, die in der Heimat von Apis cerana zeitweise in Kultur gehalten wurde, konnte sich die Varroamilbe Varroa destructor invasiv ausbreiten.Diana Sammataro, Uri Gerson, Glen Needham: Parasitic mites of honey bees: Life history, implications, and impact. In: Annual Review of Entomology. Bd. 45, 2000, S. 519–548, doi:10.1146/annurev.ento.45.1.519.
Durch molekulargenetische Untersuchungen von Varroamilben wurden unterschiedliche Stammlinien der Arten Varroa jacobsoni und Varroa destructor identifiziert, die verschiedene Teile ihres natürlichen Verbreitungsgebiets besiedeln. Nur zwei dieser Typen sind auf Apis mellifera übergegangen, von denen nur einer (der sog. koreanische Haplotyp) weltweit verschleppt worden ist. Die weltweit verbreiteten Milben sind, im Gegensatz zu denjenigen ihrer Ursprungsheimat, genetisch so uniform, dass sie als Klone betrachtet werden können.
Heute ist Varroa destructor mit Ausnahme von Australien, wenigen Inseln und der AntarktisElke Genersch: Honey bee pathology: current threats to honey bees and beekeeping. In: Applied Microbiology and Biotechnology. Bd. 87, Nr. 1, 2010, S. 87–97, doi:10.1007/s00253-010-2573-8. weltweit verbreitet. Die Art ist vor allem durch den Versand von Bienenvölkern und Königinnen verschleppt worden. Der erste Nachweis von der russischen Pazifikküste stammt von 1952, aus Japan von 1958. In Europa wurde sie zuerst 1967 in Bulgarien gefunden. In Deutschland wurden die ersten Varroamilben 1976 durch Forscher des Instituts für Bienenkunde in Oberursel eingeschleppt.Friedrich Ruttner, Wolfgang Ritter: Das Eindringen von Varroa jacobsoni nach Europa im Rückblick. In: Allgemeine Deutsche Imkerzeitung. Bd. 14, Nr. 5, 1980, S. 130–134.
Die Art Varroa destructor wurde im Jahr 2000 als neues Taxon eingeführt. Sie entstand durch die Abtrennung der für die Honigbiene Apis mellifera gefährliche Milben-Varianten aus der Art Varroa jacobsoni. Die Unterscheidung der beiden Arten erfolgt seitdem durch Genanalyse. Die Literatur zwischen 1952 und 2000 ist somit in diesem Punkt ungenau.
Ein erneuter erfolgreicher Übergang von Milben der Gattung Varroa auf die Wirtsart Apis mellifera wird seit 2016 bei mehreren Stämmen der auf der Insel Papua-Neuguinea beheimateten Milben-Varianten der Art Varroa jacobsoni beobachtet, die sich noch im Stress der Anpassungsphase auf den neuen Wirt befinden.
Erkrankungen In Südostasien schädigen sie die Kolonien von Apis cerana kaum bis wenig. Gefährlich für die Population von Apis mellifera ist zurzeit nur ein Haplotyp der Art Varroa destructor. Die Milben können auch Viren übertragen, beispielsweise das Black-Queen-Cell-Virus (BQCV) oder das Flügeldeformationsvirus (DWV).
Indirekt sind auch Wildbienen betroffen. So können befallene Honigbienen die von Milben übernommenen Viren durch direkten Kontakt beispielsweise auf Hummeln übertragen.Robyn Manley, Ben Temperton, Toby Doyle, Daisy Gates, Sophie Hedges, Michael Boots, Lena Wilfert, Hillary Young: Knock‐on community impacts of a novel vector: spillover of emerging DWV‐B from Varroa‐infested honeybees to wild bumblebees. In: Ecology Letters. 2019, doi:10.1111/ele.13323 (dt. Beitrag).Samantha A. Alger, P. Alexander Burnham, Humberto F. Boncristiani, Alison K. Brody, Olav Rueppell: RNA virus spillover from managed honeybees (Apis mellifera) to wild bumblebees (Bombus spp.). In: PLOS ONE. 14, 2019, S. e0217822, doi:10.1371/journal.pone.0217822 (dt. Beitrag).
Artenliste Die Gattung Varroa enthält folgende Arten: Varroa destructor , 2000; Parasitiert Apis cerana u. Apis mellifera (seit 1952) Varroa jacobsoni , 1904; Parasitiert Apis cerana u. Apis mellifera (seit 2016) Varroa rindereri , 1996 Varroa sinhai (, 1974) Varroa underwoodi , 1987; Parasitiert Apis nigrocincta und Apis cerana nuluensis Varroa wongsirii (, 1991)
Weblinks
Einzelnachweise Michel Solignac, Jean-Marie Cornuet, Dominique Vautrin, Yves Le Conte, Denis Anderson, Jay Evans, Sandrine Cros-Arteil, Maria Navajas: The invasive Korea and Japan types of Varroa destructor, ectoparasitic mites of the Western honeybee (Apis mellifera), are two partly isolated clones. In: Proceedings of the Royal Society of London. Series B: Biological Sciences. Bd. 272, Nr. 1561, 2005, S. 411–419, doi:10.1098/rspb.2004.2853. Diana Sammataro, Uri Gerson, Glen Needham: Parasitic mites of honey bees: Life history, implications, and impact. In: Annual Review of Entomology. Bd. 45, 2000, S. 519–548, doi:10.1146/annurev.ento.45.1.519.
Kategorie:Mesostigmata (Ordnung) Kategorie:Parasit bei Wirbellosen