mini|Matrose und Schiffskatze auf der Viermastbark Pommern

Schiffskatze (auch Bordkatze, seltener Bootskatze; männliche Form: Schiffskater, Bordkater) ist die Bezeichnung für eine Hauskatze, die auf einem Schiff oder Lastkahn mitfährt, wobei sie Schädlinge wie Ratten und Mäuse in Lagerraum und Kombüse dezimiert und/oder als Maskottchen zur Unterhaltung und Ablenkung der Mannschaft dient.

Noch bis etwa in die 1970er Jahre waren Schiffskatzen auf Kriegs- und Handelsschiffen häufig zu finden. Heute bestimmt der Kapitän, ob die Anwesenheit einer Schiffskatze auf seinem Schiff erwünscht ist und toleriert werden kann.

Im Zusammenhang mit besonders bekannten Schiffen, Personen oder Ereignissen der Geschichte wurden Schiffskatzen schriftlich erwähnt oder abgebildet und erlangten dadurch Bekanntheit. In der Reiseliteratur findet man ihre Beschreibung vor allem im 18. und 19. Jahrhundert und Kinderbücher über Schiffskatzen verbinden thematisch Tiergeschichte und Reiseabenteuer.

Ursprünge und frühe Erwähnung mini|links|Nebamun, ein Buchhalter im Tempel des Amun in Karnak, bei der Jagd im MarschlandReproduktion einer farbigen Wandmalerei aus der Grabstätte von Nebamun; um 1350 v. Chr.; die Katze wurde für den Artikel farblich hervorgehoben. Eine genetische Studie mitochondrialer DNA von Katzen legt nahe, dass Hauskatzen vor etwa 9.000 Jahren im Nahen Osten domestiziert wurden und sich dann auf maritimen und terrestrischen Handelswegen verbreiteten.Claudio Ottoni u. a.: The palaeogenetics of cat dispersal in the ancient world. In: Nature Ecology & Evolution 1, Artikel Nr. 0139, 2017 (englisch), doi:10.1038/s41559-017-0139. Es wird vermutet, dass es auch auf ägyptischen und phönizischen Schiffen Schiffskatzen gegeben haben könnte,Detlef Bluhm: Schiffskatzen, Insel Verlag GmbH (2014), Kapitel 1: Angeheuert: Die Geburtsstunde der Schiffskatze. doch lässt sich dies durch ägyptologische Fachliteratur bisher nicht erhärten. Graphische Darstellungen belegen, dass in Ägypten Katzen – trotz ihrer besonderen Stellung als verehrungswürdiges oder sogar heiliges Tier – auf Booten zur Jagd auf Wasservögel verwendet wurden,Advanced painting techniques in ancient Egypt, New Scientist, 15. Januar 2009; abgerufen am 13. Juni 2015. doch sind dies „Familienkatzen“ und keine „Schiffskatzen“ im eigentlichen Sinne.

Auf portugiesischen Schiffen gab es Schiffskatzen – und Bordhunde. Vasco da Gama berichtete 1503 von einer mehrmonatigen Rückreise aus Indien. Die Schiffe waren mit Handelsgütern voll beladen, aber der Mannschaft gingen die Nahrungsmittel aus. Um zu überleben, wurden die beiden Hunde und die beiden Katzen an Bord geschlachtet und gegessen.

Auch die Spanier führten auf ihren Schiffsreisen üblicherweise Katzen mit sich und bei der Überfahrt der Mayflower im Jahr 1620 gab es mindestens eine Katze an Bord.Mischa Damjan und Rudolf Schilling: Mau Mao Miau - Die Katze durch die Jahrtausende, Eugen Diederichs Verlag (1069), S. 241 (Schiffskatzen).

Die Verbreitung von Hauskatzen nach Europa ging zum Teil über Schifffahrtslinien im Mittelmeer vonstatten und Genetiker führen die relative genetische Homogenität der heutigen Hauskatzen in Europa und im Mittleren Osten auf die Schiffskatzen ebendieser Schiffe zurück.

Nach genetischen Analysen hat die amerikanische Maine-Coon-Katze skandinavische Waldkatzen (skogkatt) unter ihren Vorfahren. Wikinger hielten nachweislich diese Katzenart, und es wird vermutet, dass sie auf deren Schiffen nach Amerika gelangt sein könnten.Frank Joseph und Zecharia Sitchin: Discovering the Mysteries of Ancient America: Lost History and Legends, Unearthed and Explored, Career Press (2006), ISBN 978-1-56414-842-1, S. 163.

Dass es früher weit verbreitet war, Katzen zur Eindämmung von Ratten- und Mäusepopulationen, deren unkontrollierte Vermehrung hygienische und nahrungstechnische Nachteile mit sich brachte,Der deutsche Diplomat Kurt Herzbruch berichtet von einer Abessinienfahrt: „Diese ungebetenen Gäste [er spricht von Ratten] hatten an Bord sehr überhandgenommen, seitdem die beiden Schiffskatzen das Zeitliche gesegnet hatten. Sie waren eines Tages von den Eingeborenen, die als Heizer auf unserem Dampfer im Dienst standen, mit Curry zubereitet, als Delikatesse verspeist worden.“ () in der Schifffahrt einzusetzen, zeigt die Verbreitung des Begriffes Schiffskatze im Wortschatz vieler Nationen, die eine Kriegs- und Handelsmarine hatten: skibskat (dänisch), ship's cat (englisch),Besonders im Englischen gibt es viele weitere, typisch nautische Begriffe, die im Zusammenhang mit Katze stehen: chat du bord oder chat de navire (französisch), 船の猫 (japanisch), gato de navio (portugiesisch) etc.

Dekrete, Erlasse, Vorschriften mini|Früher – die Fotografie datiert etwa aus den 1920er Jahren – waren Schiffskatzen obligat. Heute bestimmt der Kapitän entsprechend der rechtlichen Lage, ob eine Schiffskatze an Bord toleriert wird oder nicht. Verschiedene Dekrete, Erlasse und Vorschriften erlauben eine Einschätzung der Bedeutung von Schiffskatzen in den entsprechenden Jahrhunderten.

Im Black Book of the Admiralty,Bibliothèque Nationale de France: Black Book of the Admiralty. einem Regelbuch für alle Belange der Schifffahrt, das bis auf die altfranzösischen Texte der Rôles d’Oléron (etwa 1160 bis 1286) zurückreicht, gibt es nach Bluhm die Aussage, dass Schiffseigner für durch Ratten beschädigte Waren haften mussten, wenn keine Schiffskatze an Bord des betroffenen Handelsschiffes war.

Der schottische König Alexander II. erließ im 13. Jahrhundert ein Dekret, nachdem ein gestrandetes Schiff solange im Besitz des Eigentümers blieb und nicht als herrenloses, freigegebenes Schiffswrack betrachtet werden durfte, solange sich darauf noch ein lebender Mann, ein lebender Hund oder eine lebende Katze befanden, wodurch Bordhunden und Schiffskatzen eine besondere Bedeutung bezüglich des Besitzrechtes des Schiffseigentümers zukam.

Jean-Baptiste Colbert, französischer Staatsmann und Begründer des Merkantilismus, bestand im 17. Jahrhundert darauf, dass in Handelsverträgen erwähnt werden sollte, dass sich zwei Katzen an Bord befänden – anderenfalls sei das Schiff nicht reisetauglich.

Bei der Marine von Österreich-Ungarn gab es „dienstliche Schiffskatzen“, deren Haltung an Bord durch ein eigenes Budget abgedeckt war.

Aus Gründen der Hygiene und der TollwutvorsorgeThe Rabies (Control) Order 1974: Animals - Diseases of Animals (No. 2212; Erlass: 31. Dezember 1974, Inkraftsetzung: 5. Februar 1975). verbannte die Royal Navy im Jahr 1975 Schiffskatzen von den Schiffen ihrer KriegsmarineDiese Quelle behauptet, dass noch bis 1976 Schiffskatzen auf den Schiffen der Royal Navy obligatorisch waren: und beendete damit eine jahrhundertelange Tradition.

Aberglaube Wie bei der Hauskatze an Land gab es auch auf See bezüglich der Schiffskatze Aberglaube, der sich hauptsächlich um ihre Rolle als Mannschaftsmaskottchen und Glücksbringer drehte. Neben den hier gelisteten Beispielen finden sich weitere Anekdoten und Hinweise zum Aberglauben bei Bluhm.Detlef Bluhm: Schiffskatzen, Insel Verlag GmbH (2014), Kapitel 5: In der Hängematte: Religion und Aberglaube.

Eine Katze an Bord wurde als Glücksbringer angesehen und sei deshalb „so heilig wie der Stier in Ägypten“. John Locke berichtet von einem Ereignis, bei dem eine Schiffskatze ins Meer fiel und ein Boot mit einem halben Dutzend Männern ausgesetzt wurde, um sie zu retten, während das Schiff in der Fahrt innehielt. Locke vermutete auch, dass man wegen eines über Bord gegangenen Besatzungsmitgliedes weniger Aufhebens gemacht hätte. Dies mag mit dem Aberglauben zusammenhängen, dass eine über Bord gegangene und nicht gerettete Schiffskatze in der Lage sei, einen Sturm heraufzubeschwören, der dem Schiff und der achtlosen Besatzung schaden würde.Douglas E. Campbell und Stephen J. Chant: Patent Log: Innovative Patents that Advanced the United States Navy: 1922 Rat Guard, (2013), ISBN 978-1-105-62562-6, S. 254. Ebenso führe absichtliche Misshandlung der Schiffskatze zu Unglück für die Mannschaft. Auch den Laufwegen der Katze wurde Bedeutung beigemessen: Bewegte sie sich auf einen Seemann zu, so „brachte“ sie ihm Glück; bewegte sie sich von ihm weg, nahm sie auch das Glück wieder mit; kreuzte sie seinen Weg und bewegte sich dabei von ihm weg, war er vermutlich dem Untergang geweiht. 200px|mini|Bei der Royal Navy galt eine schwarze Katze an Bord als Glücksbringer. Bei der Royal Navy galt eine schwarze Katze an Bord als Glücksbringer; zwei schwarze Katzen brachten hingegen Unglück. Aus Wales ist überliefert, dass es Stürme geben soll, wenn sich eine Schiffskatze so dehnt und streckt, dass sich ihre Vorderpfoten berühren, ehe das Schiff aus dem Bristolkanal kommend Lundy erreicht. Aufgrund kolportierter Geschichten schien eine Schiffskatze, die freiwillig ihr Schiff verließ, den baldigen Untergang dieses Schiffes zu bedeuten. Diese Jim-Mulholland-Geschichte konnte aber in anderen Quellen – s. u. „Jenny“ – nicht verifiziert werden.

Erwähnungen von Schiffskatzen Erwähnungen vor dem 18. Jahrhundert sind selten. Bluhm führt die Tatsache, dass beispielsweise in den offiziellen Aufzeichnungen von Christoph Kolumbus keine Schiffskatzen erwähnt werden, darauf zurück, dass Katzen auf Schiffen bereits in dieser Zeit so selbstverständlich waren, dass ihre Erwähnung eine Trivialität dargestellt hätte. Auf einer ähnlichen Argumentation könnte die Nichterwähnung von Trim (s. u.) in den offiziellen Berichten von Matthew Flinders beruhen.

In Folge werden Geschichten bekannter Schiffe und besonderer Ereignisse zusammengefasst, bei denen Schiffskatzen exponiert wahrgenommen und schriftlich erwähnt wurden und dadurch ebenfalls Bekanntheit erlangten.

15. Jahrhundert Die Katze in der Dschunke Als eine mit Porzellan und Keramik beladenen Dschunke, die etwa um 1450 im Südchinesischen Meer vor Hội An unterging, im Jahr 1996 geborgen und untersucht wurde, fand man im Schiffsrumpf noch Skelettreste von Ratten und im hinteren Teil, wo die Kombüse lag, den Schädel einer Katze. Nach der Vermutung von Detlef Bluhm dürfte dieser Fund der früheste direkte archäologische Beleg für eine Schiffskatze sein.Detlef Bluhm: Schiffskatzen, Insel Verlag GmbH (2014), Kapitel 3: Auf hoher See.

18. Jahrhundert Die Schiffskatze, die Peter Bull das Leben rettete In seinem Buch Hamburgische Geschichten (1916) berichtet Otto Beneke von einer Schiffskatze, die 1736 dem Lotsen Peter Bull aus Cuxhaven das Leben rettete.Otto Beneke: Hamburgische Geschichten, 2. Sammlung, 1916, S. 372–375. Der Dreimaster des Schiffers Franzen war in der Elbmündung nahe Neuwerk auf eine Sandbank gelaufen. Die Mannschaft machte den Lotsen für das Unglück verantwortlich und zückte die Messer. Der besonnene Kapitän konnte den Mord zwar verhindern, aber im Rettungsboot fand sich kein Platz für den Lotsen. Dieser band sich ans Spill und vertraute sich dem Meer an. Im letzten Moment sprang die Schiffskatze auf seinen Kopf und verkrallte sich in seinen Haaren. Nach Stunden trieb das Spill nahe der Kugelbake bei Döse und Bull sah auf dem Deich zwei Männer, konnte sich ihnen vor Entkräftung aber nicht bemerkbar machen. Das schaffte aber die Katze mit ihrem immer lauteren Miauen. Nach der Rettung behielt Peter Bull die Katze bis zu ihrem Ende bei sich.

Katzen auf den Schiffen unter James Cook mini|Die Schiffe Resolution und Adventure in der Matavai-Bucht von Tahiti (Cooks zweite Südseereise, 1772–1775) Da Johann Reinhold Forster sich einen Ruf als Naturwissenschaftler erworben hatte, erhielt er 1772 das Angebot der britischen Admiralität, Captain James Cook auf seiner zweiten Weltumsegelung zu begleiten. Forster setzte durch, dass sein erst 17-jähriger Sohn, der spätere Naturforscher und Reiseschriftsteller Georg Forster, als Zeichner mitkommen durfte.