Als 4,2-Kilojahr-Ereignis, kurz 4,2-ka-Ereignis oder 4,2-ka-BP-Ereignis, wird ein Klimaereignis oder der Zusammenhang mehrerer Klimaereignisse bezeichnet, die sich vor etwa 4200 Jahren (kurz 4,2 ka BP, d. h. 4,2-tausend Jahre vor 1950) ereigneten. In verschiedenen Regionen vor allem der Nordhemisphäre wurden für diesen Zeitraum Hinweise auf Phasen einer Abkühlung und ungewöhnlicher Trockenheit gefunden. Nach zahlreichen Hypothesen über die Auswirkungen des 4,2-ka-BP-Ereignisses auf die damals bestehenden Kulturen dürfte es einer der folgenreichsten Klimaeinschnitte des Holozäns gewesen sein.
Angaben über den Zeitraum, den das 4,2-ka-Ereignis umfasst haben soll, variieren erheblich: Im Median wird der Beginn auf ca. 2200 Jahre v. Chr. datiert (frühester Beginn 2600 Jahre v. Chr.), sein Ende auf 2000 Jahre v. Chr. (spätestes Ende 1400 Jahre v. Chr.). Angaben über die Dauer reichen von rund 100 Jahren bis zu 700 Jahren (im Mittel 325 Jahre). Der Zusammenbruch des Alten Reiches in Ägypten sowie des Akkadischen Reiches in Mesopotamien wurden wahrscheinlich durch es ausgelöst. Die Indus-Kultur reagierte auf die langanhaltende Dürre mit einer Verlagerung ihrer Siedlungen nach Südosten.
In der Chronostratigraphie beginnt mit dem 4,2-ka-BP-Ereignis das Meghalayum, die oberste Stufe des Holozäns. Ein Speleothem aus der Mawmluh-Höhle in Nordostindien weist in einem Schnitt in der δ18O-Isotopenkurve einen auf ca. 4200 BP datierten Ausschlag auf, der deutlich außergewöhnliche Trockenheit anzeigt. Dieser Punkt ist der GSSP des Meghalayum.
Nachweise mini|hochkant=1.3|Holozäne Klimaschwankungen mit Indizien für ein 4,2-Kilojahr-Ereignis, besonders deutlich der Rückgang der Baumgrenze kurz nach Beginn des Meghalayans. Ein Zeitabschnitt extremer Dürre vor grob 4200 Jahren wurde in vielen Arbeiten nachgewiesen, etwa für Nordafrika, den Nahen Osten, das Rote Meer, die Arabische Halbinsel, den Indischen Subkontinent und für das Innere Nordamerikas. Zu etwa derselben Zeit stießen die Gletscher im Westen Kanadas erneut vor. Weitere Indizien für das Klimaereignis finden sich in italienischen Höhlenablagerungen, in der Eiskappe des Kilimanjaro und im Gletschereis der Anden.
Ob es ein synchrones großräumiges oder sogar globales Ereignis gab, wird in der Forschung weiterhin diskutiert. Andere Arbeiten fanden keine signifikanten Klimaanomalien vor 4200 Jahren oder ließen Zweifel an der Robustheit früherer Ergebnisse aufkommen, indem sie auf Datierungsprobleme, unerwartet schwache Klimasignale oder eine nur kleinräumige Aussagekraft hindeuteten. Die Beschreibung des Ereignisses variiert in wissenschaftlichen Arbeiten erheblich, sowohl hinsichtlich seiner Art als auch des Zeitraums, über den es sich erstreckt haben soll. Eine Auswertung von 1142 Datenreihen aus allen Kontinenten und Ozeanen konnte keine signifikanten synchronen, großräumigen Klimaabweichungen in dieser Zeit ausmachen. Die Hypothese einer globalen Klimaanomalie vor 4200 Jahren ließ sich nicht bestätigen.
Auswirkungen Altes Reich in Ägypten Um 2150 v. Chr. erlebte das Alte Reich eine Reihe außergewöhnlich niedriger Nilfluten. In diese Zeit von Klima- und Umweltveränderungen fallen häufigere Angriffe auf das Reich im Norden, politische Unruhen bis hin zum Zusammenbruch der zentralen Regierungsgewalt. Hungersnöte, soziale Wirren und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen waren die Folge. Großprojekte wie der Pyramidenbau kamen zum Erliegen.
Die Ursache für die verminderten Nilfluten ist wahrscheinlich in einer Südverschiebung des ostafrikanischen Monsuns zu suchen. Sedimentfrachten aus dem Weißen Nil, der durch das Monsunregime geprägt ist, gingen in diesem Zeitraum zurück. Ein Rückgang der Vegetation könnte als Rückkopplung die Dürre noch verstärkt haben.
Erst nach 40 Jahren konnte in einigen Gauen die alte Ordnung wiederhergestellt werden. Nach einem Wandel im Selbstverständnis des Pharaonentums gelang schließlich die Wiedervereinigung, die von fähigen Provinzbeamten, Rechtsprechung, Bewässerungsprojekten und einer Reform in der Verwaltung getragen wurde.
Mesopotamien Die Dürre in Mesopotamien steht möglicherweise mit kühleren Oberflächentemperaturen im Nordatlantik in ursächlichem Zusammenhang (Bond-Ereignis 3). Moderne Messungen zeigen, dass deutliche (mehr als 50 %) Verringerungen des Jahresniederschlags in Mesopotamien immer dann erfolgen, wenn die Oberflächentemperaturen im subpolaren Nordwestatlantik anomale Abkühlungen erfahren. Der aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Niederschlag im Einzugsgebiet von Euphrat und Tigris erfolgt im Winter und wird durch die Höhenlage Ostanatoliens bedingt (siehe auch Westwindzone). Schmelzwasser aus den angrenzenden Gebirgen der heutigen Osttürkei und Armeniens und dem Zagros sorgt auch im Frühjahr und Sommer noch für Zufluss in die Region. Der Süden des Zweistromlandes liegt zwischen den Einflussbereichen des afrikanischen und indischen Sommermonsuns und kann von Verlagerungen dieser Monsune betroffen sein.
Das Reich von Akkad, das unter Sargon von Akkad um 2300 v. Chr. geschaffen worden war – nach Ägypten, dessen Vereinigung bereits um 3080 v. Chr. erfolgt war, der zweite flächendeckende Territorialstaat der Geschichte – erfuhr wahrscheinlich auch aufgrund der extrem langanhaltenden Trockenheit seinen unaufhaltsamen Niedergang. Nach 1900 v. Chr. blühte es jedoch noch einmal auf. Archäologisch kann nachgewiesen werden, dass um 2170 v. Chr. die landwirtschaftlich genutzten Ebenen Nordmesopotamiens aufgegeben wurden und als Folge ein Flüchtlingsstrom nach Süden einsetzte. Um diesen Zustrom von Nomaden zu unterbinden, wurde in Zentralmesopotamien eine 180 Kilometer lange Mauer, der Amurriterdamm, errichtet. Das von ständigen Attacken demoralisierte akkadische Heer wurde 2150 v. Chr. von den aus dem Zagros kommenden Gutäern letztendlich besiegt, welche dann 2115 v. Chr. die Hauptstadt Akkad einnahmen und zerstörten.
Gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. lässt sich im gesamten Nahen Osten ein deutlicher Wandel in der Landwirtschaft beobachten. Erst gegen 1900 v. Chr., gut 200 Jahre nach dem Zusammenbruch des Akkadischen Reichs, wurden die nördlichen Ebenen von kleineren, sesshaften Gruppen wiederbesiedelt.
Arabische Halbinsel Am Persischen Golf kann das 4,2-Kilojahr-Ereignis an einem drastischen Wandel im Siedlungsbau, im Keramikstil und in den Grabanlagen erkannt werden. Die Dürre des 22. Jahrhunderts v. Chr. bedeutete das Ende für die Umm-an-Nar-Kultur und den Übergang zur Wadi-Suq-Kultur.
Iberische Halbinsel Auf der Iberischen Halbinsel ist das Klima zwischen 2800 und 1100 v. Chr. recht stabil und relativ feucht. Eine Niederschlagsrekonstruktion zeigt zwei schnell auftretende, ausgeprägte Trockenphasen von 2350 bis 2200 calBC (4,3 - 4,15 ka BP) und von 2100 bis 2000 calBC (4,05 - 3,95 ka BP). Auf der Iberischen Halbinsel nimmt die Siedlungsaktivität ab 2500 v. Chr. zunächst leicht ab, und zwischen 2300 und 2100 v. Chr. ist sie deutlich reduziert. Vor allem im Südosten, und hier insbesondere in der Evora-Gegend, wurde ein Einbruch des Siedlungsgeschehens dokumentiert, und in den darauffolgenden Jahrhunderten bleibt die Besiedlung auf geringem Niveau. Im Gegensatz dazu lässt sich in Andalusien zwar auch zunächst ein geringer Einbruch zur selben Zeit feststellen, doch erfolgt kurz hierauf nicht nur eine Stabilisierung, sondern das El-Argar-Phänomen beginnt zu florieren. Dieses Phänomen wird nicht durch die zweite Trockenphase negativ beeinflusst. Dass die beiden Entwicklungen zusammenhängen, ist eine denkbare Erklärung.
China In Zentralchina kam es gegen Ende des 3. Jahrtausends zum Zusammenbruch neolithischer Kulturen, deren Grundlage in der semiariden Zeit der Getreideanbau gewesen war. Die Weidewirtschaft gewann wieder an Bedeutung. Ursache waren wahrscheinlich häufigere Dürren. Möglicherweise erreichte der Sommermonsun nicht mehr die betroffenen Gebiete, weil sich infolge der Abkühlung die innertropische Konvergenzzone nach Süden verschoben hatte.
Am Mittellauf des Gelben Flusses ereignete sich zu diesem Zeitpunkt eine Reihe außergewöhnlicher Überschwemmungen. Im Becken des Yishu in Shandong wurde die blühende Longshan-Kultur von Temperaturstürzen heimgesucht, welche eine drastische Verringerung der Reisproduktion nach sich zogen. Die Lebensmittelverknappung bewirkte ihrerseits einen deutlichen Bevölkerungsrückgang, der in einer weitaus niedrigeren Anzahl archäologischer Fundstätten Ausdruck findet. Gegen 2000 v. Chr. wurde die Longshan-Kultur von der Yueshi-Kultur verdrängt, die im Vergleich mit ihrem Vorgänger unterentwickelte und wesentlich einfachere Merkmale aufweist. In Henan jedoch ging aus der Longshan-Kultur die fortschrittliche Erlitou-Kultur hervor.
Mauritius Untersuchungen ergaben, dass etwa 2200 v. Chr. für etwa 50 Jahre auf der Insel Mauritius große Trockenheit herrschte; wahrscheinlich weil der übliche Monsunregen fehlte.Megadürre vergiftete Dodos mit ihren eigenen Fä[email protected], 29. April 2015 mit Verweis auf „Analyses of pollen, diatoms, XRF geochemistry, and pigments provide a unique window into how an insular ecosystem in Mauritius responded to an extreme drought event 4200 years ago... This prolonged drought around the Indian Ocean is recorded in many regions dependent on monsoon precipitation and is suggested to cause the collapse of human societies in East Africa and India... Abrupt increased aridity induced regional fires on Mauritius and caused decreased water levels, and a shrinking water surface resulting in further concentration of the animals in this coastal site... The ‘4.2 ka megadrought’ likely induced similar bottlenecks elsewhere in the SW Indian Ocean region.“, abgerufen am 30. Mai 2015.
Literatur
Weblinks Spektrum.de: Die Megadürre, die vielleicht keine war 10. Februar 2022 Digitale Ausstellung zu Klimaflucht um 2200 v. Chr.
Einzelnachweise
Vierkommazwo Kategorie:Quartär Kategorie:22. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Kieler Archäologie