Sigurd Wilhelm Adolf Arnold Christoph Frank Ilsemann, seit 1908 von Ilsemann (* 19. Februar 1884 in Lüneburg; † 6. Juni 1952 in Doorn) war ein preußischer Offizier und langjähriger Adjutant von Wilhelm II. bis zu dessen Tod im Jahre 1941. Auf Wunsch der Familie Hohenzollern wurde er danach Verwalter von Haus Doorn.

Leben Er war der Sohn des späteren preußischen Generalleutnants Karl von Ilsemann (1856–1930) und dessen Ehefrau Thekla, geborene Freiin von Hammerstein-Equord (1858–1920).Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 10, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o. O. [Hamburg], o. J. , S. 273 f., Nr. 3213. Ilsemann schlug eine Militärkarriere in der Preußischen Armee ein und diente u. a. im Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115. Im Jahre 1918 wurde er Flügeladjutant von Kaiser Wilhelm II. und gehörte nach dessen Abdankung zu seinem Gefolge im Exil in den Niederlanden. Ilsemann schied daher als Hauptmann aus dem aktiven Dienst.Deutscher Offizier-Bund (Hrsg.): Ehren-Rangliste des ehemaligen Deutschen Heeres. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1926, S. 296.

Exil in den Niederlanden Am 10. November floh Wilhelm II. in die Niederlande. Anfänglich wurde er von Graf Bentinck auf Schloss Amerongen aufgenommen. Statt, wie ursprünglich geplant, sechs Tage blieb der Kaiser anderthalb Jahre auf Amerongen, was nicht leicht für die Familie Bentinck war. Die einzige Tochter des Grafen, Elizabeth, hatte nach dem Tod ihrer Mutter die Führung des Haushaltes übernommen. Im Mai 1920 verlobten sie und Ilsemann sich, im Oktober desselben Jahres heirateten sie.

Ende 1919 erwarb Wilhelm im benachbarten Doorn das dortige Schlösschen von der Baronesse Heemstra de Beaufort und ließ es bis 1920 für sich und seine Familie herrichten. Trotz seiner Ehe verbrachte Ilsemann mehr Zeit in Doorn als bei seiner Familie in Amerongen. Der Ex-Kaiser konnte nicht allein sein und bestand darauf, immer von einem Adjutanten begleitet zu werden. Diesem hielt er eingehende Monologe über alles, was ihn beschäftigte. Ilsemann teilte sich diese Aufgabe mit anderen, war aber verpflichtet, neben seiner täglichen Arbeit jeden zweiten Abend mit dem Ex-Kaiser zu speisen. Nach dem Abendbrot begleiteten alle Männer Wilhelm in das Rauchzimmer, wo der Ex-Kaiser abermals lange Zeit das Wort führte. Ein wichtiger Teil von Ilsemanns Tätigkeit war der tägliche Vortrag der Zeitungsnachrichten. Ilsemann hielt es für seine Pflicht, dem Ex-Kaiser auch unangenehme Nachrichten nicht vorzuenthalten. Daneben musste er Wilhelm bei dessen täglicher Arbeit im Garten helfen. Ilsemann war einer der wenigen Mitglieder des Stabes, der ununterbrochen angestellt blieb bis zum Tode Wilhelms im Jahre 1941.

Nach dem Tod des Ex-Kaisers 1941 blieb Ilsemann in den Niederlanden und wurde später vom Kronprinzen gebeten, die Verwaltung des Hauses Doorn zu übernehmen. Am 6. Juni 1952 nahm Ilsemann sich im Torhaus von Haus Doorn das Leben.

Ilsemann hat jahrelang ein Tagebuch geführt. Nach seinem Tod sind Teile davon veröffentlicht worden. Sie sind eine Hauptquelle für die Graphic Novel Der Kaiser im Exil (2021) von Jan Bachmann.

Familie Ilsemann heiratete am 7. Oktober 1920 in Amerongen Elisabeth Gräfin van Aldenburg-Bentinck (1892–1971), Tochter der Louise Gräfin Bylandt und des Godard Graf Aldenburg-Bentinck. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor: Der älteste, Wilhelm (1921–2015), war Vorstandsvorsitzender des deutschen Zweiges der Royal-Dutch-Shell-Gruppe, Siegfried (* 1923) führte den Familiennamen Bentinck und lebte mit seiner Frau Christina Elisabeth Beaumont in der Schweiz und der jüngste, Rüdiger (* 1929) lebte mit seiner Ehefrau Annemarie te Biesenbeck und den Kindern in den Niederlanden.

Schriften Harald von Koenigswald (Hrsg.): Sigurd von Ilsemann: Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen des letzten Flügeladjutanten Kaiser Wilhelms II. Band 1: Amerongen und Doorn. 1918–1923. Biederstein, München 1967; 2. durchgesehene Auflage Biederstein, München 1968. Band 2: Monarchie und Nationalsozialismus. 1924–1941. Biederstein, München 1968. Harald von Koenigswald (Hrsg.): Sigurd von Ilsemann: Der Kaiser in Holland. Aufzeichnungen aus den Jahren 1918–1941. Eine Auswahl. dtv, München 1971 („eine gekürzte Version der Originalausgabe im Biederstein-Verlag“).

Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1910. Vierter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1909, S. 338. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. 1942. B (Briefadel). Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Vierunddreißigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 241 f. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. 1977, B (Briefadel). Band XII, Band 64 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg/Lahn 1977, S. 188–189. (Mit Porträt).

Weblinks Offizielle Website Schloss Amerongen Ilsemann lebte hier mit Frau und Kindern. Haus Doorn in den Niederlanden – wo Ilsemann von 1920 bis 1952 arbeitete. Der Spiegel-Rezension der Ausgabe des zweiten Teiles der Ilsemann-Tagebücher.

Einzelnachweise

Kategorie:Hauptmann (Preußen) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Komtur des Königlichen Hausordens von Hohenzollern Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Nobilitierter (Preußen) Kategorie:Preuße Kategorie:Deutscher Kategorie:Wilhelm II. (Deutsches Reich) Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1952 Kategorie:Mann