Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V., kurz ADAC, ist der größte Automobilclub Europas mit Sitz in München.
Zweck des ADAC ist „die Wahrnehmung und Förderung der Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des Tourismus“. Er setzt sich für die private und berufliche Mobilität seiner Mitglieder und ihrer Familien ein. Seine ursprüngliche und bekannteste Dienstleistung ist die Pannenhilfe. Daneben bietet der Club – direkt oder über Tochterunternehmen – Dienstleistungen an, vertreibt Stadtpläne, Straßenkarten sowie Autoatlanten und betreibt mehrere Fahrsicherheitszentren. Er arbeitet eng mit dem österreichischen ÖAMTC zusammen. Außerdem betreibt er über die gemeinnützige Tochtergesellschaft ADAC Luftrettung gGmbH die größte Flotte von Rettungshubschraubern in Deutschland; die ADAC-Rettungshubschrauber rückten 2021 zu insgesamt 52.234 Notfällen aus.
Der ADAC e. V. ist Mehrheitseigentümer des Wirtschaftsunternehmens ADAC SE. Sie besteht aus 27 Tochter- und Beteiligungsunternehmen, unter anderem der ADAC Versicherung AG, der ADAC Finanzdienste GmbH, der ADAC Autovermietung GmbH sowie der ADAC Service GmbH. 2018 erwirtschaftete sie einen Gewinn von 77,1 Millionen Euro.
Der ADAC ist einer der 78 Verbände in Deutschland, die eine Musterfeststellungsklage durchführen dürfen.
Geschichte mini|Logo des ADAC aus dem Jahr 1951 mini|Mitgliedskarte des DDAC von 1938 mini|Aufnahmeantrag zum ADAC von 1968 mini|100 Jahre ADAC: deutsche Briefmarke von 2003
Der ADAC wurde am 24. Mai 1903 im Hotel Silber in Stuttgart als Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung gegründet und im Jahr 1911 in den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) umgewandelt. Der preußische Adler wurde anlässlich der Unterstützung durch den letzten deutschen Kaiser und preußischen König, Wilhelm II., als Wappentier für den ADAC gewählt.
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden alle Kraftfahrer-Vereine und Automobilclubs in den Verein Der Deutsche Automobil-Club e. V. (DDAC) überführt, der neben dem NSKK bestand (gesellschaftliche Gleichschaltung). „Eine Schau für das Volk – nicht mehr, wie in vergangenen Jahren, eine Ausstellung für die bürgerlichen, wohlhabenden Schichten. Volkskraftfahrt – das ist Kraftfahrt im Geist des Führers!“ lautete ein Aufruf des DDAC zur Automobilausstellung 1934.Till Bastian: Das Jahrhundert des Todes. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-01457-0, S. 101 (online).
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der ADAC zunächst am 5. Dezember 1946 in München wieder gegründet und ab 1948 auch in den übrigen westlichen Besatzungszonen zugelassen. Der wiedergegründete ADAC sieht sich in der Tradition des von 1903 bis 1933 bestandenen ADAC und setzt diese fort. An der Spitze des Vereins steht nun ein Präsident (früher 1. Vorsitzender).
Anfang 1954 startete im Großraum München ein unentgeltliches Pannenhelferprojekt, in dem für einen Wochenlohn von 80 Mark fahrzeugaffine Männer auf Motorrädern mit leuchtend gelben Beiwagen auf den Landstraßen patrouillierten. Am 2. Mai 1954 ging dies in die Gründung der ADAC-Straßenwacht über,ADAC-Motorwelt Nr. 2/2024, S. 11. zunächst mit einer Flotte von 60 Beiwagen-Motorrädern. Bereits nach einem Jahr waren dies 131 Fahrzeuge, deren Fahrer bis dahin schon 150.000 Einsätze absolviert hatten. Später wurden die Motorräder nach und nach von PKW verschiedener Hersteller abgelöst. Hauptaufgabe der Straßenwachtfahrer – allesamt ausgebildete Auto-Mechaniker – ist die Unterstützung bei Pannen und Erste Hilfe.
Der ADAC testete 1959 erstmals Kleinwagen. Auf dem Prüfstand sind unter anderem Kupplung, Bremsen und Beschleunigung. Die Ergebnisse werden in der Motorwelt veröffentlicht.
Der ADAC nahm 1970 den ersten ADAC-Rettungshubschrauber in Betrieb. Der gelbe Helikopter namens „Christoph“ hat einen Piloten, einen Sanitäter und einen Arzt an Bord.
Im Jahr 1974 – vier Jahre nach dem Höchststand der Unfallzahlen in der damaligen Bundesrepublik Deutschland (62 Millionen Einwohner) mit jährlich mehr als 19.000 Verkehrstoten (2009 Gesamtdeutschland mit 83 Millionen Einwohnern etwa 4000)Polizeilich erfasste Unfälle. In: destatis.de, abgerufen am 15. Januar 2014. und drei Monate nach dem Höhepunkt der Ölkrise mit dem ersten autofreien Sonntag in Deutschland – prägte der ADAC unter seinem Präsidenten Franz Stadler (1913–2000) den Slogan Freie Bürger fordern freie Fahrt (Autoaufkleberaktion, dpa vom 28. Februar 1974).Ausweichen, abwarten: Die Unfallforscher der Bundesanstalt für Straßenwesen in Köln empfehlen dem Verkehrsminister, das Tempo auf Landstraßen weiter zu drosseln. In: spiegel.de. In der ADAC-Chronik findet sich dazu folgender Eintrag:
1989 traten 20 meist linksliberale Deutsche wegen ADAC-Aktionen gegen Tempo 100 auf der AVUS in Berlin aus dem Verein aus und machten dies mit einer Annonce unter dem Titel ADAC Ade bekannt. Unter den 20 Unterzeichnern waren Klaus Staeck und Günter Grass. Dem ADAC wurde hierin vorgeworfen, er fördere „umweltfeindliches Verhalten“, „gemeingefährliche Raserei“ und „Mißbrauch des Wortes Freiheit“. In Berlin verließen in der Folge 2000 Mitglieder den Club. Der Umweltschutzverein Robin Wood nannte den ADAC damals den „Auto-Darf-Alles-Club“.Der Auto-Darf-Alles-Club. In: Der Spiegel, 10. Juli 1989, abgerufen am 21. Januar 2014.
2003 kritisierte der Verein den Modellversuch zum Führerschein mit 17 in Niedersachsen und feierte das eigene 100-jährige Bestehen.
Die ADAC-Stiftung „Gelber Engel“ wurde 2007 gegründet. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Menschen, die nach einem Verkehrsunfall in wirtschaftliche Not geraten sind, dabei zu unterstützen, ihre Mobilität wiederzuerlangen. Darüber hinaus fördert die Stiftung Initiativen und Institutionen auf den Gebieten Unfallhilfe und Unfallforschung.
Organisation Der ADAC ist ein Idealverein, der seine Tätigkeit nicht nach wirtschaftlichen Zwecken ausrichtet, sondern sich an den Interessen und Bedürfnissen seiner Mitglieder orientiert.
Der ADAC organisierte sich im Laufe des Jahres 2016 neu. Er besteht demnach aus einer Drei-Säulen-Struktur mit einem eingetragenen Verein, einer europäischen Aktiengesellschaft und einer Stiftung. Dem hatten die rund 200 Delegierten auf der außerordentlichen Hauptversammlung Ende 2014 zugestimmt. 2015 wurde die Struktur im Detail erarbeitet. Auf der ADAC-Hauptversammlung 2016 in Lübeck haben die Delegierten zu einer Neustrukturierung das Einverständnis erklärt.
Im ADAC e. V. sind zentrale Mitgliederleistungen wie z. B. Pannenhilfe, Verbraucherschutz, Motorsport, Touristik, Juristische Zentrale und die Clubzeitschrift „ADAC Motorwelt“ zusammengefasst.
Kommerzielle Aktivitäten sind in einer eigenständigen, vom Verein getrennten Aktiengesellschaft (ADAC SE) zusammengefasst. Die Mehrheit an der ADAC SE hält der ADAC e. V. mit einem Anteil von 57,74 %. Weitere Anteile halten die ADAC-Stiftung (25,10 %) sowie mehrere ADAC-Regionalclubs über Beteiligungsgesellschaften (17,16 %).
Die ADAC-Stiftung tritt als dritte Säule neben den Verein und die Aktiengesellschaft. Hier sind die gemeinnützigen Aktivitäten des ADAC gebündelt. Die Stiftungszwecke orientieren sich an den Vereinszwecken. Zweck ist die Förderung der Rettung aus Lebensgefahr, der Unfallverhütung, der Wissenschaft und Forschung, der Bildung sowie der Mildtätigkeit.
Die Umsetzung der Drei-Säulen-Struktur wurde Anfang 2017 vollständig abgeschlossen.
Hauptversammlung Die jährlich tagende Hauptversammlung des ADACjuristisch korrekt ist es eine Mitgliederversammlung BGB wählt alle vier Jahre die Mitglieder des Präsidiums. Diese Hauptversammlung wird aus Delegierten der Regionalclubs, den Mitgliedern des Verwaltungsrats und dem Präsidium gebildet. Je angefangene 100.000 ordentliche Mitglieder eines Regionalclubs wird ein Vertreter in die Hauptversammlung entsandt. Durch einen einstimmigen Beschluss des Präsidiums kann in- und ausländischen Personen, die sich um das Kraftfahrzeugwesen besondere Verdienste erworben haben, die Ehrenmitgliedschaft des ADAC verliehen werden. Die Ehrenmitglieder haben dabei die gleichen Rechte wie ordentliche Mitglieder.
Am 6. Dezember 2014 fand eine außerordentliche Hauptversammlung statt, auf der August Markl zum Präsidenten gewählt wurde.
Auf der ordentlichen Hauptversammlung am Nürburgring im Mai 2019 wurden von den mehr als 200 Delegierten Ulrich Klaus Becker (Vizepräsident), Karsten Schulze (Technikpräsident) und Gerhard Hillebrand (Verkehrspräsident) in ihre Ämter gewählt. Als Finanzpräsident wurde Jens Kuhfuß bestätigt. Gemeinsam mit Präsident August Markl, Sportpräsident Hermann Tomczyk und Tourismuspräsident Kurt Heinen bilden sie das neu zusammengesetzte siebenköpfige Präsidium des ADAC e. V.
Auf der außerordentlichen Hauptversammlung im November 2019 in München hat der ADAC eine Premium-Mitgliedschaft beschlossen, die die bestehende Plus-Mitgliedschaft um zahlreiche Leistungen erweitert. Zugleich wurden die Beiträge für die bestehenden Mitgliedschaftsmodelle angepasst. Auch eine Satzungsänderung hat das höchste Gremium des ADAC beschlossen. Im Wesentlichen geht es bei der Neufassung darum, Entscheidungs- und Beratungsgremien im Club konsequenter voneinander abzugrenzen und Aufgaben klar zuzuordnen.
Die ordentliche Hauptversammlung sollte im November 2020 in München stattfinden, wurde jedoch wegen der COVID-19-Pandemie in Deutschland am 16. Oktober 2020 abgesagt. Die nächste Hauptversammlung fand am 15. Mai 2021 online statt, nachdem zunächst Bremen als Veranstaltungsort geplant gewesen war. Von den mehr als 200 Delegierten wurden Christian Reinicke als neuer ADAC-Präsident, zum neuen Sportpräsident Gerd Ennser und Karlheinz Jungbeck als neuer Tourismuspräsident gewählt. Karsten Schulze wurde in seinem Amt als Technikpräsident bestätigt.
Verwaltungsrat Der Verwaltungsrat besteht aus den Mitgliedern des Präsidiums und den 18 Vorsitzenden der Regional-Clubs oder deren Stellvertretern. Die Beschlüsse des Verwaltungsrates sind für alle Regional-Clubs verbindlich.
Präsidium Das ehrenamtliche siebenköpfige Präsidium des ADAC wird gemäß Satzung des Bundesvereins auf der Hauptversammlung gewählt. Das Präsidium hat einen Präsidenten als Sprecher. Derzeitiger Präsident (seit 2021) ist Christian Reinicke. Die Präsidiumsmitglieder haben eine Amtszeit von vier Jahren und können wiedergewählt werden. An den Sitzungen des Präsidiums nimmt der Generalsyndikus des ADAC teil.
Bisherige Präsidenten und Erste Vorsitzende mini|Emil Schmolz, Vorsitzender der DMV (ADAC-Vorläufer) 1903–1905: Emil Schmolz, erster Vorsitzender der Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung (DMV) – dem Vorläufer des ADAC 1905–1925: Josef Bruckmayer 1926–1932: Carl Fritz 1933: Hermann Fulle, letzter ADAC-Präsident vor der Zwangseingliederung in den DDAC 1933–1938: Günther Freiherr von Egloffstein, Präsident des DDACDorothee Hochstetter: Motorisierung und „Volksgemeinschaft“. Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) 1931–1945. Oldenbourg-Verlag, München 2005, ISBN 3-486-57570-8, S. 224. 1938–1945: Fritz Junghans, Präsident des DDAC 1946–1948: Ludwig Sporer 1948–1953: Hans Meyer-Seebohm 1953–1964: Werner Endress 1964–1972: Hans Bretz 1972–1989: Franz Stadler 1989–2001: Otto Flimm 2001–2014: Peter Meyer 2014–2021: August Markl seit 2021: Christian Reinicke
Ehrenpräsident Die Ehrenpräsidenten beraten das Präsidium ehrenamtlich. August Markl, Hermann Tomczyk und Kurt Heinen wurden auf Grund ihrer langjährigen Tätigkeiten zu Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit ernannt.
Geschäftsführung und Vorstand Der Vorstand des ADAC e. V. führt den Verein hauptamtlich. Vorstand im ADAC e. V. sind Dieter Nirschl und Oliver Weissenberger, Andreas LeihenerGeschäftsführung ADAC e. V. In: adac.de., Claudius Leibfritz und Mahbod Asgari sind Vorstand der ADAC SE, Christina Tillmann der ADAC-Stiftung.
Regionalclubs Der ADAC gliedert sich nach seiner Satzung in Regional-Clubs. Der Verein verwendete bis 2014 für die Regional-Clubs die Bezeichnung Gaue. (PDF; 130 kB)