mini|Grobe Übersicht über die Entwicklung und Abstammung der größten Unix-Derivate Die Geschichte von Unix nahm ihren Anfang im Jahr 1965, als im Rahmen der „Fall Joint Computer Conference“ einige Aufsätze über ein neu zu erstellendes Betriebssystem namens „Multics“ veröffentlicht wurden. Multics scheiterte zwar, aber viele der Konzepte wurden später für das Betriebssystem Unix übernommen, das daraufhin in zahllosen Derivaten weiterentwickelt wurde.

Die 1970er Jahre Im Jahr 1965 wurden im Rahmen der Fall Joint Computer Conference einige AufsätzeListe der Aufsätze über ein neu zu erstellendes Betriebssystem namens Multics veröffentlicht. Hinter Multics stand ein Konsortium aus MIT, General Electric, Bell Labs und Honeywell. Ebenfalls beteiligt war IBM, in deren Programmiersprache PL/I Multics entwickelt werden sollte.

Doch das Projekt Multics scheiterte (obwohl es bis in die 1980er Jahre weiterentwickelt wurde); die Erwartungen an Multics waren teilweise einfach überzogen, die Hardware dieser Zeit konnte kein System dieser Größe in vernünftiger Geschwindigkeit verkraften. 1969 zogen sich die Bell Labs als Konsequenz aus dem Projekt zurück. Dennis Ritchie, einer der späteren Schöpfer von Unix und Beteiligter im Multics-Projekt, äußerte sich in einem 1979 veröffentlichten ArtikelDennis M. Ritchie: The Evolution of the Unix Time-sharing System* wie folgt:

mini|Ken Thompson (links) und Dennis Ritchie (rechts)

Das Team um Ritchie, darunter Ken Thompson, Douglas McIlroy und Joseph Ossanna, gab aber nicht auf. Es ging ihnen vor allem darum, ein Mehrbenutzersystem zu haben, das es ihnen erlaubte, nicht nur zusammen zu programmieren, sondern auf dessen Basis sich auch eine echte Gemeinschaft herausbilden konnte. Zu diesem Zweck musste das System einige technische Spezialitäten unterstützen, die damals keineswegs selbstverständlich waren, so zum Beispiel, dass mehrere Benutzer gleichzeitig an Dateien arbeiten konnten, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen.

Während das Team vergeblich versuchte, die Bell Labs vom Kauf einer geeigneten Maschine zu überzeugen, begannen gleichzeitig die technischen Vorarbeiten: Auf Notizzetteln und Tafeln wurden die Konzepte zu einem Dateisystem entwickelt, das später zu einem der Kernstücke von Unix werden sollte. Thompson entwickelte auch einige Prototypen eines Dateisystems und eines primitiven Kernels, die auf einer lauffähig waren. Er musste das Projekt aber vorerst wieder einstellen, nachdem klar geworden war, dass die auf absehbare Zeit aus den Labors entfernt werden würde.

Er fand schließlich eine weitgehend unbenutzte PDP-7, auf die er ein zuvor für Multics und GECOS entwickeltes Spiel namens Space Travel portieren wollte. Das Unternehmen erwies sich komplizierter als zunächst gedacht, da für die kein eigenes Entwicklungssystem vorlag und so sämtliche Entwicklung unter GECOS stattfinden musste, welches dann den -Code produzierte.

Um diesen Missstand abzustellen, begann Thompson unter Mithilfe von Ritchie die Implementierung des zuvor konzipierten Dateisystems mitsamt einem primitiven Prozessmanagement und anschließend einer Reihe kleinerer Programme, die das System benutzbar machen sollten: den Editor ed, kleinere Dateiverwaltungsprogramme, und ein einfacher Kommandozeileninterpreter, später Unix-Shell sh genannt, bis das System schließlich ausreichend ausgestattet war, um ohne den GECOS-Umweg direkt auf der zu entwickeln. Ken Thompson selbst beschrieb die Entwicklung des Betriebssystems als Nebeneffekt der Entwicklung des hierarchischen Dateisystems, das ihn neben der Shell bei Multics am meisten fasziniert hatte. Doch um dieses Dateisystem testen zu können, musste er Programme schreiben, die ein möglichst realistisches Szenario für dessen Nutzung abbilden sollten. Dieses Testprogramm sollte interaktiv sein, wie ein Betriebssystem, woraufhin Thompson begann, eines für diesen Zweck zu entwickeln.

Die war zu dieser Zeit bereits ein Auslaufmodell und gehörte dem Team noch nicht einmal, was sich schließlich aber als Vorteil erweisen sollte, da das Betriebssystem dadurch auf weniger Ressourcenverbrauch ausgelegt war. Die Finanzierung eines eigenen Computers, die sich das Team für die Betriebssystementwicklung wünschte, war nicht im Interesse von Bell Labs, das sich nach dem Misserfolg von Multics von der Entwicklung eines weiteren Betriebssystems distanzierte. Stattdessen benötigte die Firma jedoch ein modernes Textverarbeitungssystem für das eigene Patentbüro – da Thompson bereits einen einfachen Editor für Unix auf der geschrieben hatte, beantragte das Team nun einen eigenen Computer für dessen Weiterentwicklung. Bei dem Antrag fand das gewünschte Textverarbeitungssystem Erwähnung, im Nachsatz jedoch auch das dafür nötige Betriebssystem, das ebenfalls entwickelt werden sollte. Bell Labs ging auf das Angebot ein und leitete die Beschaffung einer ein. Unix war rasch darauf portiert und wurde ab 1971 erfolgreich bei den Bell Labs eingesetzt. Das gesamte System war, durch die Umstände bedingt, erstaunlich klein, verglichen mit heutigen Betriebssystemen: Es bestand aus 16 kB Speicher für das System, 8 kB für die Benutzerprogramme und einer -Festplatte. Dateien konnten maximal 64 kB groß werden. Wie Ken Thompson später zugab, war auch hier der Vorteil gegeben, auf einem schwächeren, dafür aber autonomen System entwickelt zu haben ( und ) denn auf der ursprünglich gewünschten stärkeren , die als Mainframe aufgebaut war.

Im Jahre 1970 hatte Peter Neumann den Projektnamen „Unics“ geprägt: .Peter H. Salus: A Quarter Century of UNIX. Addison-Wesley, 1994, ISBN 0-201-54777-5, S. 9. Brian W. Kernighan bemerkte dazu leicht spöttisch eine Anspielung auf Multics, da Unics nur bis zu zwei Benutzer unterstützte: „“ (). Der Name sollte später zu Unix verkürzt werden. Die Schreibweise UNIX entstand 1974, laut Ritchie aus purer Begeisterung für Kapitälchen:

Der Einsatz im Patentbüro gab der Gruppe genug Glaubwürdigkeit, damit Unix als Projekt für die Bell Labs interessant wurde und um die Anschaffung einer ​ zu rechtfertigen, und die (später ) wurde als offizielles Projekt der Bell Labs gegründet.

Die Portierung auf C Parallel begann eine Entwicklung, die ausschlaggebend für den späteren Erfolg von Unix war: die Entwicklung der Programmiersprache C.

Ritchie und Thompson entwickelten 1971 eine interpretierte Programmiersprache für die namens B, welche auf BCPL basiert war. Ritchie fügte der Sprache auf der Datentypen hinzu, nannte sie zunächst „NB“ (für ) und begann, einen Compiler dafür zu entwickeln.

1972 begann nun die Neuerstellung von Unix in dieser Sprache, die mittlerweile den Namen C erhielt, um zukünftig die Portierung von Unix auf neue Rechner zu erleichtern. Die Portierung wurde 1973 abgeschlossen und erhielt den Namen „UNIX V4“, also Version 4 von UNIX.

Pipes Gleichzeitig wurde Unix, auf Anregung von Douglas McIlroy, um das Konzept der Pipes erweitert. Pipes verbinden kleine Programme und erlauben, das Ergebnis eines Programmes im Rahmen einer einzigen Kommandozeilenanweisung in einem anderen Programm weiterzuverarbeiten, und stellten später eines der wichtigen Kernelemente von Unix dar, da erst sie das Konzept der kleinen spezialisierten Werkzeuge ermöglichten, die genau eine Aufgabe erledigen.

Unix verlässt die Bell Labs Unix lief mittlerweile innerhalb der Bell Labs auf mehr als 25 Rechnern, und durch einen Vortrag 1973 auf einem ACM-Symposium wurde es erstmals außerhalb der Bell Labs bekannt. Der Vortrag erschien in überarbeiteter Fassung dann 1974 als in Communications of the ACM. Das Interesse an Unix stieg auch außerhalb der Bell Labs gewaltig an.

Der 1956 abgeschlossene Consent Decree verbot AT&T, Muttergesellschaft der Bell Labs, das Betreten neuer Märkte wie des Computermarktes. Aus diesem Grund wurde Unix (in der 1975 aktuellen Version 6) für lediglich den Preis der Datenträger verschiedenen Universitäten zur Verfügung gestellt, mitsamt dem vollständigen Quellcode. 1976 schrieb der australische Professor John Lions ausführliche Kommentare zum Quellcode von UNIX V6, die als Lions Book berühmt wurden.

Besonders beliebt war Unix an der Universität von Kalifornien in Berkeley, wo sofort eine Reihe von Verbesserungen an Unix entwickelt wurde. Als Ken Thompson ab 1976 eine Gastprofessur in der neu gegründeten Informatikabteilung von Berkeley antrat, wurde die Universität endgültig zu einem der wichtigen Zentren der Unix-Entwicklung. Die Universität leistete später wichtige Beiträge zu Unix, wie die Unterstützung von TCP/IP, die später auch in die offizielle UNIX-Version von AT&T übernommen wurden.

Ab 1977 veröffentlicht die Universität unter Leitung von Bill Joy eine eigene Unix-Distribution: die Berkeley Software Distribution (BSD).

Im Jahr 1978 wurden bereits über 600 Computer mit UNIX-Betriebssystemen betrieben.

1979 wurde schließlich durch AT&T die letzte UNIX-Version mit freiem Quellcode, UNIX V7, veröffentlicht. Diese Version stellt einen Wendepunkt in der Geschichte von UNIX dar, da sich AT&T erstmals in größerem Umfang an einer kommerziellen Vermarktung versuchte.

Microsoft erwarb 1979 eine Unix-Lizenz und begann unter dem Namen Xenix die Arbeiten an Portierungen unter anderem auf Intel-8086-, Motorola-68000- und Zilog-Z8000-Prozessoren. Auf der Basis von Xenix erstellte Siemens im Jahr 1984 die erste deutsche Unix-Version für Intel-80186-CPUs unter dem Namen Sinix.

In den späten 1980er entwickelte Microsoft zusammen mit IBM OS/2 (später aufgespalten in IBMs OS/2 und Microsofts Windows NT). Da man mit OS/2 (bzw. Windows NT) und Xenix zwei Serverbetriebssysteme im Angebot gehabt hätte, die sich gegenseitig Konkurrenz gemacht hätten, entschied Microsoft 1987, die Rechte an Xenix an die Firma Santa Cruz Operations (kurz SCO, später Tarantella genannt) zu verkaufen, die schon seit 1983 Lizenznehmer von Xenix war.

Die 1980er Jahre Im Jahr 1980 erschien die erste Portierung von UNIX V7 auf eine 32-Bit-Maschine, die VAX, mit UNIX 32V und 3BSD.

Im Laufe der 1980er wurden UNIX V8, V9 und V10 zwar noch entwickelt, aber nur an ein paar Universitäten vorgestellt, obwohl auch schriftliche Beschreibungen der Arbeit an diesen Versionen erstellt wurden. Die Überlegungen bei dieser Arbeit führten aber letztendlich auch zur Entwicklung des Betriebssystems Plan 9.

Die 1980er-Jahre sind gekennzeichnet durch den Beginn der großen „Unix-Kriege“ und die Kommerzialisierung von Unix. AT&T betrat offiziell den Computermarkt und begann 1983, ein auf UNIX V7 basierendes System zu vermarkten, System V genannt, während die Universität von Berkeley zeitgleich 4.2BSD veröffentlichte, das Neuerungen wie TCP/IP und zuverlässige Signale mit sich brachte. Mittlerweile zeigte auch die DARPA Interesse an Unix und unterstützte fortan die Entwicklungen in Berkeley finanziell.

Um eine weitere Aufspaltung zu verhindern, wurde das POSIX-Standardisierungsprojekt ins Leben gerufen, das eine einheitliche Schnittstelle für Unix definieren sollte. 1988 wurde schließlich POSIX.1 veröffentlicht, ein Standard, der später als IEEE-Standard mit der Nummer 1003.1 übernommen wurde.

Mit NeXTStep war ab 1988 eine weitere kommerzielle Unix-Variante in Entwicklung, die neben BSD den DARPA-finanzierten Mach-Kernel nutzte.

Eine Reihe von (teils wechselnden) Allianzen begann sich zu bilden, welche verschiedene Unix-Versionen favorisierten: Open Software Foundation: Die OSF wurde 1985 gegründet, teilweise aufgrund der Meinung der Beteiligten, dass der POSIX-Standard AT&T zu stark bevorzugen würde, teilweise auch aufgrund von Befürchtungen, dass AT&T und Sun Microsystems, die ab 1987 kooperieren, den Markt unter sich aufteilen könnten. Gründungsmitglieder der OSF waren unter anderem DEC, Siemens, HP und IBM. Das Konsortium hatte sich zum Ziel gesetzt, ein gemeinsames Unix unter dem Namen zu veröffentlichen.