Max Lange|mini Max Lange (* 28. Juli 1899 in Dessau; † 23. Oktober 1975 in Solln) war ein deutscher Orthopäde und Hochschullehrer.Lange, Max (NDB) In der Nachkriegszeit in Deutschland gewann er internationales Ansehen.
Ausbildung 1917 trat Lange als Kriegsfreiwilliger in das Deutsche Heer. Er studierte Medizin an der Universität Jena und der Universität Leipzig. Zur chirurgischen Vorausbildung war er in Leipzig bei Erwin Payr, der ihn mit seinen Gelenkeingriffen begeisterte.Nachruf von A.N. Witt 1923 promovierte er in Leipzig zum Dr. med.Dissertation: Der primäre Lungenherd bei der Tuberkulose der Kinder. Ab 1924 durchlief er die orthopädische Ausbildung in der Klinik seines Onkels Fritz Lange. Bei ihm habilitierte er sich 1929.Habilitationsschrift: Die Naht und das Nahtmaterial in der Orthopädie (Zeitschrift für Orthopädie 1929) Als Oberarzt und apl. Professor schied er 1937 aus.
Nationalsozialismus mini|Titelblatt der Eugenikschrift Nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses des NS-Regimes veröffentlichte Max Lange einen ausführlichen „Ratgeber“ für Ärzte und Erbgesundheitsgerichte.Max Lange: Erbbiologie der angeborenen Körperfehler. Beilagenheft zur Zeitschrift für orthopädische Chirurgie Bd. 63 (1935) Seine Empfehlungen waren selbst für damalige Verhältnisse extrem.Buchbesprechung von H.G. Hill, in The Eugenics Review (1935 Oct) 27(3): p. 236. Beispielsweise empfahl er „beseelt vom nationalsozialistischen Geist“ die Sterilisierung von Menschen mit angeborener Hüftluxation (einem gut behandelbaren Leiden) und forderte die Umkehr der Beweislast zulasten der Betroffenen.Klaus-Dieter Thomann: Der medizinische Gutachter: Arzt im Spannungsfeld divergierender Interessen. Mitteilungen der DGOOC, Orthopädie 1 (2011)
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Lange beauftragt, in der Münchner Hohenzollernstraße ein Nachbehandlungslazarett zu errichten. Da für ihn die Nachbehandlung mit der Wiederherstellungschirurgie begann, wurde das Lazarett (wie später die Klinik in Bad Tölz) „eine der hervorragendsten wiederherstellungschirurgischen Arbeitsstätten“. Im Krieg und danach kamen Besucher aus aller Welt, um die neuen Arbeitsmethoden und die Behandlungserfolge der Klinik zu studieren. Lange gehörte 1944 dem Beirat von Hitlers Begleitarzt Karl Brandt an.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 356
Nachkriegszeit Noch in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft stemmte Lange sich in Bad Tölz gegen den rüden Versuch der amerikanischen Militärregierung, das Reservelazarett mit den Schwerverletzten zu räumen. Schließlich drängte sie ihn, das Lazarett zum Krankenhaus für Kriegsversehrte zu machen. Es entstand das Staatliche Versorgungskrankenhaus Bad Tölz mit 600 Betten, eine medizingeschichtliche Leistung. Wie schon im Lazarett seit 1943 war Alfred Nikolaus Witt dabei Langes große Hilfe. Das erste Versorgungskrankenhaus Bayerns wurde „für Jahrzehnte Anlaufpunkt und letzte Hoffnung für Tausende von Schwerstkriegsversehrten“. Trotz der immensen klinischen Arbeit blieb Lange wissenschaftlich tätig und war Herausgeber der Zeitschrift für Orthopädie.110 Jahre DGOOC und 60 Jahre DGU – 120 Jahre „Zeitschrift für Orthopädie, Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie“ (Thieme) Über viele Jahre war er Schriftführer der Deutschen Orthopädengesellschaft. Er begründete das Internationale Jahrbuch für Wiederherstellungschirurgie und Traumatologie und war ein hochangesehenes Mitglied der Société Internationale de Chirurgie Orthopédique et de Traumatologie (SICOT).
Erst als der Aufbau des VKH abgeschlossen war, folgte Lange 1954 dem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität München auf ihren Lehrstuhl für Orthopädie. Als Direktor sorgte er für die bauliche Erweiterung und Modernisierung der Klinik. 1968 wurde er emeritiert.
Kein Ehrentitel ehrte Lange mehr als „Vater der Kriegsversehrten“.Münchner Merkur (1969) Bei seiner Liebe zum Isarwinkel wurde er am 27. Oktober 1975 auf dem Friedhof von Lenggries beigesetzt.Dr. Hermann Mayr: Abschied vom „Vater der Versehrten“. Prof. Max Lange wird heute in Lenggries zur letzten Ruhe gebettet. Eng mit Lenggries verbunden. Tölzer Kurier, 27. Oktober 1975.
Rezeption Langes Urenkelin, die Schriftstellerin Laura Lichtblau, setzt sich in ihrem Roman Sund (2024) mit Langes NS-Vergangenheit auseinander.
Veröffentlichungen (Auswahl) Die Muskelhärten (Myogelosen) - Ihre Entstehung und Heilung. J. F. Lehmanns Verlag, München 1931. Erbbiologie der angeborenen Körperfehler. Beilagenheft zur Zeitschrift für orthopädische Chirurgie Bd. 63. Verlag Ferdinand Enke, Stuttgart 1935. Die Wirbelgelenke – die röntgenologische Darstellbarkeit ihrer krankhaften Veränderungen und ihre Beziehungen zu den verschiedenen Erkrankungen der Wirbelsäule. Zugleich ein Beitrag zur Pathologie und Klinik der gesamten Wirbelsäule. 2. Auflage. Enke, Stuttgart 1936. Der Muskelrheumatismus. Steinkopff, Leipzig/Dresden 1939. Orthopädie und Kinderheilkunde. Enke, Stuttgart 1943. Kriegsorthopädie. Enke, Stuttgart 1943. Unfallorthopädie einschließlich der Spätbehandlung von Kriegsverletzungen. Enke, Stuttgart 1949. Grundlagen der Beurteilung von Wirbelsäulenverletzungen und -Erkrankungen. Springer, Berlin 1951. Orthopädisch-chirurgische Operationslehre. Bergmann, München 1951; 2. Auflage 1962. Die menschliche Hand. Enke, Stuttgart 1956. Lehrbuch der Orthopädie und Traumatologie. 3 Bände. Enke, Stuttgart 1967.
Ehrungen Korrespondierendes Mitglied und Ehrenmitglied von 15 nichtdeutschen Fachgesellschaften Chairman (1956) und Ehrenmitglied (1958) des International College of Surgeons Bayerischer Verdienstorden Namensgeber für die Rehaklinik Prof. Max LangeRehaklinik Prof. Max Lange sowie den Prof.-Max-Lange-Platz in Bad Tölz
Literatur Alfred Nikolaus Witt: Max Lange. Zeitschrift für Orthopädie 114 (1976), S. 145–146.
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Einzelnachweise
Kategorie:Orthopäde, Unfallchirurg Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Ludwig-Maximilians-Universität München) Kategorie:Herausgeber Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Person (Bad Tölz) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann Kategorie:Ehrenmitglied einer wissenschaftlichen Organisation Kategorie:Absolvent der Universität Leipzig