Milorad Krstić (* 1952 in Dornberk, SR Slowenien, Jugoslawien) ist ein Maler, Animator und Multimediakünstler serbischer Abstammung, der seit 1989 in Ungarn lebt und arbeitet. Ursprünglich Jurist, wandte er sich Anfang der 1980er Jahre ganz der bildenden Kunst zu und arbeitet seither in den Bereichen Malerei, Comic, Fotografie, Animation und Bühnenbild.
Sein Animationskurzfilm My Baby Left Me gewann 1995 auf der Berlinale den Silbernen Bären/Preis der Jury in der Kategorie Kurzfilm. Sein erster abendfüllender Film, der Animationsthriller Ruben Brandt (2018), wurde auf der Piazza Grande des Filmfestivals von Locarno uraufgeführt und erhielt 2019 den Grand Prix des Festivals Animafest Zagreb.
Leben
Herkunft und Ausbildung Krstić wurde 1952 im westslowenischen Dorf Dornberk unweit der italienischen Grenze in eine Familie serbischer Herkunft geboren. Er wuchs in Nova Gorica, Ljubljana und Pula auf und legte anschließend in Serbien das Abitur ab. Dem Wunsch seiner Eltern folgend studierte er Rechtswissenschaft an der Universität Novi Sad, malte jedoch bereits während des Studiums durchgehend.
Eine klassische Kunstakademie besuchte Krstić nie. In einem Interview mit der Belgrader Zeitschrift Ilustrovana Politika beschrieb er stattdessen, er habe sich seine Lehrer selbst gewählt: „Da ich keine klassische Akademie besucht habe, beschloss ich, von den Besten zu lernen“ – genannt werden Goya, Picasso und Dürer.
Nach erfolgreichen Ausstellungen in Dubrovnik, Zagreb, Novi Sad und in Deutschland gab er den Anwaltsberuf auf und arbeitete ab 1982 ausschließlich als Künstler.
Übersiedlung nach Ungarn 1989 zog Krstić gemeinsam mit seiner Frau Radmila Roczkov, die zugleich seine Ko-Autorin und Mitarbeiterin ist, nach Ungarn. 1990 eröffnete das Ehepaar zusammen mit den beiden Schwestern Roczkovs die Roczkov-Galerie an der Budapester Andrássy út; nach Darstellung des Wochenmagazins HVG war sie die erste private Galerie, die nach dem politischen Systemwechsel in der Stadt eröffnet wurde. In einem Interview mit der Wochenzeitung Magyar Narancs bezeichnete er sich 1999 als jemanden, der seit zehn Jahren in Ungarn lebe und international als ungarischer Künstler wahrgenommen werde.
Auf die Frage, ob er ein serbischer oder ein ungarischer Künstler sei, antwortete Krstić 2018 in der Ilustrovana Politika ausweichend mit der serbischen Redewendung naše gore list (sinngemäß „einer von uns“).
Werk
Animationsfilm Krstićs achtminütiger Animationskurzfilm My Baby Left Me (1995), bei dem er Drehbuch und Regie verantwortete, gewann bei der Berlinale 1995 den Silbernen Bären/Preis der Jury in der Kategorie Kurzfilm, beim Internationalen Trickfilmfestival von Annecy den Preis für den besten Erstlingsfilm im Kurzfilmwettbewerb sowie 1996 beim Animationsfilmfestival von Kecskemét (KAFF) Auszeichnungen für die beste Bildsprache und den besten Erstlingsfilm.
Das Anatomische Theater Zwischen 1999 und 2008 arbeitete Krstić an Das Anatomische Theater, einem gemeinsam mit Radmila Roczkov entwickelten Projekt zur Geschichte des 20. Jahrhunderts. Es begann als interaktive CD-ROM und wurde später zu einem Multimedia-Album und einer Reihe von Ausstellungen ausgebaut. Gezeigt wurde die Arbeit unter anderem in der Galerie ŠKUC in Ljubljana (2006), im Likovni Salon in Celje (2007) sowie 2011/12 in der Kunsthalle Budapest unter dem Untertitel Simultane Spiele im 20. Jahrhundert. 2019 war Krstić in der Kunsthalle erneut mit der Ausstellung Spaces (ap)art vertreten.
Bühnenbild Krstić entwarf Bühnenbilder und visuelle Konzepte für ungarische Theaterproduktionen, darunter 2002 die Eröffnungsinszenierung des neuen Nationaltheaters in Budapest – Imre Madáchs Die Tragödie des Menschen in der Regie von János Szikora – sowie mehrere Arbeiten des Choreografen Csaba Horváth und dessen Forte Company. Außerdem gestaltete er die visuelle Welt eines Kurzfilms von Márta Mészáros nach Béla Bartóks Der wunderbare Mandarin.
Ruben Brandt
Krstić schrieb, gestaltete und inszenierte den englischsprachigen Animationsthriller Ruben Brandt (Originaltitel Ruben Brandt, a gyűjtő), der von einem Psychotherapeuten erzählt, dessen Patienten für ihn dreizehn berühmte Gemälde stehlen. Der Film wurde 2018 auf der Piazza Grande in Locarno uraufgeführt. In Deutschland kam er am 29. Oktober 2020 in die Kinos.
Der Film gewann unter anderem den Preis für den besten Langfilm beim Festival Anim’est in Bukarest (2018), den Drehbuchpreis des Europäischen Filmfestivals von Sevilla – gemeinsam mit der Ko-Autorin Radmila Roczkov – sowie 2019 den Grand Prix des Animafest Zagreb. Er war für den Annie Award in der Kategorie bester unabhängiger Animationsfilm nominiert und gehörte zu den 25 Filmen, die für die Kategorie Bester Animationsfilm der Oscarverleihung 2019 eingereicht wurden.
Filmografie (Auswahl) 1995: My Baby Left Me (Kurzfilm; Drehbuch und Regie) 1999: Das Anatomische Theater (interaktive CD-ROM; mit Radmila Roczkov) 2000: Der wunderbare Mandarin (Regie: Márta Mészáros; Ausstattung) 2006: Budapest (Dokumentarfilm; Drehbuch und Regie) 2018: Ruben Brandt (Drehbuch, Regie, Ausstattung, Produktion)
Ausstellungen (Auswahl) 2000: American Dream, Roczkov-Galerie, Budapest 2004: William Klein, Zoltán Vancsó und Milorad Krstić, MEO Contemporary Art Collection, Budapest 2006: Das Anatomische Theater, Galerie ŠKUC, Ljubljana 2007: Das Anatomische Theater, Likovni Salon, Celje 2011/12: Das Anatomische Theater, Kunsthalle Budapest 2019: Spaces (ap)art, Kunsthalle Budapest 2020: RUBENsremBRANDT, Collegium Hungaricum, Berlin
Veröffentlichungen Budapest. Milorad Krstić festőművész vizuális expedíciója Budapesten. Magyar Könyvklub, Budapest 2003 (Fotobuch). Pegam & Lambergar. Forum, Ljubljana 2004 (Comic). Das anatomische Theater. The Simultaneous Games of 20th Century. Forum, Ljubljana / Roczkov Studio, Budapest 2008, ISBN 978-963-06-3349-9.
Weblinks
Offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Ungarn) Kategorie:Animator Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Bühnenbildner Kategorie:Künstler (Budapest) Kategorie:Jugoslawe Kategorie:Ungar Kategorie:Geboren 1952 Kategorie:Mann