Demofoonte ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Andere Namen sind Démophon, Demophontes, Dirce oder L’usurpatore innocente. Mit mehr als 70 bekannten Vertonungen ist es eines seiner beliebtesten Werke. Erstmals aufgeführt wurde es in der Fassung von Antonio Caldara am 4. November 1733 zur Feier des Namenstags Karls VI. in Wien.

Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1772 unter dem Namen Demophoon im vierten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Vierter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1772 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.

Handlung

Im 1774 erschienenen deutschsprachigen Libretto der Vertonung von Carl Heinrich Graun findet sich die folgende Inhaltsangabe:

Die folgende ausführlichere Inhaltsangabe basiert auf dem deutschsprachigen Libretto der Vertonung von Giovanni Battista Ferrandini, die 1737 in München aufgeführt wurde.

Erster Akt

mini|links|Bild aus der Textausgabe, London 1767

Erhöhte Gärten mit Zugang zu verschiedenen Zimmern des königlichen Palasts

Aufgrund eines Orakelspruchs muss in Thrakien jedes Jahr dem Gott Apollo eine Jungfrau geopfert werden. Diese wird durch das Los bestimmt. König Demofoonte hat seine eigene Tochter jedoch von der Wahl ausgenommen. Der Reichsfürst Matusio möchte diesem Beispiel folgen und das Schicksal seiner Tochter Dircea ebenfalls nicht dem Los aussetzen. Dircea jedoch befürchtet, dass er sich dadurch den Zorn des Königs zuziehen werde. Dircea ist heimlich mit Timante, dem Kronprinzen Demofoontes, verheiratet, und sie haben einen gemeinsamen kleinen Sohn: Olinto. Von der Ehe darf niemand erfahren, weil aufgrund eines alten Gesetzes die Todesstrafe darauf steht, wenn sich eine Untertanin mit dem Kronprinzen vermählt. Timante ist gerade von seinem Vater aus dem Feldlager zurückberufen worden, und Dircea erzählt ihm von den ersten Gehversuchen Olintos. Außerdem teilt sie ihm ihre Sorgen bezüglich des Orakel-Opfers mit. Das Orakel sei erst kürzlich erneut befragt worden und habe die dunkle Antwort gegeben: Dircea hat weniger Angst vor dem Tod als vor dem bevorstehenden Streit ihres Vaters mit dem König. Außerdem ist sie keine Jungfrau mehr und deshalb als Opfer eigentlich untauglich. Wenn sie das weiterhin verschweigt, betrügt sie den König, ansonsten den Himmel. Timante rät ihr, sich dem König anzuvertrauen. Er habe im Kampf bereits einige Verdienste erworben und könne daher seinen Vater um Gnade für sie bitten. Dircea will sich auf Timante verlassen und geht.

Demofoonte kommt und teilt Timante mit, dass er beschlossen habe, ihn mit der phrygischen Kronprinzessin Creusa zu vermählen. Diese sei gerade in Begleitung von Timantes jüngerem Bruder Cherinto im Hafen angekommen. Timante bringt es nicht mehr fertig, seinem Vater von Dircea zu erzählen.

Ein prächtig zur Ankunft der phrygischen Prinzessin geschmückter Hafen

Diese steigt mit ihrem Gefolge unter dem Klang verschiedener exotischer Instrumente aus dem prächtigsten der vielen Schiffe.

Cherinto gesteht Creusa seine Liebe, wird jedoch von ihr zurückgewiesen. Timante kommt zu ihnen und schickt seinen Bruder kurz fort, um mit Creusa alleine zu reden. Er teilt ihr mit, dass es ein unüberwindliches Hindernis für ihre Heirat gebe, das sein Vater nicht kennen dürfe. Er bittet sie daher, selbst zu erklären, dass sie ihn nicht heiraten wolle. Er ruft Cherinto zurück und geht. Creusa ist empört über diese Begrüßung und bittet Cherinto, ihre Ehre zu rächen. Sie will ihm alles dafür geben, ihr Herz, ihre Hand, ihren Thron und all ihren Besitz, wenn er seinen Bruder tötet. Als er zögert, wirft sie ihm Feigheit vor.

Matusio will Dircea gegen ihren Willen aus der Stadt führen, um sie in Sicherheit bringen. Er verlässt sie kurz, um ein passendes Schiff zu finden. Als sie Timante sieht, klagt sie ihm ihr Leid und bittet ihn, sich um Olinto zu kümmern. Matusio kommt zurück und versucht, Dircea fortzuführen. Da Timante ihn daran hindern will, ziehen beide ihre Schwerter. Dircea beruhigt Timante damit, dass ihr Vater nichts von ihrer geheimen Ehe weiß. Dieser entschuldigt sich darauf bei ihm. Matusio erklärt nun, dass der König ihm seinen Versuch, Dircea von der Verlosung auszunehmen, übelgenommen habe und sie zum Opfer bestimmt habe, ohne das Los abzuwarten. Timante versucht ihn zu beruhigen. Sein Vater sei nicht so grausam und werde seinen im Zorn ausgesprochenen Befehl sicher widerrufen. Da kommt jedoch schon der Hauptmann Adrasto mit einigen Soldaten und lässt Dircea auf Befehl des Königs festnehmen. Dircea verabschiedet sich verzweifelt von ihrem Vater und Timante. Timante bittet Matusio, Dircea zu folgen, um herauszufinden, wo sie untergebracht wird. Er selbst will inzwischen zu seinem Vater gehen und ihn um Gnade bitten.

Zweiter Akt

Kabinette

Creusa teilt Demofoonte mit, dass sie wieder nach Phrygien abreisen möchte, ohne Timante zu heiraten. Demofoonte vermutet, Timantes raues Benehmen sei schuld daran und bittet sie, dieses zu entschuldigen. Er verspricht ihr, Timante noch heute zur Hochzeit zu überreden. Nachdem sie gegangen ist, kommt Timante und bittet seinen Vater um Gnade für Dircea. Der kann und will aber seinen Befehl nicht widerrufen, sondern lieber über Timantes Verhalten gegenüber Creusa reden. Timante fleht auf den Knien für Dircea. Schließlich gibt Demofoontes nach und schenkt ihm Dirceas Leben, sofern er seinen Widerstand gegen Creusa aufgibt und diese heiratet. Da Timante dies ablehnt, bleibt es beim Todesurteil für Dircea. Verzweifelt geht Timante fort. Demofoonte befiehlt nun, Dircea sofort zum Opferplatz zu führen.

Überdachte Gänge

Timante erzählt Matusio von seinem erfolglosen Gespräch mit dem König und drängt ihn zur Flucht. Er will nachfolgen, sobald er Dircea befreit hat. Da wird Dircea von Soldaten und Tempeldienern vorbeigeführt. Sie trägt ein weißes Kleid und eine Blumenkrone und ist bereits auf dem Weg zur Opferzeremonie. Gegen so viele Gegner hat Timante jetzt keine Chance. Er will daher Freunde zusammenrufen und sie im Tempel befreien.

Nachdem Timante fort ist, kommt Creusa, und Dircea bittet sie um Unterstützung für Timante. Creusa ist beeindruckt von Dircea. Sie kann verstehen, warum Timante sie liebt und beschließt, den beiden zu helfen. Da gerade auch Cherinto vorbeikommt, bittet sie diesen um Unterstützung. Sie verlangt jetzt nicht mehr von ihm, dass er Timante tötet, sondern ihn im Gegenteil rettet. Sie selbst will inzwischen bei Demofoonte um Gnade für Dircea bitten. Creusa hat mittlerweile durchaus Gefühle für Cherinto. Sie ist aber nicht bereit, seinetwegen auf den Thron zu verzichten.

Vorhof des Apollo-Tempels

Prächtige aber kurze Treppenstufen zum Tempel, dessen Innenraum hinter den Säulen zu sehen ist. Der Altar ist zerfallen, das Feuer erloschen, das Tempelgeschirr umworfen, die Blumen, Bänder, Beile und andere Opferinstrumente liegen verstreut auf den Stufen und dem Boden; die Priester befinden sich auf der Flucht; die königlichen Wächter werden von den Freunden Timantes verfolgt, und überall herrscht Verwirrung und Tumult.

Timante verfolgt einige der Wächter auf den Stufen. Dircea ruft ihn erschrocken von oben zurück. Es folgt ein kleines Scharmützel, in dem Timantes Freunde die Oberhand behalten. Nach dem Kampf ruft Timante Dircea zu sich, um mit ihr zu fliehen. Es ist jedoch zu spät, da von beiden Seiten Wachen kommen. Timante versucht, sich und Dircea mit dem Schwert den Weg zu bahnen. Als auch Demofoontes kommt und ihn auffordert, auch ihn, seinen Vater, zu töten, gibt Timante auf und unterwirft sich. Demofoonte befiehlt nun den Priestern, Dircea sofort zu opfern. In seiner Not gesteht Timante, dass Dircea keine Jungfrau mehr ist, sondern seine Gemahlin und bereits Mutter. Demofoonte befiehlt, beide einzukerkern, um sie gemeinsam zu verurteilen. Nachdem er gegangen ist, beschließen Dircea und Timante, sich selbst zu töten, bringen es aber nicht fertig.

Dritter Akt

mini|links|Simon Fokke: vierte Szene aus dem dritten Akt von „Demophontes“, erster Juni 1768 in der Schouwburg Amsterdam

Innenhof des Kerkers

Adrasto kommt zu Timante in den Kerker und richtet ihm Dirceas Wunsch aus, dass er sich Creusa heiraten solle, um sich dadurch zu retten. Timante lehnt dies jedoch ab. Nachdem Adrasto gegangen ist, kommt Cherinto und berichtet, dass Demofoonte ihm vergeben habe und auch Dircea freigelassen werde. Creusas Bitten haben sein Herz erweicht, und als er, Cherinto, dann Dircea und ihren Sohn zu ihm gebracht habe, habe er vollends nachgegeben. Demofoonte sei bereits auf dem Weg zum Kerker, um ihm die gute Nachricht persönlich zu bringen. Timante schlägt Cherinto vor, selbst Creusa zu heiraten. Aber weil sie gekommen ist, um den Thronfolger zu heiraten, glaubt Cherinto nicht, dass sie mit ihm als jüngerem Bruder vorliebnehmen werde. Timante bietet darauf an, ihm sein Thronfolgerecht zu überlassen. Denn wenn Cherinto ihm nicht das Leben gerettet hätte, wäre er bereits Kronprinz. Cherinto geht.

Matusio kommt mit einem Schreiben in der Hand zu Timante. Er hat soeben herausgefunden, dass Dircea gar nicht seine Tochter ist, sondern die des Königs und damit Timantes Schwester. Den Brief hatte ihm seine Frau auf dem Totenbett übergeben und dabei einen Eid von ihm verlangt, dass er ihn nur dann öffnen solle, wenn Dircea eine Gefahr drohe. Da das schon so viele Jahre her ist, habe er sich erst wieder daran erinnert, als er den Brief unter den Sachen fand, die er zu Flucht mitnehmen wollte. Der Brief stammt von der Königin selbst, die mit seiner Freu eng befreundet war. Sie weist darin auf einen weiteren Brief hin, der im Hoftempel zu den Füßen der Gottheit versteckt ist – ein Ort, den nur der König selbst betreten darf. Timante ist verzweifelt wegen der Schande, seine eigene Schwester geheiratet zu haben und schickt Matusio fort.

Creusa, Demofoonte, Adrasto und Olinto kommen nacheinander zu Timante, um ihm die Nachricht von der Vergebung zu bringen. Er ist jedoch von Gefühlen überwältigt, bringt es nicht fertig, ihnen von Matusios Fund zu erzählen und geht fort. Die anderen verstehen sein Verhalten nicht.

Ein prächtiger Raum im königlichen Palast mit dem kostbar geschmückten Bett Creusas

Cherinto führt Timante in Creusas Zimmer. Adrasto, Matusio, Dircea mit Olinto und Demofoonte kommen zu ihnen, und Demofoontes teilt Timante den Inhalt des zweiten Briefes mit, den er inzwischen gefunden hat. Demnach ist Timante nicht sein echter Sohn, sondern wurde auf Wunsch der Königin als Baby mit Dircea vertauscht, weil sie sich einen Thronfolger gewünscht hatte. Dircea ist also Demofoontes Tochter, und Timante der Sohn Matusios. Nun kommt auch Creusa, und Demofoontes bietet ihr den echten Kronprinzen Cherintus als Bräutigam an, womit diese gern einverstanden ist. Inzwischen ist auch der Sinn des Orakels klar geworden: Timante selbst ist der im Orakel genannte des Reichs. Das jährliche Blutopfer ist also ab sofort nicht mehr nötig. Timante ist erleichtert, dass sich alles zum Guten gewendet hat und kann seinen Sohn und seine Frau endlich ohne Sorgen in die Arme schließen.

Geschichte