mini|120px|Wappen von Leutkirch mini|Leutkircher Rathaus
In der Liste der Kulturdenkmale in Leutkirch im Allgäu sind Bau- und Kunstdenkmale in der Kernstadt Leutkirch im Allgäu sowie in den Ortsteilen verzeichnet.Stadt Leutkirch: Denkmalschutz und Denkmalpflege, abgerufen am 4. Oktober 2014. Neben den 228 hier verzeichneten Bau- und Kulturdenkmalen gibt es im Stadtgebiet noch 15 archäologische Kulturdenkmale aus frühgeschichtlicher und antiker Zeit und 15 Kulturdenkmale der Mittelalterarchäologie.siehe (PDF; 366 KB)
Gesamtanlage nach § 19 DSchG Die Altstadt von Leutkirch ist darüber hinaus denkmalgeschützte „Gesamtanlage“ nach §19 Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg. Die Beschreibungen der geschützten Kulturdenkmale aus dem „Denkmalpflegerischer Werteplan Gesamtanlage Leutkirch im Allgäu“ sind weitgehend übernommen worden, um die Bedeutung der Gesamtanlage zu unterstreichen.Wertepläne beim Denkmalamt zum Download als PDF-Dateien, abgerufen am 21. Oktober 2017. Der Werteplan führt noch eine Reihe von erhaltenswerten Gebäuden und Grünanlagen auf; diese sind aber nicht aufgenommen.
Leutkirch im Allgäu hat sich seinen mittelalterlichen Stadtgrundriss weitgehend bewahren können und bietet mit seinem vielfach in das 15. bis 17. Jahrhundert zurückreichenden historischen Gebäudebestand bis heute das Bild einer kleinen oberschwäbischen Reichsstadt, die geprägt wurde sowohl von der Lage an der wichtigen Handelsstraße Lindau – Augsburg als auch von ihrem großen ländlichen Einzugsbereich. Noch immer bestimmen die Türme der beiden Pfarrkirchen und der Bockturm die Silhouette der Stadt, während ihre innere Struktur vom Nebeneinander von repräsentativer Bebauung und stattlichen Gast- und Bürgerhäuser an der zentralen Achse der Marktstraße und im südöstlich gelegenen „geistlichen Viertel“ sowie von schlichterer, kleinteiligerer Bebauung im westlichen Handwerkerviertel geprägt wird. Aufgrund dieser Bedeutung ist Leutkirch seit 1980 eine Gesamtanlage gemäß § 19 DSchG, an deren Erhaltung ein besonderes öffentliches Interesse besteht.
Stadtbaugeschichte Stadtwerdung Der Name Leutkirch findet sich erstmals im Jahr 843 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen, als dieses Güter in „Liutchirichun“ tauschte. Die „Leutekirche“, die der Siedlung ihren Namen gab, ist jedoch schon früher belegt. 788 wird ein Priester Ratpot „in ipsa ecclesia nibulgauia“ erwähnt. Im Jahr 797 wurde im Vorgängerbau der heutigen Martinskirche in Ufhofen im Nibelgau („in Ufhoua, in Nibelcoge, in atrio sancti Martini“) eine weitere St. Gallener Urkunde ausgestellt. Die Keimzelle Leutkirchs bildete also die wohl im 6./7. Jahrhundert entstandene Siedlung Ufhofen, die in unmittelbarem Umfeld der Martinskirche teilweise auf dem Gebiet der heutigen Kernstadt bzw. im Bereich der südlich von ihr gelegenen Oberen Vorstadt zu lokalisieren ist. Zur Leutekirche St. Martin – Mutterkirchen mit ausgedehntem Pfarrsprengel werden als Leut(e)kirchen bezeichnet – gehörten rund 30 Weiler und Dörfer der Umgebung. Da deren Bewohner zu Gottesdiensten und Gerichtstagen nach Ufhofen kamen, war der Ort für die Entstehung eines Marktes prädestiniert. Es wird vermutet, dass die Siedlung um das Jahr 1200 herum von dem Nibelgaugrafen Hugo von Montfort das Marktrecht erhielt und so nicht nur kirchliches, sondern auch wirtschaftliches Zentrum für das Umland wurde. Die Entwicklung der Marktsiedlung zur befestigten Stadt vollzog sich im Verlauf des 13. Jahrhunderts. Die für das Jahr 1239 überlieferte Bezeichnung „in burgo Liukirch“ in einem Vertrag, in dem Grenzstreitigkeiten zwischen den Klöstern Kempten und Isny geschlichtet wurden, lassen vermuten, dass Leutkirch damals schon über eine Stadtbefestigung verfügte bzw. diese zumindest im Bau war. Mit der Verleihung des Lindauer Stadtrechts im Jahr 1293 – zwei Jahre nachdem die Grafen von Montfort Leutkirch zusammen mit der Grafschaft Zeil an König Rudolf von Habsburg verkauften hatten – war der Prozess der Stadtwerdung abgeschlossen.
Entwicklung zur Reichsstadt 1293 werden die Leutkircher erstmals als „cives“, also als Bürger einer befestigten und beschützten Stadt bezeichnet. 1295 ist ein Ammann und 1311 ein Rat der Stadt nachgewiesen. 1336 wurde Leutkirch von Ludwig dem Bayern von fremden Gerichten befreit und damit reichsunmittelbar. 1347 wurde Leutkirch Mitglied im Schwäbischen Städtebund, und im Jahr darauf erhielt die Stadt mit dem Zollrecht für alle Fahrzeuge und Waren auf der viel befahrenen Reichsstraße eine wichtige Einnahmequelle. Der Erwerb eines eigenen Territoriums gelang Leutkirch jedoch nicht, da die Stadt fast gänzlich von der Landvogtei umschlossen war. Im Jahr 1397 ging schließlich auch die Hohe Gerichtsbarkeit auf Bürgermeister und Rat der Stadt über, die ab 1407 im neu erbauten Rathaus am Gänsbühl Recht sprachen. Leutkirch hatte nun alle Rechte einer Freien Reichsstadt. Die aus der Marktsiedlung zu Füßen der Leutekirche im Verlauf des 13. Jahrhunderts entstandene Stadt entwickelte sich zu beiden Seiten der von Isny nach Memmingen führenden Straße, deren Verlauf von der Marktstraße markiert wird. Bis heute ist die Ausdehnung und Struktur der Kernstadt des 13./14. Jahrhunderts klar im Stadtgrundriss ablesbar. Im Osten zeichnen Teile der Stadtmauer und des vorgelagerten Grabens vom Pulverturm kommend den Hangverlauf der Wilhelmshöhe nach. An der Nordostecke der Stadt, am Viehmarktplatz, bog die Stadtmauer nach Westen um und beschrieb dann einen weiten Bogen, um an der Südostecke wieder auf den Pulverturm zu treffen.
Viertel und Vorstädte Auch die innere Struktur der Stadt hat sich bis heute weitgehend erhalten. In der Südostecke – im Umfeld der Martinskirche – entstand ein „geistliches Viertel“ mit Kaplaneihäusern, dem Franziskanerinnenkloster und dem Hl. Geist Spital. Südlich der Kirche befand sich der in der Mitte des 16. Jahrhunderts vor die Stadt verlegte Friedhof. Das administrative und wirtschaftliche Zentrum Leutkirchs entstand weiter nördlich an der Aufweitung der Marktstraße zum zentralen Platz der Stadt, dem Gänsbühl. An Marktstraße und Gänsbühl (bis ins frühe 19. Jahrhundert als „Markt“ bezeichnet) reihen sich die stattliche Bürger- und Gasthäuser der wohlhabenden Leutkircher. Die vom offenen Stadtbach durchflossene Westhälfte der Stadt wurde zum bevorzugten Wohn- und Arbeitsort der weniger begüterten Handwerker.
Neben der aus dem Dorf Ufhofen erwachsenen, sich nach Südosten an die Kernstadt anschließenden Oberen Vorstadt an der Straße nach Isny besaß Leutkirch noch eine zweite Vorstadt. Die erstmals im Jahr 1350 archivalisch erwähnte Untere Vorstadt, die sich nördlich der Stadt an der Straße nach Memmingen ausdehnte, geht ebenfalls auf eine ältere Siedlung zurück, auf das im 6./7. Jahrhundert entstandene Dorf „Mittelhofen“. Beide Urdörfer, die stets unbefestigt blieben, haben sich jahrhundertelang ihren bäuerlichen Charakter bewahrt. Für die Bürger der Kernstadt – die zumeist auch eine (Nebenerwerbs-)Landwirtschaft betrieben – wurden Leinwandproduktion und -handel zum bei weitem wichtigsten Wirtschaftszweig. So geben die Steuerlisten von 1590 bis 1610 an, dass 200–250 der insgesamt 450–500 Leutkircher Gewerbetreibenden als Leinenweber ihr Auskommen fanden.
Reformation und Dreißigjähriger Krieg – wirtschaftlicher Niedergang Nach der (späten) Einführung der Reformation 1546 sicherte ein 1562 zwischen der Stadt und dem Abt von Weingarten als Patronatsherr der Pfarrkirche geschlossener und später mehrfach erneuerter Vertrag die Rechte der Katholiken. Die Martinskirche blieb der katholischen Minderheit (der Rat erlaubte nur 25 altgläubige Familien in der Stadt) und den vorderösterreichisch-katholischen Dörfern der Landvogtei, die nach Leutkirch eingepfarrt waren, als Pfarrkirche erhalten. Die evangelischen Bürger nutzen zunächst die Spitalkirche als Gottesdienstraum, bis sie 1613–1615 mit der anstelle einiger Bürgerhäuser an der Westseite der Stadt errichteten Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit ein eigenes Gotteshaus erhielten – den ersten protestantischen Kirchenneubau im württembergischen Allgäu.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts verursachte der Dreißigjährige Krieg, der mit zwei Pestepidemien, Einnahmen und Plünderungen durch die schwedischen Truppen verbunden war, eine deutliche Zäsur im (Wirtschafts-)Leben der Stadt. Am Ende des Krieges war die Zahl der Bürger war von 450 auf 184 gesunken und der zuvor als Haupteinnahmequelle so wichtige Leinwandhandel war stark zurückgegangen. Während beim Ausbruch des Krieges 1618 noch rund 5000 Stück Leinwand exportiert wurden, waren es 1653 nur noch 300 Stück. In der Folge verstärkten Türken- und Franzosenkriege sowie der Spanische Erbfolgekrieg mit ihren Belagerungen und hohe Kontributionszahlungen den wirtschaftlichen Niedergang und eine hohe Verschuldung der Stadt. So verwundert es nicht, dass sich das Bauwesen auf Reparaturen bzw. Ersatzbauten der im Krieg, vor allem bei zwei Bränden in der „Unteren (nordwestlichen) Stadt“ 1630 und 1729 zerstörten Gebäude beschränkte. Die einzige größere Baumaßnahme war der Neubau des Rathauses (1742) anstelle des Vorgängerbaus aus dem frühen 15. Jahrhundert, der den Stolz und Anspruch der Freien Reichsstadt baulich manifestierte.
Württembergische Oberamtsstadt 1810 In den Napoleonischen Kriegen verlor Leutkirch 1802 seine Reichsunmittelbarkeit und fiel zunächst an Bayern und dann 1810 an Württemberg. Es erhielt als Oberamtsstadt für das neu geschaffene württembergische Oberamt Leutkirch wichtige zentralörtliche Funktionen und erlebte als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung. 1843 berichtet die Beschreibung des Oberamtes Leutkirch: „Die Hauptnahrungsquelle der Einwohner fließt aus dem Feldbau in Verbindung mit der Viehzucht. Über zwei Drittheile der Bürger besitzen eigene Felder, wenn auch zum Theil in beschränktem Umfang. [...] Leutkirch hat keine fabrikmäßigen Gewerbe, aber beinahe alle gewöhnlichen Professionen, welche die Stadt und nächste Umgegend mit ihren Bedürfnissen versehen. Die Vorneigung zur Feldökonomie ist übrigens einem höheren Aufblühen der Industrie nicht günstig. Die zahlreichsten, aber auch zum Theil die ärmsten Gewerbleute sind die Leinwandweber. Von einer sehr bedeutenden Höhe der Blüthe in vergangenen Jahrhunderten sank dieses Gewerbe mit dem damit verbundenen Handel auch hier, wie in dem benachbarten Isny, Memmingen u. a., tief herab.“ Expansion im 19. und 20. Jahrhundert Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verharrte die Stadt ihren mittelalterlichen Grenzen. Neben dem teilweisen Abbruch der Stadtbefestigung im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts waren es drei Brände (1797, 1842 und 1864), die den historischen Baubestand vor allem in der Evangelischen Kirchgasse, an Marktstraße und Gänsbühl sowie an der Werkhausgasse dezimierten. Mit Anschluss an das Eisenbahnnetz erlebte Leutkirch als nun leicht erreichbares Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum einen beträchtlichen Aufschwung in den 1870er und 1880er Jahren. Nun begann die Expansion der Stadt über die Grenzen des mittelalterlichen Mauerrings hinaus. Nach dem Anschluss an die Eisenbahnlinie nach Memmingen entstand ab 1889 zwischen dem neu erbauen Bahnhof, den Eisenbahngleisen und der Stadt auf ehemaligen Wiesen- und Weideflächen ein neues Stadtviertel mit öffentlichen Gebäuden, wie dem Postamt (1890/91), dem Amtsgericht (1880), dem Forstamt (1902), dem Finanzamt (1904) und dem evangelischen Pfarrhaus (1895) sowie Wohnungen für Beamte und Arbeiter der Eisenbahn. An der Bahnlinie entstanden zudem größere Betriebe: Neuner’sche Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen (1876), Druckerei Roth (1888), Forstbaumschule Carl Edelmann (1902), Lagerhalle der Landwirtschaftlichen Genossenschaften (1912), Sägewerk Peter und Sohn (1920), Faserplattenwerk Zenith AG (1936).