mini|Kirche St. Felix und Regula Die Kirche St. Felix und Regula ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Thalwil im Bezirk Horgen. Sie ist die erste Kirche im Kanton Zürich, die nach der Reformation das Doppelpatrozinium der Zürcher Heiligen Felix und Regula erhielt.Bächer: Katholische Pfarrei St. Felix und Regula Thalwil 1899–1999. 1998, S. 39, 119.Bernadic: 150 Jahre Inländische Mission. 2013, S. 9.
Geschichte Vorgeschichte und Namensgebung Nach dem Willen von Graf Kuno von Rheinfelden hätte das Kloster Muri eigentlich im Jahr 1127 in Thalwil gegründet werden sollen, wurde dann aber im Freiamt aufgebaut. Das Kloster Muri besass in Thalwil Erblehensrechte, Lehenschaft, Niedergericht und Kollatur. Die mittelalterliche Kirche von Thalwil war dem hl. Martin gewidmet und wurde im Jahr 1179 als erste Kirche am linken Zürichseeufer erwähnt. Es ist anzunehmen, dass die Kirche vom Kloster Muri gestiftet wurde, wofür auch die Tatsache spricht, dass beide Kirchen denselben Kirchenpatron hatten.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. 1980, S. 256.
Durch Tausch gelangte die Kirche von Thalwil im Jahr 1256 vom Kloster Muri an das Kloster Wettingen, welches das Kollaturrecht über die Reformationszeit hinaus bis 1838 ausübte. Nach der Reformation in Zürich ab dem Jahr 1523 wehrte sich Pfarrer Konrad Nüppheim vergeblich gegen die Einführung des reformierten Gottesdienstes in Thalwil, weshalb er nach Wädenswil wechselte, wo am «alten Glauben» länger festgehalten wurde. In Thalwil wurde die mittelalterliche Kirche fortan für reformierte Gottesdienste verwendet.
Nach Umbauten zwischen 1578 und 1656 wurde die alte Kirche 1845–1847 vollständig durch einen Neubau ersetzt, die heutige reformierte Kirche von Thalwil, welche sich am gleichen Ort wie ihr Vorgängerbau auf der Platte befindet.
Entstehungs- und Baugeschichte Das Toleranzedikt von 1807 erlaubte erstmals seit der Reformation wieder katholische Gottesdienste im Kanton Zürich, örtlich jedoch auf die Stadt Zürich beschränkt. Die Niederlassungs- und Religionsfreiheit der Helvetischen Republik und ab 1848 des schweizerischen Bundesstaates ermöglichten es den Katholiken aus der Zentral- und der Ostschweiz, aber auch aus dem katholisch geprägten Ausland, sich im Kanton Zürich niederzulassen.
Der erste katholische Gottesdienst in der Region nach der Reformation fand im Jahr 1864 in Gattikon statt, weil dort etliche katholische Fabrikarbeiter samt Familien ansässig waren. Zur 1880 gegründeten Pfarrei St. Marien Langnau-Gattikon gehörten zunächst auch die Katholiken von Thalwil. Weil die Kirche St. Marien in Langnau auch nach der Abtrennung von der Adliswiler Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit zu klein und der Kirchweg für die Thalwiler Katholiken weit war, bildete sich in Thalwil am 29. September 1897 der Katholische Kirchenbauverein Thalweil, der unverzüglich einen Bauplatz für eine eigene Kirche in Thalwil sicherte.
Am 17. Juni 1898 fand die Grundsteinlegung für den Bau der Kirche statt. Diese wurde vom lokalen Baumeister Rocco Perlatti nach Plänen von Johann Meyer (1820–1902), Luzern, gebaut.Nina Hüppi: Reformierte Strenge in einer katholischen Kirche: St. Felix und Regula. Website des Verschönerungsvereins Thalwil, abgerufen am 2. Dezember 2017. Die Kirche St. Felix und Regula wurde mit Spendengeldern und der Unterstützung der Inländischen Mission erbaut und am 18. Juni 1899 benediziert. Der Turmbau erfolgte erst im Jahr 1924. Erbaut wurde der Kirchturm nach Plänen des Zürcher Architekten Anton Higi. In den Turm aufgezogen wurden die alten Glocken der paritätischen Kirche St. Agatha (Dietikon), die einem Neubau samt neuen Glocken weichen musste.
1952–1953 wurde die Kirche durch Architekt Joseph Steiner, Schwyz, renoviert und in ihrem Inneren neu gestaltet. Hierbei wurde die Kirche im Chor mit einem Decken- und über den Seitenaltären mit je einem Wandgemälde ausgestaltet. Am 20. November 1952 weihte der Churer Bischof Christian Caminada die Kirche. 1959 erhielt der Kirchturm sein heutiges, fünfstimmiges Geläut.
1968–1969 wurde das Pfarreizentrum erbaut und die Kirche aussen renoviert. 1972 erfolgte die Umsetzung der Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils, wobei auch ein Volksaltar geweiht wurde. 1983 fand die zweite grosse Innensanierung der Kirche statt. Hierbei erhielt die Kirche auch die Metzler-Chororgel, 1985 wurde auf der Orgelempore die grosse Orgel mit 32 klingenden Registern aufgebaut. 1988 erfolgte die Renovation des Kirchturms, 1990 die Aussenrenovation von Pfarreizentrum und Kirche. 2010 wurde das Pfarreizentrum durch einen Erweiterungsbau ergänzt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. 1980, S. 155–157.Geschichte. Website der Pfarrei Thalwil.
Die Pfarrei St. Felix und Regula bildet zusammen mit der Pfarrei St. Nikolaus (Rüschlikon) eine Kirchgemeinde. Diese ist mit ihren 6'206 Mitgliedern (Stand 2021) eine der grösseren katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 106.
Tochterpfarrei Rüschlikon Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die katholische Bevölkerung in Rüschlikon an, sodass der Wunsch nach einer eigenen katholischen Kirche entstand. Ab 1963 fanden in Rüschlikon katholische Gottesdienste statt, und ab 1969 war dort ein eigener Seelsorger tätig. Die katholische Kirchgemeinde Thalwil-Rüschlikon lehnte ein erstes Projekt für eine Kirche in Rüschlikon ab, da es zu gross und zu teuer erschien. Ein zweites, reduziertes Konzept wurde im Jahr 1979 angenommen. Am 28. Februar 1982 weihte Johannes Vonderach als Bischof von Chur die Kirche St. Nikolaus (Rüschlikon). 1997 wurde St. Nikolaus Rüschlikon zu einer eigenständigen Pfarrei ernannt.
Baubeschreibung mini|Kirchturm von 1924 Kirchturm und Äusseres Die Kirche St. Felix und Regula liegt in Thalwil an der Seehaldenstrasse. Aufgrund der damaligen Parzellierung und der Topografie ist die Kirche nicht geostet, sondern zeigt gen Süden. Als schlichte neobarocke Saalkirche 1898–1899 erbaut, besass sie zunächst weder Kirchturm noch Dachreiter, lediglich ein einfaches Giebelkreuz an der nördlichen Frontseite verwies auf die christliche Bestimmung des Gebäudes. Der im Jahr 1924 erbaute Kirchturm verstärkt durch seinen Zwiebelturm das neobarocke Erscheinungsbild der Kirche. Westlich von der Kirche befindet sich das Pfarrhaus, östlich an die Kirche wurde 1968–1969 das Pfarreizentrum angebaut.
Glocken 1927–1959 Als die paritätische Kirche St. Agatha Dietikon durch einen Neubau ersetzt wurde, ergab sich für die Pfarrei Thalwil die Möglichkeit, das alte Geläut von Dietikon zu erwerben. Hierbei handelte es sich um vier Glocken mit unterschiedlichem Alter und Herkunft: Die grösste Glocke stammte von der Giesserei Johann Jakob Grieshaber in Waldshut. Diese Glocke trug jedoch am Joch die Jahreszahl 1658. Dieser Umstand lässt sich anhand einer Chronik der Pfarrei Urdorf erklären: Die Glocke war im Jahr 1705 gesprungen und wurde daraufhin umgegossen. Die kleinste und die zweitkleinste Glocke dürften aufgrund ihrer Form und ihrer Inschriften aus dem 13. bis 14. Jahrhundert zu datieren sein.
Dieses erste Geläut der Kirche St. Felix und Regula tat seinen Dienst bis 1959, als es durch die heutigen Glocken ersetzt wurde. Die drei grösseren Glocken wurden eingeschmolzen, die kleinste wurde ins Museum in Dietikon verbracht und befindet sich heute bei der Abdankungshalle des Friedhofs Guggenbühl in Dietikon.Eduard Müller, Thomas Furger: Geschichte von Pfarrei und Pfarrkirche St. Agatha in Dietikon. In: Neujahrsblatt von Dietikon. Dietikon 1978, S. 18–20.
Glocke Gewicht Durchmesser Ton Widmung Gussjahr 1 850 kg 122 cm fis1 Jesus Christus 1705 2 600 kg 100 cm gis1 Hl. Maria 1410 3 275 kg 78 cm h1 Frieden 4 200 kg 71 cm d2 Angelus
Glocken seit 1959 Die heutigen Glocken der Kirche St. Felix und Regula wurden von der Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau, am 8. und 17. April 1959 gegossen.. Website der Pfarrei Thalwil, abgerufen am 20. Juli 2022.
Glocke Gewicht Durchmesser Ton Widmung Inschrift 1 5984 kg 220 cm fis0 Dreifaltigkeit Durch meine Stimme preisen alle Menschen Dich, Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. 2 2905 kg 174 cm ais0 Felix und Regula Heilige Patrone Felix und Regula, Euch haben wir dieses Gotteshaus geweiht; Ihr aber bittet für uns in der triumphierenden Kirche, auf dass wir der Barmherzigkeit Gottes teilhaftig werden. 3 1724 kg 145 cm cis1 Muttergottes Sei gegrüsset Maria, gnadenvolle, durch meinen Jubel mögen Dich seligpreisen alle Geschlechter. 4 1215 kg 129 cm dis1 Josef Heiliger Joseph, Schutzherr der Heiligen Familie, beschütze auch uns und unsere Familien jetzt und in der letzten Stunde des Todes. 5 764 kg 110 cm fis1 Schutzengel Preiset den Herrn, ihr alle seine Engel, und beschützet uns immer auf dem Weg des Lebens.
Innenraum und künstlerische Ausstattung mini|Innenansicht Neubarocke Grundgestaltung In das Innere der Kirche St. Felix und Regula dringt aufgrund der grossen Glasfenster viel Tageslicht. Diese Lichtführung entspricht auch der Tradition barocker Kirchen, denen die Kirche St. Felix und Regula nachempfunden ist. Die Kirche ist hell gestrichen und mit schlichter Stuckatur verziert. Pilaster mit korinthischen Kapitellen übernehmen scheinbar die Last der Gurtbögen des Tonnengewölbes. Der eingezogene Chor ist um einige Treppenstufen vom Boden des Kirchenschiffs abgehoben.
Innenausstattung 1899 bis 1982 Im Lauf der Zeit wurde der Innenraum der Kirche mehrfach umgestaltet. Von 1899 bis 1908 war der Altarraum der neu erbauten Kirche aufgrund Geldmangels noch schlicht gehalten. Der Hauptaltar wurde von zwei Seitenaltären flankiert, einer von diesen war der Muttergottes gewidmet. Ab dem Jahr 1908 wurde die schlichte erste Ausstattung durch neue Elemente ergänzt. So stiftete der bischöfliche Offizial und spätere Bischof Georg Schmid von Grüneck den Kreuzweg, auch wurde 1908 eine erste Kanzel in der Kirche aufgestellt. 1909 erhielt die Kirche eine Kommunionbank.
Nach der Tilgung der Bauschuld im Jahr 1915 war die Auftragserteilung für einen neuen Hochaltar sowie zwei neue Seitenaltäre möglich. Erstellt wurden diese Altäre von der Firma Messmer, Basel. Beim Tabernakel des Hauptaltars handelte es sich um den bisherigen des Kapuzinerklosters Arth. Das obere Altarblatt des Hochaltars zeigte den hl. Felix, die flankierenden oberen Statuen stellten die hl. Regula und den hl. Georg dar. Das grosse Altarbild zeigte Jesus am Kreuz, flankiert von den beiden grossen Statuen des hl. Martin (Patron der mittelalterlichen Kirche von Thalwil) und des hl. Benedikt (in Erinnerung an die Verbundenheit Thalwils mit dem Kloster Muri bzw. später mit dem Kloster Wettingen).Bächer: Katholische Pfarrei St. Felix und Regula Thalwil 1899–1999. 1998, S. 53, 59–60.
In den Jahren 1952–1953 erfolgte eine grosse Innensanierung der Kirche durch Architekt Joseph Steiner, Schwyz. Dieser liess die neubarocke Gestaltung des Kircheninnenraums weitgehend verschwinden und verlieh der Kirche einen damals zeitgemäss erscheinenden Gestus. Die neubarocken Hoch- und Seitenaltäre wurden abgebaut und durch moderne Sandsteinaltäre ersetzt. An der Chorwand, wo bis 1952 der Hochaltar gestanden hatte, wurde eine monumentale Kreuzigungsgruppe aus Holz angebracht, gefertigt vom Künstler Lichtenstern, Zug. Der Künstler und Priester Ludwig Schnüriger (1915–1991) aus dem Fürstentum Liechtenstein erstellte die Bilder an der Wand über den neuen Seitenaltären sowie an der Decke des Chors. Das Deckengemälde zeigte Gott als Schöpfer der Welt, das Gemälde über dem linken Seitenaltar die hl. Maria und dasjenige über dem rechten Seitenaltar die Kirchenpatrone, den hl. Felix und die hl. Regula.Bächer: Katholische Pfarrei St. Felix und Regula Thalwil 1899–1999. 1998, S. 87–88.