St. Aegyd am Neuwalde (auch Sankt Aegyd am Neuwalde geschrieben, historisch auch St. Egyd oder Sankt Gilgen) ist eine österreichische Marktgemeinde im Bezirk Lilienfeld in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ).

Geografie mini|hochkant=1.2|Das Tal der Unrechttraisen, über Göller und Gippel alpenauswärts nach Nordosten: St-Aegyd/Eisenwerk untere Bildmitte, die Seitentäler hintere Unrechttraisen, Keerbach und Weißenbach mit den bemerkenswerten von Grünland geprägten verästelten Schotterterrassen. Das Tal am oberen Bildrand ist das Gölsental bei Hainfeld. St. Aegyd am Neuwalde liegt im südlichsten Mostviertel in Niederösterreich, an der steirischen Grenze, etwa 40 Kilometer südlich von St. Pölten.

Das Gemeindegebiet umfasst die obere Hälfte des Tals der Unrechttraisen auf um die 500–, am Fuß des Göller-Gippel-Zuges der Steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen (werden zu den Mürzsteger Alpen gerechnet). Nördlich liegt der Traisenberg () der Türnitzer Alpen, ganz im Nordosten gehören die Berge zu den Gutensteiner Alpen. Außerdem gehört eine orographische Exklave hinter Göller () und Gippel () dazu, die Herrschaftsgründe mit dem namengebenden Neuwald. Hier laufen – abweichend von den Ortsüblichkeiten – die Gemeindegrenzen, und damit auch die niederösterreichisch-steirische Landesgrenze, in den Tälern, sodass entlang des Göller-Südwestfußes bis zum Lahnsattel die Straße zur Gemeinde gehört. Dieser Sattel trennt oberste Salza und oberste Mürz, beide haben ihre Quellbäche auf St. Aegyder Gebiet. Im Westen erstreckt sich die Gemeinde noch über den Michelbühel und Krumbachsattel bis an den Großen Sulzberg ().

Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 184,64 km², 87,61 % der Fläche ist bewaldet, wobei die bemerkenswerten Schotterterrassen beiderseits der Seitenbäche der Unrechttraisen ungewöhnlich stark wiesenbaulich genutzt sind, siehe dazu Unrechttraisen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde umfasst Sieben Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Gscheid () Herrschaftsgründe ()Vergl. dazu den Artikel Gscheidlhöhe. Keeramt () Mitterbachamt () St. Aegyd am Neuwalde () Unrecht Traisen () Weißenbachamt () Fünf Ortschaften (Einwohnerzahl Stand ): Kernhof () samt Gscheid Lahnsattel () samt Donaudörfl, Gscheidl, Neuwald und Terz Mitterbach () samt In der Walk, Obermitterbach, Seebach und Untermitterbach St. Aegyd am Neuwalde (, Hauptort) samt Eisenwerk, Pfarrsiedlung, Rotenbach, Rubesfang, Unrechttraisen, Wällischgraben und Weißenbach Ulreichsberg () samt Fadental und Tobiasl Unrechttraisenamt und Weißenbachamt wurden bis in die 1970er als eigenständige Ortschaften gerechnet.

Zählsprengel sind St.Aegyd-Zentralraum für den Hauptort und St.Aegyd-Umgebung für den Rest der Gemeinde.

Die Gemeinde gehört zur Kleinregion Traisen-Gölsental,Traisen-Gölsental.at – Website des Tourismusverbandes und des Regionalmanagements der Kleinregion. und raumplanerisch zur Hauptregion („Viertel“) NÖ-Mitte.

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Bahnhof und Eisenwerk um 1900

Frühgeschichte und Mittelalter Spuren gibt es schon aus der Zeit der Kelten und später der Slawen. In der Römerzeit war das Gebiet Teil der Provinz Noricum.

Die Kirche wurde im Hochmittelalter 1254–1271 erbaut und war seit 1325 eigenständige Pfarre.Geschichte. In: staegyd.at, abgerufen am 23. September 2022. St. Aegyd am Neuwalde erhielt im Jahr 1444 das Marktrecht.

Neuzeit Die Herrschaftsgründe waren ein alter landesfürstlicher Jagdbann, eine der größten Dominikalbesitzungen im seinerzeitigen Österreich,Josef Breu: Die Traisenflüsse – Ein Beispiel für das mehrfache Vorkommen von Flußnamen in einem Einzugsgebiet. In: Heiner Eichner, Otto Back, Peter Ernst, Sergios Katsikas: Sprachnormung und Sprachplanung. Festschrift für Otto Back zum 70. Geburtstag; mit Beiträgen aus den Bereichen Graphematik, Orthographie, Namenkunde, Österreichisches Deutsch, Sprachnormung und Plansprachenkunde. Hrsg. von Heiner Eichner. 2., verbesserte Auflage. Verlag Edition Praesens, Wien 1996, ISBN 3-901126-89-9, S. 155–178, hier S. 161 f. (). zu deren weiterem Umfeld auch das Jagdschloss Hochreith (heute Gemeinde Rohr) gehört. Davon rühren auch die auf -amt endenden Namen einzelner Ortsteile her, die sich auf alte Forstamtssprengel beziehen. Ebenso die teils ungewöhnlichen Verläufe der Verwaltungsgrenzen in der Gemeinde.

Einen Aufschwung nahm der Ort im 18. und 19. Jahrhundert, als in der frühneuzeitlichen Kleineisenindustrie eine erste Industrialisierung einsetzte. Damals kamen viele fremde Facharbeiter in das obere Traisental. Auch die Forstwirtschaft benötigte Arbeitskräfte, insbesondere als um 1800 Georg Huebmer, der „Raxkönig“, die Wälder am Gscheidl zu roden begann. So kam eine geschlossene Gruppe von Protestanten aus dem Salzkammergut auch nach St. Aegyd. Huebmer siedelte sie am Lahnsattel und Ulreichsberg an. Daher liegt der Anteil der Protestanten mit 12,4 % noch heute über dem österreichischen Durchschnitt.

Industrialisierung In den Jahren 1810 bis 1820 entstanden die auf Jakob Fischer zurückgehenden Eisen- und Drahtseilwerke. Diese waren ab 1869 in der St. Egydyer Eisen- und Stahlindustrie Gesellschaft zusammengefasst, die 1887 von Karl Wittgenstein gekauft wurde. Das Werk wurde 1918 um ein Motorenwerk erweitert. Im Ort und dessen Umgebung gab es auch eine bedeutende Produktion von Stahlfeilen unter der Marke „St. Aegyd“ der Feilenfabrik im nahen Furthof (Gemeinde Hohenberg), die 1982 stillgelegt wurde.Ausführlicher in Gerhard A. Stadler: Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte, Technik, Architektur. Böhlau Verlag, Wien 2006, ISBN 3-205-77460-4, S. 587 ff.

Vom 2. November 1944 bis 1. April 1945 bestand das KZ-Nebenlager St. Aegyd am Neuwalde, ein Nebenlager des KZ Mauthausen. Bis zu 300 Häftlinge wurden hier als Zwangsarbeiter für die Lagererrichtung, Kfz-Motoren-Herstellung und den Straßenbau eingesetzt.Christian Rabl: Das KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde. Band 6 von Mauthausen-Studien. Bundesministerium für Inneres, Wien 2008, ISBN 978-3-9502183-9-8. Hier befand sich auch die Kraftfahrtechnische Lehranstalt der Waffen-SS.

mini|Historischer Wasserturm am Bahnhof St. Aegyd Schon 1893 war die Bahnstrecke von Traisen her erbaut worden. Nachdem die ÖBB 1988 den Betrieb bis Kernhof eingestellt hatte, übernahmen die Traisentalgemeinden den Betrieb erfolgreich selbst.Der Zug kommt in die Fabrik – Anschlussbahnen. Wolfgang Pozsogar in Die Presse online, 18. November 2014.

Seit dem späteren 20. Jahrhundert ist St. Aegyd eine ruhige Tourismusgemeinde, die von der seit dem Hochmittelalter ungebrochenen Beliebtheit der Wallfahrt nach Mariazell profitiert. Zudem ist St. Aegyd heute Standort für innovative Technik, die ehemaligen Werke der St. Egydyer sind heute Teil eines Autozulieferers und einer Seilfirma.

Einwohnerentwicklung

Hauptort der Gemeinde

Geographie des Marktorts Hauptort der Gemeinde wie auch eine Ortschaft und Katastralgemeinde bildet der Marktort Sankt Aegyd am Neuwalde.

Der Ort befindet sich 40 Kilometer südlich von St. Pölten und 18 Kilometer südlich von Lilienfeld. Er liegt im hinteren Tal der Unrecht Traisen auf um die Höhe, im Nordosten des Gemeindegebietes. Das Tal schwenkt hier auf einen Ost-West-Verlauf. Südlich erhebt sich der Gippel () und sein Nordgrat über Hochsteinkogel () und Klaushofer Berg () und der ganze Göller-Gippel-Zug. Nördlich liegen Stadelmauer, Höllmauer und Starkhöhe, die bis knapp aufragenden Anhöhen des östlichen Traisenbergs. Östlich liegt der Haselstein (), der schon zur Gruppe Reisalpe–Hegerberg der Gutensteiner Alpen gerechnet wird, und davor über dem Ort der Weyerberg () mit der Plannerwarte. Zwischen Klaushofer Berg und Weyerberg mündet das Weißenbachtal. Westlich liegen die Abhänge des Steinhofer Kogels (), der noch zu den Türnitzer Alpen gerechnet wird. Hier geht das Unrechttraisen-Tal westwärts weiter, von Süden mündet das Tal des Keerbachs.

Der Ort mitsamt der Pfarrsiedlung erstreckt sich über gut 1½ km beiderseits im Tal und umfasst etwa knapp 500 Gebäude mit gut 1400 Einwohnern. Das entspricht dem Zählsprengel St.Aegyd-Zentralraum, und sind an die der Gemeindebevölkerung.

Zur Katastralgemeinde St. Aegyd am Neuwalde mit knapp 319 Hektar gehören nur der westliche alte Ortskern, die Pfarrsiedlung, sowie die Bürgeralpe am Traisenberg mit der Zdarskyhütte (Naturfreunde). st-aegyd.naturfreunde.at. Diese Katastralgemeinde hat eine Ausdehnung von etwa 1,8 km taleinwärts und 3,1 km von Süd nach Nord. Der Ostteil des Marktortes gehört schon zur Katastralgemeinde Weißenbachamt.

Die Ortschaft St. Aegyd am Neuwalde wird noch umfassender gesehen, sie hat um die 560 Gebäude mit etwa 1600 Einwohnern. Zum Ortschaftsgebiet gehört auch die Ortslage Eisenwerk-Kroatendorf talauswärts, die mit St. Aegyd heute vollständig verwachsen ist, wie auch ganz Weißenbach (KG Weißenbachamt), und taleinwärts werden die zerstreuten Häuser Unrechttraisen, Rotenbach, Wällischgraben (Ortschaftsbestandteil Unrechttraisenamt) und Rubesfang (KG Keeramt) ebenfalls noch zur Ortschaft gerechnet. Zum Ort im weitesten Sinne gehört auch die Ortschaft Mitterbach weiter talauswärts mit Seebach im Nebental bei Kroatendorf (KG Mitterbach).

mini|St. Aegyd, vorn der Bahnhof, 1906

Geschichte des Marktorts Der um die katholische Kirche (1254–1271 erbaut) entstandene Ort wurde schon im Hochmittelalter 1325 Pfarrsitz, und erhielt 1444 das Marktrecht. Der Marktflecken hatte in der frühen Neuzeit um die 20 Häuser, die ganze heutige Ortschaft um 70. Die Ortsentwicklung setzte dann mit der Begründung des Fischer’schen Walz- und Drahtwerkes und des Miller’schen Gusswerkes (Hackenschmiede) ab den 1810ern und dem Bau der Traisentalbahn als Nebenstrecke der Leobersdorfer Bahn in den 1870ern ein. Um 1900 umfasste der Ort 50 Häuser, die Ortschaft 100. Zu dieser Zeit wurde der Ort auch evangelischer Pfarrsitz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ortsfriedhof Lahnsattel

Katholische Pfarrkirche Hl. Ägidius: Gotische Kirche mit Hochaltarbild von 1785 Evangelische Pfarrkirche, Waldkirche: Jugendstilbau von 1902/03 Osterkircherl: 1851 erbaut

Von den ehemaligen alten Wäldern der Herrschaftsgründe am Gscheidl, dem Neuwald, ist heute nur mehr ein Rest verblieben, Lahnsattler Urwald genannt.Der Neuwald ist aber anders als der Rothwald, der eine ähnliche orographische Exklaven-Lage hatte, weil er frei zugänglich ist, kein echter Urwald im Sinne eines Naturreservates. Ausführlich in K. Zukrigl, G. Eckhart, J. Nather: Standortskundliche und waldbauliche Untersuchungen in Urwaldresten der niederösterreichischen Kalkalpen. = Mitteilungen der Forstlichen Bundes-Versuchsanstalt Mariabrunn 62, 1963, S. 9

Als Publikumsmagnet hat sich in der Katastralgemeinde Kernhof das im Jahr 2000 gegründete Kameltheater Kernhof mit 35.000 Besuchern entwickelt.

Der Traisental-Radweg führt durch St. Aegyd und bietet speziell für Kinder viele Attraktionen.

Ein Anziehungspunkt ist auch die Feinbäckerei Herzerl-Mitzi, die 1989 das Weltrekordherz mit 31,13 m² gebacken hat und damit in das Guinness-Buch der Rekorde kam. Auch kulinarisch hat St. Aegyd für die Touristen viel zu bieten. Ein Haubenlokal Zum Blumentritt in St. Aegyd erfreut viele kulinarisch Interessierte.

Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 95, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 104. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 977. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 42,61 %.

Das ehemalige Eisenwerk ist heute Standort des Automobilzulieferers Roth-Technik Austria (RTA, Sitz in Gaggenau, Baden-Württemberg) rothtechnik.eu (abgerufen am 21. April 2015). und der Seil-Sparte der Teufelberger-Gruppe. teufelberger.com, abgerufen am 21. April 2015.