mini|Die L16 Absalon und F357 Thetis vor Kopenhagen bei der Flottenparade zum 500. Jahrestag der dänischen Marine (2010)
Die Geschichte der Dänischen Marine umfasst die Entwicklung der dänischen Seestreitkräfte, Kongelige Danske Marine, von ihren Vorläufern im Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Geschichte der dänischen Seefahrt begann mit der Völkerwanderung und den Wikingerfahrten, doch eine nationale und permanente Königlich Dänische Marine wurde erst Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffen. Minimalaufgabe der dänischen Flotte war stets die Verteidigung der dänischen Inseln (ggf. unter Preisgabe des Festlands) und Kopenhagens. Hauptaufgaben waren und sind neben der Verteidigung der dänischen Küsten aber auch die Kontrolle der Ostseeausgänge, die Sicherung der Verbindungen nach Norwegen und Schonen sowie die Vorherrschaft in der süd(west)lichen Ostsee (zwischen Seeland und Bornholm). Hauptgegner waren dabei im Mittelalter Lübeck und die Hanse, in der Neuzeit Schweden, danach aber auch Großbritannien und Deutschland. Wichtigste Verbündete waren zeitweise die Niederlande und Russland.
Dänische Marinegeschichte
Anfänge und Vorgeschichte
mini|Felszeichnungen in Schonen, der Urheimat der Dänen, deuten auf Schiffsbau und Seefahrt schon in der Bronzezeit hin. Der Gebrauch von Segeln kam in der Ostsee jedoch erst ab dem 6. Jahrhundert auf.Rudolf Simek: Die Wikinger. C. H. Beck, München 1998, S. 16 f. und 39.Ulla Ehrensvärd, Pellervo Kokkonen, Juha Nurminen: Die Ostsee – 2000 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur. National Geographic, Hamburg 2010, S. 32. Anders als die Norweger, die sich vor allem der Hochseenavigation in der Nordsee widmeten, spezialisierten sich Dänen und Schweden in der Ostsee zunächst auf die Küstennavigation.
In der Antike war das dänische Festland (die Halbinsel Jütland) zunächst von den germanischen Kimbern bewohnt. Es gibt umstrittene Vermutungen, nach denen die Vorfahren der Kimbern zu jenen bronzezeitlichen Seevölkern gehörten, die schon um 1200 v. u. Z. Ägypten, Mykene und Troja angegriffen bzw. auch die Ägäische Wanderung angestoßen hatten. Angeblich aus der südskandinavischen Region Schonen wiederum stammten die Heruler, die sich im 3. Jahrhundert u. Z. (zusammen mit den Goten) in der Ägäis und im Schwarzen Meer ebenfalls als Seefahrer bzw. Piraten versuchten. Die spätere dänische Seemacht basierte auf der Vereinigung zweier anderer seetüchtiger Völker – der westgermanischen (ingväonischen) Jüten und der nordgermanischen Dannen (Dänen). Nach der Abwanderung der Kimbern rückten die Jüten in die verlassenen Gebiete nach und gaben der Kimbrischen Halbinsel ihren heutigen Namen (Jütland). In der Mitte des 5. Jahrhunderts überquerten sie die Nordsee und eroberten zusammen mit Angeln (ein zumindest der Legende nach den Dänen verwandtes Volk) und Sachsen England. Die Dänen stammten ursprünglich aus Schonen, deren Einwohner (Suionen) der römische Ethnograph Tacitus schon im 1. Jahrhundert als Seefahrer beschrieben hatte.Tacitus, Germania 44. In der Mitte des 6. Jahrhunderts setzten sie auf die dänischen Inseln über und unterwarfen anschließend auch Jütland, wo sie mit der restlichen jütischen Bevölkerung verschmolzen.
Die Ausbreitung über die Inseln und von den Inseln auf das Festland machte die Dänen zu Seefahrern bzw. war nur möglich, weil sie Seefahrer waren. Für die Unterwerfung, Besiedlung und Beherrschung der Inseln und des angrenzenden Festlandes (Jütland und Schonen) waren Seefahrt und Schiffbau lebensnotwendig.Ewart Cagner: Die Wikinger. Burkhard-Verlag Ernst Heyer, Essen 1974, S. 7 f. und 14. Fast ganz Dänemark und Schonen waren mit für den Schiffsbau geeigneten Wäldern bedeckt, die kultivierte Nutzfläche für Ackerbau war hingegen begrenzt. Eine Ausbreitung der Dänen wurde im Norden durch Schweden und Norweger, im Süden durch Sachsen und Franken begrenzt. Der Bevölkerungsüberschuss,Robert Bohn: Dänische Geschichte. C. H. Beck, München 2001, S. 8. der von der kleinen einheimischen Scholle nicht mehr ernährt werden konnte, konnte daher nur nach Übersee abwandern, die Wikingerzeit begann. Bereits im frühen 6. Jahrhundert hatte eine Flotte dänischer Wikinger unter König Chlochilaicus erstmals das Frankenreich angegriffen. Mitte des 9. Jahrhunderts setzten sich dänische Wikinger in England und Irland fest, zu Beginn des 10. Jahrhunderts in der Normandie, Mitte des 10. Jahrhunderts auch in Pommern (Jomsburg).
Mit ihrem Sieg in der Seeschlacht von Svold anno 1000 verdrängte eine dänisch-schwedische Flotte die norwegischen Konkurrenten aus der Ostsee, in der Seeschlacht am Helgeå behauptete sich die dänische Flotte 1026 gegen eine norwegisch-schwedische Allianz. König Knut der Große ließ längere und eine größere Anzahl von Ruderern bzw. Kriegern tragende Schiffe bauen.Christopher Lloyd: Schiffe und Schiffsvolk. Büchert-Verlag, Hamburg 1962, S. 10. Mit diesen Langbooten beherrschten er und seine Söhne zu Beginn des 11. Jahrhunderts nicht nur Dänemark und die Nordsee, sondern auch England (1016–1042), Holstein (1025), Norwegen (1028–1035) und Schottland (1031–1035). Zwar halfen dänische Flotten dem deutschen Kaiser 1049 im Kampf gegen Niederlothringen, Friesland und Flandern,Karl Ploetz: Auszug aus der Geschichte. Ploetz, Würzburg 1962, S. 194. doch Knuts Neffe Svend II. und dessen Sohn Knut IV. vermochten es auch mit überlegenen Flotten nicht, die dänischen Küsten gegen die Norweger zu schützen (Niederlage bei Nissan, 1062) bzw. das an die Normannen gefallene England zurückzuerobern (Expeditionen 1069/70, 1075 und 1085).
Erst zum Ende des 12. Jahrhunderts stieg Dänemark wieder zur regionalen Großmacht auf. Waldemar I. gewann Rügen und beherrschte um 1180 die Ostsee, seine Söhne und Nachfolger Knut VI. und Waldemar II. unterwarfen Holstein, Mecklenburg und Pommern. Mit fast 1400 Schiffen beherrschte Waldemar II. zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Ostsee bis nach Estland, zu Lande jedoch wurde er 1225 und 1227 von einer norddeutschen Koalition unter Führung der Hansestadt Lübeck besiegt. Kopenhagen wurde zweimal, 1241 und 1248, von Lübecker Flotten niedergebrannt. Eine schwedisch-norwegische Kriegsflotte bedrängte 1253 Dänemarks Küsten. Auch in der Nordsee stellten die Hanse und Norwegen die dänische Vorherrschaft infrage. Norwegen unterwarf 1261/62 Grönland und Island, musste sich aber 1272 und 1285 selbst der Hanse unterwerfen. Es dauerte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, ehe Waldemar IV. das dänische Ostseereich wiederherstellen konnte. Zunächst hatte er sich noch mit der Hanse verbündet, 1342/43 wehrten die Verbündeten einen norwegisch-schwedischen Angriff auf Kopenhagen abWalter Markov, Alfred Anderle, Ernst Werner, Herbert Wurche: Kleine Enzyklopädie Weltgeschichte. Band 2. Bibliographisches Institut, Leipzig 1979, S. 104. und noch 1360 half ihm die Hanse bei der Rückeroberung des zwischenzeitlich an Schweden gefallenen Schonen. Im Ersten Waldemarkrieg, nachdem eine dänische Flotte 1361 Wisby und eine hanseatische Flotte 1362 Kopenhagen geplündert hatte, blieb die dänische Flotte 1362 vor Helsingborg zunächst siegreich, im Zweiten Waldemarkrieg jedoch eroberte und plünderte eine hanseatische Flotte 1368 Kopenhagen erneut und brach im Bündnis mit Schweden die dänische Vorherrschaft. Gegen die Hanse verbündete sich Dänemark daraufhin ab 1380 mit Norwegen und ab 1397 mit Schweden in der Kalmarer Union. Königin Margarethe I. ordnete 1401 erstmals die Aufstellung einer gemeinsamen Flotte an, doch erst ihr Nachfolger Erik VII. rüstete königliche Flotten aus. Gemeinsam konnte 1418 ein erneuter Angriff der Hanse abgewehrt werden.
mini|Allegorie auf Dänemarks Seeherrschaft über den Öresund, Blick auf Helsingör (im Hintergrund) Eine der geostrategischen Stärken Dänemarks und eine seiner wichtigsten Einnahmequellen war die Möglichkeit, von allen nicht-dänischen Schiffen, die auf dem Weg zwischen Ostsee und Nordsee das Nadelöhr des Öresunds passieren mussten, Abgaben zu erzwingen. Zu diesem Zweck errichtete Dänemark die Festung Kronstadt bei Helsingør. Ab 1425 begann Dänemark, diesen Sundzoll zu erheben, worauf die Hanse mit einem erneuten Krieg antwortete und nach wechselhaftem Kriegsglück (dänische Seesiege im Öresund 1427 und vor Kopenhagen im April 1428, dänische Niederlagen vor Kopenhagen im Juni 1428 und beim Dänholm 1429) Ausnahme- und Sonderregelungen erzwang. Zudem erhob sich innerhalb der Kalmarer Union Schweden 1434 gegen Dänemark und konnte auch durch eine dänische Flottendemonstration vor Stockholm nicht wieder effektiv unterworfen werden. Ab 1448 führten Dänemark und Schweden erneut gegeneinander Krieg. Allerdings spaltete sich auch die Hanse, und Dänemark verbündete sich mit den abgespaltenen holländischen Hansestädten.
In der Nordsee kam eine Rivalität mit England hinzu, zwischen 1484 und 1490 lieferten sich Dänemark und England einen bis in den Nordatlantik ausufernden Kaperkrieg, bei dem sich u. a. der in dänischen Diensten stehende deutsche Kapitän Didrik Pining auszeichnete und zum Admiral befördert wurde. Bereits zwischen 1470 und 1476, etwa zwei Jahrzehnte vor Christoph Columbus, hatte eine unter Pinings Kommando stehende dänische Expedition nach Grönland vermutlich auch Nordamerika erreicht.
Dänisch-Norwegische Marine Am Vorabend eines Krieges gegen Lübeck hatte Unionskönig Johann I. ab 1509 die endgültige organisatorische Zusammenlegung der dänischen und der norwegischen Seemacht zu einer permanenten königlichen Flotte betrieben. Als eigentlicher Gründungstag der dänischen Marine wird noch heute der 10. August 1510 geehrt (Flottentag). An diesem Tag wurde Henrik Krummedike zu deren ersten Oberbefehlshaber (øverste kaptajn) ernannt. Krummedike schlug die Lübecker Flotte noch im gleichen Jahr bei Nakskov und ein Jahr später bei Bornholm erneut. Mit Beginn des Schwedischen Unabhängigkeitskrieges ernannte Johanns Nachfolger Christian II. 1517 den Admiral Søren Norby zum Oberbefehlshaber der Flotte. Mit Hilfe dieser Flotte gelang 1520 die Eroberung Stockholms und somit eine letzte Restauration der Kalmarer Union. Norbys Flotte sicherte und versorgte die eroberten bzw. dänentreuen Küstenstädte Schwedens und Finnlands. Doch schon 1522 entstand mit Hilfe Lübecks eine schwedische Flotte, und vereint schlugen Schweden und Lübecker Norbys Flotte; 1523 konnten die Schweden auch Stockholm zurückerobern. Zwar hatte Lübeck die Kalmarer Union somit endgültig spalten können, doch schon 1534 verbündeten sich Dänemark und Schweden während der Grafenfehde gegen Lübeck und schlugen unter Peder Skrams Führung die Lübecker Flotte 1535 erst bei Bornholm, dann bei Svendborg. Drei Jahrzehnte später musste sich Lübeck im Dreikronenkrieg schließlich mit seinem bisherigen Erzfeind Dänemark gegen Schweden verbünden, die Ostseeherrschaft der Hanse war gebrochen. Die schwedische Flotte war der dänischen überlegen, doch mit Hilfe der Lübecker konnten sich die Dänen trotz einer Niederlage vor Bornholm (1563) und weiterer verlustreicher Seegefechte zunächst behaupten. Der Tod des Admirals Herluf Trolle (1565) und der Untergang der dänisch-lübischen Flotte vor Gotland (1566) überforderte aber auch Dänemark. Im Ostseehandel dominierten fortan dänische und schwedische, vor allem aber niederländische Schiffe.
Kampf mit Schweden um die Ostseeherrschaft
mini|Christians IV. Tapferkeit in der Seeschlacht auf der Kolberger Heide (1644) wurde zum Thema der Nationalhymne. Sein Flaggschiff sank ein Jahr später in einem Sturm.