mini|Schallplatte von Robert Leonhardt (Berlin 1902) Robert Leonhardt (Geburtsname Robert Löwenberg, * 27. Dezember 1872 in Linz;genaues Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit gehen hervor aus den US-Einzugsregistrierungskarten 1. Weltkrieg, Registration card Nr. 3889 für Robert Leonhardt vom 12. September 1918 † 2. Februar 1923 in New York City) war ein österreichischerPiet Hein Honig, Hanns-Georg Rodek: 100001. Die Showbusiness-Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts. Showbiz-Data-Verlag, Villingen-Schwenningen 1992, , S. 563. Opernsänger (Bariton).

Leben Leonhardt wurde 1872 in eine jüdische Familie in Linz geboren. Dort debütierte er 1898 auch als Opernsänger. Von 1899 bis 1900 war er am Berliner Theater des Westens, 1900–1903 am Theater von Teplitz-Schönau (Teplice), 1904–1905 wieder am Theater des Westens engagiert.Operissimo

Ab 1905 sang er für vier Jahre am Deutschen Theater Prag.hier sang er u. a. 1905 in der Uraufführung der Oper Flauto solo von Eugen d’Albert und im gleichen Jahr in der Oper Zierpuppen von Anselm Goetzl, vgl. Operissimo

Am Opernhaus in Brünn war er als Wagnersängerer sang den Beckmesser in den Meistersingern und den Alberich im Ring des Nibelungen, vgl. Operissimo zwischen 1909 und 1911, und an der Wiener Volksoper.an der Volksoper sang er 1911 den Spielmann in der Wiener Premiere der Königskinder von Humperdinck; am 23. November 1911 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper Der Kuhreigen von Wilhelm Kienzl mit, vgl. Operissimo Von 1911 bis 1913 hatte er Gastauftritte an der Kaiserlichen Oper Wien (1909) und der Gura Sommer-Oper Berlin (1910).

Im Oktober 1913 wurde gemeldet, dass Leonhardt an die Metropolitan Opera von New York gerufen worden sei. Er fuhr auf dem Schnelldampfer „Bremen“ und musste eine beschwerliche SeereiseHard Voyage for Bremen. In: The New York Times. 7. November 1913. überstehen, ehe er am 6. November in Amerika ankam.

Seine erste Rolle bei seinem neuen ArbeitgeberNew Baritone Appears. In: The New York Times. 27. Dezember 1913, S. 18. war am 26. Dezember 1913 die des Peter in Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel.Artikel „[Met Performance] CID:55450 Hänsel und Gretel {75} Matinee ed. Metropolitan Opera House: 12/26/1913“. The Metropolitan Opera Archives. The Metropolitan Opera (abgerufen am 28. September 2014) Nachdem er für sein Auftreten positive Kritiken bekommen hatte, trat er im Lauf der nächsten neun Jahre immer wieder in Produktionen der „Met“ auf. Eigentlich sollte er ja an diesem Hause eine größere RolleMetropolitan Grand Opera Season Closes; Company Goes to Boston. In: The Sunday Oregonian. 16. April 1916. p. Section 5, S. 7. spielen, doch weltgeschichtliche Umstände verhinderten dies.

Am 25. Januar 1915 wirkte er in der Uraufführung der Oper Madame Sans-Gêne von Umberto Giordano mit, am 8. März 1917 in der von The Canterbury Pilgrims von Reginald De Koven.Operissimo

Vom Dezember 1917 an schrieb er sich Robert Leonard, um sich von seiner deutschsprachigen Abstammung zu distanzieren. Dennoch wurde Leonhardt als österreichischer Staatsangehöriger im April 1918 von der „Met“ fallengelassen, da er trotz fortgesetzt guter Kritiken als „enemy alien“ (Feindlicher Ausländer)Opera Clears Out 20 Enemy Aliens. In: The New York Times. 27. April 1918, S. 10 (abgerufen am 28. September 2014) galt. Sein Opernagent, Herr Gatti, sprach ihm wegen dieser Entscheidung sein Bedauern aus. Leonhardts Frau und seine Kinder waren während des Krieges in Wien geblieben.

Nach Kriegsende durfte er seine Tätigkeit für die „Met“ wieder aufnehmen. Vom November 1920 an stand er dort wieder auf der Bühne und trat weiterhin bis kurz vor seinem Tode auf. Am 19. November 1921 sang er als Partner von Maria Jeritza den Fritz in der New Yorker Premiere der Oper Die tote Stadt von Erich Wolfgang Korngold. Letztmals hörte man ihn an der Metropolitan Oper (nach 273 Auftritten) am 13. November 1922 in der Eröffnungsvorstellung der Spielzeit 1922–1923 in der kleinen Rolle des Schließers in Puccinis Tosca.Metropolitan Opera Archives

Leonhardt war verheiratet mit Bianka Wally Löwenberg, geb. Weil (* 1883 in Freiburg i. Br.; † nach 1941). Die offizielle Namensänderung des Ehepaares von Löwenberg auf Leonhardt erfolgte 1908 in Prag. Sie hatten die Tochter Eva Felicie (* 1904 in Charlottenburg)Standesamt Charlottenburg I, Geburtsurkunde Nr. 352 vom 21. April 1904 mit dem Zusatz zur Namensänderung vom 5. August 1908 und den Sohn René Walter (* 1908 in Prag; † 1950 in New York), der später als Journalist tätig war.Virginia, USA, Heiratsregister, Urkunde 25987 vom 3. Juni 1940 für Rene Leonhardt und Esther Messing und

Leonhardt bekam eine länger andauernde Krankheit, von der er sich nicht mehr erholte. Robert Leonhardt starb 1923 im Alter von nur 50 Jahren im St.-Markus-Hospital in New York City.obituary: Robert Leonhardt, Opera Baritone. In: The New York Times. 3. Februar 1923, S. 13. und wurde auf dem Woodlawn Cemetery (Honeysuckle Section, range 30, grave 288) begraben.

Gesangsstil Besprechungen von Leonhardts Aufführungen bestreichen einen weiten Bereich von Meinungen. Er wurde einerseits gerühmt wegen seines „dunklen, metallenen, kehligen Basses“, wenngleich dies wahrscheinlich daran lag, dass er außerhalb des Stimmbereiches sang, der für ihn bequem zu beherrschen war.so Alan Blyth, Malcolm Walker: Opera on Record. Band 3, 1984, S. 137. Andere dagegenz. B. Season of Grand Opera Draws Near to Close in New York City. In: The Sunday Oregonian. 2. April, 1916, Section 5, S. 2 (abgerufen am 28. September 2014) bescheinigten ihm eine „leichte und liebliche italienische Stimme“ und prächtigen spontanen Sinn für Humor.

Medienpionier Leonhardts Karriere als Künstler auf Tonträgern ist vielleicht sogar bedeutender als seine Bühnenlaufbahn. Seine ersten Aufnahmen entstanden bereits 1900 bei der Gramophone Company, für die er bis 1905 arbeitete. Viele davon fanden ihren Weg in den Standard German Catalogue dieser Firma. Mehrere Aufnahmen, die er in Europa tätigte, erschienen auch bei der International Zonophone Company.Peter Martland: Recording History: The British Record Industry, 1888–1931. 2013, S. 21 f., 60, 69 u. 74, und Ernie Bayly, Michael S. Kinnear: The Zon-o-phone record: a discography of recordings produced by the International Zonophone Company and associated companies in Europe and the Americas, 1901–1903. 2001. Darüber hinaus nahm er für zahlreiche andere deutsche Firmen auf (u. a. Favorite, Anker, Homokord, Star etc.).Rainer E. Lotz, Axel Weggen, Oliver Wurl: Discographie der deutschen Gesangsaufnahmen, Band 4. Lotz, Bonn 2005, ISBN 3-9810248-0-X. S. 1697–1740vgl. dazu Art. bei grammophon-platten.de Von 1903 bis 1904 nahm er auch für die europäische Niederlassung der Columbia in Berlin auf. Mehrfach besang er Platten im Duett mit der Sopranistin Gertrud Runge.„Im Gegensatz zu anderen "Plattensängern" sind alle ihre Aufnahmen von hohem künstlerischem Niveau. Dabei spiegeln diese Aufnahmen ein Repertoire von einer unglaublichen Vielseitigkeit wider, so daß sich ihre Sopranstimme keiner Fachrichtung zuordnen läßt“, vgl. Operissimo

Edisonwalzen besang er bereits, bevor er nach Amerika kam. Sie wurden dort vor allem unter den deutschsprachigen Einwanderern mit Erfolg vermarktet. Nach der Verlegung seines Wohnsitzes in die Vereinigten Staaten fuhr er fort, für Columbia zu arbeiten, diesmal auf Schallplatten, welche er von 1915 bis 1920 dort besang. Obwohl man ihn damit bewarb, dass er Mitglied bei der „Metropolitan Opera Co.“ war, bestand sein Repertoire nicht nur aus Operngesang, sondern auch aus zahlreichen deutschen Volks- und Kunstliedern,Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens (Hrsg.): Unvergängliche Stimmen: Kleines Sängerlexikon. 1975, S. 381. und wie schon die Edisonwalzen, so wandten sich auch seine Platten mit dem Präfix „E-“, die im „ethnic“-Katalog der Columbia erschienen, hauptsächlich an die deutschsprachige Bevölkerung, nicht so sehr an die Allgemeinheit der Käufer in den USA.

Leonhardts letzte Aufnahmen entstanden in den Jahren 1920/21 bei Victor in Camden/New Jersey und wurden ebenfalls in deren ethnic series vermarktet.

Tondokumente (Auswahl)