Die Evangelische Kirche in Schillehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Schillfelde) im früheren ostpreußischen Kreis Pillkallen (Schloßberg) war ein Fachwerkbau aus dem zu Ende gehenden 18. Jahrhundert. Bis 1945 war sie das Gotteshaus der im Kirchspiel von Schillehnen (jetzt: Pobedino) lebenden evangelischen Bevölkerung. Das Kirchengebäude existiert nicht mehr.
Geographische Lage Die heutige Siedlung Pobedino liegt im Nordosten der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) unweit der russisch-litauischen Staatsgrenze. Sie gehört zur Dobrowolskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Dobrowolsk (Pillkallen, 1938 bis 1946 Schloßberg)). Die Kirche stand in der Ortsmitte unmittelbar an der Hauptstraße, der heutigen Regionalstraße R 511 (27A-031).
Kirchengebäude Über die Schillehner Kirche gibt es nur wenige UnterlagenSchillehnen (Kreis Pillkallen). Aus diesen ist erkennbar, dass es sich bei dem Gebäude um einen einfachen Holzbau handelteWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 110, Abb. 484. In den Jahren 1794 bis 1796 ist das Gotteshaus errichtet worden und bot das Bild einer heimeligen Fachwerkkirche mit Ziegeldach und hölzernem TurmEvangelische Kirche Schillehnen – Historisches Foto (I). Finanziert wurde der Bau der Kirche, die am 17. Januar 1796 eingeweiht worden ist, mit königlichen Geldern, die Friedrich Wilhelm II. bewilligt hatteEvangelische Kirche Schillehnen – Historisches Foto (II). Nach Blitzschlag wurde der hölzerne Turm teilweise abgetragen.
Die Innenausstattung der Kirche war schlicht. Altar und Kanzel waren vereinigt. Die Orgel, die aus der Werkstatt des Königsberger Orgelbaumeisters Max Terletzki stammte, wurde am 21. September 1873 eingeweiht. Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken.
Die Kirche hat den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden. Es fehlt von ihr heute jede Spur. Heute erinnert nur noch ein fremdgenutztes Bauwerk an kirchliche Zeiten in Schillehnen und Schillfelde: es ist der Rest des 1925 geweihten Gotteshauses der katholischen Gemeinde in SchillehnenКатолическая кирха Шилленена – Katholische Kirche Schillehnen (mit Fotos aus 2013).
Kirchengemeinde Eine evangelische Kirchengemeinde wurde in Schillehnen im Jahre 1793 gegründetWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 485. Das Kirchenpatronat war adlig, zuletzt jedoch staatlich. Eine Pfarrstelle wurde erst 1795 eingerichtet, kurz bevor die neu errichtete Kirche eingeweiht wurde. Im Jahre 1925 zählte das auf über dreißig Orte und Wohnplätze verteilte Kirchspiel 3300 Gemeindeglieder.
Die Pfarrei Schillehnen war bis 1945 Teil des Kirchenkreises Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Heute liegt Pobedino im weitflächigen Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Babuschkino (Groß Degesen). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Neben dem Pfarrort gehörten dreißig kleinere und größere Orte zum Kirchspiel der evangelischen Kirche in SchillehnenDer * kennzeichnet einen Schulort:
Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Albrecht-Naujehnen Albrechtswalde Kischen Senkendorf *Augstutschen, Forst Klischen Liwny Bardszen1936–38: Barschen Barschen Nachimowo Martingken Martingen Scharowo Bartkowen Nathalwethen Brämerswalde Brödszen 1936–38: Brodschen Lugeck Plicklaugken Plickfelde Cziunken Rammonischken Hagenfließ Leskowo Dickiauten Waldried Serbenten *Duden Dudenfelde Nowopawlowka Siemoken Hintertannen *Eydgimmischken Hochfeld (Ostpr.) Kowpakowo Snappen Cholmino *Grablaugken Grabfelde Strunzlaugken Strunzhof Pobedino Groß Augstutschen Rehwalde Lossewo Stumbern Auertal *Groß Wingillen ab 1928:Wingillen Feuchtwiesen *Szardehlen Scharden Scharowo Guttpettern Gutpetern Tannenwalde Heidlaugken Holländerei Uszdrawen1936–38: Uschdrawen Beutnerwalde Liwny Inglauden Inglau Pobedino *Wisborienen Grenzhöhe Liwny
Pfarrer In der Zeit von 1795 bis 1945 amtierten an der evangelischen Kirche in Schillehnen (Schillfelde) als GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 133:
Siegfried Ostermeyer, 1795–1805 Carl Wilhelm Schultz, 1805–1813 Johann Friedrich Schultz, 1812–1842 Julius Hermann Schultz, 1825–1845 Ludwig E. Fab. Kalau von Hofe, 1845–1846 Johann Ferdinand Vollberg, 1846–1857 Georg J. Jul. Rademacher, 1857–1864 Moritz A. Ludwig Friedemann, 1864–1870 Otto Richard Hugo Prellwitz, 1871–1879 Eugen L. Oskar Stephani, 1880–1888 Johann Ferdinand Rohrmoser, 1888–1896 Hugo August Waldemar Reidys, 1895–1896 Alb. Johannes Todtenhaupt, 1896–1915 Reinhold Fürchtegott Klein, 1926–1927 Walter Hugo Jurkschat, 1927–1930 Siegfried Otto K. Besch, 1930–1944
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Schillehnen haben sich einige Dokumente erhalten und werden von der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig verwahrt: Taufen: 1796 bis 1799 und 1825 bis 1834, sowie 1796 bis 1808 (Auswärtige) Trauungen: 1819 bis 1874 Begräbnisse: 1800 bis 1874
Literatur S.G. Wald, Von der Errichtung der Kirche zu Schillehnen in Litthauen, in: Preußisches Archiv 7, 1796, S. 11–14
Verweise
Kategorie:Erbaut in den 1790er Jahren Kategorie:Fachwerkkirche Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Russland Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Rajon Krasnosnamensk Schillehnen