Der Landkreis Calw ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Regierungsbezirk Karlsruhe in Baden-Württemberg. Er gehört zum Regionalverband Nordschwarzwald. Verwaltungssitz des Landkreises ist die Große Kreisstadt Calw.

Geographie

Lage Landschaftlich gehört das Gebiet des Landkreises Calw überwiegend zum Nordschwarzwald, lediglich im Osten und Süden zählen einige Orte zum Gäu bzw. Schwarzwaldvorland. Bedeutende Flüsse im Kreisgebiet sind Enz und Nagold, die mit ihrem Verlauf ein dreiseitiges Plateau bilden, welches im Zentrum des Kreisgebiets liegt und als Enz-Nagold-Platte bezeichnet wird.

Die Quellen von Nagold und Enz liegen nahe beieinander, am Südwestrand des Kreisgebiets. Der Verlauf der Enz zwischen Enzklösterle und Pforzheim markiert den nordwestlichen Rand der Enz-Nagold-Platte. Westlich davon erstreckt sich bis zum Schwarzwaldkamm der höchstgelegene Teil des Kreisgebiets, das im Nordwesten über den Kamm hinüber zum Oberlauf der Alb reicht, wo die Stadt Bad Herrenalb liegt.

Der Verlauf der Nagold bildet die südliche und östliche Kante der Enz-Nagold-Platte, denn sie verläuft vom Schwarzwaldkamm zunächst nach Osten, wendet sich dann in der Stadt Nagold am südöstlichen Kreisrand nach Norden, fließt durch Calw und mündet schließlich in Pforzheim, knapp nördlich des Kreisgebiets, in die Enz. Die Gebiete östlich und auch einige südlich der Nagold gehören zum Hecken- und Schlehengäu.

Nachbarkreise Der Landkreis Calw grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Karlsruhe und Enzkreis, an den Stadtkreis Pforzheim sowie an die Landkreise Böblingen, Tübingen, Freudenstadt und Rastatt.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2021.Statistisches Landesamt (2021): Flächenerhebung nach tatsächlicher Nutung - Landkreis Calw https://www.statistik-bw.de/BevoelkGebiet/GebietFlaeche/01515273.tab?R=KR235

Naturschutzgebiete

Der Landkreis Calw besitzt folgende 26 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 2.230,29 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 2,80 Prozent.

Albtal und Seitentäler: 620,6 ha (davon 50,7 ha im Landkreis Calw); Stadt Bad Herrenalb und Gemeinde Dobel Egenhäuser Kapf mit Bömbachtal: 150,3 ha; Stadt Altensteig und Gemeinde Egenhausen Eyach- und Rotenbachtal: 223,6 ha (davon 124,9 ha im Landkreis Calw); Stadt Bad Wildbad und Gemeinden Dobel, Höfen an der Enz Falchenwiesen: 10,4 ha; Gemeinde Neuweiler Gebersack: 16,5 ha; Stadt Wildberg Gültlinger und Holzbronner Heiden: 328,8 ha; Städte Wildberg und Calw Hacksberg und Steckental: 61,9 ha; Gemeinde Ostelsheim Haiterbacher Heckengäu: 137,3 ha; Gemeinde Haiterbach Heiligkreuz und Schloßberg: 66,3 ha; Stadt Nagold Hesel-, Brand- und Kohlmisse: 195,1 ha; Gemeinden Neuweiler und Oberreichenbach Hörnle und Geißberg: 67,9 ha; Gemeinde Simmozheim Hülbe bei Sulz: 5,4 ha; Stadt Wildberg Kaltenbronn: 394,6 ha (davon 122,4 ha im Landkreis Calw); Stadt Bad Wildbad Köllbachtal mit Seitentälern: 99,9 ha; Stadt Altensteig, Gemeinden Neuweiler und Simmersfeld Mindersbacher Tal: 51,6 ha; Stadt Nagold und Gemeinde Ebhausen Monbach, Maisgraben und St. Leonhardquelle: 42,0 ha (davon 21,0 ha im Landkreis Calw); Stadt Bad Liebenzell Oberer Gründel: 29,5 ha; Gemeinden Egenhausen und Haiterbach Schmalzmisse: 47,9 ha; Stadt Altensteig und Gemeinde Simmersfeld Simmozheimer Wald: 46,3 ha; Gemeinde Simmozheim Staufen: 73,0 ha; Gemeinde Rohrdorf Teufels Hirnschale: 13,7 ha; Stadt Nagold Waldach- und Haiterbachtal: 72,2 ha; Stadt Nagold und Gemeinde Haiterbach Waldmoor-Torfstich: 9,2 ha; Gemeinde Oberreichenbach Würm-Heckengäu: 299,8 ha; Stadt Calw, Gemeinden Althengstett und Gechingen Zavelsteiner Krokuswiesen: 52,5 ha;Städte Bad Teinach-Zavelstein und Calw Ziegelberg: 55,8 ha; Stadt Nagold

Geschichte Der Landkreis Calw geht zurück auf die Grafen von Calw, die ihren Stammsitz in Sindelfingen hatten und gegen 1050 die Burg Calw gründeten, die zur Keimzelle der heutigen Kreisstadt wurde. Nach deren Aussterben im 13. Jahrhundert wurde das Gebiet des heutigen Kreises in Besitztümer der Welfen, der Grafen von Württemberg und der Grafen von Tübingen zersplittert. Erst infolge des Reichsdeputationshauptschlusses wurde es in württembergischer Hand wiedervereinigt.

19. und 20. Jahrhundert miniatur|Briefsiegel des württembergischen Oberamts Calw Die Württemberger bildeten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Oberämter Altensteig, Calw, Liebenzell, Nagold, Neuenbürg, Wildbad und Wildberg, das Amt Zavelstein sowie die Klosterämter Herrenalb und Hirsau. Doch schon ein Jahr nach der Erhebung Württembergs zum Königreich wurden 1807 einige Ämter aufgehoben. Hirsau, Liebenzell und Zavelstein wurden mit Calw, Wildbad mit Neuenbürg und Wildberg mit Nagold vereinigt. Im Jahre 1808 wurde auch Herrenalb mit Neuenbürg vereinigt. Im Jahre 1810 gehörten die noch verbliebenen Ämter Calw, Nagold und Neuenbürg zur Landvogtei Schwarzwald und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis. Die Grenzen der drei Oberämter veränderten sich im Laufe der Geschichte mehrmals. Im Jahre 1924 wurde der Schwarzwaldkreis aufgelöst und 1934 wurden die drei Oberämter in Landkreise umbenannt. Im Jahre 1938 wurden die Kreise Neuenbürg und Nagold bis auf sechs Gemeinden mit dem Landkreis Calw zusammengelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Landkreis Calw zur Französischen Besatzungszone und in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, nach der Länderneugliederung 1952 im Südwesten zu Baden-Württemberg. Danach gehörte er zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.

Am 1. September 1971 wurde die Gemeinde Dachtel an den Landkreis Böblingen abgetreten. Die Gemeinden Gündringen, Schietingen und Vollmaringen wurden am 1. Dezember 1971 aus dem Landkreis Horb übernommen und am selben Tag in die Stadt Nagold eingegliedert. Am 30. März 1972 wechselte die Gemeinde Niebelsbach in den Landkreis Pforzheim. Zur Überwindung der Teilung des Ortes Moosbronn wurde am 1. April 1972 dessen württembergischer Anteil von der Gemeinde Bernbach in die Stadt Gaggenau (Landkreis Rastatt) umgegliedert.

Bei der Kreisreform wurde das Gebiet des Landkreises Calw am 1. Januar 1973 nochmals verändert: Zwölf Gemeinden gingen an den neu gebildeten Enzkreis über, die Gemeinde Deckenpfronn kam zum Landkreis Böblingen, Loffenau wechselte in den Landkreis Rastatt, hingegen konnte er die Gemeinde Fünfbronn des Landkreises Freudenstadt und die Gemeinde Hochdorf des aufgelösten Landkreises Horb hinzugewinnen. Bemerkenswert ist die seit der Kreisreform 1973 wirksam gewordene Zugehörigkeit des mit vielen altwürttembergischen Traditionen und Orten ausgestatteten Landkreises zum neu umrissenen Regierungsbezirk Karlsruhe.

Am 1. Oktober 1974 kam schließlich noch die Gemeinde Garrweiler aus dem Landkreis Freudenstadt hinzu. Sie wurde in die Stadt Altensteig eingemeindet.

Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Calw noch 25 Gemeinden, darunter zehn Städte und hiervon wiederum zwei Große Kreisstädte (Calw und Nagold). Größte Stadt ist Calw, kleinste Gemeinde ist Enzklösterle. Der Kreisgeschichtsverein Calw e. V. widmet sich der Heimat- und Lokalgeschichte im Altkreis Calw, also in den Gebieten, die vor der Kreisgebietsreform zum Kreis Calw gehörten.

rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Calw (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Calw, Alter und Geschlecht.)

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohner 31. Dez. 1973 126.225 31. Dez. 1975 125.764 31. Dez. 1980 132.481 31. Dez. 1985 134.962 25. Mai 1987 ¹ 133.321 31. Dez. 1990 148.066 31. Dez. 1995 157.177 31. Dez. 2000 158.959 31. Dez. 2005 161.069 Datum Einwohner 31. Dez. 2010 157.271 31. Dez. 2015 155.359 31. Dez. 2020 160.14931. Dez. 2021 160.686

Konfessionsstatistik Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung sinkt jährlich um einen Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren am 25. Mai 2022 40,4 % der Einwohner evangelisch, 28,1 % katholisch, und 42,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 15. August 2024

Politik Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.

Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.

Kreistags-Wahlergebnisse seit 1999 Parteien und Wählergemeinschaften %2024Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014%2009Sitze2009%2004Sitze2004%1999Sitze1999%1994Sitze1994%1989Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union34,319 31,4 15 35,0 16 32,2 17 37,5 21 36,3 18 31,0 17 35,4 16 FWV Freie Wählervereinigung im Kreistag Calw22,512 25,0 12 32,1 15 33,1 18 — — — — — — — — AfD Alternative für Deutschland15,48 8,2 4 — — — — — — — — — — — — SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands13,17 13,9 7 16,7 8 15,0 8 15,7 8 19,6 10 19,9 11 20,2 9 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen9,97 14,2 7 9,4 5 9,1 4 7,2 4 4,6 2 8,5 4 7,7 3 FDP Freie Demokratische Partei4,32 6,2 3 6,8 3 10,6 5 9,9 5 6,9 3 4,6 2 4,8 2ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei0,50—————————————— DIE LINKE DIE LINKE—— 1,0 — — — — — — — — — — — — — WG Wählervereinigungen—— — — — — — — 29,7 17 32,6 17 30,9 16 31,9 15 Gesamt10055 100 48 100 47 100 53 100 55 100 50 100 52 100 45 Wahlbeteiligung in Prozent59,9 57,1 48,42 51,5 53,1 54,6 67,5 62,5 * WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen.

Landrat Der Landrat wird vom Kreistag für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Er ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises.

Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.

Die Oberamtmänner zwischen 1808 und 1936 sind im Artikel Oberamt Calw dargestellt.

Die Landräte des Landkreises Calw ab 1936:

1936–1945: Karl Hägele 1945–1949: Emil Wagner 1949–1955: Friedrich Geißler 1955–1963: Fritz Wanner 1963–1980: Günter Pfeiffer 1980–1996: Herbert Zerr 1996–2010: Hans-Werner Köblitz (FWG) seit 2010: Helmut Riegger (CDU)

Abgeordnete Seit 2013 ist Saskia Esken (SPD) Bundestagsabgeordnete für den aus den Landkreisen Calw und Freudenstadt bestehenden Bundestagswahlkreis Calw, seit 2021 ebenso Klaus Mack (CDU). Seit 2001 vertreten Thomas Blenke (CDU) und seit 2021 Miguel Klauß (AfD) den Landtagswahlkreis Calw im Landtag von Baden-Württemberg. Für den Bezirk Nordbaden sitzt seit 2004 Daniel Caspary (CDU) im Europaparlament.

Wappen und Flagge Das Wappen des Landkreises Calw zeigt in Gold auf blauem Dreiberg, aus dem eine silberne Quelle sprudelt, einen stehenden, blau gekrönten und blau bezungten roten Löwen. Das Wappen wurde am 11. Juli 1961 und nach der Kreisreform am 12. Oktober 1973 erneut verliehen.

Der Löwe auf dem Dreiberg war das Wappentier der Grafen von Calw, die das heutige Kreisgebiet lange Zeit beherrschten. Das Wappen gleicht dem der Stadt Calw, doch ist im Kreiswappen noch die Quelle enthalten, welche die vielen Kurorte im Landkreis widerspiegeln soll.

Die Flaggenfarben des Landkreises Calw sind Rot-Gelb.

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