mini|König Gudfreds legendärer Sohn Holger Danske gilt als nationale Personifikation Dänemarks Die Dänen sind ein nordgermanisches Volk in Nordeuropa. Sie sind die Titularnation des Königreichs Dänemark und eine anerkannte Minderheit in Schleswig-Holstein (Südschleswig).

Von der Ethnie ist die Gesamtheit der dänischen Staatsbürger zu unterscheiden; abgesehen von eingebürgerten Zuwanderern und einer deutschsprachigen Minderheit in Südjütland (Nordschleswig) besitzen Färinger und Grönländer (grönländische Inuit) die dänische Staatsangehörigkeit, weil die Färöer-Inseln und Grönland Teile des Königreiches sind.

Sprache mini|Dänische Dialekte in Dänemark, in Schonen, Halland und Blekinge sowie in Schleswig-Holstein Die dänische Sprache ist eine nordgermanische Sprache. Sie trennte sich zwischen dem 10. und dem 13. oder 14. Jahrhundert von den anderen skandinavischen (nordgermanischen) beziehungsweise altnordischen Sprachen ab.Dänische Sprache. In: Meyers Konversations-Lexikon. Dritte Auflage, Leipzig 1875, Vierter Band, S. 904 f.Detlev Wahl: Lexikon der Völker Europas und es Kaukasus. Meridian-Verlag, Rostock 1999, S. 48 ff. Auslöser dafür waren vor allem politische und soziale Gründe.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entstand das Standarddänische, das auf dem Kopenhagener beziehungsweise seeländischen Dialekt basiert.Heinz F. Wendt: Das Fischer Lexikon Sprachen. Frankfurt (Main) 1961, S. 98. Daneben existieren mehrere dänische Dialekte, wie Inseldänisch, Jütländisch und Ostdänisch (Schonisch).Willi Stegner (Hrsg.): Taschenatlas Völker und Sprachen. Klett-Perthes, Gotha / Stuttgart 2006, S. 38–41. Bis zum Sprachwechsel im 19. Jahrhundert war in Teilen Schleswigs noch das Angeldänische verbreitet, die letzten Aufzeichnungen des Dialekts wurden in den 1930er Jahren gemacht.

In Flensburg gibt es bis heute eine deutsch-dänische Mischsprache, das Petuh. Innerhalb der dänischen Minderheit hat sich zudem das von der norddeutschen Umgangssprache beeinflusste Südschleswigdänisch entwickelt.

Die in Südschweden (Schonen) verbreitete Schonische Sprache (in der Karte blau eingezeichnet) ist sehr eng mit dem Dänischen verwandt. Tatsächlich gehen die Meinungen auseinander, ob es sich beim Schonischen um einen südschwedischen oder einen ostdänischen Dialekt handelt.

Geschichte der Dänen

Synonym zu „Normannen“ wurden im mittelalterlichen Westeuropa zunächst alle Wikinger als „Dänen“ bezeichnet – unabhängig davon, ob es sich um dänische, norwegische oder schwedische Wikinger handelte. Der Name „Dänemark“ tauchte erstmals um 900 bei den Reisenden Wulfstan und Ottar auf. Das Wort bedeutet so viel wie „Grenzland der Dänen“ (Mark im Sinne von „Grenze“) und bezog sich ursprünglich, je nach Theorie, auf das südliche Grenzgebiet an der Eider oder auf die dänischen Inseln und Skåneland. Jede dieser Deutungen ist umstritten.Johannes Hoops, Heinrich Beck: Dänen. In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1984, Band 5, S. 174–177.

Etymologie und Mythologie

mini|Saxo Grammaticus’ Reichschronik zufolge waren Dan und Angul Brüder mini|215px|Historische Ausbreitung der Dänen: Von Uppsala bzw. Schonen über Seeland nach Jütland (6. Jh.) und von dort weiter nach England und in die Normandie (9.–11. Jh.) bzw. Richtung Färöer, Island und Grönland (18. Jh.)

Über die Herkunft der Dänen gibt es mehr Legenden als gesicherte Angaben. Der normannische Chronist Dudo von Saint-Quentin wollte die Dänen als Nachfahren des Trojaners Antenor sehen.Hubert Houben: Die Normannen. C.H.Beck, München 2012, S. 14. Ihrer eigenen (in der Gesta Danorum festgehaltenen) Überlieferung zufolge war ihr Stammvater ein König namens Dan. Andere Legenden machten Odins Sohn Skjöld zum Stammvater der Dänen beziehungsweise zum Ahnherrn des dänischen Königshauses der Skjöldungar (Skioldinger),Wilhelm Wägner: Unsere Vorzeit, Band 1 (Germanische Göttersagen). Neufeld und Henius Verlag, Berlin 1922, S. 223 f. und 256 ff. einige davon wiederum bezeichneten Skjöld als Enkel Dans. Dan habe einen Bruder namens Angul gehabt, der als Stammvater der Angeln gilt. In anderen Überlieferungen ist von einem dritten Bruder namens Nór(i), dem legendären Stammvater der Norweger, und einem vierten namens Østen die Rede (Chronicon Lethrense). Sie alle sollen Söhne des Königs von Alt-Uppsala gewesen sein. Tatsächlich gibt es noch heute einen zur Gemeinde Uppsala gehörenden Ort namens Danmark in der Provinz Uppland, der im Zusammenhang mit der legendären Urheimat der Dänen stehen soll.James William Barnes Steveni: Unknown Sweden. London / Southampton 192, S. 39, 170 und 3225.Ulla Ehrensvärd, Pellervo Kokkonen, Juha Nurminen: Die Ostsee – 2000 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur. National Geographic, Hamburg 2010, S. 31.

Der römisch-gotische Chronist Jordanes erwähnte erstmals um 550 in seiner Getica die Dani (Danen, Dannen) als einen Unterstamm der Suitidi (Sithonen), also der Schweden. Zeitgleich tauchten die Dänen auch in den Historien des griechischen Historikers Prokop auf, in denen er über die Gotenkriege berichtete. Jordanes und Prokop brachten in ihren Berichten die Dänen in Verbindung mit den ihnen angeblich verwandten Herulern. Diese sollen von den Dänen aus ihren Siedlungsgebieten in Schonen und Halland vertrieben worden sein. Der Herulerkönig Rudolf gründete ein neues Reich an der Donau. Als es von den Langobarden vernichtet wurde, seien die Heruler um 512 zurück nach Skandinavien oder Jütland gezogen, wo sie in den Dänen aufgegangen sein sollen.Friedrich Christoph Schlosser, Gottlieb August Bercht: Archiv für Geschichte und Literatur. Siegmund Schmerber, Frankfurt (Main) 1833, Band 6, S. 177f, 187f und 209f.Erich Hoffmann: Historische Zeugnisse zur Däneneinwanderung im 6. Jahrhundert. In: Edith Marold, Christiane Zimmermann: Nordwestgermanisch. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1995, S. 77–90. Ob die Heruler aber tatsächlich aus Skandinavien stammten, ob sie überhaupt Germanen waren und vor allem, ob und wie sie tatsächlich nach Skandinavien zurückwanderten, ist umstritten.

Der fränkische Chronist Gregor von Tours beschrieb um 590 in seiner „Geschichte der Franken“ den Kriegszug eines dänischen Königs namens Chlochilaicus ins Frankenreich, der um 515 oder um 521 stattgefunden haben soll. Das erst im 7. Jahrhundert entstandene Finnsburg-Fragment, Überbleibsel eines altenglischen Gedichts, berichtete von Kämpfen zwischen Dänen und Friesen in der Mitte des 5. Jahrhunderts. Im altenglischen Beowulf-Epos des 8. Jahrhunderts wurden die Dänen als Gâr-Dena (Ger-Dänen, d. h. „Speer-Dänen“) erwähnt.Alois Wolf: Heldensage und Epos. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1995, S. 88–91. In anderen mittelalterlichen Erzählungen wurden gelegentlich auch Ring-Dänen (mit Ringpanzern gerüstet), Schwert-Dänen, Axt-Dänen, Hammer-Dänen usw. erwähnt.

Ethnogenese und Landnahme

mini|Schleswigs Nordseeküste vor den Überflutungen des 14. Jahrhunderts (rechts) und danach (links)

Zu Beginn des 6. Jahrhunderts breiteten sich die Dänen von Schonen zunächst nach Seeland und auf die übrigen dänischen Inseln, dann von dort in der Mitte des 6. Jahrhunderts auch nach Jütland aus. In Jütland verschmolzen die nordgermanischen Dänen mit jenen Resten der Vorbevölkerung aus nordwestgermanischen (ingväonischen) Jüten und Angeln, die im vorangegangenen Jahrhundert nicht nach England abgewandert waren. Allerdings mussten sich die Dänen in Jütland und Schleswig vom 7. bis zum 11. Jahrhundert zunächst auch gegen norwegische und schwedische Eroberungs-z. B. des norwegischen Königs Olaf Trätelgja, des schwedischen Königs Sigurd Ring, der norwegischen Ynglinger, des schwedischen Hauses Olaf, des schwedischen Königs Erik Segersäll und des norwegischen Königs Magnus Olafsson. und Ansiedlungsversuchez. B. der schwedischen Wäräger von Haithabu. durchsetzen.Karl Ploetz: Auszug aus der Geschichte. Ploetz, Würzburg 1962, S. 163.Dänemark: Geschichte. In: Meyers Konversations-Lexikon. Fünfte Auflage, Leipzig 1897, Vierter Band, S. 558.Norwegen: Geschichte. In: Meyers Konversations-Lexikon. Dritte Auflage, Leipzig 1877, Zwölfter Band, S. 129.James William Barnes Steveni: Unknown Sweden. London / Southampton 1925, S. 325 f. Ab dem 9. Jahrhundert zogen dänische Wikinger nach England (vor allem in die einst von den Angeln gegründeten Königreiche Northumbria, Mercia und East Anglia) und Irland. Lincoln, Derby, Nottingham, Leicester und Stamford waren dänische Städte („Fünfburgenland“).Hermann Kinder, Werner Hilgemann: dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1990, Band 1, S. 128 f.

Auch die meisten der sich im 9. und 10. Jahrhundert in der französischen Normandie ansiedelnden Wikinger (nachfolgend Normannen genannt) waren Dänen. Trotz des englischen St.-Brice’s-Day-Massakers an dänischen Siedlern (1002) herrschten die Dänen im 11. Jahrhundert kurzzeitig über ganz England und damit über ein Nordseereich, gingen dort aber ebenso rasch in der englischen Bevölkerung auf, wie die Normannen von den Franzosen assimiliert wurden.

Der erste historisch fassbare dänische König und erste vorläufige Reichseiniger war Gudfred in Haithabu. Gegen ihn errichtete der Frankenkaiser Karl der Große zu Beginn des 9. Jahrhunderts zeitweise die Dänische Mark (Mark Schleswig) zwischen Schlei und Eider. Die Dänen ihrerseits errichteten gegen Franken und Sachsen das Danewerk, der sich zur nationalen Verteidigungsanlage beziehungsweise zu einem Nationalsymbol entwickelte. Die Eider bildete fortan die ungefähre Südgrenze der dänischen Besiedlung. Darüber hinaus beherrschten dänische Wikingerfürsten als getaufte Vasallen fränkischer Herrscher im 9. Jahrhundert auch Dorestad (bei Utrecht) und den Großteil Frieslands. Zu einer Unterwerfung der Friesen, einer dänischen Landnahme und der möglicherweise beabsichtigten Errichtung einer dänisch-skandinavischen Kolonie oder eines Nebenreiches in Friesland kam es jedoch nicht.Henri Pirenne: Geschichte Europas – Von der Völkerwanderung bis zur Reformation. Fischer, Frankfurt (Main) 1982, S. 115. Erst unter König Gorm kam es in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zur dänischen Reichseinigung. Die Reichseinheit ging in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kurzzeitig nochmals verloren.

Im Laufe politischer Differenzierung, Verselbständigung und gegenseitiger Abgrenzung der drei nordischen Völker voneinander bildete sich zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert schließlich die von Schweden und Norwegern verschiedene Nation der Dänen heraus. Im 14. Jahrhundert versanken große Teile des friesischen bzw. dänischen Siedlungsgebiets an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste dauerhaft im stürmischen Meer, Dänemark verlor Zehntausende Einwohner und Lebensraum für Zehntausende weitere. Ihre schonischen Stammlande verloren die Dänen im 17. Jahrhundert an Schweden, begannen dafür aber ab dem 18. Jahrhundert mit der Kolonisierung Grönlands.

Nationalstaat und Nationalbewusstsein mini|Gegen Sachsen und Franken errichten die Dänen in einem nationalen Verteidigungsakt den Danewerk (8. und 9. Jahrhundert)