Lysergsäurediethylamid (LSD; umgangssprachlich auch kurz englisch Acid, „Säure“) ist ein synthetisches Lysergamid, das als Derivat natürlich vorkommender Mutterkornalkaloide erhalten werden kann. LSD ist eines der stärksten bekannten Halluzinogene und gehört zu deren Teilgruppe der Psychedelika, welche auf das Serotonin-System des Körpers wirken.LSD profile (chemistry, effects, other names, synthesis, mode of use, pharmacology, medical use, control status) auf der Website der EMCDDA, abgerufen am 14. Juli 2018. Dadurch ruft es schon in sehr geringen Dosen im unteren Mikrogrammbereich lang andauernde Wirkungen hervor. Zu diesen gehören veränderte Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle sowie ein veränderter Bewusstseinszustand.

LSD wird als nicht abhängig machend eingestuft. Darüber hinaus ist kein Todesfall durch eine Überdosis LSD beim Menschen bekannt.What are hallucinogens?, archiviert am 17. April 2016 auf web.archive.org, abgerufen am 24. April 2016, zuerst veröffentlicht auf der Website des National Institute on Drug Abuse im Januar 2016. Manche der Zustände unter Einfluss von LSD ähneln Symptomen von psychischen Störungen, diese Zustände sind aber in fast allen Fällen wieder verschwunden, nachdem die Substanz und ihre Metaboliten den Körper verlassen haben und bestehen nur in sehr seltenen Fällen für längere Zeit fort.

Nach der Synthese im Jahr 1938 und Entdeckung der Wirkung 1943 durch Albert Hofmann in der Schweiz wurde es aufgrund seines großen Potenzials in der Psychotherapie zunächst in mehreren Ländern als Medikament verwendet. In der Hippie-Ära der 1960er Jahre war der Gebrauch von LSD relativ weit verbreitet, führte bei vielen Konsumenten zum Hinterfragen der gängigen Glaubenssysteme, bei Künstlern wurde es als Mittel zur Inspiration gesehen. 1971 einigten sich die Vereinten Nationen in der Konvention über psychotrope Substanzen auf ein Verbot von fast allen damals bekannten psychotropen Substanzen, darunter auch LSD. Seit 1971 stufen daher sowohl das Betäubungsmittelgesetz in Deutschland als auch das Suchtmittelgesetz in Österreich LSD als nicht verkehrsfähig ein. Seit etwa 1990 wird wieder vermehrt mit Halluzinogenen wie LSD für die Psychotherapie geforscht,Nicolas Langlitz: The Persistence of the Subjective in Neuropsychopharmacology. Observations of Contemporary Hallucinogen Research. In: History of the Human Sciences. Band 23, Nr. 1, 2010, S. 37–57; doi:10.1177/0952695109352413. unter anderem in der Behandlung von Alkoholsucht und Depressionen.

Entdeckung mini|links|Albert Hofmann (2006) Der Chemiker Albert Hofmann stellte am 16. November 1938 in Basel erstmals im Rahmen seiner Forschung zum Mutterkorn Lysergsäurediethylamid (LSD) her.Albert Hofmann: LSD – mein Sorgenkind. Die Entdeckung einer „Wunderdroge“. DTV, 2006; erowid.org (PDF; 751 kB) Sein Ziel war die Entwicklung eines Kreislaufstimulans. Nachdem diese erhoffte Wirkung von LSD im Tierversuch nicht eintrat, verlor Hofmann zunächst das Interesse und archivierte seine Forschungsergebnisse. Am 16. April 1943 begann er erneut, LSD-Wirkungen zu prüfen, da er vermutete, etwas übersehen zu haben. Bei seinen Arbeiten bemerkte er an sich selbst eine halluzinogene Wirkung, die er zunächst nicht erklären konnte. So vermutete er, er habe das LSD durch unsauberes Arbeiten durch seine Haut aufgenommen.Hannes Mangold: Auf Trip Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. Oktober 2018

Hofmann wiederholte dieses Erlebnis am 19. April 1943 durch die Einnahme von 250 µg LSD. Verglichen mit der Wirksamkeit der damals bekannten Mutterkornalkaloide entsprach das der kleinsten Menge, bei der man noch eine Wirkung hätte erwarten können. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Menge bereits dem Zweineinhalbfachen einer rekreationellen Dosis (ab ca. 80 µg) von Lysergsäurediethylamid entsprach. Dieses Datum gilt heute als Zeitpunkt der Entdeckung der psychoaktiven Eigenschaften des LSD. Der Jahrestag wird von popkulturellen LSD-Anhängern als „Fahrradtag“ (Bicycle Day) gefeiert, da Hofmann am Beginn seines bewusst induzierten Rauscherlebnisses mit dem Fahrrad nach Hause fuhr.

Die Basler Firma Sandoz, in deren Auftrag Hofmann forschte, brachte 1949 das Präparat unter dem Namen „Delysid“ in den Handel.Alfons Metzner: Weltproblem Gesundheit. Imhausen International Company mbh, Lahr (Schwarzwald) 1961, S. 94. Es wurde als Psychotomimetikum angeboten, das es Psychiatrie-Ärzten ermögliche, sich für eine begrenzte Zeit in die Wahrnehmungswelt psychotischer Patienten zu versetzen.T. Passie, J. H. Halpern, D. O. Stichtenoth, H. M. Emrich, A. Hintzen: In: CNS neuroscience & therapeutics. Band 14, Nummer 4, 2008, S. 295–314, doi:10.1111/j.1755-5949.2008.00059.x. PMID 19040555 (Review).W. H. McGlothlin, D. O. Arnold: LSD revisited. A ten-year follow-up of medical LSD use. In: Archives of general psychiatry. Band 24, Nummer 1, Januar 1971, S. 35–49. PMID 5538851.Albert Hofmann: LSD. OUP Oxford, 2013, ISBN 978-0-19-963941-0, S. 44 (): The second indication for LSD cited in the Sandoz prospectus for Delysid concerns its use in experimental investigations into the nature of psychoses.

Chemische Eigenschaften mini|hochkant=1.5|links|Die vier möglichen Stereoisomere von LSD Struktur Chemisch gehört Lysergsäurediethylamid zur Strukturklasse der Ergoline. Die Bezeichnung „LSD-25“ rührt daher, dass es die 25. Substanz in Hofmanns Versuchsreihe der synthetischen Lysergsäure-Abkömmlinge war. Es sind viele strukturell analoge Lysergsäureamide bekannt, die als Leitstruktur das LSD bzw. den Ergolingrundkörper besitzen und sich dabei an die psychotrope Potenz von LSD annähern oder diese übersteigen, siehe Liste von LSD-Analoga. Dabei wurden Modifikationen in Position 1 und in Position 6 am Ergolinsystem vorgenommen.S. D. Brandt, P. V. Kavanagh u. a.: Return of the lysergamides. Part I: Analytical and behavioural characterization of 1-propionyl-d-lysergic acid diethylamide (1P-LSD). In: Drug testing and analysis. Band 8, Nummer 9, September 2016, S. 891–902, doi:10.1002/dta.1884, PMID 26456305, .S. D. Brandt, P. V. Kavanagh u. a.: Return of the lysergamides. Part II: Analytical and behavioural characterization of N(6) -allyl-6-norlysergic acid diethylamide (AL-LAD) and (2'S,4'S)-lysergic acid 2,4-dimethylazetidide (LSZ). In: Drug testing and analysis. Band 9, Nummer 1, Januar 2017, S. 38–50, doi:10.1002/dta.1985, PMID 27265891, .S. D. Brandt, P. V. Kavanagh u. a.: Return of the lysergamides. Part III: Analytical characterization of N(6) -ethyl-6-norlysergic acid diethylamide (ETH-LAD) and 1-propionyl ETH-LAD (1P-ETH-LAD). In: Drug testing and analysis. März 2017, doi:10.1002/dta.2196, PMID 28342178.S. D. Brandt, P. V. Kavanagh u. a.: Return of the lysergamides. Part IV: Analytical and pharmacological characterization of lysergic acid morpholide (LSM-775). In: Drug testing and analysis. Juni 2017, doi:10.1002/dta.2222, PMID 28585392.V. J. Watts, R. B. Mailman, C. P. Lawler, K. A. Neve, D. E. Nichols: LSD and structural analogs: pharmacological evaluation at D1 dopamine receptors. In: Psychopharmacology. Band 118, 1995, S. 401–409, doi:10.1007/BF02245940.Lea Wagmann, Lilian H. J. Richter u. a.: In vitro metabolic fate of nine LSD-based new psychoactive substances and their analytical detectability in different urinary screening procedures. In: Analytical and Bioanalytical Chemistry. 2019, doi:10.1007/s00216-018-1558-9.

Isomerie LSD ist eine chirale Verbindung mit zwei Stereozentren an den Kohlenstoffatomen C-5 und C-8. Somit existieren vier verschiedene Stereoisomere des LSDs, die zwei Enantiomerenpaare bilden. LSD, genauer (+)-LSD, besitzt die absolute Konfiguration (5R,8R). (−)-LSD ist (5S,8S)-konfiguriert und ist spiegelbildlich zu (+)-LSD. (+)-LSD epimerisiert unter basischen Bedingungen zu dem Isomer (+)-iso-LSD mit (5R,8S)-Konfiguration; (−)-LSD epimerisiert basisch zu (−)-iso-LSD mit (5S,8R)-Konfiguration. Das nicht psychoaktive (+)-iso-LSD, das sich während der Synthese (je nach Methode in unterschiedlichem Anteil) bildet, kann mit Hilfe chromatographischer Trennmethoden abgetrennt werden und (etwa durch Wirkung verdünnter methanolischer Kaliumhydroxidlösung) zu aktivem (+)-LSD isomerisiert werden.

Analytik Unter ultraviolettem Licht (360 nm) weist LSD eine stark blaue Fluoreszenz auf. Mit Dimethylaminobenzaldehyd (Ehrlich-Reagenz, Kovacs-Reagenz) ist ein weiterer Nachweis möglich.Matthias Bastigkeit: Rauschgifte: ein naturwissenschaftliches Handbuch. Govi-Verlag Eschborn, 2003, ISBN 3-7741-0979-6. Der forensisch sichere Nachweis von LSD in den verschiedenen Untersuchungsmaterialien wie z. B. Haaren oder Urin gelingt nach adäquater Probenvorbereitung durch die Kopplung chromatographischer Verfahren mit der Massenspektrometrie.M. Jang, J. Kim, I. Han, W. Yang: Simultaneous determination of LSD and 2-oxo-3-hydroxy LSD in hair and urine by LC-MS/MS and its application to forensic cases. In: J Pharm Biomed Anal. Band 115, 10. November 2015, S. 138–143. PMID 26188861. Da aufgrund der Wirkungsstärke von LSD die übliche Menge im Mikrogramm-Bereich liegt und vom Konsumenten daher nicht durch eigene Messungen überprüft werden kann, besteht kein Bedarf, die Substanz zu strecken. In Labors liegt die Droge selten als Pulver vor, so dass die Reinheit selten gemessen wird.

Pharmakologische Eigenschaften Wirkmechanismus mini|LSD an der orthosterischen Bindungsstelle des 5-HT2A-Rezeptors. Um die Sicht ins Rezeptorinnere zu ermöglichen, sind Teile der Proteinstruktur ausgeblendet. mini|hochkant=1.5|Die Bindungsaffinitäten von (+)-LSD an einzelnen Rezeptoren. Je niedriger der Ki-Wert, desto höher die Bindung des LSD an den Rezeptor. (+)-LSD bzw. (5R,8R)-LSD, eines der vier Stereoisomere des LSD-Moleküls, wirkt als Partialagonist mit großer Affinität (Bindungsstärke) am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor. Dieser wird mit dem Wirkungsmechanismus vieler atypischer Neuroleptika in Verbindung gebracht. Auch andere klassische psychedelische Halluzinogene werden von diesem gebunden. Es handelt sich aber um keine selektive Bindung; eine Reihe von weiteren Rezeptorensubtypen der 5-HT-Rezeptoren, der Dopamin-Rezeptoren und der Adrenozeptoren, binden LSD ebenfalls.D. Wacker, S. Wang, J. D. McCorvy, R. M. Betz, A. J. Venkatakrishnan, A. Levit, K. Lansu, Z. L. Schools, T. Che, D. E. Nichols, B. K. Shoichet, R. O. Dror, B. L. Roth: Crystal Structure of an LSD-Bound Human Serotonin Receptor. In: Cell. Band 168, Nummer 3, Januar 2017, S. 377–389.e12, doi:10.1016/j.cell.2016.12.033, PMID 28129538, .

Pharmakokinetik Es gibt verschiedene Aussagen über die Geschwindigkeit, mit der LSD im Blutplasma abgebaut wird. Passie et al. (2008) gibt die Plasmahalbwertszeit von (+)-LSD mit 2,9 h an, Liechti (2017) mit ~3 h.M. E. Liechti: Modern Clinical Research on LSD. In: Neuropsychopharmacology. Band 42, Nummer 11, Oktober 2017, S. 2114–2127, , PMID 28447622, (Review).