Trofaiach ist eine österreichische Stadt in der Obersteiermark im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Leoben. Mit 1. Jänner 2013 wurde sie mit den Nachbargemeinden Hafning bei Trofaiach und Gai zusammengelegt. Die Gemeinde hatte am Einwohner und ist damit die zweitgrößte Stadt des Bezirks. mini|Panorama der Stadt Trofaiach
Geografie Geografische Lage Trofaiach befindet sich etwa zehn Kilometer nördlich der Bezirkshauptstadt Leoben. Es liegt zirka 13 Kilometer südlich des Alpenhauptkamms an der österreichischen Eisenstraße. Es befindet sich im Vordernbergertal, und zwar dort, wo sich dieses zum Trofaiacher Becken weitet, das am Südrand der Eisenerzer Alpen liegt.
Ein beträchtlicher Bereich des Gemeindegebietes besteht aus Wald und Bergland über der Waldgrenze. Die Gemeindegrenzen reichen bis zu den Gipfeln, Graten und Übergängen der umliegenden Berge, wie z. B. Hochturm (Trenchtling), (), Lamingegg, Lamingsattel, Leobner Mauer, Klammkogel, Barbarakreuz, Fahnenköpfl, Grüblzinken, Rottörl, Eisenerzer Reichenstein (), Reichhals, Große Scharte, Hohe Lins (), Stadelstein, Wildfeld, Reiting (Gößeck ).
Das alte Ortszentrum von Trofaiach liegt am Vordernbergerbach. In Ortsgebiet münden vier Bäche in den Vordernbergerbach. Die vier Seitentäler Krumpen, Rötz(graben), Trofaiacher Gößgraben und Laintal gehören zum Gemeindegebiet.
Seehöhe und Ausdehnung Die Seehöhe von Trofaiach wird mit Höhenklasse 6 (500–) angegeben, die der Stadt mit Dies entspricht der Lage der Pfarrkirche. Der geografisch niedrigsten Punkt der Stadt liegt in der Gmeingrube mit der höchste Punkt auf dem Gößeck mit
Trofaiach hat eine Fläche von km² und nimmt einen großen Teil des Trofaiacher Beckens ein.
Gemeindegliederung mini|hochkant=1.2|Trofaiach ist von den Eisenerzer Alpen umsäumt Das Stadtgebiet gliedert sich in zehn Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Gai () Gimplach () Gößgraben-Freienstein () Hafning () Krumpen () Laintal () Rötz () Schardorf () Treffning () Trofaiach ()
Der historische Beiname Freienstein beim Gößgraben dient dazu, ihn von anderen gleichnamigen Katastralgemeinden zu unterscheiden. Dieser Zusatz wird nur im Grundbuch verwendet. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt er einfach Trofaiacher Gößgraben.
Das Gemeindegebiet umfasst folgende 19 Ortschaften (Einwohner Stand ):
Hauptort der Gemeinde
Gemeindehauptort ist die Stadt Trofaiach, die auch eine Ortschaft und Katastralgemeinde darstellt, was dem Umfang vor der Gemeindezusammenlegung 2013 entspricht.
Der Ort liegt heute inmitten des Gemeindegebiets auf rund Er erstreckt sich auf etwa 3½ Kilometer entlang des Vordernbergerbachs, von der St. Peter-Freiensteiner Gemeindegrenze im Süden bis unmittelbar an den Ort Hafning. Entlang des Tales beträgt die West-Ost-Ausdehnung bis etwa drei Kilometer.
Insgesamt umfasst die Ortschaft über 1600 Gebäude und knapp 8500 Einwohner.
Stadtgliederung Der alte Ortskern wird noch heute als Trofaiach-Markt (so der amtliche Zählsprengel 000) bezeichnet, was der Ausdehnung von Trofaiach um etwa 1930 entspricht. Er liegt an der Einmündung des Rötzbachs und des Gößbachs in den Vordernbergerbach. Dort leben etwa 1.200 Menschen in 400 Gebäuden.
Die eigentliche Stadtentwicklung setzte im Laufe des 20. Jahrhunderts, intensiv nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Durch die junge Struktur haben die Stadtteile keine alten Namen: Gegen Hafning hin liegt Trofaiach-Nord. Es handelt sich um die 1939 von Hafning an Trofaiach gekommenen Gründe des inzwischen nicht mehr bestehenden Glögglhofs, das ist die Gladensiedlung. Nach Nordwesten hin erstrecken sich die Gebiete um die Gößgrabenstraße (Zählsprengel Trofaiach-Nordwest), sowie die beiden kleinen Siedlungen Untergimplach und Unterkurzheim, die bis Ende 2012 zu Gai gehörten und schon weitgehend mit dem Stadtzentrum verwachsen sind. Gegen Westen liegen die Gebiete um Koloniegasse–Kehrgasse, das Gewerbegebiet um die Anschlussstelle der B115 mit dem Fachmarktzentrum und das Trofaiach-West genannte bis Gimplach reichende große Siedlungsgebiet zwischen der Langefelderstraße und dem Kehrwald. Im Südwesten liegt der Siedlungsraum um den Abzweig B 115–B 115a bis an den Kulm (887 m), gegen Edling hin (Trofaiach-Süd) Gegen Südost liegen die Häuser auf der höher liegenden Terrasse rund um den Haiderhof, die schon den Übergangsraum in das Laintal darstellen. Gegen Nordost gehört noch die äußere Rötz zur Stadt (Friedhof und Sportplatz).
Nachbarortschaften, -katastralgemeinden und -orte
Nachbargemeinden mini|hochkant=1.2|Blick vom Reiting nach Süden über das Trofaiacher Becken: links (über dem zwischen dem Fallgraben und dem Kaisertal liegenden Fürstriedel) Trofaiach und dahinter das Laintal (mittig Donawitz, rechts Liesingtal) Trofaiach grenzt an zehn andere Gemeinden, davon gehören acht zum politischen Bezirk Leoben und zwei zum Bezirk Bruck-Mürzzuschlag.
Gemeindezusammenlegung 2013 Anfang des Jahres 2012, anlässlich der Gemeindestrukturreform der Steiermark 2010–2015, begannen Gespräche zwischen den Nachbargemeinden Gai, Hafning, Trofaiach und Vordernberg, die einen Zusammenschluss dieser vier Gemeinden zum Ziel hatten. Am 30. September 2012 wurde über das Ergebnis dieser Verhandlungen eine Volksabstimmung abgehalten. Die Bewohner von Vordernberg (82 % von 62 % der Wahlberechtigten) stimmten gegen eine Gemeindefusion. In den drei übrigen Gemeinden gab es eine Mehrheit für den Zusammenschluss. Mit 78,8 % bzw. 79,8 % waren die Voten in Trofaiach und Gai deutlich, allerdings lag die Beteiligung in Trofaiach nur bei 41 %, in Gai bei 59 %. In Hafning war das Ergebnis mit 52,7 % Ja-Stimmen bei 56,9 % Beteiligung knapp für den Zusammenschluss. Zu den 2012 angekündigten Fusionsgesprächen mit der Nachbargemeinde Sankt Peter-Freienstein ist es dann doch nicht gekommen. Sankt Peter-Freienstein ist, nachdem auch über eine Zusammenlegung mit der Stadt Leoben nachgedacht worden war, selbständig geblieben.
Am 24. Oktober 2012 hat die Steiermärkische Landesregierung dem Antrag der Gemeinden Gai, Hafning und Trofaiach einstimmig zugestimmt, diese drei Kommunen mit 1. Jänner 2013 unter dem Namen Trofaiach zu vereinigen. Gleichzeitig wurde Trofaiachs Bürgermeister Mario Abl zum Regierungskommissär bestellt und als Beiräte die beiden Bürgermeister Bernhard Zechner (Gai) und Alfred Lackner (Hafning). Im Nachhinein wurden auch Vizebürgermeisterin Gabriele Leitenbauer (KPÖ) und Erich Temmel (ÖVP) zu Beiräten ernannt. Die Arbeit der Beiräte begann nach der Selbstauflösung der Gemeinderäte und dauerte bis zur Neuwahl des Gemeinderats, die am 14. April 2013 stattgefunden hat (Wahlergebnis siehe übernächsten Absatz). Als Regierungskommissär hatte Abl hauptsächlich Verwaltungsaufgaben zu bewerkstelligen. Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates fand am 7. Mai 2013 statt.
Die Fläche der Stadtgemeinde Trofaiach nach der erfolgten Fusion deckt sich ungefähr mit jenem Gebiet, welches die Pfarre Trofaiach schon seit über 1000 Jahren umfasst.
Geschichte Die freundliche Landschaft und vor allem der Erzreichtum der Grauwackenzone führten zu einer relativ frühen Besiedlung des geschützten Trofaiacher Beckens.
Trofaiach war ein Zentrum der Metallverarbeitung und des Rohstoffhandels. Dies bezeugen die Funde aus der mittleren Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Römerzeit und dem frühen Mittelalter, die im Stadtgebiet gefunden und im Stadtmuseum im Schloss Stibichhofen besichtigt werden können. Dazu kam noch der für unruhige Zeiten nicht unwesentliche Vorteil, dass das Gebiet etwas abseits der großen Durchzugswege Murtal–Liesingtal liegt. mini|Skizze der prähistorischen Siedlung
Vorzeit Im 1. Jahrtausend v. Chr. – und vermutlich früher – war es das begehrte Kupfer, das in den Eisenerzer Alpen abgebaut und geschmolzen wurde. Von circa 900 bis 700 v. Chr. befand sich auf dem Kulm eine urnenfelderzeitliche Siedlung, in der schätzungsweise 200 bis 300 Menschen wohnten.
Im 11. Jahrhundert n. Chr. begann der Eisenerzabbau am Erzberg und an verschiedenen kleineren Lagerstätten, zum Beispiel in der Krumpen und beim Zölzboden, wo Spuren von alten Eisenschmelzen gefunden wurden.
Mittelalter Die nachhaltige Besiedlung des Gemeindegebietes begann im Mittelalter. Orts- und Gebietsnamen erinnern an die slawische Besiedlung im Frühmittelalter und die bayerische Besiedlung in darauf folgenden Jahrhunderten. Beispiele für Orts- bzw. Gegendnamen slawischer Herkunft sind: Trofaiach und Treffning von trebiti (‚roden‘), Krumpen von kronpa (‚das kleine Tal‘), Rötz, mittelalterlich Recz von rečica (‚Bächlein‘), Trattning, früher Tradning von trata (‚Viehweide, Flur‘), Laintal mittelalterlich Lonktal von lonka (‚Wiese, Aue‘), Töllach von dolina (‚Tal‘), Glabokke von glabok (‚tief, tiefe Gegend‘), Glanz von klanec (‚steiler Weg‘). Der Ortsname Gai hingegen leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort göu her, welches ein Gebiet bezeichnete, das im Einflussbereich einer bestimmten richterlichen Gewalt sowie gewisser Gewerbe lag. In vorliegenden Fall bezog sich das „Gai“ auf den Einflussbereich des Marktes Trofaiach und der von den dortigen Handwerkern ausgeübten Bannmeilenrechte. Der Ortsname Hafning kommt vom althochdeutschen Wort havanari, was Töpfer oder Hafner bedeutet und auf die Tätigkeit der ursprünglichen Siedler hinweist. Erhärtet wird diese Deutung des Ortsnamens durch die Ausgrabung einer frühzeitigen Hafnersiedlung nördlich der späteren Bahnstation Hafning. Für den Raum Trofaiach kann also durch die ergiebige Namensübernahme eine bayrisch-slawische Mischbevölkerung bis zum Ende des 12. Jahrhunderts als sicher angenommen werden. Danach verschwand der slawische Bevölkerungsanteil aufgrund der Assimilation durch die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung.
Ein Gräberfeld im Ortszentrum (heutige Roseggergasse), dessen Fundmaterial auf den Zeitraum zwischen 750 und 800 datiert wurde, weist auf eine intensivere frühmittelalterliche Besiedlung hin. Die urkundliche Überlieferung setzt erst später ein. Das Fundmaterial ist teilweise im Stadtmuseum Trofaiach ausgestellt.
Obwohl die entlang des Vordernbergerbaches entstehende Ansiedlung lediglich eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwas mehr als einen Kilometer hatte, war sie dennoch im Mittelalter dreigeteilt. Der spätere Kernbereich des Marktes lag um die Pfarrkirche. Südlich davon siedelten die Untertanen des Klosters Traunkirchen rund um die Salvatorkapelle, die spätere Dreifaltigkeitskirche. Daran schloss sich das Niedertrum an, dessen Häuser nie zum historischen Markt, sondern zu unterschiedlichen Grundherrschaften gehörten.
Im Jahre 982 bestätigte Kaiser Otto II. in einer Urkunde dem damaligen Erzbischof von Salzburg verschiedene Besitzungen. Darunter war auch das Gut Liubina, welches das Erzstift Salzburg vom Hochfreien Reginhart und seiner Frau Svanahild im Jahre 925 durch Tausch erhalten hatte. Die Hauptgebäude dieses Gutes lagen unmittelbar neben der Kirche zum Heiligen Rupert im oberen Teil der heutigen Trofaiacher Hauptstraße. Wenn der Heilige Rupert, der erste Bischof Salzburgs, als Titelheiliger einer Kirche aufscheint, kündet dies von einer engen Verbindung mit dem Salzburger Erzstift. Die Pfarre Trofaiach reichte in den ersten Jahrhunderten ihres Bestandes über Vordernberg, Eisenerz, Radmer bis nach Hieflau. Trofaiach war die erste Pfarre im Nahbereich des Steirischen Erzbergs.Herwig Ebner: Trofaiach – Altes Kulturzentrum im Steirischen Erzgebiet. Herausgegeben von Dechant Ägydius Reiter, Trofaiach, 1963, S. 6.
Bereits für das 10. Jahrhundert kann der Bestand der Trofaiacher Rupertikirche angenommen werden. Die Ursache für das Interesse des Erzbistums Salzburg an diesem Gut dürfte am Zugang zum Erzberg und somit zur Eisengewinnung gelegen sein.Brigitte Wieser: Zur Besitz- und Siedlungsgeschichte des Trofaiacher Beckens, Dissertation, Karl-Franzens-Universität, Graz 1972, S. 180.