mini|Übersichtskarte
Der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, amtlich Landkreis Neumarkt i.d.OPf., ist der westlichste Landkreis des Regierungsbezirks Oberpfalz in Bayern. Er befindet sich in einem Dreieck zwischen den Großstädten Nürnberg, Regensburg und Ingolstadt und gehört zur Metropolregion Nürnberg sowie zur Planungsregion Regensburg. Wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Kreises ist Neumarkt in der Oberpfalz. In seiner heutigen Form entstand der Landkreis Neumarkt während der Gebietsreform in Bayern 1972, als vor allem der Landkreis Parsberg in den heutigen Kreis eingegliedert wurde.
Geografie mini|links|Hohllochberg bei Velburg mini|links|Typische Landschaft im östlichen Landkreis
Lage Der Landkreis liegt etwa in der Mitte Bayerns am Rand der Fränkischen Schweiz bzw. des Oberpfälzer Jura. Vor allem die östliche Hälfte des Kreises ist geprägt von einer abwechslungsreichen Berglandschaft, die von zahlreichen Bach- und Flusstälern durchzogen wird. Die Kante der Fränkischen Alb verläuft ungefähr auf der Linie Berg bei Neumarkt, Neumarkt, Berching. Westlich davon fällt das Gelände in eine flache Landschaft ab, in der nur noch vereinzelte, von der Tethys ausgewaschene Zeugenberge (zum Beispiel der Buchberg und der Dillberg) darauf hinweisen, dass die Kante ursprünglich weiter westlich verlief.
Die höchste Erhebung im Landkreis ist der Limpelberg bei Hörmannsdorf mit , der tiefste Punkt liegt im Süden des Landkreises auf der Wasseroberfläche der Altmühl bzw. des Main-Donau-Kanals auf .
Die Europäische Wasserscheide, die das abfließende Wasser in Richtung des Rheins und der Nordsee oder der Donau und des Schwarzen Meers aufteilt, verläuft von Freystadt über Postbauer-Heng nach Neumarkt durch den Landkreis. Größte Flüsse im Landkreis sind als Zuflüsse der südlich gelegenen Donau die Sulz und die Weiße Laber (beide über die Altmühl), die Schwarze Laber und die Lauterach (über die Naab). Nur die Schwarzach entwässert nach Norden in Richtung Rednitz, Regnitz, Main und Rhein.
Nachbarkreise Nachbarkreise sind im Norden der Landkreis Nürnberger Land und der Landkreis Amberg-Sulzbach, im Osten der Landkreis Schwandorf und der Landkreis Regensburg, im Süden der Landkreis Kelheim und der Landkreis Eichstätt und im Westen der Landkreis Roth.
Ausdehnung und Flächennutzung Die maximale Nord-Süd-Ausdehnung zwischen Schweibach bei Lauterhofen und Zell bei Dietfurt beträgt ca. 48 km, die maximale Ost-West-Ausdehnung zwischen Mörsdorf bei Freystadt und Hohenfels beträgt ca. 49 km.
Der Landkreis hat eine Fläche von 1344,04 km², davon entfallen etwa zehn Prozent auf Siedlungs- und Verkehrsflächen und 30,5 % auf Waldflächen. Weitere 46,5 % werden landwirtschaftlich genutzt. Der östlichste Teil des Landkreises auf dem Gebiet der Gemeinden Velburg und Hohenfels wird militärisch genutzt, dort befindet sich der Truppenübungsplatz Hohenfels der US-amerikanischen Armee.
Bevölkerung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Neumarkt in der Oberpfalz (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Neumarkt in der Oberpfalz, Alter und Geschlecht.)
Der Landkreis bestand vor der Gebietsreform 1972 aus 69 Gemeinden mit 42.390 Einwohnern, der ehemalige Landkreis Parsberg zählte 55 Gemeinden mit 39.847 Einwohnern. Unmittelbar nach der Kreisgebietsreform betrug die Bevölkerungszahl des neuen Landkreises Neumarkt 94.679 Einwohner, die sich damals auf 59 Gemeinden verteilten. Es folgten weitere Eingemeindungen, so dass der Landkreis Neumarkt heute aus 19 Gemeinden besteht.
Im Landkreis leben heute ca. 138.000 Menschen, davon ca. 41.000 in Neumarkt. Weitere größere Städte und Gemeinden sind Freystadt, Berching mit jeweils ca. 9000 Einwohnern, Berg, Postbauer-Heng und Parsberg mit jeweils ca. 8000 Einwohnern. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von etwa 103 Einwohnern pro Quadratkilometer. Bevölkerungsverteilung 2014 Bevölkerung gesamt 128.975 Bevölkerung je km² 96 Durchschnittsalter 43 Anteil 0–18 Jahre in % 17,1 Anteil 18–65 Jahre in % 62,5 Anteil über 65 Jahre in % 20,4 Ausländeranteil 6,9 Geburten / Sterbefälle 2014 Lebendgeborene auf 1000 Einwohner 8,9 Sterbefälle auf 1000 Einwohner 9,8
Bis heute wächst die Zahl der Einwohner im Kreis beständig. Bis zum Jahr 2000 stieg die Zahl der Einwohner jährlich um 800 bis 1000 Menschen an, dieser Trend schwächt sich jedoch langsam wieder ab, so dass die Zuwachsrate im Jahr 2003 nur noch ca. 600 Personen betrug.
Zwischen 1988 und 2008 wuchs der Landkreis Neumarkt um über 21.000 Einwohner bzw. um rund 20 %. Von 2005 bis 2011 war die Tendenz nach einem Höchststand von rd. 129.000 Einwohnern rückläufig. Ab 2012 stieg die Landkreisbevölkerung wieder an.
Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 106.841 auf 133.561 um 26.720 Einwohner bzw. um 25 % – nach Landkreis und Stadt Regensburg der höchste Zuwachs in der Oberpfalz.
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987: Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2014 2019 Einwohner 55.219 57.853 65.917 83.338 82.272 92.705 105.346 113.944 120.519 126.369 128.613 127.769 128.975 134.573
Klima Durch seine Lage in Mitteleuropa befindet sich der Landkreis in der kühlgemäßigten Klimazone. Dabei liegt der Landkreis im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima.
Geschichte mini|Kloster Plankstetten bei Berching: Gründung der Grafen von Hirschberg im 12. Jahrhundert mini|Schloss Helfenberg um 1700 von Hans Georg Asam mini|Neumarkt um 1644: Kupferstich von Matthäus Merian
Von der Urgeschichte bis zum Frühmittelalter Eine erste Besiedelung dieser Region fand bereits in der Jungsteinzeit, also um 3000 vor Christus statt, worauf zahlreiche Funde von Grabhügeln und Keramikresten hinweisen. Während der Bronzezeit ab 1000 vor Christus nahm die Siedlungstätigkeit weiter zu. Es gibt Spuren von keltischen Wallanlagen, so zum Beispiel bei Berngau oder auf dem Buchberg. Den Römern, die im 1. Jahrhundert nach Christus die Donau erreichten, gelang es nicht, ihr Herrschaftsgebiet bis in den Raum des heutigen Landkreises auszudehnen, der Limes verlief nur knapp südlich der Donau vom heutigen Kelheim aus nach Westen.
Nach dem Untergang des Römischen Reichs drangen die Bajuwaren in das heutige Bayern vor und dehnten sich langsam auch nördlich der Donau aus. Aus dieser Zeit, dem 6. oder 7. Jahrhundert, stammen die zahlreichen Orte, die auf -ing enden, zum Beispiel Pölling oder Deining. Erste fränkische Königshöfe gab es in Berngau und Lauterhofen.
Vom Hochmittelalter bis zum 19. Jahrhundert Ab circa 1100 entstand das Geschlecht Wolfstein-Sulzbürg und begann, seine Herrschaft auf den Raum zwischen Sulzbürg, Seligenporten und Lauterhofen auszudehnen. Der südliche Bereich stand vor allem unter dem Einfluss der Herren von Hirschberg. In der gesamten Region entstanden zahlreiche Burganlagen, die heute nur noch teilweise erhalten sind. Ab 1130 entstand die Stadt Neumarkt, die sich rasch zu einem neuen Zentrum entwickelte. Ab 1410 wurde sie pfälzische Residenzstadt, große Teile des heutigen Kreisgebietes gehörten nun zum Herzogtum Pfalz-Neumarkt beziehungsweise zur Kurpfalz. Der Landshuter Erbfolgekrieg erfasste 1504 auch den Raum Neumarkt, welcher jedoch größtenteils weiterhin in wittelsbachischem Besitz blieb und ab Mitte des 16. Jahrhunderts zu Pfalz-Neuburg gehörte. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges drangen schwedische Truppen wiederholt bis in diese Region vor. 1628 kam das gesamte heutige Landkreisgebiet zum Kurfürstentum Bayern. Neumarkt war keine Residenzstadt mehr und die Stadt und das Umland verloren erheblich an Bedeutung. In den Koalitionskriegen am Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu mehreren unbedeutenden Gefechten zwischen österreichischen und französischen Truppen.
Landgerichte 1803 wurden die Landgerichte in Neumarkt, Hilpoltstein und Parsberg eingerichtet. Neumarkt und Hilpoltstein gehörten zunächst zum Altmühlkreis und ab 1810 zum Oberdonaukreis. 1838 kamen beide Landgerichte zum Regenkreis, zu dem das Landgericht Parsberg bereits gehörte.
Bezirksämter Das Bezirksamt Neumarkt wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Hilpoltstein und Neumarkt neu gebildet. Parsberg kam zum Bezirksamt Velburg.
Am 1. Januar 1880 wurde der Amtsgerichtsbezirk Hilpoltstein vom Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz abgetrennt und mit dem Amtsgerichtsbezirk Greding aus dem Bezirksamt Beilngries zum neuen Bezirksamt Hilpoltstein vereinigt, das nunmehr zu Mittelfranken gehörte. Das Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz erhielt dafür den Amtsgerichtsbezirk Kastl vom aufgelösten Bezirksamt Velburg. Gleichzeitig wurde ein neues Bezirksamt Parsberg aus dem Amtsgerichtsbezirk Parsberg und dem Amtsgerichtsbezirk Hemau gebildet.
Am 1. Januar 1895 übernahm das Bezirksamt Nürnberg die Gemeinde Hagenhausen des Bezirksamtes Neumarkt in der Oberpfalz.
Im gesamten Bezirksamt machte sich die Industrialisierung bemerkbar. Zwar blieben die Dörfer auch weiterhin vor allem landwirtschaftlich geprägt, jedoch siedelten sich zunächst vereinzelt, später zunehmend Industriebetriebe an. Nach und nach wurden bis ca. 1930 fast alle Orte an die öffentliche Stromversorgung, später auch an die Wasser- und Gasversorgung angeschlossen.
Am 1. Januar 1900 wurde die Gemeinde Eismannsberg aus dem Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz in das Bezirksamt Nürnberg umgegliedert.
Am 1. Januar 1903 schied die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz aus dem Bezirksamt aus und wurde eine kreisunmittelbare Stadt.
Am 1. Oktober 1926 wurde das Bezirksamt Neumarkt in der Oberpfalz mit der Gemeinde Großalfalterbach des Bezirksamtes Beilngries vergrößert.
Ab 1933 übernahm wie überall im Deutschen Reich auch in den Landkreisgemeinden die NSDAP die Macht.
Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz Im Rahmen der Gebietsreform wurde der Landkreis am 1. Juli 1972 neu abgegrenzt:Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971 Die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz verlor ihre Kreisfreiheit und wurde in den Landkreis eingegliedert. Sie erhielt den Status einer Großen Kreisstadt. Der aufgelöste Landkreis Beilngries mit Ausnahme der Stadt Beilngries und ihrer Umgebung kam neu zum Landkreis. Der größte Teil des aufgelösten Landkreises Parsberg kam neu zum Landkreis. Aus dem aufgelösten mittelfränkischen Landkreis Hilpoltstein kamen die Gemeinden Michelbach und Mörsdorf neu zum Landkreis. Aus dem aufgelösten Landkreis Riedenburg kamen die Stadt Dietfurt an der Altmühl sowie die Gemeinden Eutenhofen, Gimpertshausen, Griesstetten, Hainsberg, Mallerstetten, Mühlbach, Premerzhofen, Staadorf, Unterbürg, Wildenstein und Zell neu zum Landkreis. Der Landkreis Neumarkt gab seinerseits die Gemeinden Allersburg, Hausen, Kastl, Pfaffenhofen, Ransbach, Thonhausen, Utzenhofen, Winkl und Wolfsfeld an den neuen Landkreis Amberg-Sulzbach ab.
Am 1. Mai 1978 war die Gebietsreform im Landkreis abgeschlossen. Seitdem entwickelte sich dieser zu einer wirtschaftlich stabilen Region.
In den 1970er Jahren wurde ein weiteres Teilstück der Autobahn A 3 errichtet, das den Landkreis mit Nürnberg und Regensburg verbindet. Dadurch wurden vor allem die Ortsdurchfahrten entlang der Bundesstraße 8 vom Fernverkehr entlastet. 1992 wurde der Main-Donau-Kanal fertiggestellt, der den Landkreis über Berching, Mühlhausen und Dietfurt durchquert.
1998 fand in Neumarkt die achte Bayerische Landesgartenschau statt. Seit 2005 ist der Landkreis ein Teil der Metropolregion Nürnberg.
Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis: