mini|300px|Altstadt mit Münster St. Johannes, Rathaus und Schlossviertel mini|300px|Stadtlogo seit 2011 Neumarkt in der Oberpfalz (, amtlich Neumarkt i.d.OPf., bairisch Neimack, Neimoark) ist eine Große Kreisstadt im gleichnamigen Landkreis im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz sowie der Verwaltungssitz des Landkreises und Teil der Metropolregion Nürnberg. Sie stellt das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der westlichen Oberpfalz zwischen Nürnberg, Ingolstadt und Regensburg dar. Mit Einwohnern ist Neumarkt nach Regensburg, Weiden und Amberg die viertgrößte Stadt in der Oberpfalz und im bayerischen Landesentwicklungsprogramm als Oberzentrum eingetragen.
Im 15. und 16. Jahrhundert war Neumarkt eine Residenzstadt der wittelsbachischen Linien Pfalz-Neumarkt und Pfalz-Mosbach. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zunehmend zu einem Wirtschafts- und Industriestandort, mehrere größere Unternehmen haben hier heute ihren Sitz. Wahrzeichen der Stadt sind die markanten Kirchtürme der Altstadt und die Burgruine Wolfstein, die auf einem Bergrücken über der Stadt liegt. 1998 fand in Neumarkt die bayerische Landesgartenschau statt.
Geographie
Geographische Lage Neumarkt liegt am Westrand der Fränkischen Alb bzw. des Oberpfälzer Jura, eingebettet in einen Talkessel. Das Stadtgebiet reicht im Osten bis auf die Hochfläche des Oberpfälzer Jura, ansonsten ist es begrenzt durch die Zeugenberge Dillberg, Staufer Berg und Buchberg. Der Neumarkter Talkessel entwässert nach Norden über die Schwarzach und Regnitz in den Main, nach Süden über Sulz und Altmühl, in die Donau, im Südosten auch über die Unterbürger Laber, die ebenfalls in die Altmühl fließt. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal durchquert das Stadtgebiet in Nord-Süd-Richtung und überwindet dort die Europäische Wasserscheide, d. h. die Rhein-Donau Wasserscheide. Die Höhenlage variiert zwischen 406 Metern an der Beckenmühle im Norden und 595 Metern in der Nähe des Gemeindeteils Fuchsberg, als Richtwert wird die Höhe des Rathauses mit angegeben.
Nachbargemeinden Die folgenden Gemeinden, die alle zum Landkreis Neumarkt gehören, grenzen an die Große Kreisstadt. Sie werden im Uhrzeigersinn im Norden beginnend genannt: Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, Pilsach, Velburg, Deining, Sengenthal, Berngau und Postbauer-Heng.
Geologie Neumarkt befindet sich an der westlichen Kante eines einstigen Korallenriffes der ehemaligen Tethys der Jurazeit, dem heutigen Oberpfälzer Jura. Der Boden im Talkessel ist überwiegend sandig (daher auch der frühere Name „Neumarkt auf dem Sand“), am Rand gibt es vereinzelt Lehmvorkommen. Die Berge und die Jura-Hochfläche bestehen aus härteren Jurakalken, denen mehrere Quellen entspringen, beispielsweise die Weiße Laber im Stadtteil Voggenthal.
Stadtgliederung und Flächennutzung
Neumarkt i.d.OPf. hat 45 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
mini|Ausblick von der Wallfahrtskirche Mariahilf über Neumarkt in Richtung Südwest Das Stadtgebiet Neumarkts besteht aus der Kernstadt Neumarkt sowie mehreren Dörfern und Einödhöfen. Die Große Kreisstadt setzt sich aus zehn Gemarkungen zusammen, die Flächen der ehemals selbständigen Gemeinden darstellen.
Gemarkung Fläche in HektarGemarkungFläche in Hektar Helena 1125Neumarkt i.d.OPf.1461 Holzheim 473Pelchenhofen715 Labersricht 549Pölling1057 Lippertshofen 549Stauf575 Mühlen 748Woffenbach644
Stadt Neumarkt mini|Altstadt: Schlossviertel mit Pfalzgrafenschloss, Hofkirche und Reitstadel Kern des Stadtgebiets ist die Altstadt in ihren noch erkenntlichen Umrissen. Sie wird in die historischen Viertel Schlossviertel, Kastenviertel, Johannesviertel und Kreuzviertel eingeteilt, die durch die Achsen Marktstraße und Hallertorstraße/Klostergasse getrennt werden. Ab 1850 entstanden erste Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtmauer in Richtung Osten, entlang der heutigen Mühlstraße, Mariahilfstraße und Badstraße. Im Süden entwickelte sich ab 1920 das Industriegebiet Süd. Nach 1945 wurde die Stadt auch nach Westen erweitert und wuchs mit den Gemeinden Woffenbach und Holzheim zusammen. Im Norden, Osten und Süden entstanden weitere Siedlungsgebiete um das Zentrum, im Uhrzeigersinn von Nord nach Süd sind dies: Altenhof, Koppenmühle, Kohlenbrunnermühle, Mühlen, Wolfstein, Weinberg, Schlosserhügel und Hasenheide.
Geographisch wird das geschlossene Stadtgebiet von der Stadtumgehung Berliner Ring beziehungsweise Münchener Ring im Norden, Westen und Süden sowie vom Albtrauf des Oberpfälzer Jura im Osten (Mariahilfberg, Wolfsteinberg) begrenzt.
Ehemalige Gemeinden mini|Stadtteile Kohlenbrunnermühle und Altenhof Durch die Gebietsreform wurden am 1. Juli 1972 die Gemeinden Helena, Holzheim, Labersricht, Lippertshofen, Mühlen, Pelchenhofen und Pölling sowie Teile der aufgelösten Gemeinden Stauf und Woffenbach eingegliedert und das Stadtgebiet damit erheblich erweitert.
Im Norden befinden sich die Stadtteile Ischhofen und Rödelberg, die die ehemalige Gemeinde Mühlen bildeten, sowie das ehemals selbstständige Labersricht. Die beiden ebenfalls eingegliederten Gemeinden Pölling und Woffenbach sowie Rittershof sind die westlichsten Stadtteile, daran schließt sich im Nordosten die ehemalige Gemeinde Holzheim an. Im Südwesten gehört Stauf, Hauptort der ehemaligen Gemeinde, zur Stadt.
Auf der Jura-Hochfläche der Fränkischen Alb im Osten befinden sich die Stadtteile Frickenhofen, Fuchsberg, Höhenberg, Höhenberg im Tal, Lampertshofen, Lippertshofen, Ottosau, Pelchenhofen, St. Helena und Voggenthal noch als dörflich geprägte Ortschaften.
Außerdem gibt es im Stadtgebiet verschiedene Mühlen und Einödhöfe, beispielsweise Tiefenbrunn, Bodenmühle und Habershöhe. mini|Sandsteinfelsen in der Teufelsschlucht Gebäudeverteilung Anzahl der Wohnungebäude10.305 Anteil der Gebäude mit 1 Wohnung 71,5 % Anteil der Gebäude mit 2 Wohnungen 15,1 % Anteil der Gebäude mit 3 oder mehr Wohnungen 13,3 %Anzahl der Wohnungen in Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden20.533 Durchschnitt Einwohner je Wohnung 2,0 Durchschnittl. Wohnfläche je Wohnung 99,9 m² Quelle mini|299x299px|Einwohnerentwicklung von 1840 bis 2017. Rot: ursprünglicher Gebietsstand, blau: heutiger Gebietsstand
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung Seit dem 19. Jahrhundert ist die Einwohnerzahl auf heute etwa 41.000 angewachsen, insbesondere auch durch Eingemeindungen im Rahmen der im Jahre 1972 umgesetzten Gemeindegebietsreform.
Kreisfreie Stadt Neumarkt i.d.OPf.historische Bevölkerungszahlen Neumarkt/Opf.Einwohner lt. aktueller Angabe der Stadt Neumarkt, abgerufen am 30. Januar 2015
Große Kreisstadt Neumarkt i.d.OPf.Zahlenspiegel der Stadt Neumarkt i.d.Opf per 31.12.2025
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Klima
Neumarkt hat ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ausgeprägt ist. Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen −0,2 °C im Januar und 18,7 °C im Juli. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,2 °C. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 880 Millimeter, wobei es im Februar am trockensten und im Juli am feuchtesten ist. Die Niederschlagsmenge ist etwas höher als in den westlich und östlich angrenzenden Gebieten. Ursache hierfür ist die geografische Lage Neumarkts in einem Talkessel am Westrand des Oberpfälzer Jura, die regelmäßig zu Stauwetterlagen führt.
Geschichte
mini|hochkant|Friedrich II. von der Pfalz mini|Neumarkt nach Merian (um 1644) mini|Internierungslager Wolfstein (1943) mini|Siedlung Wolfstein, im Hintergrund Schafhof (um 1960) mini|Hafen Neumarkt (2024)
Spuren einer ersten Besiedlung lassen sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen, rund um Neumarkt existieren zahlreiche Grabhügel und mehrere keltische Wallanlagen. Erste Ortsgründungen durch die Bajuwaren werden im 6. und 7. Jahrhundert vermutet, zum Beispiel der heutige Stadtteil Pölling.
Die genauen Gründungsdaten von Neumarkt sind nicht bekannt, aber die Gründung als „neuer Markt“ wird für den Anfang des 12. Jahrhunderts an der Handelsstraße zwischen Nürnberg und Regensburg angenommen. 1135 und 1160 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, 1315 wurde zum ersten Mal von einer Stadtbefestigung berichtet. Im 13. Jahrhundert gewährte Kaiser Friedrich II. Zollfreiheit zwischen Neumarkt und Nürnberg und der Stadt damit auch die Reichsunmittelbarkeit. Diesen Status konnte die Stadt jedoch nie durchsetzen, 1329 fiel die Stadt durch den Hausvertrag von Pavia an die pfälzischen Wittelsbacher.
Im 15. und 16. Jahrhundert war Neumarkt pfälzische Residenzstadt und bis 1531, als Kaiser Karl V. sie als erblichen Besitz an die Pfalzgrafen übereignete, Freie Reichsstadt. Pfalzgraf Johann verlegte seinen Regierungssitz dorthin und begann, die Stadt zur Residenz auszubauen. Es entstanden unter anderem die Kirche St. Johannes, die Hofkirche und das Pfalzgrafenschloss. Es folgten die Pfalzgrafen Otto I., sein Sohn Otto II. und Friedrich II. von der Pfalz, der später Kurfürst wurde und nach Heidelberg übersiedelte.
Nach den Pfalzgrafen verlor Neumarkt stark an Bedeutung. Im politischen und wirtschaftlichen Leben spielte die Stadt nur noch für die Region eine Rolle, das Wachstum kam nahezu zum Stillstand. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich wieder ein Aufschwung bemerkbar. Bedeutende Ereignisse waren in 300 Jahren nicht zu verzeichnen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Neumarkt von 1633 bis 1635 und von 1646 bis 1649 von schwedischen Truppen besetzt, die die Stadt plünderten und teilweise zerstörten.
In den Koalitionskriegen kam es im Sommer 1796 zu einer dramatischen Begegnung zwischen französischen und österreichischen Truppen, als sich die Franzosen in der Stadt verbarrikadierten und die Österreicher deren komplette Zerstörung androhten. In diesem Kontext existiert die Legende von der Rettung der Stadt Neumarkt durch den Neumarkter Schmied Veit Jung, der eigenmächtig das Obere Tor aufschlug, um Schlimmeres zu verhindern. Zwar ist belegt, dass Veit Jung tatsächlich lebte; die ersten Berichte von der Rettung Neumarkts durch ihn wurden jedoch erst 47 Jahre nach seinem Tod aufgeschrieben, sodass die Rettung Neumarkts durch Veit Jung nicht mehr verifiziert werden kann.Neumarkter Nachrichten - War der Torschmied nur ein Produkt der Fantasie? Vortrag von Ludwig Härteis beim Historischen Verein: 20. Oktober 2006
Als Bayern ab 1806 unter Napoléon I. Königreich wurde, erhielt Neumarkt den Status einer königlich-bayerischen Stadt und wurde Sitz eines Landgerichts. Im 19. Jahrhundert wandelte sich Neumarkt allmählich zum Industriestandort. Ab 1830 arbeiteten im Raum Neumarkt mehrere Tausend Menschen am Bau des Ludwigskanals, mit seiner Fertigstellung 1846 wurde Neumarkt Hafenstadt. 1884 entstand mit den Express Werken die erste Fahrradfabrik in Kontinentaleuropa.
Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs wurden auch in Neumarkt bald spürbar. Über 300 Neumarkter fielen im Krieg. In den 1920er Jahren war die Stadtverwaltung sehr bemüht, neue Industrien anzusiedeln. 1921 wurde der ehemalige Exerzierplatz an die Holzgroßhandlung Pfleiderer aus Heilbronn verkauft, die später als Pfleiderer ihren Unternehmenssitz nach Neumarkt verlegte. 1922 gründete die Bleistiftfabrik Eberhard Faber ein Werk an der heutigen EFA-Straße.