mini|Kupfer-Dirham mit dem Idealbild einer Saladin repräsentierenden, thronenden Herrschergestalt mit Globus in der Linken; geprägt (laut Rückseite) 586 H. (1190/1191).Die umlaufende Inschrift lautet: .Zum Kupfer-Dirham innerhalb von Saladins Geldsystem, zur bildlichen Darstellung von Herrschern und zur Datierung der Münze siehe Alfried Wieczorek u. a. (Hrsg.): Saladin und die Kreuzfahrer. [Begleitband zur Sonderausstellung „Saladin und die Kreuzfahrer“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), im Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg und in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]. Von Zaberb, Mainz am Rhein 2005, S. 321 f. Sowie Stefan Heidemann: Geld verbindet – Münzen der Zangiden, Ayyubiden und Kreuzfahrer. In: Syrien in der Zeit Saladins: Begleitschrift zur Sonderausstellung „Saladin und die Kreuzfahrer“ im Landesmuseum für Natur und Mensch vom 05.03–02.07.2006. Isensee Verlag, Oldenburg 2006, S. 63–69.

Saladin (Die Übersetzung von Ṣalāḥ ad-Dīn (Saladin) als „Heil der Religion“ dominiert im deutschen Schrifttum des 19. Jahrhunderts, in dem sich auch „Heil des Glaubens“ findet. Während die Islamwissenschaftler des 20. und 21. Jahrhundert wie Hannes Möhring wegen der Mehrdeutigkeit der Begriffe Ṣalāḥ und Dīn eine Übersetzung vermeiden, sind in populären Schriften und Zeitungsartikeln auch weitere Übersetzungen üblich, beispielsweise „Ehre des Glaubens“, „Redlichkeit/Rechtschaffenheit der Religion“ und „Wahrheit des Glaubens“. mit dem Titel ; geboren 1137/1138Nach Abu l-Fida und anderen Historikern wie aḏ-Ḏahabī: Siyar aʿlām an-nubalāʾ, Band 21, S. 278–279 wurde er (nach Islamischer Zeitrechnung) im Jahr 532 in Tikrit geboren, was dem Jahr 1137/38 entspricht. in Tikrit; gestorben am 3. März oder 4. März 1193 in DamaskusDie unentschiedene Frage, ob Saladin am 3. oder am 4. März 1193 gestorben sei, ist entstanden durch eine widersprüchlich erscheinende Angabe des islamischen Zeitzeugen Bahā' ad-Dīn Yusuf ibn Rafi ibn Shaddād in: al-Nawādir al-sulṭāniyya wa ’l-maḥāsin al-Yūsufiyya or Sīrat Ṣalāḥ al-Dīn. Er schreibt: „Der Sultan starb nach der Stunde des Morgensgebetes, am Mittwoch, den 27. Safer 589.“ Nach unseren heutigen Berechnungen entspricht der 27. Safer 589 dem 4. März 1193 und ist ein Donnerstag. Der Mittwoch dagegen ist am 26. Safer 589 und entspricht dem 3. März 1193.) war ab 1171 der erste Sultan von Ägypten und ab 1174 Sultan von Syrien. Als kurdischstämmiger Führer gründete er die Dynastie der Ayyubiden.Andrew S. Ehrenkreutz: Saladin. Albany, N.Y. : State Univ. of New York Press, 1972, S. 11 f.Hannes Möhring: Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. 2. Auflage. Beck, München 2012, S. 48 f, 61 ff. und 124.

Unter dem Namen „Sultan Saladin“ wurde er zu einem Mythos der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. Er eroberte im Jahr 1187 Jerusalem. Als erfolgreicher Gegenspieler der Kreuzfahrer wurde er oft verklärt und romantisiert. Die moderne Geschichtsschreibung hingegen geht davon aus, dass er seine Rolle als Verteidiger des Islam auch als Legitimation seiner machtpolitischen Ziele benutzte.

Leben und Wirken Herkunft und erste administrative und militärische Aufgaben mini|Saladins Lebens- und Wirkungsbereich im Jahr 1154 auf einer aus Einzelkarten al-Idrisis zusammengestellten Weltkarte. Die Karte ist gen Süden ausgerichtet. Die Umschrift der geografischen Orte stammt von Konrad Miller. Tikrit, Baalbek, Damaskus, Aleppo und Kairo wurden zusätzlich fett beschriftet. Saladin stammte aus einer kurdischen Familie. Sein Vater Nadschmuddin Ayyub wurde in Dwin im heutigen Armenien geboren und war Gouverneur der Seldschuken in Tikrit. Später diente er mit seinem Onkel Schirkuh im Heer von Zengi und dessen Sohn Nur ad-Din. Saladin wuchs in Baalbek und in Damaskus auf, wo sein Vater jeweils Gouverneur Nur ad-Dins war. Einige Mitglieder seiner Familie waren zu hohen Posten gekommen und dienten dem Heranwachsenden als Vorbilder: sein Vater Nadschmuddin Ayyub, sein Onkel Schirkuh, der Bruder seiner Mutter Schihab ad-Din al-Harimi sowie sein älterer Bruder Turan Schah.Andrew S. Ehrenkreutz: Saladin. Albany, N.Y. : State Univ. of New York Press, 1972, S. 31. mini|hochkant|Nur ad-Din, Saladins Herr und Förderer, auf einer französischen Miniatur des 13. Jahrhunderts.Histoire d'Outremer (1232–1261), französische Übersetzung von Historia rerum in partibus transmarinis gestarum von Wilhelm von Tyrus. British Library Yates Thompson MS 12, f. 132r. 1152 wurde Saladin im Alter von vierzehn Jahren von Nur ad-Din in Aleppo in den Militärdienst übernommen und erhielt ein eigenes Lehen. 1154 gelang Nur ad-Din die Vereinigung von Aleppo und Damaskus. Zwei Jahre später machte er Saladin als Nachfolger von Turan Schah zum Leiter einer städtischen Polizeitruppe (Shiḥna) in Damaskus.Alfried Wieczorek u. a. (Hrsg.): Saladin und die Kreuzfahrer. [Begleitband zur Sonderausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), im Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg und in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]. Mainz am Rhein : von Zabern, 2005, S. 261. Aus Protest gegen Betrügereien in der Finanzverwaltung legte Saladin dieses Amt jedoch nieder und kehrte in den Militärdienst zurück. Kurz danach vertraute ihm Nur ad-Din den Posten eines Verbindungsoffiziers zu seinen Kommandeuren an. Saladin blieb stets an der Seite des Sultans und erhielt dadurch aus erster Hand Einsichten in die Erfordernisse, einer feudalen Militärorganisation vorzustehen.Andrew S. Ehrenkreutz: Saladin. Albany, N.Y. : State Univ. of New York Press, 1972, S. 31 f. Nur ad-Dins leidenschaftliche Befolgung der religiösen Vorschriften dagegen scheint ihn zu diesem Zeitpunkt noch nicht beeinflusst zu haben, denn er schloss sich den 1157 von seinem Vater sowie 1160 und 1161 von Schirkuh geführten Pilgerkarawanen nach Mekka nicht an.Andrew S. Ehrenkreutz: Saladin. Albany, N.Y. : State Univ. of New York Press, 1972, S. 32.

1163 befahl Nur ad-Din Saladin, seinen Onkel Schirkuh bei einer Militäraktion nach Ägypten zu begleiten. Ziel war es, Schawar als Wesir in Ägypten durchzusetzen. Doch dieser verbündete sich 1164 mit König Amalrich I. von Jerusalem gegen Schirkuh, und Schirkuh war gezwungen, sich aus Ägypten zurückziehen. Bei dieser Aktion führte Saladin erstmals eigenständig ein Kommando. Er konnte die Festungsstadt Bilbais einnehmen und drei Monate lang halten. Nach seiner Rückkehr nach Damaskus übergab ihm Nur ad-Din zum zweiten Mal den Posten des Shiḥna. Sein geringer Eifer in diesem Amt brachte ihm die Kritik des obersten Richters Kamal ad-Din ibn al-Sharazuri ein, was seinem Ansehen bei Nur ad-Din aber nicht schadete.Andrew S. Ehrenkreutz: Saladin. Albany, N.Y. : State Univ. of New York Press, 1972, S. 36–38. Auch auf weiteren Kriegszügen nach Ägypten im Januar 1167 und im Dezember 1168 begleitete Saladin Schirkuh auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin. Im Januar 1169 nahm Saladin Schawar fest, der auf Befehl des Kalifen al-ʿĀdid getötet wurde. Wesir wurde nun Saladins Onkel Schirkuh.Hannes Möhring: Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. 2. Auflage. Bekck, München 2012, S. 33–41.

Herrschaft über Ägypten und Syrien mini|hochkant|Kairo im 12. Jahrhundert, Karte aus Stanley Lane-Pooles The Story of Cairo mit Zitadelle (Saladin's Citadelle) und Stadtmauer (Saladin's Wall) Im März 1169 erhielt Saladin nach dem Tod Schirkuhs den Oberbefehl über Ägypten, zuerst noch als Wesir des letzten Fatimidenkalifen al-ʿĀdid. Nach dessen Tod 1171 herrschte Saladin allein als Sultan von Ägypten. Er stellte die sunnitische Orthodoxie in Ägypten wieder her.Hannes Möhring: Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. 2. Auflage. Beck, München 2012, S. 41–51. Beispielsweise gründete er theologisch-juristische Hochschulen, setzte den obersten Richter ab und installierte stattdessen einen sunnitischen Rechtsgelehrten. Den Handel und die steuerlichen Abgaben richtete er nach dem sunnitisch-islamischen Recht aus und auch persönlich zog er Konsequenzen, indem er schon als Wesir das Weintrinken und andere Vergnügungen aufgab und ein eher bedürfnisloses Leben führte.Hannes Möhring: Muslimische Reaktionen: Zangi, Niraddin und Saladin. In: Alfried Wieczorek u. a. (Hrsg.): Saladin und die Kreuzfahrer. [Begleitband zur Sonderausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), im Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg und in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]. Mainz am Rhein : von Zabern, 2005, S. 90. Kairos Zitadelle und Stadtmauer ließ er ausbauen, ein strategisches und ideologisches Zeichen für die sunnitisch ausgerichtete Macht der Ayyubiden über Ägypten.Alfried Wieczorek u. a. (Hrsg.): Saladin und die Kreuzfahrer. [Begleitband zur Sonderausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), im Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg und in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim]. Mainz am Rhein : von Zabern, 2005, S. 267.Die Ergebnisse von Ausgrabungen in Kairo seit 2000 bezeugen, dass auch entlang des Nils eine Stadtmauer errichtet wurde. Eine 2002 gefundene Inschrift nennt Saladin mit vielen Ehrentiteln als deren Erbauer: Al-malik al-nāṣir ( الملك الناصر ), Ǧāmiʿ kalimat al-īmān ( جامع كلمة الإيمان ), Qāmiʿ ʿabadat al-ṣulbān ( قامع عبدة الصلبان ), Ṣalāḥ al-dunyā wa l-dīn ( صلاح الدنيا والدين ), Sulṭān al-islām wa l-muslimīn ( سلطان الإسلام والمسلمين ), Abū al-Muẓaffar Yūsuf fils de Naǧm al-Dīn Ayyūb, Muḥyī dawlat amīr al-mu’minīn ( محيي دولة أمير المؤمنين ). Siehe dazu: Frédéric Imbert: Une nouvelle inscription de Saladin sur la muraille ayyûbide du Caire. In: Annales islamologiques 42, 2008. Dossier: Groupes sociaux et catégorisation sociale dans le Dār as-islām médiéval (VIIe-XVe siècles). S. 409–421. 1174 überwarf er sich mit Nur ad-Din. Nach dessen Tod ergriff Saladin noch im selben Jahr gegen dessen von ihm zunächst anerkannten, minderjährigen Erben auch die Herrschaft über Syrien – außer Aleppo. Zwischen Ende 1174 und Mitte 1176 führte er mehrere erfolgreiche Kriegszüge gegen seine muslimischen Nachbarn, so nahm er im Dezember 1174 Hama, im März 1175 Homs und Baalbek ein und besiegte die Zangiden im April 1175 bei den Hörnern von Hama und im April 1176 in Tall as-Sultan. Im Mai und Juni 1176 nahm er Buzāʾa und Aʿzāz ein. Im Feldlager von Aʿzāz war ein zweiter, wieder erfolgloser Versuch von Fidāʾiyyīn der Assassinen, ihn zu ermorden, gescheitert. Kurz danach, im August 1176, belagerte Saladin die assassinische Festung Masyaf, ohne sie einnehmen zu können.Anne-Marie Eddé: Saladin. Übersetzung ins Englische von Jane Marie Todd. Cambridge, Mass. [u. a.] : Belknap Press of Harvard Univ. Press, 2014, S. XIV u. S. 394 f. Anfang September 1176 heiratete er Ismataddīn Khātūn, die Witwe Nur ad-Dins. Damit betonte er seine Legitimation als Nachfolger Nur ad-Dins.Hannes Möhring: Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. 2. Auflage. Beck, München 2012, S. 61–63. Damaskus war nun Saladins bevorzugter Aufenthaltsort. Das wirtschaftlich starke Ägypten dagegen blieb der ungeliebte, aber reiche Geldgeber für Saladins ständige Kriege. An al-Qadi al-Fadil schrieb Saladin, Ägypten sei für ihn nicht mehr als eine Hure, die beim Versuch, ihn von seinem treuen Weib Syrien zu trennen, gescheitert sei.Hannes Möhring: Saladin. Der Sultan und seine Zeit 1138-1193. 2. Auflage. Beck, München 2012, S. 45.

Erweiterung des Herrschaftsgebietes, Sieg bei Hattin und Eroberung Jerusalems mini|Die Schlacht bei Hattin: Saladin entreißt dem fliehenden König Guido das Heilige Kreuz, das seither verschollen ist. Darstellung aus der Chronica maiora des Matthäus Paris, um 1250.