Gattaca ist ein US-amerikanischer dystopischer Science-Fiction-Film mit Ethan Hawke, Uma Thurman und Jude Law in den Hauptrollen. Regie führte Andrew Niccol, der auch das Drehbuch verfasste. Der Cyberpunk-Film startete am 24. Oktober 1997 in den US-Kinos und am 9. Juli 1998 in Deutschland.
Als Vertreter des Subgenres Biopunk setzt sich Gattaca mit Fragen der genetischen Diskriminierung so differenziert auseinander, dass der Film nicht nur für universitäre Einführungen in den Themenbereich Biopunk, Bioethik und die Wissenschaft der Genmanipulation genutzt wird, sondern auch Jahrzehnte später noch aktuell ist.Science at the Movies: Gattaca University of Toronto, (englisch), abgerufen am 19. Mai 2022.C. B. Ogbunugafor & M. D. Edge: Gattaca as a lens on contemporary genetics: marking 25 years into the film’s “not-too-distant” future. Genetics. 2022 Oct 11;222(4):iyac142. doi:10.1093/genetics/iyac142
Handlung In einer „nicht allzu weit entfernten Zukunft“ ist es möglich, mittels DNS-Analyse des menschlichen Erbguts Veranlagungen für alle erdenklichen Krankheiten, für geistige und physische Fähigkeiten sowie die Lebenserwartung zu ermitteln. Nachwuchs wird fast nur noch per In-vitro-Fertilisation gezeugt und anschließend mittels Präimplantationsdiagnostik selektiert. Die wenigen noch auf natürliche Weise Gezeugten nennt man zwar euphemistisch „Gotteskinder“, in Wahrheit hält man sie jedoch für „invalid“, d. h. in jeder Hinsicht minderbemittelt. Diskriminierung aus genetischen Gründen ist zwar offiziell verboten, aber dessen ungeachtet werden die „Invaliden“ von der modernen Hochleistungsgesellschaft gnadenlos ausgegrenzt und bilden die neue Unterschicht.
Bei der Geburt des Protagonisten Vincent Freeman liest die Krankenschwester nach einem sofort durchgeführten Bluttest vor, welche gesundheitlichen Risiken ihn in seinem Leben erwarten – unter anderem ein schwaches Herz und eine niedrige Lebenserwartung. Anders als bei seinem jüngeren Bruder Anton haben sich seine Eltern entschieden, keine Selektion anzuwenden. Zwischen den Brüdern entwickelt sich eine ständige Rivalität. Anton glaubt fest an seine genetische Überlegenheit und kann sie bei ihren kindlichen Kraft- und Ausdauerproben auch stets beweisen. Trotzdem stellt sich Vincent der Herausforderung hartnäckig immer wieder, und eines Tages ist tatsächlich er es, der ein Wettschwimmen auf offenem Meer gewinnt: Der Bruder erleidet einen Schwächeanfall und geht unter, Vincent rettet ihn. Bald darauf trennen sich ihre Lebenswege.
Schon früh begeistert sich Vincent für die Raumfahrt, wenngleich eine Astronautenkarriere für ihn ein unerfüllbarer Traum bleiben muss. Zwar ist seine Intelligenz hervorragend, nichts deutet auf die prognostizierten Herzprobleme hin, und seine Kurzsichtigkeit lässt sich leicht mit Kontaktlinsen korrigieren, doch bei der Berufswahl zählen praktisch nur noch die genetischen Daten. So bleibt ihm nach diversen Ablehnungen, aufgrund seiner genetischen Einstufung tatsächlich nur ein Job als Gebäudereiniger. Allerdings gibt es inzwischen illegale Mittel und Wege, um die genetische Diskriminierung zu umgehen. Ein obskurer Vermittler bringt Vincent mit dem ehemaligen Weltklasseathleten Jerome Eugene Morrow zusammen, der bereit ist, ihm seine Identität zu verkaufen. Jerome ist durch einen Unfall querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen, sodass ihm seine hervorragende genetische Ausstattung nichts mehr einbringt und er eine andere Geldquelle braucht, um seinen gewohnten luxuriösen Lebensstil fortführen zu können. Um den biometrischen Merkmalen Jeromes auch optisch zu entsprechen, muss Vincent sich zunächst einer Beinverlängerung (mittels Fixateur externe) unterziehen.
Mit Jeromes Identität bekommt Vincent so schließlich einen Ausbildungsplatz beim Raumfahrtunternehmen Gattaca. Als er noch bei der Putzkolonne arbeitete, hatte er bereits die scharfen Sicherheitsvorkehrungen ausgespäht. Für die häufigen Tests und Kontrollen versorgt Jerome ihn nicht nur mit Urin- und Blutproben, sondern sogar mit aufgezeichneten Belastungs-EKGs. Mittels ausgeklügelter Vorrichtungen gelingt es Vincent, den wachsamen Blick des Raumfahrtmediziners Doktor Lamar zu täuschen. Natürlich darf er auch keine Spuren seiner eigenen Identität wie z. B. Haare oder Hautzellen hinterlassen, was eine äußerst penible Körperpflege erfordert. Als Lohn aller Mühen winkt die verlockende Aussicht, am ersten bemannten Flug zum Saturnmond Titan teilzunehmen.
Noch komplizierter wird es für Vincent, als er sich in die Mitarbeiterin Irene verliebt. Nie könnte er ihr sein Geheimnis offenbaren, da er durch seinen Betrug inzwischen allen Anforderungen entspricht, während sie, obwohl genetisch selektiert und nicht weniger ehrgeizig als er, allein wegen einer geringfügigen Herzschwäche abgelehnt wurde. Überdies ist es auch unter Verliebten üblich, vom potentiellen Partner heimlich eine Genanalyse anfertigen zu lassen. Deshalb ist Vincent jetzt noch vorsichtiger und präpariert sein Umfeld gezielt mit genetischem Material von Jerome.
Nachdem ein leitender Gattaca-Mitarbeiter ermordet wurde, findet die Polizei die genetische Spur eines dort nicht registrierten „Invaliden“ (von engl. in-valid; ungültig); ein Wimpernhaar, das Vincent am Arbeitsplatz ausgefallen war. Sofort konzentrieren sich die Ermittlungen darauf, den Besitzer des Haars zu finden, da den genetisch als minderwertig Deklarierten eine Neigung zu Gewalttätigkeit nachgesagt wird. Dabei ist der zuständige Ermittler ausgerechnet Vincents Bruder Anton. Glücklicherweise erkennt er seinen älteren Bruder vorerst nicht, da Vincent sein Aussehen verändert hat und Anton davon ausgeht, dass er längst an seinem Herzfehler verstorben sei. Dennoch droht Vincent aufzufliegen, so dass die Teilnahme an dem Raumflug, der ungeachtet der laufenden Ermittlungen starten soll, zu seiner letzten Chance wird.
Obwohl die Polizei den Täter findet und die Untersuchung einstellt, entspannt sich Vincents Lage nicht, denn sowohl Irene als auch Anton haben sein Doppelleben inzwischen durchschaut. Irene ringt sich dazu durch, ihn nicht zu verraten, während Anton als Polizist den Betrug auf keinen Fall dulden will. Wieder kommt es zu einem erbitterten Kräftemessen, und wiederum muss sich Anton angesichts der extremen Willensstärke und Risikobereitschaft seines „invaliden“ Bruders geschlagen geben. Daraufhin schweigt auch er und lässt Vincent gewähren.
Als Teil der Besatzung will Vincent gerade das Raumschiff betreten, als vor dem Start ein unangekündigter letzter Urintest verlangt wird, auf den Vincent nicht vorbereitet war. Obwohl er sein Ergebnis sieht, bescheinigt Doktor Lamar ihm lächelnd den Status „valid“. Offenbar wusste er schon länger von Vincents falscher Identität und half ihm unbemerkt bei der Verschleierung. Der Grund dafür ist, dass sein eigener Sohn trotz Selektion nicht ganz so geworden ist, „wie man es versprochen hat“, wobei Vincents Beispiel ihm Hoffnung machte, dass er trotzdem erreichen könne, was er will.
Während Jerome anfangs noch zynisch, depressiv und zuweilen gefährlich nachlässig war, hat er Vincents Wunsch zunehmend unterstützt. Beim Abschied zeigt er Vincent einen enormen Vorrat an konservierten Blut- und Urinproben, der nach dessen Rückkehr für lange Zeit ausreichen wird. Da er jedoch keine Perspektive für sich selbst sieht, nimmt Jerome seine Medaille und setzt seinem Leben durch Selbstverbrennung ein Ende, während die Rakete mit Vincent startet.
Entstehung mini|Vierter Stock des Marin County Civic Center mit Glasdach Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Barstow, Kalifornien, statt. Die Innenaufnahmen entstanden zum Teil im Marin County Civic Center, erbaut in den Jahren 1957–1966 vom US-amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright. Im Hintergrund sind die startenden Raumfahrzeuge im gewölbten Glasdach zu sehen.Marin County Civic Center. In: Frank Lloyd Wright Building Index Ein Teil des Films wurde im Sonnenwärmekraftwerk Kramer Junction Solar Electric Generating Station in Kalifornien gedreht. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Hermes Synchron. Dialogregie führte Lutz Riedel nach eigenem Dialogbuch.
Vincent Freeman Ethan Hawke Andreas Fröhlich Irene Cassini Uma Thurman Petra Barthel Jerome Eugene Morrow Jude Law David Nathan Direktor Josef Gore Vidal Peter Schiff Dr. Lamar Xander Berkeley Norbert Gescher Anton Freeman, Bruder von Vincent Loren Dean Torsten Michaelis Vincent Freeman als Jugendlicher Chad Christ Timmo Niesner Vincent Freeman als Kind Mason Gamble N. N. Anton Freeman als Jugendlicher William Lee Scott Julien Haggège Anton Freeman als Kind Vincent Nielson N. N. Marie Freeman, Mutter von Vincent Jayne Brook Susanna Bonasewicz Antonio Freeman, Vater von Vincent Elias Koteas Erich Räuker Genetiker Blair Underwood Martin Keßler Caesar, Leiter der Putzkolonne Ernest Borgnine Wolfgang Völz German, Genom-Makler Tony Shalhoub Stefan Staudinger Detective Hugo, Kriminalpolizist Alan Arkin Christian Brückner Gattaca-Fitnesstrainerin Gabrielle Reece N. N. Mission Commander Lindsey Lee Ginter N. N.
Themen und Motive Gattaca war das Regiedebüt von Andrew Niccol, dem Drehbuchautor von Die Truman Show. Der Film folgt der Tradition von Werken wie Flucht ins 23. Jahrhundert und THX 1138 (Erstlingswerk von George Lucas), die sich ebenfalls kritisch mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung auseinandersetzen und versuchen, die daraus resultierenden Gefahren in teilweise düsteren Zukunftsvisionen aufzuzeigen.
Der Titel „Gattaca“ ist aus den Abkürzungen der vier Nukleinbasen der DNS zusammengesetzt: A für Adenin, C für Cytosin, G für Guanin und T für Thymin. Die Abfolge dieser Basen als GATTACA kann oft in der menschlichen DNA gefunden werden. Im Vor- und Abspann sind diese Buchstaben in den Namen der Akteure hervorgehoben. Auch im Film selbst finden sich immer wieder Anspielungen auf das menschliche Erbgut, an dessen Güte in der Welt von Gattaca der Wert jedes Menschen ablesbar sein soll; so zum Beispiel die Wendeltreppe in Jeromes Haus, die sich an die Struktur der Doppelhelix anlehnt. Jeromes Zweitname – Eugene – ist griechischen Ursprungs und bedeutet wörtlich übersetzt „gute Geburt“ (im Sinne von: von guter Herkunft): Jerome hat also gute Anlagen von Geburt an und könnte es wegen seines „unübertroffenen genetischen Quotienten“ in der Welt von Gattaca weit bringen.
Dadurch, dass Vincent am Ende des Films seinen Traum verwirklicht und ins All reist, verliert das in Gattaca dargestellte Gemeinwesen seine Glaubwürdigkeit. Er ist der „Fehler im System“, der bisher im Konflikt mit der dargestellten Gesellschaft gestanden hat. Sein Erfolg beweist, dass das Leben eines Individuums nicht allein durch die Gene determiniert ist und somit auch jene, die aufgrund ihres genetischen Hintergrunds verstoßen und diskriminiert werden, ihren Lebenstraum realisieren können. Dadurch wird das gesamte gesellschaftliche System von Gattaca infrage gestellt.Chloé Zirnstein: Zwischen Fakt und Fiktion. Die politische Utopie im Film. Utz, München 2006, S. 131.
Rezeption
Gattaca erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes größtenteils freundliche Besprechungen und ordnet den Film damit als „Verbrieft Frisch“ ein. Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus.
In der Frankfurter Allgemeine Zeitung lobte Andreas Platthaus die Darsteller und beschrieb den Film als eine Zukunftsvision, die „deshalb so beklemmend ist, weil sie sich in ihrer Ausstattung nur in Nuancen von der Gegenwart unterscheidet“.Andreas Platthaus: Die neue G-Klasse. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Juli 1998, S. 39